Wie man die Kinder von Gaza retten kann

Wie können die Kinder von Gaza gerettet werden? Die grauenhaften Bilder und steigenden Opferzahlen rufen ein Gefühl der Machtlosigkeit hervor. Doch im Krieg wie im Leben spielen Anreize eine Rolle. Wenn man also die richtigen Anreize schafft, können Leben in Gaza gerettet werden…

Von Salim Khoury, Jerusalem Post, 05.08.2014
Übersetzung: Daniela Marcus

Um die Zivilisten, die im Konflikt zwischen Hamas und Israel gefangen sind, zu retten, müssen wir sowohl für die Hamas als auch für Israel Anreize schaffen, die den Verlust unschuldigen Lebens verhindern.

Die Hamas nutzt die Empathie der demokratischen Welt zu ihrem Vorteil aus. Friedensliebende Menschen können den Anblick toter Kinder nicht tolerieren. Die Hamas sieht die einfache Kosten-Nutzen-Rechnung: Wenn sie das Leben unschuldiger Menschen in Gaza opfert, kann sie damit eine Reaktion gegen Israel auslösen. Je mehr Unschuldige sterben, desto stärker die Reaktion gegen Israel. Die Hamas gewinnt, wenn die internationale Gemeinschaft rundheraus die Opferzahlen wiedergibt und instinktiv Israel verurteilt.

Wenn die Hamas auf diese Weise belohnt wird, hat sie jeden Anreiz, um auch in Zukunft die Zivilisten von Gaza in Gefahr zu bringen, indem sie sie –oft mit vorgehaltener Waffe− in die Schusslinie zwingt. Die Hamas hat Krankenhäuser in Kommandozentralen und UNRWA-Schulen in Raketenabschussrampen umfunktioniert.

Während Israels gezielte Angriffe technisch fortschreiten, um dadurch unschuldige Opfer zu vermeiden, wird die Taktik der Hamas brutaler und durchschaubarer.

Es gibt unzählige gut dokumentierte Bemühungen seitens Israels, im gegenwärtigen Konflikt Zivilisten vor Angriffen zu warnen. Das israelische Militär wirft in der Umgebung von Gebäuden, die zerstört werden sollen, Flugblätter ab und gibt Warnschüsse ab. Israel sendet an die Zivilisten, die in der Nähe von Angriffszielen wohnen, sogar persönliche SMS und tätigt Telefonanrufe. Diese Methoden sind innovativ, aber dennoch nicht ganz vollkommen. Keine israelische Technologie kann die Hamas davon abhalten, den Zivilisten in Gaza zu befehlen, in ein Gebäude zurückzukehren, das beschossen werden soll.

Wer ist schuld an den toten Zivilisten, wenn Israel zahlreiche, noch nie dagewesene Warnmethoden anwendet? Wer ist schuld, wenn Hamas-Terroristen Krankenwagen für Kampfmanöver nutzen und es damit einem aufrichtigen Soldaten unmöglich machen, den Unterschied zu erkennen zwischen einem Krankenwagen, der ein verletztes Kind transportiert und einem, der einen Terroristen mit einer Raketenabschussvorrichtung befördert? Wenn eine Terrororganisation das Volk opfert, in dessen Namen sie angeblich kämpft, und damit den Feind zum Monster macht, dann darf die Welt die Terrororganisation nicht dafür belohnen.

Wenn wir Israel verurteilen ohne diese Fragen zu stellen, sind wir mitschuldig am Ausgang des Geschehens. Sicherlich sollen wir das Militär für den Kollateralschaden zur Verantwortung ziehen.

Doch anstatt nur auf die Opferzahlen zu starren, müssen wir auch die Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigen, die das Militär getroffen hat, um zivile Opfer zu vermeiden. Verurteilungen, die auf dem Zählen der Toten basieren, stellen einen Anreiz für Terroristen dar, das Blutbad zu vergrößern. Wenn Israel verurteilt wird, obwohl es große Anstrengungen betreibt, Zivilisten vorzuwarnen, motiviert das die Hamas, diese Zivilisten weiterhin zu gefährden.

Darüber hinaus halten solche Verurteilungen das Militär auch davon ab, gezielte Angriffe durchzuführen. Israel hat viel Geld in die Bemühungen, Zivilopfer gering zu halten, investiert. Es wäre für die israelische Luftwaffe weitaus einfacher, ein strategisches Ziel flächendeckend anstatt gezielt zu bombardieren. Wenn die Hamas ungeachtet der Methode für hohe Opferzahlen sorgt und Israel so oder so verurteilt wird, warum sollte Israel sich dann die Mühe machen, das Skalpell anstelle des Hammers zu benutzen?

Der Verlust unschuldigen Lebens in Gaza ist tragisch. Doch diese Tragik kann entschärft werden. Um die hohen Opferzahlen zu verhindern, muss die Welt der Hamas den Anreiz, zivile Opfer zu schaffen, entziehen. Zivilisten sollten nicht als Kriegswaffe benutzt werden.

Wenn die Hamas nicht das Leben unschuldiger Palästinenser gegen Verurteilungen Israels eintauschen kann, wird sie gezwungen sein, ihre Kämpfe mithilfe von Soldaten auszufechten.

Das Problem mag komplex sein, doch die Lösung ist einfach: Die Hamas muss für ihre Taktiken zur Verantwortung gezogen werden. Wenn unschuldige Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzt werden, sind diejenigen, die sie dazu zwingen, verantwortlich.

Der ultimative Preis für die Verurteilung Israels durch die Welt wird weder von Israel noch von der Hamas getragen, sondern von den unschuldigen Menschen in Gaza. Und dieser Preis wird steigen, wenn Terroristen überall auf der Welt sehen, dass die Hamas für ihre Brutalität belohnt wird. Die Weltgemeinschaft kann Terroristen entweder dazu anspornen oder davon abhalten, Menschenleben für politische Ziele zu opfern. Um der Zivilisten in Gaza und um unser aller willen, sollten wir uns für die zweite Option entscheiden.

4 Kommentare zu “Wie man die Kinder von Gaza retten kann

  1. Die Kinder in Gaza werden gerettet, wenn die Palästinenser Hamas, PLO, Fatah usw. zum Teufel schickt. Aber solange die EU mit ihrem Geld Schulbücher unterstützt, in denen Israel verteufelt wird und Karten ohne Israel abgedruckt werden, ist das nur Wunschdenken.

    Bei der Diktion „unschuldige Opfer“ frage ich mich, ob es auch schuldige unter den Kindern usw. gibt.
    Zynisch? Ich hoffe es…
    Kyniker

  2. Ein hervorragender Artikel, der die Problematik genau auf den Punkt bringt. Wer es wissen will, erhält hier einen Einblick in das obszöne Spiel mit Bildern und Zahlen von toten Kindern, das die Hamas bestens beherrscht und für ihre pervertierten Ziele einzusetzen weiß.

    Zu diesem zynischen „Spiel“ gehört aber auch auf der Gegenseite eine Klientel, die nicht hinterfragt sondern sich bereitwillig „heißmachen“ lässt ohne auch nur die leisesten Nachfragen zu stellen. Es ist also falsch, zu glauben, lediglich die Hamas mit ihrer gut geölten Medien-Propaganda sei schuld an dem Hass, der Israel immer wieder offen oder unterschwellig entgegenbrandet.

    Nein, eine große Zahl von „Gutmenschen“, Linken und bürgerlicher Mitte will(!) gar nicht wissen, was diesem Konflikt zugrunde liegt. Es würde ihr Gut-Böse-Schema stören, ihr fertiges und abgeschottetes Bild von Israel ins Wanken bringen. Sie suchen begierig ausschließlich nach Material, mit dem sie ihre gepflegten Ressentiments bedienen können.

    Es wäre schön, wenn solche Beiträge wenigstens dazu helfen, ein paar Unentschlossene oder noch Zweifelnde in ihren moralischen Skrupeln zu stärken.

    • Hi nussknacker56,
      ich kann Ihren Beitrag nur unterschreiben. Leider gehören auch die bundesdeutschen Journalisten, Nachrichtensender und politischen Zeitschriften zu der Klientel, die bereitwillig die Informationen der Hamas ohne Hinterfragen weiter gibt. Sie entlarven sich durch ihre Sprache: bei jeder Reaktion von Israel auf den Raketen- und Mörserbeschuß wird von Rache Israels gesprochen, eine zutiefst antisemitische Haltung.
      Israel hat selbst dann bereits medial verloren, wenn die Regierung sich überhaupt rührt.
      Ob die „Gutmenschen“bereits den Sekt bei der Vernichtung Israels kalt gestellt haben. Die Linke wird es bereits getan haben.

      Kyniker

      • Hallo lieber Kyniker,

        freuen würden sie sich – die Linken und die Gutmenschen –, da habe ich leider keinen Zweifel mehr. Und einige ordentliche Krokodilstränen absondern für die paar unschuldigen Juden, von denen diese Spezies ja besonders schwärmt, wäre abschließend bestimmt auch noch drin. 😉

        Aber machen wir uns nicht verrückt. Solange Israel in erster Linie auf die eigene Stärke baut ist obiges Szenario gering. Mehr Sorgen macht mir die Vorstellung, dass unter dem verlogenen Druck aus Europa sich in Israel das Gefühl der Isolation weiter verstärkt und der Terror von Hamas und Konsorten ein Übriges dazu tut, dass die offene israelische Gesellschaft im Abwehrkampf gegen deren Vernichtungsabsichten ihre hohen moralischen und politischen Standards aufgibt. Das ist etwas, worauf ihre Feinde ebenfalls so begierig warten wie sie toten Kinder ihres Volkes ohne Scham als Propagandamittel missbraucht

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