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Fernsehtipps für den Oktober

Vom 01. bis 15. Oktober 2014…

Mi, 1. Okt · 14:15-15:15 · RBB Berlin
Planet Wissen: Mein Großvater, der KZ-Kommandant

Beim Stöbern durch die Regale einer Bücherei entdeckte Jennifer Teege ein Buch, das ihr Leben veränderte. In diesem Buch erfuhr sie: Ihr Großvater ist der KZ-Kommandant Amon Göth – weltweit bekannt durch den Film „Schindlers Liste“. Jennifer Teege war damals 38 Jahre alt. Ihre Mutter hatte sie als Baby in ein Heim gegeben – ihr Vater stammt aus Nigeria. Liebevoll umsorgt wuchs Jennifer Teege dann in einer Adoptivfamilie auf. Dort wurde ihre leibliche Familie zum Tabuthema erklärt. Umso tiefer saß der Schock, als sie nun erfuhr, dass ihr Großvater der KZ-Kommandant war, den sie selbst auch aus „Schindlers Liste“ kannte. Und dass ihre Großmutter, die einzige aus ihrer leiblichen Familie, die sie in liebevoller Erinnerung hatte, die Frau an der Seite des brutalen Mörders war. Jennifer Teege, die in Israel studiert hat, muss jetzt ihr Leben, ihre Gedanken und auch die Beziehung zu ihrer leiblichen Mutter komplett neu ordnen. Ein riesiger Kraftakt.

Mi, 1. Okt · 22:55-00:32 · arte
Serge Gainsbourg – Refrain eines Lebens

Eine neue Autobiografie mit Serge Gainsbourg: In Form einer Ich-Erzählung setzt sich aus bereits bekannten oder noch nie gehörten Äußerungen Gainsbourgs mosaikgleich das Leben des Künstlers zusammen. Die geschickte Montage lässt das zwischen den Zeilen Gesagte hören und gibt den Blick auf neue Zusammenhänge frei. Ein Film, wie ihn Gainsbourg vermutlich gerne selbst über sich gemacht hätte. Serge Gainsbourg war nicht nur der bedeutendste Chansonnier Frankreichs, sondern auch das berühmteste Enfant terrible der Nation. Pierre-Henry Salfatis nuancenreiches Porträt ist eine Autobiografie des Chansonniers und Schauspielers, Künstlers, Komponisten und Schriftstellers. Mit Hilfe von Ausschnitten aus Fernseh- und Radiointerviews sowie teils unveröffentlichten Archivaufnahmen und Filmsequenzen zeichnet er die Karriere des Künstlers von seinen Anfängen in Pariser Nachtclubs bis zu seinem Tod 1991 nach. Am Anfang seines Werdegangs war eine der Hauptbeschäftigungen die Malerei. Er bewunderte Francis Bacon, Fernand Léger und Gustave Courbet. Bei André Lhote und Fernand Léger lernte er malen, mit Salvador Dalí war er befreundet. Erst Boris Vian brachte ihn 1958 von der Malerei ab und führte ihn zum Chanson. 1957 begleitete er die Sängerin Michèle Arnaud am Klavier bei mehreren Auftritten in verschiedenen Pariser Nachtclubs. 1958 nahm sie auch einige seiner Lieder auf Schallplatte auf und war damit die erste Künstlerin von vielen, die Chansons von Gainsbourg interpretierten. 1965 gewann er mit France Gall und dem Lied „Poupée de cire, poupée de son“ den damaligen Grand Prix Eurovision de la Chanson. Zusammen mit Jane Birkin sang Gainsbourg einige seiner größten Erfolge, wie zum Beispiel „Je t’aime … moi non plus“ im Jahr 1969. Das Lied, in dem das Paar mehr stöhnt als singt, verkaufte sich über eine Million Mal und machte Birkin zum Sexsymbol. Aus dem Off kommentiert Gainsbourg sein eigenes Leben, mal ironisch, mal sanft oder melancholisch: Geboren als Lucien Ginsburg, als Sohn russisch-jüdischer Immigranten, berühmt geworden als Serge Gainsbourg. Gainsbourg war ein Bohemien, der die Republik mit manchen gesellschaftlichen Tabubrüchen schockierte, und ein Idol für die Jugend seiner Zeit. Er schuf sich durch sein Lied „Ecce Homo“ (1981) ein Alter Ego, das er zu Lebzeiten Gainsbarre nannte. Gemeint war der Kettenraucher, Kampftrinker und Frauenheld Gainsbourg. Gainsbourgs Lieder haben auch 20 Jahre nach seinem Tod nicht an ihrer Kraft verloren: In Frankreich gilt er bis heute als einer der einflussreichsten und kreativsten Singer-Songwriter seiner Epoche.

Do, 2. Okt · 22:30-23:15 · BR
LIDO: Lion Feuchtwanger – Geachtet & geächtet

In Dietrich Leubes Dokumentation kommentieren u. a. Tilman Spengler, Marcel Reich-Ranicki, Schüler des Münchner Lion-Feuchtwanger-Gymnasiums, und die „Biermösl-Blosn“ die Bedeutung des Schriftstellers Lion Feuchtwanger aus heutiger Sicht. Aufzeichnungen von Gesprächen mit Marta Feuchtwanger, die ihren Mann um drei Jahrzehnte überlebt hat, Ausschnitte aus Romanverfilmungen und historisches Filmmaterial tragen schließlich dazu bei, das Bild eines der erfolgreichsten Münchner Schriftstellers des 20. Jahrhunderts zu vervollständigen. 1925 folgte der gebürtige Münchner Autor Lion Feuchwanger aus bürgerlich-jüdischem Milieu, bedrängt vom zunehmend stickigen Klima in der „Hauptstadt der Bewegung“, seinem Freund Brecht nach Berlin. 1930 erschien mit „Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz“ der erste Teil der „Wartesaal“-Trilogie. 1933 aus Deutschland vertrieben, vollendete er im französischen Exil die beiden anderen Teile. In „Die Geschwister Oppermann“ schildert er Schicksale einer jüdischen Unternehmerfamilie, in „Exil“ die Situation deutscher Emigranten in Paris. Nach der Besetzung Frankreichs gelang ihm die Flucht in die USA, wo er dank der Honorare seiner in hohen Auflagen übersetzten historischen Romane (Josephus-Trilogie, Jud Süß, Goya, Rousseau, Die Jüdin von Toledo) eine gesicherte Existenz aufbauen konnte. Als er 1958 starb, füllte seine kalifornische Villa eine Bibliothek von 35.000 Büchern. Die bayerische Heimat hat der Staatenlose nie wieder gesehen.

Fr, 3. Okt · 22:35-00:15 · 3sat
Jeder stirbt für sich allein

Otto Quangel und seine Frau Anna sehen ihren Sohn zum letzten Mal, als dieser im Jahre 1940 während eines Urlaubs in Berlin seinen Marschbefehl erhält. Bald darauf erreicht sie die Nachricht, dass er in Frankreich gefallen ist – „für Führer, Volk und Vaterland“, wie es im offiziellen Schreiben der Heeresleitung heißt. Für Anna bricht mit dem Tod ihres einzigen Kindes die Welt zusammen. In ihren Augen ist der pathetisch proklamierte „Heldentod“ nichts weiter als ein Mord, den Hitler zu verantworten hat. Als ihr ein Stapel unbenutzter Feldpostkarten in die Hände fällt, schreibt sie auf eine von diesen, wie ihr zumute ist: „Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet …“ Sie legt die Karte heimlich in der Stadt ab, in der Hoffnung, ein paar Menschen auf diese Weise aus ihrem blinden Glauben an Hitler wachrütteln zu können. Ihr Mann, Werkmeister in einem großen Tischlereibetrieb, in dem kriegsbedingt vorwiegend Särge produziert werden, schließt sich seiner Frau an. Die beiden deponieren Karten mit ihrem persönlichen Aufruf zum Widerstand an vielen Stellen der Stadt. Die Suche nach dem „Klabautermann“, wie die Gestapo die unbekannten Schreiber der Karten nennt, fällt zunächst schwer. Die meisten Protestschreiben werden von obrigkeitshörigen Bürgern bei der Polizei abgeliefert. Als Kommissar Escherich mit Hilfe des schmierigen Hauswarts Borkhausen den Quangels dann doch auf die Spur kommt, landet das Ehepaar vor dem „Volksgerichtshof“. Die Verhandlung ist eine bloße Farce, das Todesurteil gegen beide steht längst fest. Alfred Vohrer hat Hans Falladas 1947 erschienenen Roman „Jeder stirbt für sich allein“ über zwei einfache Menschen aus dem deutschen Widerstand mit Hildegard Knef, Carl Raddatz, Martin Hirthe und Brigitte Mira namhaft besetzt und überzeugend verfilmt. Dabei hat er ein breites Spektrum damaliger politischer Wirklichkeit ausgeleuchtet, von den Opfern der Naziherrschaft über opportunistische Mitläufer und Gesinnungsgenossen bis zu den Tätern.

So, 5. Okt · 22:50-23:42 · arte
Durch die Nacht mit … Joann Sfar und Javier Mariscal

Fantasievoll, rasant, pulsierend. Mit dem französischen Comic-Künstler Joann Sfar und dem spanischen Designer Javier Mariscal wird der Streifzug durch das nächtliche Barcelona zu einem wilden Comic-Strip. Es geht um fantastische Literatur und Vampirsagen, sprechende Lampen oder die Poesie einer Gartenbank. Die motivhungrigen Zeichner tauchen ein in das Universum Mirós, schwelgen im Retro-Design, lassen sich von einer Klezmer-Band inspirieren und schweben in den Sonnenuntergang hoch über dem Hafen der Metropole. Von Mariscals Kreativlabor in einem alten Industriepark ziehen sie zu Barcelonas Special-Effect-Gurus. Leidenschaftlich diskutieren sie die gefühlvollen Filmfiguren aus Mariscals „Chico & Rita“ und die surrealen Animationen von Sfars „Gainsbourg“. In einer kubanischen Bar lassen sie mit Regisseur Fernando Trueba die wilde, extrovertierte Zeit des kubanischen Jazz wieder aufleben. Es geht um kulturelle Klischees, Symbole, Visionen, und Sfar, dessen populärstes Werk sich um das Judentum dreht, bekennt „kein bisschen religiös“ zu sein. Vor allem aber wird gezeichnet. Immerzu und überall. Auf Tischdecken, Fenster, Telefonhörer. Das pulsierende Barcelona ist ein unerschöpflicher Quell an Motiven. Wo das Zeichnen für Sfar ein Weg ist, an die Realität heranzukommen und den Fluss der Zeit anzuhalten, macht Mariscal ein Spiel daraus, jedem Ding ein kleines Lächeln zu verleihen. So entsteht im Lauf dieser spanischen Nacht ein heiteres, visuell opulentes Portfolio, das von einer Stadt erzählt, die vor Lebenslust und Modernität vibriert und in der man sich zu vergnügen versteht.

Mo, 6. Okt · 01:45-03:42 · arte
Die Frau des Anarchisten

1937: Es ist Nacht in Madrid. Justo und Manuela, ein junges Paar, lieben sich leidenschaftlich. General Franco steht mit seinen Truppen vor den Toren der Stadt. Justo ist ein engagierter Rechtsanwalt – sein Herz schlägt für die Hilflosen der Welt. Längst hat sich der Sohn einer angesehenen Familie als Anarchist den Republikanern angeschlossen. Vor der Stadt kämpft er gegen die Franco-Truppen. Vergeblich hat er versucht, seine Frau zur Flucht zu überreden. Sie aber will unbedingt in seiner Nähe bleiben. Heimlich ist er in die belagerte Metropole zurückgekehrt, um seine Familie zu sehen. Freiheit und Gerechtigkeit sind in seinen Augen die wichtigsten Güter, für die er sein Leben aufs Spiel setzt, so dass er Manuela bereits am nächsten Morgen verlässt, um gegen Francos Truppen zu kämpfen. Manuela bleibt ohne Lebenszeichen von ihm. Manuelas höchstes Ziel auf Erden ist die Liebe zu ihrem Mann. Diese Leidenschaft lebt unerschütterlich in ihr. Immer verzweifelter sucht sie nach Justo. Ihr Schwager Francisco, Justos Bruder und ein Franco-Anhänger, will die schöne, sinnliche Frau heiraten und versucht ihr einzureden, ihr Mann sei tot. Sie will ihm nicht glauben. Die Erniedrigungen, den Abstieg in die Armut und die tägliche Bedrohung des Lebens erträgt sie in der unglaublichen Hoffnung, dass Justo eines Tages heimkehrt … Justo ist seiner Mission treugeblieben. Sein Weg hat ihn vom Bürgerkrieg in Spanien über die französische Résistance gegen das Naziregime bis ins Konzentrationslager Mauthausen nach Österreich gebracht. Zu Hause ist seine Tochter Paloma, die er das letzte Mal als kleines Kind gesehen hat, zu einer kämpferischen jungen Frau herangewachsen. Sie verehrt den fernen, unbekannten Vater. Mit Mut und Verstand trotzt sie den Widrigkeiten ihres Alltags. Nach zwölf bitteren Jahren entdeckt Manuela ein Bild von Justo in der Zeitung. Es zeigt ihn als einen der Befreiten von Mauthausen. Justo hat nun in Frankreich Zuflucht gefunden, bei „Lenin“, einer Deutschen, mit der er in der Résistance gekämpft hat. In der französischen Provinz kommt es zum langersehnten Wiedersehen. Manuela ist von ihrer ungebrochenen Liebe beseelt. Justo verfolgt trotz seiner Kriegsverletzung weiterhin unbeirrt seine Ideale, nur Paloma ist von ihrem Vater tief enttäuscht. Erst als Paloma von seinem wahren Engagement erfährt, verbündet sie sich mit ihm in seinem Kampf. Ende der 70er Jahre beginnt sich in Spanien langsam durchzusetzen, wofür Justo sein Leben lang gekämpft hat.

Mo, 6. Okt · 08:55-10:30 · arte
„Töte zuerst!“ Der israelische Geheimdienst Schin Bet

Zu den Aufgaben des israelischen Inlandsnachrichtendienstes Schin Bet zählen Terrorismusbekämpfung, Spionageabwehr und Aufklärung staatsfeindlicher Aktivitäten. Seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 untersteht Schin Bet auch die gesamte nachrichtendienstliche Tätigkeit in den besetzten Gebieten (Westjordanland und Gazastreifen). Erstmals äußern sich in diesem Film Führungskader von Schin Bet, der generell unter größter Geheimhaltung agiert. Im nationalen Diskurs Israels spielen die Sicherheitskräfte gewöhnlich eine überdimensionierte Rolle. Zwei dieser Organe – Armee und Mossad – umgibt eine geradezu legendäre Aura. Nach dem Sechs-Tage-Krieg wurde jedoch das für die innere Sicherheit zuständige Organ Schin Bet zur zentralen Größe in den Diskussionen der israelischen Entscheidungsträger. Seit die israelischen Truppen 1967 einen triumphalen Sieg über die Nachbarländer davontrugen, überwacht der Nachrichtendienst eine zahlreiche, feindlich gesinnte Bevölkerung in den von Israel besetzten Gebieten. Es ist die Aufgabe von Schin Bet, diese Bevölkerung in friedlichen Zeiten wie in Unruheperioden unter Kontrolle zu halten. „Töte zuerst!“ erzählt die Geschichte dieses vielleicht aktivsten, zweifelsohne aber geheimsten Organs der israelischen Sicherheitskräfte aus der Perspektive seiner leitenden Kader, die das Vertrauen der politischen Eliten des Landes mehr als alle anderen genießen. In einer Reihe von Interviews berichten sechs hochrangige Schin-Bet-Offiziere ohne Umschweife über bedeutende Ereignisse in ihrer Amtszeit. Dabei sprechen sie auch über den moralischen Zwiespalt, in dem sie sich aufgrund von Folter und Terror, Verhaftungen und Ermordungen befanden. Möglicherweise haben sie den Bürgern, die sie zu schützen geschworen hatten, durch ihr Handeln mehr Sicherheit gebracht. Aber ist Israel dadurch auch dem Frieden näher gekommen? Im Stil des Dokumentarfilms „The Fog of War“ von Errol Morris werden ihre Ausführungen mit schockierenden Archivbildern und 3D-Animationen unterlegt, die auf Fotos der geschilderten Ereignisse basieren. Sie veranschaulichen die Hintergründe des moralischen Dilemmas und konfrontieren den Zuschauer mit der Frage, ob er oder seine Regierung in der gleichen Lage hätten anders handeln können. Vor dem Hintergrund der zentralen Rolle, die Israel beim weltweiten Kampf gegen den Terror spielt, geben die Bekenntnisse dieser „Gatekeeper“ zu denken und zwingen den Zuschauer sich zu fragen, mit welchen Mitteln dieser Kampf geführt werden soll, ob im Gazastreifen oder in Guantánamo, in Palästina oder Pakistan. Wie ein moralisches Gleichnis zeigen die Schilderungen der Schin-Bet-Offiziere, was passiert, wenn ein Volk oder eine Nation versucht, Gewalt mit Gewalt zu begegnen.

Di, 7. Okt · 17:55-20:15 · MGM
Das Geheimnis von Santa Vittoria

Zweiter Weltkrieg: In einem italienischen Winzerstädtchen geht’s rund: Weinhändler Bombolini (Anthony Quinn) wird zum neuen Bürgermeister gewählt. Doch die Deutschen sind auf dem Vormarsch. Bombolini und seine Frau Rosa (Anna Magnani) beschließen, eine Million Flaschen Wein in Sicherheit zu bringen. Nazi-Kommandeur Von Prum (Hardy Krüger) wundert sich bald über die kläglichen Vorräte. – Wunderbar nostalgische Komödie mit Witz und Verstand.

Di, 7. Okt · 22:45-23:30 · HR
1948 – Jüdischer Traum, arabisches Trauma

14. Mai 1948. Ein schicksalhafter Tag für Juden und Araber – ein Tag, dessen Auswirkungen bis heute die Weltpolitik bestimmen. Für die Juden geht an diesem Tag das 2.000-jährige Exil zu Ende – der Staat Israel wird ausgerufen. Für die Palästinenser steht dieses Datum als Symbol für die Nakba – die massenhafte Flucht und Vertreibung aus ihren Dörfern und Siedlungen. Der Film beleuchtet die historischen Ereignisse anhand sieben persönlicher Schicksale jüdischer und palästinensischer Protagonisten. Sie erzählen ihre Geschichte eindringlich und fern von ideologischen Schilderungen. So etwa Danny Angel, der jüdische Bäckersohn, 1919 geboren. Seine Familie lebt seit acht Generationen in Jerusalem. Spannungen zwischen Juden und Arabern kannte er als Kind nicht. Er studierte in Beirut, lernte seine Frau kennen – eine libanesische Jüdin. Erst allmählich wandelt sich die Realität in Palästina – in den dreißiger Jahren, nach Ausbruch der arabischen Revolte, angeführt von dem Großmufti aus Jerusalem, einem Bewunderer Adolf Hitlers. Danny Angel schließt sich der Hagana, der jüdischen Untergrundarmee, an, kämpft in der jüdischen Brigade der britischen Armee und schließlich beim israelischen Militär. Vor allem aber kämpft er für das, was er aus seiner Kindheit kennt: ein friedliches Zusammenleben. In seiner Bäckerei, mittlerweile eine der größten im Land, arbeiten Juden und Araber seit Generationen. Die Araberin Saada Suleiman stammt aus einem Dorf bei Haifa, im Norden des damaligen Palästina, hütete Schafe und Ziegen, deren Milch sie an die Juden aus dem Nachbardorf verkaufte. Dann aber, im Winter 1947, brachen die Kämpfe zwischen Juden und Arabern aus. Der Imam forderte die Dorfbewohner auf zu fliehen. Saada und die Familie fuhren in den Libanon, gingen davon aus, in wenigen Tagen zurückzukehren. Mittlerweile ist Saada 86 Jahre alt und lebt noch immer in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Südlibanon – staatenlos und ohne Recht auf eigenen Grundbesitz. Da ist Esther Eisen, die als einzige in ihrer Familie den Holocaust überlebte. Mit ihrer großen Liebe Jakob kam sie nach Israel, um hier ein neues Leben zu beginnen. Doch Jakob zog in den Krieg, um das junge Land zu verteidigen. An allen Fronten marschierten arabische Militärs ein. Jakob fiel und ließ Esther alleine zurück – Witwe mit 20 Jahren. Oder Abdel Al Jamal, der als arabischer Junge mit den jüdischen Nachbarskindern Fußball spielte. Dann brach der Krieg aus, seine Familie floh. Er durfte mit seiner Mutter zurückkehren in seine Heimatstadt Akko, die nun zu Israel gehörte. Sein älterer Bruder musste im Libanon bleiben. Seitdem haben sich die Brüder nicht mehr gesehen. Es sind Geschichten aus der Anfangszeit des Staates Israel, die in der aktuellen politischen Debatte um die Zukunft längst in Vergessenheit geraten sind, ohne die sich die Gegenwart jedoch nicht verstehen lässt. Wer wirklich interessiert ist, eine Lösung für diesen tragischen schmerzlichen Konflikt zweier Völker zu finden, der muss Menschen wie Esther Eisen und Saada Suleiman zuhören.

Mi, 8. Okt · 16:45-17:00 · Das Erste (ARD)
Ich lebe immer jetzt! Die Psychotherapeutin Rahel Mann

Rahel Mann ist eine vielseitige Frau: Ausgebildet zur Medizinerin, hat sie lange als Psychotherapeutin gearbeitet. Mit 60 Jahren ging sie für zehn Jahre nach Israel und studierte dort Hebräisch. 2007, zurückgekehrt nach Berlin, schrieb sie drei Gedichtbände, arbeitet bis heute ehrenamtlich in einem Hospiz und geht als Zeitzeugin an Schulen. Dort erzählt sie ihre unglaubliche Geschichte. Es ist die eines jüdischen Mädchens, das als ungeplantes Kind 1937 geboren wird. Und da es jüdisch ist, gleich nach der Geburt von der Mutter aus dem Krankenhaus gebracht werden muss. Die Mutter lässt sich und ihre Tochter evangelisch taufen: Rahel heißt nun Renate. 1942 wird die Mutter dennoch deportiert, nach Sachsenhausen. Die fünfjährige Rahel hat Glück: Die Frau des Blockwarts versteckt das Mädchen zunächst bei Verwandten, dann, als es nicht mehr anders geht, mehrere Monate in einem Keller. Dort lebt das Mädchen im Dunkeln, ohne Sozialkontakte und Bewegung – bis sie von russischen Soldaten befreit wird. Eine traumatische Kindheit. Lange kommt Rahel Mann nicht darüber hinweg. Doch sie hat gelernt zu überleben: Als Erwachsene ist es die Psychotherapeutin Rahel Mann, die Holocaust-Opfer und sogar -Täter behandelt, ihnen hilft, die Traumata der Vergangenheit aufzuarbeiten.

Mi, 8. Okt · 20:15-21:45 · Das Erste (ARD)
Let’s go!

München, 1968: Die 21-jährige Laura, die mit ihrem Mann Gabriel in die USA ausgewandert ist, kehrt zurück in ihre alte Heimat München. Lauras Vater ist wenige Tage zuvor bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Die jüngere Schwester Friede liegt im Koma. Überwältigt vom Schmerz, hat sich die Mutter von der Außenwelt zurückgezogen. Laura fühlt sich allein gelassen, hat sie doch gehofft, dass die gemeinsame Trauer vielleicht helfen könnte, das gespannte Verhältnis zwischen ihr und der Mutter zu überwinden. Zeit ihres Lebens war die Mutter zu keiner Empathie gegenüber ihren Kindern fähig und hat jede körperliche Nähe gemieden. Als die Mutter es ablehnt, die lebensgefährlich verletzte Friede im Krankenhaus zu besuchen, zwingt Laura sie in eine Auseinandersetzung, in der Hoffnung, ihre Mutter besser begreifen zu können. Die gemeinsamen Erinnerungen führen Laura zurück in ihre Kindheit, die in einem von den Eltern geführten Gasthaus in Freising beginnt, einer Welt zwischen Schwarzmarkt, GIs und Militärpolizei, zwischen Angst und Anpassung, zwischen Lauras Gefühl der Geborgenheit im katholischen Kindergarten und der schmerzlichen Erfahrung, nicht wirklich dazuzugehören. Als Laura mit den Eltern nach München in die Reformbausiedlung „Borstei“ zieht und die Schwester Friede geboren wird, wächst ihr Verständnis für die Lage der Eltern. Laura erfährt, dass die Eltern den Holocaust überlebt haben und nach Kriegsende in Deutschland geblieben sind. Das Trauma von Verfolgung und KZ prägt ihr Leben. Auch wenn in der Borstei viele Überlebende untergekommen sind, gilt für Laura: „Von Zu Hause wird nichts erzählt“. Der Vater schwankt zwischen erdrückender Liebe, tiefer Angst um seine Kinder und großer Strenge, die vor körperlicher Züchtigung nicht Halt macht, während sich Laura an die Mutter als eine Frau erinnert, die jede Nähe meidet. Trotz vieler Momente der Rückbesinnung an eine auch fröhliche und unbelastete Kindheit, setzen die Erinnerungen Laura zu. Als Lauras Mann Gabriel endlich aus den USA eintrifft, um der Mutter zu kondolieren, ist Laura glücklich. Mit der Hoffnung, dass sie der Schwester mit ihren Besuchen helfen kann, dem Tod zu entkommen, wachsen Lauras Zweifel, ob sie in die USA zurückkehren oder nicht besser in Deutschland bleiben soll. Während Gabriel früh mit den Eltern in die USA emigriert ist, hat Laura die Borstei und München immer als ihre Heimat empfunden. Erst der überraschende Besuch von Tante Ida, die in Israel lebt, öffnet Laura die Augen für die Qualen der Mutter. Von Tante Ida erfährt Laura, unter welchen Umständen beide Frauen dem Todeslager entkommen sind.

Mi, 8. Okt · 21:45-22:37 · arte
Jacques Derrida oder Der Mut zum Denken

Sein Denken und sein Werk beeinflussten die Philosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich, doch über den Menschen Jacques Derrida war lange Zeit nichts oder nur sehr wenig bekannt. Als Begründer des Konzepts der Dekonstruktion machte er sich weltweit einen Namen, seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Nun ist Virginie Linhart und Benoît Peeters ein Dokumentarfilm gelungen, die durch Erinnerungen enger Wegbegleiter sowie Interviews mit Derrida selbst den Menschen hinter dem Philosophen zum Vorschein bringt. ARTE zeigt das Porträt am 8. Oktober zu Derridas 10. Todestag. Wer sich für Derrida interessierte, fand bei der Recherche lange Zeit zwar zahlreiche Werke und Denkanstöße, die zu handfesten Konzepten führten. Jedoch erschienen erst mit der Zeit Texte in Ich-Form, Interviews oder Fotos des Philosophen. Aus diesen Spuren lässt sich, wenn auch keine Autobiografie, doch die Weltanschauung eines Mannes rekonstruieren, die durch einschneidende Ereignisse seines Jahrhunderts geprägt wurde. So etwa durch seine Kindheit in der damals französischen Kolonie Algerien. Dort wurde Derrida 1930 als Sohn eines jüdischen Weinhändlers geboren und schon in der sechsten Klasse begeisterte er sich für Rousseau und Nietzsche. Doch als die antisemitischen Verordnungen 1942 in Kraft traten, wurde der Zwölfjährige vom Unterricht ausgeschlossen. Von Algerien zog es ihn nach dem Krieg nach Frankreich, denn als Abiturient erfuhr Derrida durch das Programm von Radio Algier, dass Pariser Hochschulen Philosophen ausbilden. Sein Berufswunsch war somit klar, und er schlug sich mit dem Schiff erst nach Marseille durch und dann weiter in die Hauptstadt. Dort veröffentlichte er 1962 sein erstes Werk und nur fünf Jahre später gelang ihm der große Durchbruch, als er in kurzen Abständen drei wegweisende Schriften publizierte: „Grammatologie“, „Die Stimme und das Phänomen“ sowie „Die Schrift und die Differenz“. Ein Philosoph, der mit der Dekonstruktion als Konzept neue Lektüre- und Analyseverfahren von Texten prägte und dabei den Mut zum Denken forderte. Auch inspirierte er Woody Allen zum Filmtitel „Deconstructing Harry“ (1997) und wurde von Comic-Autoren selbst zum Helden gemacht.

Fr, 10. Okt · 20:15-21:45 · arte
Der blinde Fleck – Das Oktoberfestattentat

München, 26. September 1980: der Rundfunkjournalist Ulrich Chaussy und seine Ehefrau Lise packen gerade in ihrer neuen Wohnung die Umzugskartons aus, als sie eine erschreckend laute Explosion wahrnehmen. Am nächsten Tag macht das Ereignis überall Schlagzeilen: Eine selbst gebaute Rohrbombe ist beim Haupteingang des Münchner Oktoberfests explodiert, hat 13 Menschen getötet und 211 weitere verletzt, 68 davon schwer. Bald stellt die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen ein. Der 21-jährige Geologie-Student Gundolf Köhler aus Donaueschingen, der bei dem Anschlag selbst das Leben verloren hat, soll aus persönlichen Gründen gehandelt haben und also ein Einzeltäter gewesen sein. Die Behörden leugnen ein politisches Motiv, obwohl Köhler Mitglied der rechtsextremen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ war. Kurz vor dem Attentat hatte der Chef des Staatsschutzes, Dr. Hans Langemann, das Verbot dieser paramilitärischen Organisation kritisiert. Auch der bayerische CSU-Ministerpräsident Franz Josef Strauß will die Augen vor der rechtsextremen Gefahr verschließen: ein politisches Motiv für den Anschlag könnte den Kanzlerkandidaten Stimmen kosten. Doch Rundfunkjournalist Chaussy rollt gemeinsam mit dem Anwalt Werner Dietrich den Fall neu auf, da beide Zweifel an den offiziellen Ermittlungsergebnissen hegen. Sie vermuten hinter dem Anschlag rechtsradikale Mittäter. Ihre Recherche ergibt etliche Zeugenaussagen, die auf mehrere Täter hinweisen. Zudem meldet sich bei Chaussy ein Mann, der sich „Meier“ nennt und eigentlich Langemanns Referent ist, und überlässt ihm einen Umzugskarton voller Polizeiakten, die den Fall betreffen. Dort steht schwarz auf weiß: Zwei Hintermänner waren an dem Anschlag beteiligt. Während Chaussy den Fall weiter hartnäckig verfolgt, verlässt ihn Anwalt Dietrich – aus Angst vor möglichen Konsequenzen. Wegen seiner Beharrlichkeit wird Rundfunkjournalist Chaussy bald spöttisch als „Mr. Oktoberfest“ belächelt, und sein Kampf um Wiederaufnahme des Falls wird von den Behörden missachtet. Als er bemerkt, dass er sein Leben und das seiner schwangeren Frau aufs Spiel setzt, zieht er sich aus den Ermittlungen zurück.

Sa, 11. Okt · 02:05-03:35 · ZDF
Augenblicke der Zärtlichkeit

Die Geschichte einer intensiven Frauenfreundschaft. Zwei Fremde im Zug: Aus der Zufallsbegegnung zwischen einer Israelin (Michal Bat-Adam) und einer Französin (Brigitte Catillon), die sich auf der Bahnfahrt von Tel Aviv nach Jerusalem begegnen, entwickelt sich eine enge menschliche Beziehung, die sich trotz Heirat und großer räumlicher Distanz über Jahre hinweg erhält. Ein stiller und überzeugender Film, der mit viel Einfühlungsvermögen das Aufkeimen einer tiefen Zuneigung beschreibt und überdies mit Behutsamkeit versucht, eine Liebe zwischen Mann und Frau und die intime Beziehung zweier Frauen miteinander zu verbinden.

Sa, 11. Okt · 22:15-22:45 · SWR BW
Rommel – Die Dokumentation

Erwin Rommel ist der wohl bekannteste deutsche Weltkriegsgeneral, und er ist bis heute einer der umstrittensten. Bekannt gemacht haben ihn vor allem seine Leistungen als Führer des Afrika-Korps in den Jahren 1941/42. Der Film erzählt von Rommels anfänglicher Begeisterung für Hitler, von seiner durch den „Führer“ geförderten Karriere und von den militärischen und persönlichen Krisen, die Rommel nach der Kriegswende 1942/43 durchlebt. Und er berichtet von Rommels Schicksalsjahr 1944, wie er mit den Männern des Widerstands in Kontakt kommt und wie Hitler an ihm Rache nimmt, weil er in Rommel einen Verräter sieht.

Mi, 15. Okt · 01:00-02:28 · arte
Gott bewahre! Die Welt der ultraorthodoxen Juden in Israel

Aus nächster Nähe zeigt der Dokumentarfilm „Gott bewahre!“ den alltäglichen Kampf der ultraorthodoxen Juden um ihre Identität. Er gewährt einmalige Einblicke in die abgeschlossene Welt der Haredim in Jerusalem. Die Protagonisten des Films machen deutlich, dass ihre Lebensweise bei weitem keine triste Welt der Rituale ist, sondern dass Heiterkeit, Komik und sogar Pragmatismus sehr wohl ihren Platz haben. Me’a Sche’arim ist eine abgeschottete Siedlung der ultraorthodoxen Juden in Jerusalem. Haredim nennen sie sich – rund eine halbe Million Juden in Israel gehören dieser religiösen Gemeinschaft an. Die Haredim versuchen, ihr religiöses Erbe und ihre traditionellen Lebensformen zu schützen – gegen die Einflüsse der modernen Welt – das heißt auch und vor allem gegen den Staat Israel. Die Haredim sehen den jüdischen Glauben durch den säkularen Staat und seine Institutionen verraten. Deshalb verweigern sie jegliche Kooperation, arbeiten nicht und leisten keinen Militärdienst. Doch nicht alle sind mit einer vollständigen Abkehr von der modernen Welt einverstanden. Manche fürchten, extremer Separatismus könne eigene Gefolgsleute vertreiben. Mit diesem Dilemma lebt Shmuel-Haim Pappenheim. Er organisiert Massendemonstrationen gegen den jüdisch-zionistischen Staat, gibt die Wochenzeitung des radikalen ultraorthodoxen Lagers heraus, das Israel nicht anerkennt, und lehnt die Teilnahme an Wahlen ab. Im Gegensatz dazu ist Rabbi Avraham Ravitz Anführer einer ultraorthodoxen politischen Partei und war auch Knesset-Abgeordneter und Minister der israelischen Regierung. Für Pappenheim ist Ravitz, weil er sich als haredischer Führer an der Regierung beteiligt, ein größerer Sünder als jeder nicht-religiöse Jude. Adina Bar-Shalom ist die älteste Tochter von Rabbi Ovadiah Yossef, einem Anführer Hunderttausender Haredim mit großem Einfluss auf die politische Landschaft in Israel. Adina hat sich etwas Revolutionäres vorgenommen: die Gründung eines Colleges für Haredim, in dem junge Männer – und Frauen – sich auf einen Beruf vorbereiten können. Um dies umsetzen zu können, ist jedoch der Segen ihres Vaters erforderlich. Rachel Chalkowski ist als leitende Krankenschwester und Hebamme ständig mit den Nöten haredischer Frauen konfrontiert, die zehn oder mehr Kinder gebären und gleichzeitig auch noch für ihre Familien sorgen müssen. Sie gründete eine Stiftung, die diesen Frauen und ihren Familien hilft. Rabbi Micha Rothschild ist ein radikaler Einzelkämpfer. Aus dem Untergrund verbreitet er Propagandamaterial in den haredischen Vierteln von Jerusalem und Bnei-Brak und warnt Internetanbieter davor, sich auf dem haredischen Markt zu engagieren. Er weiß, wie groß die Gefahr ist, dass insbesondere die jungen Haredim den Versuchungen des Internets erliegen. Im Gegensatz dazu versucht der haredische Werbefachmann Yigal Revach die führenden Rabbiner davon zu überzeugen, seine koschere Internetinitiative zu unterstützen.

Mi, 15. Okt · 22:00-22:30 · BR
Landauer – gefeiert, verbannt, vergessen

Der Bayer und Jude Kurt Landauer war legendär und vielleicht der wichtigste Präsident des FC Bayern München. Doch vieles in seiner Lebensgeschichte liegt bis heute im Dunkeln. Der Filmautor Nick Golüke schließt diese Lücken und beschreibt erstmals das einzigartige und exemplarische Leben Kurt Landauers mit seiner grundlegenden Bedeutung für die Geschichte des FC Bayern und des deutschen Fußballs und seiner Wirkung bis in die heutige Zeit. Das bis heute der Öffentlichkeit fast unbekannte Leben Kurt Landauers ist die unglaubliche Heldengeschichte eines Mannes, der seine persönlichen Gefühle zurückstellt für das Wohl eines Vereins und das eines Landes, in dem er in ein Konzentrationslager gesteckt wurde, in dem seine Geschwister ermordet wurden und wo ihm alles genommen wurde – nur eines nicht: sein Fußball, sein FC Bayern. Nick Golüke beschreibt dieses dramatische Leben zwischen Triumph und Verfolgung, Konzentrationslager, Exil und Heimkehr, Vergessen und Wiederentdeckung. Er erzählt eine jüdische Biografie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus und geht der Frage nach, warum so viele Stationen dieses Lebens so lange im Dunkeln geblieben sind. Dabei versucht der Filmautor sich dem zwiegespaltenen Verhältnis des FC Bayern München zu seinem vielleicht größten Präsidenten zu nähern und der Frage, warum der Verein so lange den Mantel des Schweigens über diesen zentralen Zweig seiner Geschichte gebettet hat.

Mi, 15. Okt · 22:50-00:20 · NDR Niedersachsen
Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt

Mit List und Bestechung versucht der Berliner Bürstenfabrikant Otto Weidt in den 1940er-Jahren, seine Mitarbeiter, die fast alle Juden und fast alle blind sind, vor dem Zugriff der Gestapo zu bewahren. Als seine Sekretärin Alice Licht am Ende nach Auschwitz deportiert wird, macht sich Weidt, selbst nahezu blind, auf den Weg, um sie zu befreien. Es gelingt ihm, doch seine Liebe zu ihr bleibt unerfüllt. Die Werkstatt des Bürstenherstellers Otto Weidt gilt 1941 bei den Berliner Juden als gute Adresse. Weidts irritierend enge Kontakte zur Gestapo, begleitet von regelmäßigen Bestechungen, bieten ihm den Spielraum, seine überwiegend blinden jüdischen Angestellten vor den alltäglichen Herabwürdigungen zu schützen. Zu den wenigen Nicht-Blinden in der Werkstatt zählt Alice Licht, eine hübsche junge Frau aus gutbürgerlichem Haus. Mit Witz, Charme und Organisationstalent wird sie bald zu Ottos rechter Hand. Die beiden verbindet mehr, als eine reine Arbeitsbeziehung und mehr als nur Freundschaft. Otto ist verheiratet, kein Jude, Ende 50 und fast blind; Alice ist Jüdin und 40 Jahre jünger. Sie bewundert ihn. Für Otto ist Alice die Verheißung auf ein Leben, das er gern geführt hätte. Aber die Schlinge um die Werkstatt zieht sich zu. Trotz regelmäßiger „Besuche“ der Gestapo scheint zunächst alles gut zu gehen. Nachdem seine jüdischen Mitarbeiter auf einen Schlag abgeholt wurden, schafft es Otto Weidt noch, sie aus dem nahen Sammellager der Gestapo wieder herauszuholen. In aller Heimlichkeit beginnt er nun mit der Vorbereitung von Verstecken. Als die massenhaften Deportationen beginnen, sind Weidts Angestellte untergetaucht. Doch in einem Moment der Vertrauensseligkeit werden die Verstecke an einen „Greifer“ verraten. Weidt ereicht es noch, dass Alice und ihre Eltern zunächst „nur“ nach Theresienstadt kommen, aber dann trifft eine Postkarte von Alice ein, in der sie verklausuliert von ihrer Verlegung nach Auschwitz berichtet. Otto Weidt zögert nicht lange und macht sich auf den Weg, um sie zu retten. Über einen Hilfsarbeiter gelingt es ihm, den Kontakt zu Alice herzustellen, die mittlerweile als KZ-Häftling in einer Munitionsfabrik arbeitet. Er versteckt Kleidung und Geld für den Fall ihrer Flucht. Im Januar 1945 schafft Alice den Weg zurück nach Berlin, wo Otto und seine Frau sie bis nach Kriegsende verstecken. Aber Alice kann und will nicht bleiben. Sie erhält die Einreisegenehmigung in die USA und verlässt Berlin. Otto bleibt zurück, zwei Jahre später stirbt er. An sein Wirken erinnert heute nur noch das „Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt“ in Berlin-Mitte und die israelische Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“.