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Hommage an אבא, Tata, Papa

Vernissage der Künstlerin Anat Manor…

Mittwoch, 15. Oktober 2014, um 19.00 Uhr
Botschaft von Rumänien
– Dorotheenstraße 62-66, 10117 Berlin –

Einführung:
Dr. Frauke Dettmer, ehemalige Leiterin des Jüdischen Museums Rendsburg

Anmeldung bis 10. Oktober 2014 per E-Mail: berlin.rsvp@mae.ro

Hommage an אבא, Tata, Papa

Menashko bzw. Mansac ist der rumänische Name meiner Familie. Diese fremdartig klingenden Silben waren mir in meiner Heimat Israel als Kind peinlich. Ich kann mich gut erinnern, dass Kinder über meinen Namen gelacht und die Lehrer ihn falsch ausgesprochen haben. Mit 16 Jahren ging ich ins Innenministerium, um meinen Namen offiziell ändern zu lassen. Die Behördenvertreter zeigten sich schockiert und forderten mich auf, entweder mit meinen Eltern zurückzukommen oder solange zu warten, bis ich 18 sein würde. Ich habe es vorgezogen zu warten. Damals litt ich unter Minderwertigkeitsgefühlen und lief im Gesicht rot an, sobald ich gefragt wurde, woher meine Eltern stammen.

Erst in Deutschland sollten sich meine ambivalenten Gefühle auflösen. Meinen ersten deutschen Herbst verbrachte ich als Stipendiatin in Rendsburg; die dunkle Jahreszeit erlebte ich als kalt und deprimierend. An einem dieser Novembertage erfuhr ich von einem Balkantanz- und Musikabend. Spontan ging ich los und fühlte mich der Musik sogleich sehr verbunden. Ich kaufte zwei Kassetten: eine für meinen Vater und eine für mich. Seither gefällt es mir, Israelin und Rumänin zu sein.

Mein Vater Yeshayahu, genannt Saica, ist im rumänischen Tecuci geboren. Im Mai 1948 wanderte er im Alter von 17 Jahren allein nach Israel aus.

Saica war Zahntechniker; großer wirtschaftlicher Erfolg blieb ihm allerdings versagt, denn er hatte Mitleid mit seinen Patienten und verzichtete manchmal auf sein Honorar. „Meine Patienten sind arm“ sagte er dann zu mir. Ich erwiderte: „Du bist aber kein Sozial-Service, Papa!“ Saica war immer für seine Patienten da: Tag und Nacht, auch an Wochenenden und Feiertagen – zu niedrigen Honorarsätzen. Mein Vater war schwer davon zu überzeugen, sich für seine qualitativ hochwertige Arbeit angemessen honorieren zu lassen. Sein „großes“ Geld wollte er im Lotto gewinnen – in naiver Weise glaubte er, dass es so kommen werde. Ich habe Saica als sehr menschlich, sensibel und bescheiden erlebt, aber auch als humorvoll, lustig und großzügig. Mein Vater war auf eine Art sehr zart und scheu und fiel durch philosophische Gedankenblitze und lebenskluge Sprüche auf. Manchmal war er auch etwas impulsiv. Er hat das Leben geliebt, obwohl er von einem schweren Leben gezeichnet war.

Die Ausstellung hat einen persönlichen Ausgangspunkt: Ich widme sie meinem Vater. Zugleich ist die Ausstellung auch eine Hommage an Einfachheit, Bescheidenheit und Menschlichkeit. Thematisiert werden Erfahrungsräume wie Heimat, Wurzeln, Sprache, Integration – visualisiert in einer Installation, die aus unterschiedlichen Komponenten besteht: Fotos, Zeichnungen, Objekte und Gemälde. Saicas hinterlassene Arbeitsmaterialien und Werkzeuge werden zu Kunstwerken transformiert.

Hommage an אבא, Tata, Papa

Die Ausstellung kann nach vorheriger Anmeldung auch zu einem späteren Zeitpunkt bis 15.11. (nach Vereinbarung unter E-Mail: iulian.costache@mae.ro) besichtigt werden.