Gott und die israelische Feinkostmafia

Wer sich interreligiĂśs weiterbildet, kann eine Menge lernen. Heute: der Blick in christliche Lebenswelten…

Von Ramona Ambs

Ich hab heute wieder mal ne Menge gelernt. 🙂

Über Gott, also den christlichen Gott, … – der mit dem Sohn und dem heilligen Geist. Der ist voll geschäftstĂźchtig. Und außerdem kontaktfreudig und so orginell!

KĂźrzlich…. naja, also 1996, in Ejn Gedi im heilligen Land, da hat er einem seiner Schäfchen, also einer Schäfin (oder wie nennt man die weiblichen christlichen Anhängerinnen?) direkt einen Auftrag erteilt. Mitten in der Oase! Er hat ihr gesagt, sie solle in Hof, in Deutschland, einen Israelladen erĂśffnen. Mit lauter Produkten aus Eretz Israel.

Israelladen
Screenshot:  https://www.israelladen.de/xist4c/web/Der-Israelladen-in-Hof_id_23108_.htm

Warum der christliche Gott ausgerechnet Waren aus Israel promoten will und das wiederum ausgerechnet in Hof an der Saale, bleibt ein christliches Mysterium, aber ich muss schon sagen: als Produktmanager wĂźrde sich dieser Gott gut machen. Vor allem, weil er offenbar auch auf Nachhaltigkeit bedacht ist und seine Projekte weiter betreut. So genĂźgte ihm 2008 „ein kleiner Fingerzeig“, um einen Nachfolger fĂźr den Israelladen zu finden, was fĂźr eine hohe Effizienzrate seines gĂśttlichen Wirkens spricht. So richtig gut hingesehen hat der christliche Gott allerdings nicht bei der Wahl des Nachfolgers. Markus BĂźttner, der den Laden jetzt fĂźhrt, hat in seinem Religionsunterricht offenbar nicht gut aufgepasst. Das mit der Israelliebe hat er zwar voll drauf, aber die Sache mit der christlichen Nächstenliebe hat er nicht so richtig verstanden scheint mir…:

Israelladen
Israelladen
Screenshot: https://www.facebook.com/israelladenengedi.markusbuttner

Aber egal. Um ein Geschäft zu führen- und darum gings ja bei dem Fingerzeig- braucht man seinen Nächsten und Übernächsten nicht zu lieben. Wichtig ist, man schafft sich einen festen Kundenstamm und bedient diesen mit seiner eigenen Weltsicht.

In diesem Sinne ist es denn auch nur folgerichtig, wenn man einen Judaica-Koffer im Angebot hat:

„ReligiĂśse Kultgegenstände des Judentums zum Anfassen“, darunter eine Menorah, ein Tallith, ein Schofar, eine Kippa usw…. Diesen Koffer gibt es zum Schnäppchenpreis von 332 €, wobei man den Koffer drumrum nochmal fĂźr 15 € extra kaufen muss. Ist ja klar, sonst kullern die ganzen jĂźdischen Kultgegenstände durch die Gegend und dann wird das schwierig mit dem Anfassen. Es gibt Ăźbrigens- und es ist mir als JĂźdin wichtig, an dieser Stelle einmal ganz allgemein darauf hinzuweisen: es gibt kein haptisches Feedback bei jĂźdischen Kultgegenständen, will heißen: die Menorah vibriert nicht, wenn sie in der Hand liegt,- darauf wird vom Laden her leider nicht hingewiesen,  dabei kĂśnnten so Enttäuschungen bei der anfassfreudigen Kundschaft vermieden werden. Aber vielleicht ist das aus Sicht der Israelladenbetreiber ein verzichtbares Detail, denn immerhin gibt es zusätzlich zum Koffer jeweils ein Infopaket, Fähnchen, Luftballons und die Preisliste. Wer danach nichts vom Judentum versteht, hat Pech gehabt… oder muss eben warten, bis der christliche Gott mal wieder mit dem Finger zeigt…

P.S. -Mich wĂźrde ja nicht wundern, wenn demnächst irgendwo wieder irgendeiner vermuten wĂźrde, dass hinter diesem christlichen Gott der Mossad oder aber die israelische Feinkostmafia steckt…

Aber ich schwĂśre: wir hab nix damit zu tun!