Fernsehtipps für den grauen November

Vom 01. bis 15. November 2014…

Sa, 1. Nov · 02:10-03:35 · ZDF
Der Junge im gestreiften Pyjama

Der Holocaust aus der Sicht eines Kindes: Der Sohn (Asa Butterfield) eines SS-Offiziers zieht mit seiner Familie „in den Osten“, wo der Vater (David Thewlis) Kommandant eines Vernichtungslagers wird. Ohne zu ahnen, was in dem KZ vor sich geht, freundet sich der Junge mit einem jungen jüdischen Häftling (Jack Scanlon) an – dem Jungen im „gestreiften Pyjama“. Indem das Drama sich auf die irritierend naive Perspektive eines Kindes konzentriert, macht es die Perversität des industrialisierten Massenmords im „Dritten Reich“ nur um so offensichtlicher und schockierender. Eine berührende Verfilmung des gleichnamigen Romans von John Boyne.

Sa, 1. Nov · 20:15-21:45 · 3sat
Pius XII.

Rom, 1943: Während Papst Pius XII., der sich bezüglich des Kriegsgeschehens für unparteiisch erklärt hat, darum kämpft, die Stadt vor Hunger und Zerstörung zu bewahren, lebt die 22-jährige Miriam mit ihrem kleinen Bruder Riccardo und ihrem Vater Armando in einem jüdischen Ghetto. Nach der Invasion der Amerikaner auf Sizilien, besetzen deutsche Truppen Rom, um den Vormarsch der Amerikaner zu stoppen. Dadurch droht der jüdischen Bevölkerung die Deportation. Ernst von Weizsäcker, deutscher Botschafter im Vatikan, warnt die Generäle Stahel und Wolff, Papst Pius XII. nicht zu unterschätzen. Während Pius XII. Stahel zu einer Audienz lädt, erhält Wolff den direkten Befehl Hitlers, den Papst zu entführen. Miriam und ihr Freund Davide überbringen indes jüdischen Bürgern gefälschte Pässe, als die deutschen Besatzer das jüdische Ghetto räumen. Verzweifelt sucht Pius XII. nach einem Mittel, um die Deportation zu verhindern. Als der polnische Botschafter ein entschiedeneres Vorgehen des Heiligen Stuhls einfordert, wird Pius XII. daran erinnert, dass der Protest der örtlichen Bischöfe in den Niederlanden zur Ermordung zehntausender Juden führte. Am Bahnhof Tiburtina steht unterdessen ein Zug bereit, der über 1.000 Juden abtransportieren soll, unter anderem Miriams Vater. Verzweifelt sieht Miriam dem Zug hinterher. Mit der Deportation der römischen Juden hat General Wolff nur noch eine Aufgabe: Er muss den Papst entführen. Der zweiteilige Fernsehfilm „Pius XII.“ porträtiert das Wirken und Handeln des Vatikanstaates während des Zweiten Weltkriegs. Dabei werden verschiedene Perspektiven betrachtet. Der zweite Teil des Fernsehfilms „Pius XII.“ folgt im Anschluss, um 21.45 Uhr.

So, 2. Nov · 09:30-10:59 · arte
Akte Grüninger

Im August 1938 schließt die Schweiz ihre Grenze für Flüchtlinge – eine lebensgefährliche Katastrophe für Juden aus Deutschland und Österreich. Doch nicht alle Beamten halten sich an die unmenschliche Weisung. Paul Grüninger nutzt bürokratische Lücken und setzt aus moralischer Überzeugung alles auf Spiel. Der historische Paul Grüninger (1891-1972) ging zu Recht als „Oskar Schindler“ des Grenzgebiets zwischen Deutschland und der Schweiz in die Geschichte ein: Er rettete Hunderten Menschen das Leben. 1938 herrscht in Europa noch Frieden. Doch die Judenverfolgung und die Aggression von Nazi-Deutschland werfen ihre Schatten über den Kontinent. Im August versammeln sich im schweizerischen Bundeshaus in Bern die zuständigen Minister und Polizeidirektoren aus 23 Kantonen auf Einladung des Chefs der Eidgenössischen Fremdenpolizei, Heinrich Rothmund, um alarmierende Berichte von der Grenze zu diskutieren: Täglich werden dort zahlreiche jüdische Einreisende verzeichnet. Nach der Versammlung schließt die Schweiz ihre Grenze für Flüchtlinge: Von diesem Moment an darf sie niemand ohne gültiges Visum überschreiten. Zur Überprüfung der bisherigen, illegalen Grenzübertritte leitet Rothmund eine Untersuchung ein. Polizeiinspektor Robert Frei, ein junger, ehrgeiziger und obrigkeitsgläubiger Beamter, wird in den Kanton St. Gallen beordert. Doch weiterhin gelangen Hunderte von Menschen ohne gültiges Visum über die Grenze. In St. Gallen kommt Frei einem Hilfssystem auf die Schliche, das von breiten Teilen der Bevölkerung getragen und vom Kommandanten der Schweizer Grenzpolizei Paul Grüninger ermöglicht wird. Die jüdischen Ankömmlinge werden in einem Lager in Diepoldsau untergebracht, das Grüninger mit Hilfe des Vorstehers der Israelitischen Gemeinschaft, Sidney Dreifuss, in Betrieb hält. Im Laufe der Ermittlungen erhärtet sich der Verdacht, dass Grüninger Dokumente fälscht und Flüchtlinge ohne gültiges Visum hereinlässt. Der St. Galler Polizeihauptmann gesteht Frei zwar seinen Gesetzesbruch – doch er tue dies aus reiner Menschlichkeit und könne nicht anders. Grüningers Standfestigkeit und der Anblick der hilfesuchenden Flüchtlinge lassen bei Frei Zweifel an der Richtigkeit seines Auftrags aufkommen. Soll er den Vorgesetzten seinen Bericht vorlegen? Oder Paul Grüninger decken?

So, 2. Nov · 20:15-22:21 · arte
Die letzte Metro

Paris, 1942: Die französische Hauptstadt ist von deutschen Soldaten besetzt. Marion Steiner leitet in dieser harten Zeit ein kleines Theater auf dem Montmartre. Sie hat es von ihrem Mann, dem deutschen Juden Lucas Steiner, übernommen. Dieser ist offiziell aus der besetzten Zone geflohen, hält sich jedoch im Keller des Theaters versteckt. Durch ein Heizungsrohr verfolgt er die Proben des neuen Stückes „Die Verschollene“, welches das Theater wieder in Schwung bringen soll. Lucas‘ einziges Bindeglied nach außen ist seine Frau Marion, die ihn abends nach den Proben im Keller besucht, für ihn kocht und ihm Mut zuspricht. Im Kontrast zu dieser düsteren Kellerwelt tobt oben auf der Bühne das bunte Theaterleben. Die Schauspieler streiten sich und versöhnen sich wieder, Liebesgeschichten entstehen und lösen sich wieder auf. Gleichzeitig arbeiten alle gemeinsam daran, in der Zeit des Notstands und der Sanktionen zu überleben. In dieser ohnehin schon schwierigen Lage verliebt sich Marion in Bernard Granger, den Hauptdarsteller des Stücks. Granger, Frauenheld und bekannter Schauspieler, ist zugleich Mitglied der Résistance. Und dann versucht auch noch der mit den Nazis kollaborierende Journalist Daxiat, die Leitung des Theaters an sich zu reißen.

Mo, 3. Nov · 07:30-08:00 · RBB Berlin
Synagogen – Monumente gegen das Vergessen

Vor einhundert Jahren prägten Synagogen das Bild der großen deutschen Städte: Jüdische Gotteshäuser im orientalischen, neoromanischen oder neogotischen Stil, gebaut zumeist von christlichen Stararchitekten. Sie waren Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins der jüdischen Gemeinden, aber auch des toleranten Miteinanders zwischen Juden und Christen – nach mehr als 1.500 Jahren der Verfolgung und Diffamierung. Vor einhundert Jahren prägten Synagogen das Bild der großen deutschen Städte: Jüdische Gotteshäuser im orientalischen, neoromanischen oder neogotischen Stil, gebaut zumeist von christlichen Stararchitekten. Sie waren Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins der jüdischen Gemeinden, aber auch des toleranten Miteinanders zwischen Juden und Christen – nach mehr als 1.500 Jahren der Verfolgung und Diffamierung. * 1.700 Snagogen in einer Nacht zerstört Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ändert sich alles. Hitler setzt eine gigantische Maschinerie der Hetze und des Hasses gegen die jüdische Bevölkerung in Gang und findet Millionen von Erfüllungsgehilfen. In nur einer einzigen Nacht werden mehr als 1.700 Synagogen zerstört, wird fast die gesamte jüdische Kultur in Deutschland vernichtet. * Von den Pestpogromen bis zur Reichspogromnacht Der Architekturstudent Marc Grellert will sich damit nicht abfinden. Unterstützt von Professor Manfred Koob, Experte der virtuellen Konstruktion historischer Monumente, bauen Forscher und Studenten der TU Darmstadt zerstörte Grosssynagogen im Rechner wieder auf. Augenzeugen erinnern sich, wie „ihre“ Synagoge ausgesehen hat. * Augenzeugen erinnern an die finsteren Tage vor 75 Jahren Der Film erzählt in eindrucksvollen Bildern und cineastischen Inszenierungen die Geschichte der Synagogen, aber auch der jüdischen Gemeinden in unserem Land. Von den mittelalterlichen Pestpogromen bis zur Reichspogromnacht, dem Terrorakt nationalsozialistischer Willkür. Bewegende Augenzeugenberichte erinnern an die Tage vor 75 Jahren, die zu den dunkelsten in der Geschichte unseres Landes gehören.

Mo, 3. Nov · 20:15-21:45 · SWR BW
Ende der Schonzeit

Ein abgelegener Bauernhof im Schwarzwald 1942. Emma und Fritz sind seit zehn Jahren verheiratet. Die wortkarge, aber gut eingespielte Ehe überschattet der bisher unerfüllte Wunsch nach einem Stammhalter für den Hof. Eines Abends entdeckt der raubeinige Fritz beim Wildern den Juden Albert im Unterholz und bietet ihm kurzerhand ein Nachtlager in der Scheune an. Gegen Emmas Willen schlägt Fritz dem Juden vor, ihm auf dem Hof Unterschlupf zu gewähren. Im Gegenzug soll Albert dem Bauernehepaar bei der harten Arbeit unter die Arme greifen. Fritz findet zunehmend Gefallen an dem Flüchtling, dem er, anders als Emma, vorurteilsfrei begegnet. Die sich langsam entwickelnde Männerfreundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als Fritz den jungen Mann um einen besonderen Gefallen bittet. Albert soll an seiner Stelle mit Emma ein Kind zeugen. Unter zunehmenden Druck stimmt Albert schließlich zu, Emma wird die Wahl gar nicht erst gelassen. Aus dem technischen Begattungsvorgang entwickeln sich ungeahnte Gefühle: Emma entdeckt zum ersten Mal in ihrem Leben die Leidenschaft, Fritz die Eifersucht und Albert die Willkür. Als sich die Schwangerschaft nicht sofort einstellt, wird das Arrangement zur Zerreißprobe für alle Beteiligten.

Mo, 3. Nov · 22:25-23:10 · 3sat
Majubs Reise zu den Sternen

Mohamed Husen wurde in der Kolonie Deutsch-Ostafrika geboren. Im Ersten Weltkrieg war er Soldat für die Deutschen. Damals war er neun Jahre alt. Nachdem Deutschland den Krieg verloren hatte, wurde ihm für seinen Einsatz kein Sold mehr ausgezahlt. Etwa zehn Jahre nach dem Krieg entschloss er sich nach Deutschland zu reisen und seinen ausstehenden Sold persönlich abzuholen. Er kam Anfang der 1930er Jahre in Deutschland an und arbeitete in der Filmindustrie als Statist: Er war Zarah Leanders Chauffeur, Hans Albers‘ Diener und Heinz Rühmanns Liftboy. Nachdem die Idee des erneuten Ausbaus der deutschen Kolonien im Zweiten Weltkrieg in den Hintergrund geraten waren, geriet Husen immer stärker in Konflikt mit den Nazis. Er wurde ins KZ Sachsenhausen deportiert, wo er nach drei Jahren Haft starb. Der essayistische Dokumentarfilm „Majubs Reise zu den Sternen“ erzählt die Geschichte des Afrikaners Mohamed Husen, der in den 1930er Jahren im nationalsozialistischen Deutschland gelebt und in der Filmindustrie als Statist gearbeitet hat.

Di, 4. Nov · 05:10-05:53 · arte
Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra

Vor 15 Jahren wurde das West-Eastern Divan Orchestra in Weimar gegründet. Mittlerweile ist es eine feste Größe in der internationalen Musikwelt. Bei den BBC-Proms 2014 in London feiern Daniel Barenboim und sein Ensemble ihr Jubiläum. Im Mittelpunkt des Programms stehen einige der bekanntesten Orchesterwerke von Maurice Ravel, allen voran das berühmte Stück „Boléro“. Vor 15 Jahren wurde das West-Eastern Divan Orchestra in Weimar von dem Dirigenten Daniel Barenboim und dem Literaten Edward Said gegründet. Mittlerweile ist es eine feste Größe in der internationalen Musikwelt. Mit seinen jungen jüdischen, muslimischen und christlichen Musikern will das Orchester ein Modell dafür sein, dass ein friedliches Zusammenleben der Völker im Nahen Osten möglich ist. Bei den alljährlichen Sommer-Workshops bereiten sich die Musiker auf ihre Konzerttourneen vor. Die musikalischen Proben werden dabei durch Seminare, Vorlesungen und Diskussionen ergänzt. Durch ihre gemeinsamen Auftritte, bei denen Israelis und Palästinenser vor demselben Orchesterpult sitzen, demonstrieren die jungen Menschen, dass gegenseitiges Verständnis und Versöhnung den permanenten Hass und die nicht enden wollende Gewalt überwinden können. Bei den BBC-Proms 2014 in London feiern Daniel Barenboim und sein Ensemble nun ihr Jubiläum. Im Mittelpunkt des Programms stehen bekannte Orchesterwerke von Maurice Ravel, allesamt mit spanischem Flair. Die „Rapsodie espagnole“, entstanden zwischen 1907 und 1908, zählt zu Ravels frühen Kompositionen für Orchester. Das virtuose „Alborada del gracioso“ und die elegische „Pavane pour une infante défunte“ waren ursprünglich Klavierstücke, die er später orchestrierte. Der „Boléro“ schließlich zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Werken der Klassik überhaupt.

Di, 4. Nov · 07:30-08:00 · RBB Berlin
Menschliches Versagen (1/3)

Die Sendereihe von Michael Verhoeven wirft die bis heute beschämende Frage auf, in welchem Ausmaß die Zivilbevölkerung in Nazi-Deutschland zum Profiteur der systematischen Beraubung der Juden in Deutschland und in den besetzten Ländern geworden ist. Die drei Folgen zeigen an konkreten Geschichten die so genannte Arisierung von jüdischem Eigentum und Vermögen, die Ausgrenzung, Entrechtung und schließlich Deportation der jüdischen Bürger in Köln und München.

Di, 4. Nov · 08:55-09:47 · arte
Herrenkinder – Das System der NS-Eliteschulen

Die Schüler der NS-Ausleseschulen, der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten, kurz „Napola“ genannt, und der Adolf-Hitler-Schulen sollten die Elite des sogenannten Tausendjährigen Reiches werden. Viele von ihnen haben dann tatsächlich Elitepositionen in den jungen Nachkriegsrepubliken Deutschland und Österreich erworben. Das Register der Napola-Schüler, die nach 1945 in Wirtschaft, Politik, Militär und Kultur Spitzenfunktionen erlangten und über Jahrzehnte innehatten, ist lang. Ist also das Konzept der Schulen aufgegangen? Und was ist aus „dem anderen Teil“ dieser Erziehung geworden? Da gab es die bedingungslose Identifizierung mit Führer, Volk und Vaterland und den eingetrichterten Glauben an die rassistischen Vorstellungen von Herren- und Untermenschen. Was haben vor allem der paramilitärische Drill, die gezielte Unterwerfung unter die NS-Disziplin und die teilweise brutale Erniedrigung im Schulalltag aus den Zöglingen gemacht? Denn die diesen Internatsschulen anvertrauten Kinder sollten systematisch gebrochen werden, um aus den psychischen Trümmern Herrenmenschen zu schaffen. Die Dokumentation beschreibt die Wirkung nationalsozialistischer Eliteerziehung. Prominente ehemalige NS-Eliteschüler, darunter der ehemalige „Zeit“-Herausgeber Theo Sommer, „Kultur-Papst“ Hellmuth Karasek und der frühere österreichische Justizminister Harald Ofner, schildern – teilweise an den Originalschauplätzen – den Alltag dieser Schulen und reden darüber, welche Folgen diese Schulerfahrung für sie bis heute hat. „Herrenkinder“ ist eine Dokumentation über Destruktivität und den Missbrauch von Kindern. Denn manche Folgen der nationalistischen Erziehungsmethoden sind noch immer nicht überwunden und wirken in den Psychen bis heute fort.

Mi, 5. Nov · 07:30-08:00 · RBB Berlin
Menschliches Versagen (2)

Teil 2 der Dokumentation „Menschliches Versagen“ beschäftigt sich mit der Zeit nach der Reichspogromnacht 1938. Der Staat erhob eine sogenannte Judenbuße dafür, dass die Juden das deutsche Volk „aufgestachelt“ hätten. Der Film zeigt die sogenannte „Arisierung“ von jüdischem Eigentum und Vermögen, die Ausgrenzung, Entrechtung und schließlich Deportation der jüdischen Bürger in Köln und München. Konkrete Geschichten von Betroffenen dokumentieren, in welchem Ausmaß die zivile Bevölkerung in Nazi-Deutschland zum Profiteur der systematischen Beraubung der Juden geworden ist. Teil 2 der Dokumentation „Menschliches Versagen“ beschäftigt sich mit der Zeit nach der Reichspogromnacht 1938. Der Staat erhob eine sogenannte Judenbuße dafür, dass die Juden das deutsche Volk „aufgestachelt“ hätten. Eine Milliarde Reichsmark flossen an die Finanzämter. Zusätzlich verwaltete der Staat 1,5 Milliarden Reichsmark jüdisches Aktienvermögen treuhänderisch – wie es hieß -, wandelte die Aktien eigenmächtig in verzinste Reichskriegsanleihen um. Die Juden durften jedoch weder auf die Zinsen noch auf die Anleihen zugreifen. 1938 wurden Personalausweise in Deutschland eingeführt. Nicht für jeden: Wehrpflichtige Männer bekamen einen und alle jüdischen Bürger. Sie mussten auch einen Fingerabdruck abgeben, ihr Ausweis wurde mit einem großen „J“ versehen. Die deportierten Juden mussten ihr Hab und Gut abgeben. Das löste in der deutschen Bevölkerung eine Goldgräberstimmung aus: Überall wurden Sachen versteigert. Mit dem Vermerk „Nichtarische Herkunft“ hatte das bei vielen einen besonderen Reiz – diese Versteigerungen wurden gut besucht.

Mi, 5. Nov · 23:10-00:50 · BR
Ein Geheimnis

Frankreich, 1955: François, sieben Jahre alt und Einzelkind, kann die hohen Erwartungen seiner sportbegeisterten Eltern nicht erfüllen. Mutter Tania ist eine leidenschaftliche Schwimmerin, Vater Maxime ein ehemaliger Spitzenathlet. Trost findet François bei Louise, der jüdischen Nachbarin und Freundin der Familie. Auch flüchtet sich der Junge zunehmend in eine Fantasiewelt, in der sein imaginärer großer Bruder all die Erwartungen erfüllt, die der schmächtige François enttäuscht. An seinem fünfzehnten Geburtstag erzählt ihm Louise von einem streng gehüteten Familiengeheimnis, mit dem der Junge erstmals von seiner jüdischen Abstammung, der Flucht seiner Eltern vor den Nazis und seinem Halbbruder Simon erfährt. Und Louise berichtet von einer folgenreichen Entscheidung, die Maximes damalige Ehefrau Hannah auf der Flucht vor den Nazis traf.

Do, 6. Nov · 00:50-02:15 · BR
Klaus Barbie: Der Feind meines Feindes

Der am 25. Oktober 1913 in Bad Godesberg geborene und am 25. September 1991 in einem französischen Gefängnis gestorbene Klaus Barbie zählt zu den grausamsten Protagonisten des nationalsozialistischen Terrors. Bereits 1933 spionierte der Lehrersohn Schulkameraden für die gerade an die Macht gekommenen Nazis aus, ab 1940 erwarb er sich als Mitglied des „Sicherheitsdienstes“ der SS sowie als SS-Obersturmführer in den Niederlanden erste Meriten als „Judenjäger“ und Vollstrecker der „Endlösung“. In Belgien folterte Barbie u. a. den österreichischen Schriftsteller Jean Améry, bevor er von November 1942 bis August 1944 als „Schlächter von Lyon“ berüchtigt wurde, als er die Bekämpfung der französischen Résistance mit unfassbarer Grausamkeit und äußerster Brutalität vorantrieb. Ebenfalls verantwortlich war Barbie für die Deportation von 44 jüdischen Kindern aus einem Waisenhaus in Izieu in das Vernichtungslager Auschwitz. Barbie war kein Schreibtischtäter, sondern folterte seine Opfer oft selbst. Umso unfassbarer erscheint es, dass der Massenmörder nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von westlichen Geheimdiensten wie dem US-amerikanischen CIC nicht nur vor der Auslieferung nach Frankreich geschützt wurde, sondern für diese auch als gut bezahlter Berater im Kampf gegen den Kommunismus tätig war. Als es für Barbie in Europa zu gefährlich wurde, gelangte der bis an sein Lebensende überzeugte Nationalsozialist über die sogenannte „Rattenlinie“ nach Südamerika und ließ sich in Bolivien nieder. In den folgenden Jahrzehnten war er als Agent für den US-amerikanischen Geheimdienst und den bundesdeutschen BND tätig und half mit seinen berüchtigten „Verhörmethoden“ bald auch rechtsgerichteten Militärdiktaturen. Erst 1983 gelang es, insbesondere durch das Engagement des deutsch-französischen Ehepaars Beate und Serge Klarsfeld, Bolivien dazu zu bewegen, Barbie nach Frankreich auszuliefern, wo ihm der Prozess gemacht wurde.

Do, 6. Nov · 07:45-08:28 · arte
Die Welt der Oliven – Der Olivenbaum im Heiligen Land

„Die Welt der Oliven“ ist eine Reise rund ums Mittelmeer zu den Olivenhainen und Olivenbäumen, die für ihre Bewohner seit Jahrtausenden Teil ihrer Kultur sind. Oliven sind hier Lebensgrundlage und Grundnahrungsmittel. Die Reihe zeigt, wie die Olive diese Regionen prägt und verbindet und welche Bedeutung der Olivenbaum innehat. Dieser Teil der Reihe führt ins Heilige Land. Bei den Menschen dieser an Konflikten reichen Region, seien sie Juden, Muslime oder Christen, gilt der Zweig des Olivenbaums als Symbol des Friedens. In den heiligen Schriften der drei großen monotheistischen Religionen – in der Bibel, dem Koran und der Thora – finden sich Belege für die große Bedeutung des Olivenbaums. An keinem Ort wird die Begegnung dieser drei Religionen so manifest wie in Jerusalem und seiner Umgebung. Aus diesem Grund führt die Dokumentationsreihe heute ins Heilige Land. Dort treffen die Filmemacher auf Menschen, die den drei genannten Glaubensrichtungen angehören. Sie zeigen dem Zuschauer, welchen Platz der Olivenbaum in ihrem Leben, in ihrer Religion und in ihrer Kultur hat. Die Reise beginnt an der Klagemauer, führt zum Felsendom und dem Garten Gethsemane. Weiter geht es ins nur acht Kilometer entfernte al-Waladscha. Dort hat sich Sala, ein palästinensischer Muslim und Olivenbauer, zum Hüter eines ganz besonderen Olivenbaums erklärt. Dieser bereits 5.000 Jahre alte Olivenbaum ist in ernster Gefahr, denn er soll der Trennmauer zwischen israelischen und palästinensischen Wohngebieten weichen. In Bethlehem lebt der christliche Araber und Zimmermann Johnny Handel, der für Touristen Andenken aus Olivenholz herstellt. Doch derzeit bekommt er zunehmend die Konkurrenz billiger Waren aus Fernost zu spüren. Im Norden von Jerusalem öffnet Chezky Betzalel, ein israelischer Siedler in Talmon, die Tür zu seinem Haus und seinem Olivenhain. Und schließlich besuchen die Filmemacher den Olivenhain des christlichen Palästinensers Daud und dessen Projekt Tent of Nations. Bei allen Unterschieden ist den Menschen, die die Filmemacher in der krisengeschüttelten Region besucht haben, die Liebe zum Olivenbaum gemeinsam. Im Heiligen Land kommt dem Olivenzweig als Symbol des Friedens eine besonders eindringliche Bedeutung zu.

Do, 6. Nov · 14:00-14:30 · ARD-alpha
Der Mühldorfer Todeszug

Leslie Schwartz war damals 14 Jahre alt und wohl einer der jüngsten Gefangenen auf dem Todeszug. Jahrzehnte lang hat er über die Geschehnisse seiner Odyssee durch Oberbayern geschwiegen. Erst durch die Begegnung mit jungen Menschen am Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben erinnert er sich, wie er Auschwitz, Dachau und den Todezug nach Tutzing überlebte. Kurz vor Kriegsende, am 25. April 1945, verlässt ein Zug mit über 3.600 KZ-Häftlingen das KZ-Außenkommando Mühldorf, eines von 169 Außenkommandos des Konzentrationslagers Dachau. In 60 bis 80 Waggons sollen die vorwiegend ungarischen Juden nach Süden, nach Tirol, gebracht werden. Das Ziel: Keiner der Häftlinge soll das Kriegsende überleben. Leslie hat seine Familie in Auschwitz das letzte Mal gesehen, nur durch einen glücklichen Zufall die Selektion an der Rampe von Auschwitz überlebt. Er wird in verschiedene Außenlager des KZ-Dachaus in und um München verbracht, bevor er Anfang 1945 nach Mittergars deportiert wird, welches zum Außenkomplex Mühldorf gehört. Nach einer Irrfahrt in Oberbayern und schweren Bombardierungen durch die Alliierten hält der Zug am 27. April 1945 in Poing. Die Zugwachmannschaft glaubt, dass der Krieg zu Ende sei und öffnet die Waggontüren. „Ihr seid frei“, rufen sie und lassen die KZ-Häftlinge aussteigen. Zurück bleiben die Menschen, die völlig entkräftet, ausgezehrt und krank sind. Leslie ergreift mit einigen Freunden die Flucht. In Poing stationierte SS-Truppen versuchen, der fliehenden Häftlinge wieder Habhaft zu werden und erschießen viele der Häftlinge. Leslie rennt in Gärten, springt über Zäune und wird schließlich doch von einem jungen SS-Mann gestellt. Ohne zu zögern schießt er Leslie eine Kugel in den Kopf: Das Geschoß dringt hinter dem Ohr ein und tritt an der Backe wieder aus. Er bricht zusammen. Der SS-Mann schreit ihn an: „Entweder du stehst auf und gehst wieder in den Zug oder ich erschieße dich!“ Leslie steht auf und steigt wieder in den Zug. Die Jugendlichen des Franz-Marc-Gymnasium haben in jahrelangen Recherchen versucht herausfinden, was sich in diesen letzten Kriegstagen auf den heimatlichen Bahngleisen ereignete. Gemeinsam mit Leslie gehen sie nochmals an die verschiedenen Stationen des Todeszugs, ergänzen die Erinnerungen von Leslie Schwartz durch ihre Archivrecherchen und stoßen bei ihren Gesprächen mit Zeitzeugen auch auf „vergessenen Widerstand“. Am Ende seiner Zeitreise in die Vergangenheit steht für Leslie Schwartz, der heute in den USA und Deutschland lebt, das Verzeihen, das Vergeben: „Markt Schwaben was really the beginning of my wonderful, wonderful experience. I am very greatful to share this experience with todays youth of Germany.“

Do, 6. Nov · 22:25-00:25 · 3sat
Die Frau, die singt – Incendies

Der Letzte Wille ihrer Mutter Nawal, die im kanadischen Exil starb, versetzt die Zwillinge Jeanne und Simon Marwan in tiefes Erstaunen. Notar Jean Lebel, ein enger Freund der Familie, überreicht ihnen zwei Briefe: Einer ist bestimmt für ihren Vater, den sie für tot hielten, der zweite für einen Bruder, von dessen Existenz sie bislang nichts wussten. Diese Briefe müssen laut Nawals Testament erst übergeben werden, bevor ein Grabstein auf ihre letzte Ruhestätte gesetzt werden darf. Um den Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen, bricht Jeanne in den Nahen Osten auf; Simon folgt ihr nur widerwillig. Im Zuge einer ereignisreichen Odyssee durch ein verwüstetes Land finden beide heraus, dass ihre Mutter nach einem politisch motivierten Attentat in einem Spezialgefängnis inhaftiert wurde. 15 Jahre verbrachte sie in Einzelhaft, wurde von einem „Verhörspezialisten“ immer wieder gefoltert. Als Folge mehrfacher Vergewaltigung brachte sie hier Simon und Jeanne zur Welt. Der unbändige Überlebenswillen ihrer Mutter, die sich durch das Singen in der Haft den Verstand bewahrte, beeindruckt die Zwillinge. Die Konfrontation mit der ganzen Wahrheit versetzt beiden jedoch einen Schock, der ihr ganzes weiteres Leben beeinflussen wird. Mit Bildern von unglaublicher Intensität führt der frankokanadische Regisseur Denis Villeneuve im Drama „Die Frau die singt – Incendies“ den Alltag in einem vom Bürgerkrieg verwüsteten Land vor Augen. Die bewegende Filmadaption von Wajdi Mouawads erfolgreichem Theaterstück „Verbrennungen“ („Incendies“) zeigt die blutigen Wirren des Nahostkonflikts im Brennspiegel einer erschütternden Familiengeschichte.

Fr, 7. Nov · 07:30-08:00 · RBB Berlin
„Mein Himmel ist voller Musik …“ – Die israelische Komponistin Ella Milch-Sheriff

Ella Milch-Sheriff wuchs in Israel mit dem Schweigen ihres Vaters auf. Erst als sie sein Tagebuch liest, erfährt sie von seinem grausamen Geheimnis. „Der Himmel ist leer“ hatte Baruch Milch 1942 in Polen in sein Tagebuch gekritzelt, nachdem die Deutschen seine junge Frau und seinen kleinen Sohn ermordet hatten. Das Leben des erfolgreichen jungen Arztes in Ostpolen war zu Ende – er hat überlebt, nicht gelebt. Er wurde ein Anderer. Seine Tochter Ella übersetzt seine Geschichte in ihre Sprache: die Musik. „Mein Himmel ist nicht leer – er ist voller Musik“ erzählt sie der Filmemacherin Aneta Panek. Ein Porträt. Ein Schlager plätschert aus den Lautsprechern am Strand von Tel Aviv. Lachende, Ball spielende, flirtende junge Menschen. Eine mädchenhafte blonde Frau spaziert am Meer. Eine harsche Melodie verdrängt den Schlager. Es ist die Musik, die sie in ihrem Kopf hört. Es ist das Lied, das sie für ihren Vater geschrieben hat. „Der Himmel ist leer“ hatte der verzweifelte Baruch Milch in sein Tagebuch gekritzelt, 1942, nachdem die Deutschen seine junge Frau und seinen kleinen Sohn ermordet hatten. Das Leben des erfolgreichen jungen Arztes in Ostpolen war zu Ende – er hat überlebt, nicht gelebt. Er wurde ein Anderer. Dieser Überlebende gründete in Israel eine neue Familie. Aber er sprach nicht über das was geschehen war. Seine Tochter Ella wuchs mit seinem Schweigen und der vermeintlichen Kälte der Eltern auf, die sie nicht verstand, bis Dr. Milch seiner 13-jährigen Tochter sein Tagebuch in die Hand drückte. Ella erfährt von seiner ersten Familie und von dem unvorstellbaren Grauen, das er durchlebte. Sie erfährt von seinem Geheimnis und sie gibt schließlich diesem schwierigen, schweigenden Vater eine Stimme: in der Sprache, die die heute 56-Jährige am besten beherrscht: der Musik! Mit der Oper „Baruchs Schweigen“ hat sie seine Geschichte und ihre Kindheit verwoben und in Musik übersetzt. Die Filmemacherin Aneta Panek hat die Künstlerin begleitet: in Tel Aviv, nach Braunschweig zur Uraufführung von „Baruchs Schweigen“, nach Ostpolen, auf den Spuren ihres Vaters. Für die Geschichte der Musikerin hat sie assoziative und poetische Bilder gefunden, Film und Musik entfalten eine Sogwirkung. Ella Milch-Sheriff ist eine „Sabra“: Die in Israel Geborenen nennen sich nach der Kakteen-Frucht – außen stachelig und innen süß. In Israel ist die Musikerin und Komponistin von Konzerten, Kantaten, Opern, sehr bekannt. Sie hat u. a. in Berlin studiert, und Deutsch ist eine der vielen Sprachen, die sie spricht. Mit den jungen Sängerinnen und Sängern in Braunschweig probt sie die Szene, in der ihr Vater die „10 Gebote“ formuliert: So hat er sie in sein Tagebuch notiert, als er vom Massaker an seiner Familie erfuhr. Sie singen mit Geisterstimmen: „Du sollst keinen anderen Gott haben als dich selbst“, „Tu nur, was dir selbst nutzt“, „Vertraue keinem“ und: „Glaube nicht – der Himmel ist leer!“. Bei der Premiere verwandelt sich die Braunschweiger Bühne in das polnische Totenhaus von 1942. Was Historiker oder Publizisten häufig als „unfassbar“ beschreiben, hat an diesem Abend die Köpfe und Herzen der Zuschauer erreicht. „Mein Himmel ist nicht leer, mein Himmel ist voller Musik“, sagt Ella Milch-Sheriff in Tel Aviv, am Grab ihrer Eltern. Und lächelt. Versöhnt.

Fr, 7. Nov · 20:15-21:00 · 3sat
Antisemitismus heute – wie judenfeindlich ist Deutschland?

„Es gibt inzwischen No-Go-Areas für Juden“, sagt der Berliner Rabbiner Daniel Alter über seine Stadt. Beispielsweise sind Teile von Wedding und Neukölln mit einem hohen Anteil arabischer und türkischer Migranten sehr gefährlich für Juden geworden. Er selbst wurde vor einem Jahr von arabischen Jugendlichen auf offener Straße brutal angegriffen und verletzt. Filmautor Ahmad Mansour erforscht die Verbreitung von muslimischem Antisemitismus. In Gesprächen mit Jugendlichen stellt sich heraus, dass in vielen muslimischen Familien bis heute Judenhass vorgelebt wird – häufig gestützt von arabischen Fernsehsendern. Jo Goll, TV-Journalist und Experte für Rechtsextremismus, nimmt das rechtsnationale Lager in den Fokus. „Die Juden sind einfach an allem schuld“, tönt es aus diesen Kreisen. Goll spricht mit Aussteigern aus der rechten Szene, besucht ein koscheres Lokal in Chemnitz, dessen Besitzer von massiven Übergriffen berichtet. Dokumentarfilmerin Kirsten Esch will wissen, wie viel Antisemitismus in der „Mitte der Gesellschaft“ zu finden ist. Sie spricht mit Experten und mit Menschen auf der Straße und trifft unter anderem die Linguistin Monika Schwarz-Friesel. Sie hat über 100.000 E-Mails, Leserbriefe und Texte aus dem Internet mit antisemitischen Inhalten und anti-jüdischen Klischees untersucht. Schwarz-Friesen kommt zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass die überwiegende Mehrheit der Verfasser keinem extremen Lager angehört, sondern in der „Mitte der Gesellschaft“ zu finden ist. In der Dokumentation „Antisemitismus heute – wie judenfeindlich ist Deutschland?“ suchen die drei Filmautoren Kirsten Esch, Jo Goll und Ahmad Mansour in ganz unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft nach Hintergründen und Motivation judenfeindlicher Gesinnungen.

Fr, 7. Nov · 21:50-22:35 · ARD-alpha
Die zweite Hinrichtung des Georg Elser – Der schwierige Umgang mit einem Aufrechten

Der Film dokumentiert das Bombenattentat des Schreiners Georg Elser gegen Hitler am 8.Nobember 1939 im Münchner Bürgerbräu-Keller. Er untersucht gleichzeitig, warum dieser Tod in die kollektive, deutsche Erinnerungskultur keinen Eingang gefunden hat und warum Elser Opfer einer Rufmord-Kampagne wurde. „Ich habe den Krieg verhindern wollen“, sagt Georg Elser beim Verhör durch die Gestapo. Am 8. November 1939 hat der schwäbische Kunstschreiner versucht, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller mit einer Bombe zu töten. Das Attentat misslingt. Georg Elser wird an der Schweizer Grenze festgenommen und gesteht die Tat. Die Führungsclique um Hitler ist erschüttert, als klar wird, dass Elser als Einzeltäter gehandelt hat. Hitler persönlich vermutet den britischen Geheimdienst hinter dem Anschlag. So wird Elser für einen Schauprozess nach dem Krieg in KZ-Haft genommen. Kurz vor Kriegsende wird der Attentäter im Konzentrationslager Dachau ermordet. Warum aber hat dieser Widerstandskämpfer bis heute keinen Eingang in die kollektive deutsche Erinnerungskultur gefunden? Nach Kriegsende beginnt eine unwürdige Debatte um die Tat des aufrechten Schwaben. Ihm wird unterstellt, für die Nazis gearbeitet zu haben. Dieses Gerücht verbreitet u.a. der langjährige KZ-Häftling und spätere Kirchenpräsident Martin Niemöller. Er erklärt, sein Mithäftling Elser sei ein Mann der SS gewesen. Weitere Gerüchte über Elsers Hintermänner kursieren. Als 1964 die Verhörprotokolle entdeckt werden, ergibt sich eindeutig, dass Elser als Einzeltäter gehandelt hat. Doch es dauert Jahrzehnte, bis das Opfer einer Rufmordkampagne in der Öffentlichkeit rehabilitiert wird. 1999 spricht ihm ein Politologe in seiner Antrittsvorlesung die Legitimation zu einem Attentat gegen Hitler ab und der Streit um Elser bricht von neuem aus. In ihrer Dokumentation geht Jutta Neupert der Frage nach, warum das Attentat vom Bürgerbräukeller bis heute diskreditiert und geschmäht wird, warum der Widerstand eines einfachen Schreiners aus der Provinz über Jahrzehnte totgeschwiegen oder anders bewertet wurde als der Widerstand der Offiziere. Verkörpert Elser nicht auch die unbequeme Alternative zum sorgsam gepflegten Selbstbild vieler gehorsamer Volksgenossen, die nichts wussten und nichts wagten? Ein Film, der Fragen stellt zum Umgang der Deutschen mit einem Aufrechten.

Sa, 8. Nov · 18:00-18:30 · RBB Berlin
Berlin – Gelobte Stadt – Junge Juden an der Spree

In Berlin gibt es wieder vielfältiges jüdisches Leben. Während der Zuzug aus Osteuropa seit Jahren rückläufig ist, kommen nun vorwiegend junge Israelis. Wir lernen vier junge Juden kennen: Zwei, die hier aufgewachsen sind und zwei Neuberliner aus dem Gelobten Land. Sie machen sich selbständig, sind auf der Suche nach ihrer Identität und wollen die Zukunft mitgestalten. Yorai aus Israel, eröffnet ein Restaurant in Schöneberg, Eyal aus Berlin trainiert die Kids des jüdischen Jugendzentrums für den „Jewrovision Song Contest“. Olga aus Potsdam sucht eine passende Synagoge für sich. Und Eyal aus Israel ist auf der Suche nach einer neuen Heimat. Ihnen allen ist die düstere Vergangenheit dieses Ortes immer bewusst. Aber auch ihre spannende, tolerante Gegenwart. Sie alle leben gern hier und sind längst ein Teil Berlins.

Sa, 8. Nov · 18:20-18:50 · WDR
Hier und Heute: Irgendwo dazwischen

Zurück an die alte Schule? Für Dokumentarfilmerin Jelena Jeremejewa ist das eine Reise an einen ganz besonderen Ort. In der UNESCO-Schule in Essen stand sie vor 20 Jahren mit ihrer Mutter im Sekretariat, um für die Förderklasse angemeldet zu werden. Jelena war zwölf Jahre alt und hatte gerade mit ihrer Mutter Kiew verlassen, um im Ruhrgebiet zu leben. Ein Neuanfang. Die neue Schule war schon damals auf Jugendliche spezialisiert, die eine andere Herkunft haben. Auch heute haben 70% der Schüler auf dem Aufbaugymnasium ausländische Wurzeln, Schüler aus 40 Nationen. Jedes Jahr kommen weitere Kinder und Jugendliche aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt dazu. Ahmed ist zwölf Jahre alt und kommt aus Syrien. Es sind seine ersten Tage an einer deutschen Schule. Jetzt muss er sich auf eine fremde Sprache, fremde Menschen und fremde Strukturen einlassen. Gestern noch war er mit den Eltern und einem Übersetzer zur Anmeldung da. Heute fängt seine erste Deutschstunde in der 7W an, einer altersübergreifenden Klasse, in der Kinder Deutsch lernen sollen. So schnell, wie es eben geht. Auf die UNESCO-Schule in Essen geht auch Arif. Er ist vor mehr als vier Jahren aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Mit 15 Jahren, ohne Eltern, aber mit einem jüngeren Bruder, brachten ihn Schlepper über Pakistan, Iran, Türkei und Griechenland irgendwann nach Essen. Heute sitzen ihm die entstandenen Schulden, die deutsche Bürokratie und noch dazu eine Klausur in seinem Horrorfach „Mathe“ im Nacken. Aber er hat einen Freund gefunden: Johnson, geflüchtet aus Liberia. Die beiden Jungs könnten unterschiedlicher nicht sein, aber ihre Biographien ähneln sich und haben sie zusammengeschweißt. Ariella ist 21 Jahre alt. Sie steht kurz vor dem Abi und hat eine klare Vorstellung von ihrer Zukunft. Sie will Kinder haben, Pädagogik studieren und Erzieherin werden, in ihren jüdischen Kindergarten zurückkehren und den Kindern all das zurückgeben, wovon sie bis jetzt profitiert. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben ihre Eltern Anfang der 90er Jahre die damalige Sowjetunion verlassen, um in Deutschland Medizin zu studieren. Heute ist Ariellas Mutter vom deutschen Bildungssystem mehr als enttäuscht und ihr sind Ariellas Pläne nicht ehrgeizig genug. Mit russischer Strenge hätte sich viel mehr erreichen können, doch genau davor ist Ariella geflüchtet – auf der Suche nach einem eigenen Weg. Autorin Jelena Jeremejewa hat die Sprachlosigkeit und das Alleinsein dieser Schüler erlebt. Sie kennt die Situationen von Ariella, Arif und Ahmed. Mit dem Film tastet sie sich an das Gefühl von damals heran, an das Gefühl des Fremdseins und des Ankommens.

Sa, 8. Nov · 18:45-18:50 · MDR Sachsen
Glaubwürdig: Juri Goldstein

Wie ist es heute, Jude zu sein in Deutschland? Juri Goldstein lebt in Erfurt, und selten hat sich der 31-Jährige bedrohter gefühlt als in diesen Tagen. Die lautstarken antisemitischen Proteste in den Demonstrationszügen gegen Israel haben ihn, wie viele Juden, aber auch Atheisten und Christen in Deutschland, schockiert. Juri Goldstein versucht mit Energie und Geduld, das jüdische Leben in der thüringischen Landeshauptstadt in die Zukunft zu heben. Kein leichtes Unterfangen. Neben seinem Traumjob als Anwalt bedeutet das einen Riesenberg Arbeit. Er packt an, statt zu lamentieren, übernimmt Verantwortung und kümmert sich um sämtliche Ideen und Projekte für Jugendliche. Er arbeitet daran, dass die Jungen sich mehr vernetzen, dass ihre Kultur, ihr Glaube erhalten bleiben. Juri Goldstein wurde nicht in Deutschland geboren, er wuchs in Nikolajew auf, einer Stadt in der Südukraine. Natürlich verfolgt er, was in seiner ehemaligen Heimat passiert, auch wenn er längst hier angekommen, deutscher Staatsbürger und Anwalt in einer Erfurter Kanzlei ist. Er ist kein orthodoxer Jude. Für ihn ist der Glaube ein Kompass, der ihn bestärkt. So engagiert er sich als Kandidat für den Thüringer Landtag, als Demokrat und als Jude. Der Film begleitet den couragierten jungen Mann in seinem Alltag und sucht eine Antwort auf die Frage, wie es ist, heute in Deutschland ein Jude zu sein.

So, 9. Nov · 12:30-13:00 · 3sat
Gescharim bedeutet Brücken

Der israelische Komponist Tzvi Avni wurde 1927 als Hermann Steinke in Saarbrücken geboren. Tzvi Avni ist die hebräische Adaption seines deutschen Namens Hermann Jakob Steinke. 1935 wurde seine Familie aus Deutschland vertrieben und emigrierte nach Israel. Tzvi Avni machte nach dem frühen Tod seines Vaters eine Lehre im Wasserwerk von Haifa. Musikalisch war er zunächst Autodidakt, begann aber schon früh zu komponieren. Es folgten ein Musikstudium, Auslandsaufenthalte und der internationale Erfolg als Komponist. Heute hat sich Tzvi Avni seiner deutschen Heimatstadt wieder angenähert. Er hat vor allem musikalische Verbindungen zum Saarland. Avni ist Träger des Kunstpreises des Saarlandes und Ehrenbürger der Landeshauptstadt Saarbrücken. In Israel hat er sich der Versöhnungsarbeit verschrieben. Zur Jahrtausendwende gründete Avni ein arabisch-jüdisches Jugendorchester, um zwischen Arabern und Juden eine Brücke zu bauen. „Die Künstler, nicht die Politiker, können den Teufelskreis zwischen Gewalt und Gegengewalt im Nahen Osten durchbrechen“, sagt er. Die Dokumentation „Gescharim bedeutet Brücken“ stellt das Leben des israelischen Komponisten Tzvi Avni vor.

So, 9. Nov · 13:05-13:30 · 3sat
Unter dem Davidstern – Die jüdische Gemeinde von Graz

Nur wenige jüdische Familien, die 1938 aus der Steiermark vertrieben worden waren, sind nach dem Kriegsende zurückgekehrt. Die Grazer jüdische Gemeinde setzt sich heute zum überwiegenden Teil aus zugewanderten Familien zusammen. Unter schwierigen Bedingungen versuchen sie, die jüdischen Traditionen aufrecht zu erhalten. Die Dokumentation „Unter dem Davidstern – Die jüdische Gemeinde von Graz“ geht der Frage nach, wie sich jüdisches Leben heute in der Steiermark gestaltet.

So, 9. Nov · 17:35-18:28 · arte
Richard Wagner und die Juden

Obwohl der deutsche Komponist Richard Wagner für seine antisemitische Haltung bekannt war, fanden sich unter seinen begeistertsten Anhängern auch einige Juden. Deren Geschichten erzählt Regisseur Hilan Warshaw nun in seiner Dokumentation, die als erste den Fokus auf die komplexen persönlichen Beziehungen zwischen Wagner und jüdischen Künstlern richtet. Die an Originalschauplätzen in Deutschland, Italien und der Schweiz gedrehte Dokumentation enthüllt dramatische, kaum bekannte Schicksale und stützt sich dabei auf Berichte zentraler Persönlichkeiten, Interviews, Auszüge aus Wagners Opern und unveröffentlichte Aufführungen musikalischer Werke von dessen jüdischen Kollegen. Zusätzlich zu ihrer historischen Perspektive geht die Dokumentation auch auf die noch heute andauernden Kontroversen über Wagner-Aufführungen in Israel ein, die durch die israelische Wagner-Gesellschaft und ihre unermüdlichen Versuche, in Tel Aviv ein Wagner-Konzert zu organisieren, ausgelöst wurden. Experten und bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens kommen zu Wort: die Dirigenten Zubin Mehta, Asher Fisch und Leon Botstein, der jüdische Politiker Jossi Beilin, der Vorsitzende der israelischen Wagner-Gesellschaft Jonathan Livny, der stellvertretende Vorsitzende des Center of Organization of Holocaust Survivors in Israel, Uri Chanoch, sowie einige führende Wissenschaftler.

So, 9. Nov · 22:35-23:05 · ARD-alpha
Arafat – Sieben Leben waren nicht genug

Palästinenser-Präsident Yassir Arafat war ein Meister im Überleben. Er habe mindestens sieben Leben wie eine Katze, sagten Freunde und Bewunderer. Im Alter von 75 Jahren starb er- schwer krank- in einem Pariser Militär-Hospital. Yassir Arafat war ein Symbol, ein Symbol für Stolz und Selbstbewusstsein der Palästinenser, ein Symbol für Terror und Kampf gegen Israel, aber auch immer wieder ein Symbol für das Bemühen um Frieden. 1993 verhandelte er mit dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Rabin und Aussenminister Peres in Oslo. Alle drei bekamen den Friedensnobelpreis dafür. Yassir Arafat – ein Leben auf einem schmalen Grad zwischen Staatsmann und Guerilla. Seine politische Biographie zeigen ARD-Nahost-Korrespondent Jörg Armbruster, Thomas Aders und Andrea Bähner.

So, 9. Nov · 23:45-00:37 · arte
Sir Georg Solti – Für mein Leben habe ich kämpfen müssen

Sir Georg Solti (1912-1997) war einer der herausragenden Dirigenten des 20. Jahrhunderts und galt international als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Musikwelt. Nur wenige Dirigenten von Weltrang können auf eine derartig von Erfolg gekrönte Karriere zurückblicken wie Sir Georg Solti. Allerdings war sein Lebensweg auch von großen persönlichen Opfern und Herausforderungen geprägt. In diesem sehr persönlichen Porträt kommen ihm nahestehende Personen zu Wort wie zum Beispiel seine Witwe Lady Valerie Solti. Sir Georg Solti wuchs als Sohn jüdischer Eltern in Budapest auf. Er studierte Klavier, Komposition und Dirigieren bei Bartók, Dohnányi, Kodály und Leó Weiner an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest. Bei seinem Konzertdebüt trat er als Pianist auf und wurde wenig später von der Budapester Oper als Korrepetitor engagiert. 1937 berief Toscanini ihn zu seinem Assistenten bei den Salzburger Festspielen. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zwangen die ungarischen Judenpogrome Solti 1939 zur Emigration in die Schweiz, wo er jedoch nicht als Dirigent auftreten durfte, weswegen er seinen Lebensunterhalt als Pianist verdiente. Beim Concours International 1942 in Genf gewann er den ersten Preis. Im Jahr 1946 wurde Solti von der amerikanischen Militärregierung aufgefordert, in München eine Aufführung von Beethovens „Fidelio“ zu dirigieren. Der große Erfolg dieser Darbietung führte zu seiner Ernennung zum Leiter der Bayerischen Staatsoper. Weitere Engagements an der Frankfurter Oper und am Londoner Royal Opera House in Covent Garden folgten; trotz schwieriger Bedingungen – praktisch überall musste Solti zunächst gegen Vorurteile ankämpfen – führte er jedes Haus zur Weltspitze. Es schlossen sich Erfolge unter anderem in Wien, Bayreuth und Berlin an. Schließlich begann seine bemerkenswerte Zusammenarbeit mit dem Chicago Symphony Orchestra (Musikdirektor 1969-1991, anschließend ehrenhalber), mit dem er knapp tausend Konzerte bestritt. Sir Georg Solti hinterlässt eine Diskographie mit fast 300 Aufnahmen und wurde hundertfach für den Grammy nominiert. Bis heute hält er den Rekord als Künstler mit den meisten Grammys – unabhängig von der Musikrichtung. Diese Auszeichnung ging 31 Mal an ihn persönlich, einschließlich eines Grammys für sein Lebenswerk, und desweiteren mehrfach an Mitwirkende seiner Einspielungen.

Mo, 10. Nov · 03:20-04:50 · PHOENIX
Molotow – Der Mann hinter Stalin

Eine gleichnishafte Studie über Aufstieg und Fall eines Prototyps: Voller böser, irrwitziger, traurig-komischer Geschichten ist diese sowjetische Biografie. Das Privateste aus dem Kreml ist eingebunden in die großen Ereignisse der Politik. Eigentlich hieß er Skrjabin. Aber so, wie sich Dschugaschwili „Stalin“ nannte, der Stählerne, so nannte er sich „Molotow“, der Hammer. Beide wollten mit ihren Kampfnamen nahe heran an die Arbeiter, und sie würden sich doch weit von ihnen entfernen. In den Namen lag schon alles verborgen: die Härte, die Gewalt, die Unerbittlichkeit, der gnadenlose Terror des Systems. Molotow war der Mann neben und hinter Stalin, und er blieb eine Zeit lang sogar noch mächtig, als Stalin bereits tot war. Er war hartnäckig, direkt, schlagfertig und listig. Nach Außen hin zeigte er sich stets korrekt, freundlich und mit guten Umgangsformen. In den Zeiten der Säuberungen, Geheimprozesse und Massenerschießungen – vor allem 1937 – wurde er der „Buchhalter des Schreckens“ genannt: Er hinterließ Listen mit nahezu 40.000 unterschriebenen Todesurteilen. Kühle Bilanz: „Unsere Fehler, auch die schwersten, waren gerechtfertigt.“ Ab 1930 ist er Ministerpräsident der Sowjetunion, er bleibt dies elf Jahre lang. Später wird er Außenminister. Er verhandelt mit Hitler und von Ribbentrop, mit Roosevelt und Churchill und mit dem japanischen Außenminister. Er wird während des Zweiten Weltkrieges zum Vermittler zwischen Moskau und den anderen Alliierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er zum „Vater“ jener Stalin-Note, die den Westen zum Friedensvertrag mit Deutschland drängen soll. Molotows Frau Polina war im Zweiten Weltkrieg führendes Mitglied des Jüdischen Antifaschistischen Komitees. Nach dem Krieg zog sie den Unwillen Stalins auf sich, wurde wegen „fortgesetzten Kontakts zu jüdischen Nationalisten“ zu fünf Jahren Verbannung verurteilt. Molotow nahm dies mehr oder weniger schweigend hin. Was sie rettete, war Stalins Tod, nicht die Einflussmöglichkeit ihres Mannes. Er hatte sich zur Scheidung zwingen lassen. Vom Zweiten Weltkrieg in den Kalten Krieg – Molotows Leben ist ein Schlüssel zum Verständnis eines Prozesses, der später das Gleichgewicht des Schreckens genannt wird. Nach dem Tod Stalins hatte er zunächst politisch die Abrechnungs- und Korrekturwellen in der kommunistischen Partei überstanden, dann aber folgt sein unweigerlicher Abstieg in mehreren Etappen. Der Dokumentarfilm ist eine gleichnishafte Studie über Aufstieg und Fall eines Prototyps. Voller böser, irrwitziger, traurig-komischer Geschichten ist diese sowjetische Biografie.

Mo, 10. Nov · 14:00-14:30 · ARD-alpha
Es brennt, Brüder, es brennt …

Der Film zeigt die systematische Hetz- und Diffamierungskampagne der Nationalsozialisten gegen die Juden. Ursachen und Geschehnisse des Pogroms, genannt „Reichskristallnacht“, werden nicht isoliert dargestellt, sondern als eine Phase der organisierten Judenverfolgung im „Dritten Reich“. Die antisemitische Rassentheorie des Nazismus, ihre „Anwendung“ durch Verordnungen und Gesetze und die Propaganda in Rundfunk, Presse und Film werden vor Augen geführt. Diese Hetze zeichnet ein Zerrbild, um das Judentum zum diskriminieren und es schließlich zuzuführen, was als „Endlösung“ in die Zeitgeschichte eingegangen ist. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 kam es überall in Deutschland zu organisierten Brandstiftungen, zur Verwüstung von Geschäften und Wohnungen, zu Plünderungen und Massenverhaftungen. Etwa hundert Menschen wurden bei den Ausschreitungen getötet, die Zahl der Verletzten blieb unbekannt, ebenso wie die, die ihrem Leben selbst ein Ende setzten. Die nationalsozialistische Presse bezeichnete diese Ausschreitungen als „spontane judenfeindliche Kundgebungen“, der Volksmund gab der Nacht des Terrors die verharmlosende Bezeichnung „Reichskristallnacht“. Die Sendung zeigt Täter, Opfer, Schaulustige in der konkreten geschichtlichen Situation des NS-Staates, macht ihr Agieren bzw. Reagieren deutlich und gibt zwei Zeitzeugen das Wort: Alfred Jachmann, der den Weg bis Auschwitz gehen musste, und der Berliner Ärztin Hertha Nathorff, die in ihrem Tagebuch die Maßnahmen reflektierte, die sie und ihren Mann dazu veranlassten, das Land zu verlassen.

Di, 11. Nov · 00:40-02:30 · NDR Niedersachsen
Max Manus

Oslo, 1940. Nachdem er im finnischen Winterkrieg gegen die sowjetischen Truppen gekämpft hat, kehrt der Abenteurer und Weltenbummler Max Manus in seine Heimat zurück und findet sich in einem von den Nazis besetzten Land wieder. Manus schließt sich der Widerstandsbewegung an, wird aber bald von der Gestapo ins Visier genommen. Er kann den Deutschen entkommen und gelangt über abenteuerliche Umwege nach Großbritannien, wo er eine militärische Ausbildung erhält. Als Spezialist für Schiffssabotage kehrt er gemeinsam mit seinem Freund Gregers Gram nach Norwegen zurück. In mehreren spektakulären Aktionen gelingt es ihnen, deutsche Versorgungsschiffe im Hafen von Oslo zu versenken. Die immer dreister werdenden Attentate der sogenannten Oslo-Bande machen den Nazis schwer zu schaffen. Manus wird einer der bekanntesten Köpfe des norwegischen Widerstandes und avanciert zum Volkshelden. Unterdessen setzt der Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer alles daran, die Saboteure dingfest zu machen. Um den Rückhalt der Widerständler zu schwächen, startet er grausame Vergeltungsaktionen und lässt Unschuldige foltern. Je mehr seiner Freunde den Nazis zum Opfer fallen, desto unerträglicher werden für Manus der Druck und die Gewissenskonflikte. Allein die Liebe zu seiner späteren Ehefrau Tikken und die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges lassen ihn durchhalten. Manus weiß um die Wichtigkeit seiner Aktionen. Ungeachtet aller Gefahren startet Max Manus im Januar 1945 noch einmal einen waghalsigen Sabotageakt. Sein Ziel: ein strategisch äußerst wichtiges Truppentransportschiff.

Mi, 12. Nov · 01:20-02:13 · arte
J’accuse – Ich klage an (2/2)

„J’accuse – Ich klage an“ von Abel Gance ist ein Klassiker des pazifistischen Films. Der zweiteilige Film entstand 1918 noch auf den Schlachtfeldern von Saint-Mihiel bei Verdun und führt in eindrucksvollen Bildern die Agonie des Krieges vor Augen. Entsprechend stark wurde der Film zensiert. Dank einer aufwendigen Restaurierung des Niederländischen EYE Film Instituts und von Lobster Films, Paris, liegt der Film nun in einer fast vollständigen Fassung vor. Dafür schrieb der französische Komponist Philippe Schoeller eine Film-Symphonie für großes Orchester und virtuellen Chor, die am 8. November 2014 in Paris uraufgeführt wird. So wie Emile Zola öffentlich für den jüdischen Offizier Dreyfus Partei ergriff und das Fehlurteil der Militärjustiz gegen ihn 1898 bloßstellte, so ist auch dieser 1918 entstandene Film ein Fanal der öffentlichen Anklage. Die Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf im Süden Frankreichs kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Zwei Männer rivalisieren um die Liebe einer Frau: der Schriftsteller Jean Diaz und François Laurin, ein aggressiver Charakter. An seiner Seite die unglückliche Edith, die Jean Diaz liebt, aber von ihrem Vater zur Ehe mit François Laurin gedrängt wurde. Als der Krieg ausbricht und François eingezogen wird, schickt er seine Frau zu seinen Eltern nach Lothringen. Die beiden Männer treffen sich an der Front wieder, Jean Diaz als Offizier, François als einfacher Soldat. Ihre private Rivalität wird an der Front zum Problem für die Truppe. Nachdem Jean eine gefährliche Mission für François übernommen und damit dessen Leben gerettet hat, werden die beiden zu engen Freunden. Nach vier Jahren ist Jean krank und wird vorzeitig entlassen. Er kehrt ins Dorf zurück, als seine Mutter stirbt. Edith kommt in derselben Nacht zurück. Sie wurde Opfer einer Vergewaltigung durch deutsche Soldaten und hat nun ein dreijähriges Kind, Angèle. Wie soll sie deren Existenz François erklären, der auch von der Front kommt und Jean in Verdacht hat, Vater des Kindes zu sein? Als François die Wahrheit erfährt, bedroht er Angèle. Jean löst die Situation, indem er François anbietet, gemeinsam an die Front zurückzukehren und das Unrecht an Edith zu rächen.

Mi, 12. Nov · 14:15-14:25 · ARD-alpha
Die Verfolgung Kurt Landauers

Er führte die Bayern zum ersten Meistertitel und doch hätte er beinahe, wie viele andere Juden zu dieser Zeit, sein Leben verloren. Dean ist Abiturient und spielt Fußball beim jüdischen Club Maccabi Haifa München. Und er ist Fan des F.C. Bayern München. Kein Wunder, dass dieser Verein auch Thema seiner Facharbeit wird. Dabei erfährt er, dass ausgerechnet der Präsident, der seine Bayern zum ersten Meistertitel im Fußball führte, nach der Machtergreifung Hitlers ins KZ gesteckt wurde! Dean ist erschrocken und macht sich auf, die Geschichte Karl Landauers zu erforschen. Er trifft dabei auf den Filmemacher Hans Steinbichler, der sich intensiv mit dem legendären Bayern-Präsidenten beschäftigt hat und einen Kinofilm über dessen Leben gedreht hat. Am Beispiel des Schicksals von Karl Landauer lernt er die menschenverachtende Ideologie der Nazis kennen und erfährt , wie systematisch die jüdische Bevölkerung verfolgt wurde.

Mi, 12. Nov · 23:15-00:55 · RBB Berlin
Ehe im Schatten

Der Film erzählt vom Schicksal des bekannten Bühnen- und Filmschauspielers Joachim Gottschalk. Seine Frau war Jüdin. Die Nazis verlangten von ihm die Scheidung. In dieser ausweglosen Lage wählten beide für sich und ihren Sohn den Freitod. Der Film variiert diese wahre Geschichte und konfrontiert die deutschen Zuschauer erstmals nach dem Krieg mit dem Thema Antisemitismus. Am 3. Oktober 1947 hat der Film „Ehe im Schatten“ gleichzeitig in allen vier Sektoren Berlins seine Premiere. Der erste Spielfilm des jungen Regisseurs Kurt Maetzig ist in jener Zeit ein Politikum. International erreicht er ein Millionenpublikum. Auch das Tribunal der Nürnberger Prozesse schaut ihn sich an. Heute wird „Ehe im Schatten“ uneingeschränkt zu den Klassikern des deutschen Nachkriegsfilms gezählt.

Fr, 14. Nov · 08:55-10:12 · arte
Trockengelegt – Konfliktherd Totes Meer

Sein Meeresspiegel sinkt jedes Jahr um einen Meter: Wenn nichts unternommen wird, ist das Tote Meer in 30 Jahren nur noch ein Teich. Die Dokumentation zeigt, dass das allmähliche Austrocknen des Toten Meeres eines der brisantesten Probleme des Nahen Ostens symbolisiert: Wasserknappheit. Wasser ist in dieser Region der Welt ein Konfliktherd: Es gilt das Gesetz des Stärkeren. Am schlimmsten trifft es derzeit die Palästinenser. Das prognostizierte Verschwinden des Toten Meeres ist von Menschen verursacht: Chemiefabriken mit Sitz in Jordanien und Israel gewinnen Mineralsalze aus dem Meer und beschleunigen damit die Verdunstung des Wassers. Der Jordan, der das Tote Meer jahrhundertelang mit Süßwasser speiste, kommt nur noch als stinkendes Rinnsal hier an. Er wird in seinem Verlauf von allen Nachbarstaaten angezapft, um den Bedürfnissen einer nicht ans Klima angepassten Landwirtschaft gerecht zu werden. Dabei sind Lösungen möglich, insbesondere der Bau eines Kanals zwischen dem Roten und dem Toten Meer. Damit könnten starke Wasserkraftwerke betrieben werden, um das Meerwasser zu entsalzen, die gesamte Region mit Trink- und das Tote Meer mit Frischwasser zu versorgen. Aber es gibt eine Voraussetzung: Alle Anrainer des Toten Meeres – Jordanier, Israelis, Palästinenser – müssten sich einigen, um diese Lösungen mit Unterstützung der Weltbank umzusetzen. Dann würde das Tote Meer zur Lebensquelle. Der Spiegel des Toten Meeres liegt 400 Meter unter dem anderer Meere, seine Landschaften sind von atemberaubender Schönheit, sein Wasser hat einzigartige heilende Eigenschaften. Die Katastrophe betrifft eine der Wiegen unserer Zivilisation und einen „Finalisten“ der sieben neuen Weltwunder.

Sa, 15. Nov · 22:30-00:00 · PHOENIX
Die Arier

Der Dokumentarfilm ist eine persönliche Reise auf der Suche nach den Ursprüngen des Arierbegriffs und dessen Missbrauch durch Rassisten in Deutschland und den USA. Die afrodeutsche Regisseurin Mo Asumang konfrontiert Rassisten mit scheinbar arglosen Fragen. Sie sucht nach den Menschen, die hinter der hasserfüllten rechten Ideologie stehen. Alle 30 Minuten findet in Deutschland eine rechtsextreme Straftat statt. So erhielt die afrodeutsche Regisseurin selbst eine Morddrohung von den „White Aryan Rebels“. Die Unterstützer der NSU-Terrorzelle sind Mitherausgeber des Nazi-Magazins „The Aryan Law & Order“. Bei der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe findet man einen Artikel, der die „arische Rasse“ erklärt. Und in den USA werden unzählige Morde durch „Aryan Hate Groups“ verübt. Die Filmemacherin Mo Asumang findet, es sei an der Zeit, der Sache mit den Ariern auf den Grund zu gehen. In einer persönlichen Reise begibt sie sich auf die Suche nach den Ursprüngen des Arierbegriffs und dessen Missbrauch durch Rassisten in Deutschland und den USA. Sie besucht Demonstrationen und Propaganda-Veranstaltungen der selbsternannten Arier in Gera, Wismar und Potsdam, wo sie jedoch nur Schweigen und Ablehnung erntet. Sie forscht in Archiven und reist schließlich in den Iran, wo sie alte Inschriften findet, die den Ursprung des Arierbegriffs bezeugen und ihm eine ganz andere Bedeutung geben. In den USA trifft sie sich mit dem Ku-Klux-Klan und einem Top-Rassisten von schauerlichem Weltruf: Tom Metzger, dem Gründer der „White Aryan Resistance“, dessen Ziel es ist, mit der sogenannten „Lone-Wolf“-Taktik eine „arische“ Revolution zu starten.