- haGalil - http://www.hagalil.com -

Gedenkjahr 2014: Die Jüdische Legion im Ersten Weltkrieg

Europa erinnert 2014 mit zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen und Buchneuerscheinungen an den Beginn des ersten großen Völkerringens des 20. Jahrhunderts. Aber der Erste Weltkrieg war keineswegs ausschließlich ein europäischer Krieg gewesen; er war zugleich, und auf tragische Weise, auch ein jüdischer Krieg. Denn, an sämtlichen Fronten, im Osten ebenso wie im Westen und im Süden, standen sich Juden als Angehörige der sich bekriegenden Nationen, somit als Feinde, gegenüber, und schossen aufeinander. Es erscheint somit angebracht auch der jüdischen Soldaten der Jahre 1914 bis 1918 zu gedenken und auf gewisse Ereignisse und Fakten jenes Krieges aus historischer wie aus moderner jüdischer Perspektive zu blicken…

Von nicht geringer Bedeutung für die Militärgeschichte des Judenstaates war und ist die Jüdische Legion, die im Ersten Weltkrieg von den Briten aufgestellt wurde, die an verschiedenen Kampfhandlungen beteiligt war und die als eine Vorläuferin der modernen israelischen Streitkräfte angesehen wird. So illustre Persönlichkeiten wie David Ben Gurion, Jitzchak Ben Tzwi, Levi Eschkol, Berl Katznelson oder Nehemiah Rabin kämpften in ihren Reihen.

1925 (nach anderen Angaben 1927) erschien mit dem Handbuch „Juden und Judentum von heute“ das Hauptwerk des österreichisch-jüdischen Publizisten, Redakteurs und Staatsbeamten, Jonas Kreppel (1). In diesem umfangreichen Band, der dem „Förderer des jüdischen Wiederaufbaues Palästinas Baron Edmond de Rothschild zugeeignet“ ist, behandelt sein Autor in nach Ländern geordneten Abschnitten die Verhältnisse der Juden vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg, ferner „Die Juden der Gegenwart“, Palästina, „Die politische Lage der Juden“, „Die wirtschaftliche Lage der Juden“, Emigration, „Religiöse Probleme“, jüdische Parteien, jüdische Organisationen, „Das jüdische Leben“, das Schul- und Erziehungswesen, jüdische „Staatsmänner und Parlamentarier“, „Sprachen und Literaturen“, Wissenschaft und Kunst, „Jüdische Volkssplitter“ sowie die Presse. Das Schlusskapitel des Werkes enthält eine mehrsprachige „Bibliographie zur Judenfrage“.

Es folgt die Wiedergabe des Abschnitts § 14. Die jüdischen Legionen des Kapitels Die Juden im Weltkrieg aus dem Handbuch von Kreppel. Daran anschließend stehen die Einträge der Eschkol-Encyclopaedia-Judaica sowie des Jüdischen Lexikons zur jüdischen Legion:

Eines der interessantesten Probleme der Judenschaft in Beziehung zum Weltkrieg war die Schaffung von speziell jüdischen militärischen Formationen, die hauptsächlich den nationalen Bestrebungen der Juden in Palästina ihre Entstehung verdanken.

Die Schaffung rein jüdischer Bataillone in den Ententeländern zu Beginn des Krieges hatte nur mäßigen Erfolg; in Frankreich lehnte der Kriegsminister dieselben ab und auch in England wurde trotz der günstigen Stimmung einiger Mitglieder des Kriegskabinetts der Plan wieder fallen gelassen. Auch die jüdische Presse war diesen Versuchen nicht günstig gestimmt.

In Palästina hatte die türkische Regierung alle Juden, die nicht ottomanische Staatsbürger waren und sich nicht naturalisieren lassen wollten, ausweisen lassen; viele dieser Ausgewiesenen hatten sich nach Alexandrien begeben. Djamal Pascha war besonders hart gegen die Zionisten, so daß auch verschiedene der zionistischen Führer sich nach Alexandrien begaben und dort eine Kolonie jüdischer Flüchtlinge entstand, zu welcher sich auch Juden aus Europa gesellten, unter ihnen der bekannte Zionistenführer Jabotinsky. Der russische Konsul wollte zunächst die militärtauglichen Juden, die seinen Schutz anriefen, in die russische Armee einreihen. Da regte Jabotinsky den Gedanken an, die Juden der britischen Armee anzuschließen und eine militärische Formation aus diesen Juden zu bilden, die Schulter an Schulter mit den britischen Truppen für die Befreiung Palästinas kämpfen sollten.

In kurzer Zeit war er schon imstande, 600 Freiwillige gegen die Türken zu stellen; die britische Heeresleitung nahm die Dienste der jüdischen Soldaten gerne an und formierte ein eigenes jüdisches Bataillon, das später den Namen „Zion Mule Corps“ erhielt. Nach einer sehr kurzen Ausbildungszeit wurde das Bataillon zu den Dardanellen entsandt, April 1915, wo es während des ganzen Gallipoli-Feldzuges kämpfte; von den 652 Juden dieses Korps kämpften 560 an der Front, fünf fielen im Kampfe, 55 wurden verwundet; drei erhielten militärische Auszeichnungen, deren einer die „Distinguished Service Medal“. Ihre Tapferkeit im Feuergefecht erwarb ihnen das hohe Lob ihrer britischen Offiziere. (Ihr Kommandant Lieutenant-Colonel Patterson veröffentlichte später ein Buch, worin er einen anregenden Bericht über die Waffentaten dieses Bataillons gibt.)

Als die Gallipoli-Expedition aufgegeben wurde, löste sich das Bataillon auf. Die jüdische Presse der ganzen Welt hatte auch diese Formation nicht begünstigt. Jabotinsky wurde von ihr als ein Opfer der Kriegsneurose bezeichnet und sein Plan als wildes Projekt, würdig eines Don Quichottes verschrien. Sogar das provisorische Zionistenkomitee hielt mit seinem Tadel nicht zurück.

Jabotinsky kam nun nach Europa und nach England. Erst sollten gerade die spezifisch jüdischen Einheiten aus russischen Emigranten formiert werden. Jabotinsky schlug die Bildung einer jüdischen Kompagnie für Heimatschutz und für den Militärdienst in Ägypten und Palästina unter der britischen Flagge vor. Um seine Ideen zu propagieren, gründete er eine eigene Zeitung „Unsere Tribune“. Als Ergebnis seiner Bemühungen wurde das „Komitee für die jüdische Zukunft“ gegründet, mit dem Zweck, die Rekrutierung für das jüdische Bataillon zu betreiben; doch hatte Jabotinsky auch hierin wenig Erfolg und er erklärte seinen Mißerfolg mit der unentschiedenen Stellung der britischen Regierung in der Palästinafrage. Als im November 1917 die „Balfour-Declaration“ erschien, war die Wirkung eine sehr große, nicht nur in England, sondern auch bei den Juden anderer Länder. Im Februar 1918 zog ein 900 Mann starkes Bataillon wieder unter dem Befehl Pattersons nach Palästina; offiziell hieß es das 38. Baon der Royal Fusiliers, später kam noch ein 39. Baon unter Lieutenant-Colonel Margolin hinzu, das sich im April 1918 nach dem Osten begab. Das 3. Bataillon, kommandiert von Oberstleutnant F. D. Samuels mit ungefähr 1100 Freiwilligen, folgte im August.

In Amerika war der Enthusiasmus gleichfalls groß. Am 27. Februar 1918 verließ das erste Kontingent von Freiwilligen, 200 junge Männer, New York, um sich nach Windsor, Kanada, zur militärischen Ausbildung für Palästina zu begeben. Weitere Einheiten, manche von ihnen bis zu 500 Mann zählend, verließen die Vereinigten Staaten in regelmäßigen Abständen von 3 Wochen.

Die Kampagne für die jüdischen Bataillone war eine der interessantesten Erscheinungen des amerikanischen jüdischen Lebens während des Krieges: Presse und Kanzel widmeten der Bewegung die eifrigste Unterstützung; besonders die jiddische Presse veröffentlichte bewegliche Aufrufe an die nicht naturalisierten jungen Juden Amerikas.

Eine Gesellschaft, der „Rote Davidtsern“ (Red Mogen David). Wurde im April 1918 gegründet, um diesen jüdischen Soldaten den gleichen Beistand zu leisten, wie bei der amerikanischen Armee das jüdische Wohlfahrtsamt und das Rote Kreuz. Die Zentrale war in New York, Filialen in allen größeren Städten der Union; ihr Zweck war die Sammlung eines Fonds von 100 000 Dollar für die Unterstützung der Familien der Legionäre und derjenigen, die sich nach dem Kriege in Palästina angesiedelt hatten.

Die Statistiken beweisen, daß die britischen Behörden 2700 Mann in Amerika für die drei jüdischen Bataillone aufnahmen. Wenn man die kurze Zeit, die starken Anforderungen der amerikanischen Detachements und die Tatsache, daß nur nicht naturalisierte Juden aufgenommen wurden, bedenkt, erscheint diese Zahl ziemlich groß. Die Freiwilligen kamen aus allen Staaten der Union, einige sogar aus Mexiko und den mittelamerikanischen Republiken, auch Asien und Afrika waren vertreten. Sogar Österreich und die Türkei figurieren als Geburtsland einiger dieser Rekruten. Man kann das hohe intellektuelle Niveau dieser Kontingente an dem ungewöhnlich hohen Perzentsatz der freien Berufe und der gelernten Handwerker ermessen.

Die Bataillonsbewegung griff auch auf andere Länder über, besonders Rußland zeigte einigen Enthusiasmus. 5000 Freiwillige kamen bis Wladiwostok und Charbin auf ihrem Weg nach England, doch wurden die Führer der Bewegung ins Gefängnis geworfen (Pinchas Ruthenberg und Kapitän Trumpeldor, letzterer ein Mitglied des ehemaligen Zion Mule Corps). In Odessa entdeckten die Deutschen eine geheime Gesellschaft, deren Ziel die Entsendung von Rekruten zur englischen Armee in Palästina war. Aus Argentinien erreichten 52 Freiwillige England; in Saloniki wurde die Bildung eines jüdischen Bataillons aus den Sephardi und von den griechischen Behörden unterstützt. In Jaffa und Jerusalem meldeten sich 900 Juden, so daß in Palästina ein eigenes Bataillon gebildet werden konnte.

Die Bewegung hatte aber so spät begonnen, daß nur mehr ein kleiner Teil der Rekruten zum Frontdienst kam. Das 38. „judäische“ Bataillon jedoch kam im April 1918 nach Palästina und ein paar Monate später an die Front, wo es eine sehr schwierige Stellung am äußersten rechten Flügel der britischen Front am Wadi Mellaha, einem Nebenfluß des Jordan, bezog. Dieses Bataillon wirkte mit an den großen Angriffen zwischen dem 8. und 22. September 1918, die zum Zusammenbruch der türkischen Armee in Palästina führten.

Am 28. September zog das Bataillon im Triumph in Jerusalem ein, nachdem es die Türken bis über den Jordan verfolgt und über 4000 Türken gefangengenommen hatte. Die jüdische Öffentlichkeit war überrascht, als der offizielle britische Kriegsbericht erwähnte, daß in den Kämpfen am Jordan „jüdische Truppen“ die Türken zwischen Es-Salt und Ammon, der ehemaligen Hauptstadt der Ammoniter, verfolgten. Bei dieser letzten Aktion nahm auch das 39. Jüdische Bataillon teil. Ungewöhnlich schwer waren die Verluste. 27 Offiziere und 300 Mann mußten ins Spital, hauptsächlich wegen Malaria.

Die Aufführung der drei Einheiten im Lager und auf dem Schlachtfeld gewann ihnen die hohe Achtung ihrer Offiziere. Eine Anzahl Auszeichnungen aller Grade wurde erworben und ein jüdischer Offizier erhielt das heißbegehrte „Military Cross“. Der Oberbefehlshabe, General Sir E. Allenby, lobte das jüdische Regiment für die „andauernd guten Leistungen“ und beglückwünschte die ganze Judenschaft der Selbstaufopferung dieser ihren treuen Mitglieder halber.

Einige Monate nach Abschluß des Waffenstillstandes machte sich bei vielen jüdischen Soldaten, besonders bei den aus Amerika stammenden jüdischen Legionären, der lebhafte Wunsch bemerkbar, nach ihrer Heimat zurückzukehren. Es kam aus diesem Anlaß zu ernsten Meinungsverschiedenheiten zwischen den jüdischen Soldaten und den englischen Militärbehörden. Auch andere Zwischenfälle ernsterer Natur sind vorgekommen. Als an ein Regiment der Befehl erging, 150 Legionäre nach Cypern zu entsenden, lehnte das Regiment die Ausführung dieses Befehles mit der Begründung ab, daß die jüdischen Soldaten, gemäß den Vereinbarungen mit den englischen Militärbehörden, außerhalb Palästinas keinen Militärdienst zu leisten haben. Die militärische Leitung erkannte schließlich die Berechtigung dieses Standpunktes an und hob den Befehl auf. Schlimmere Folgen hatte ein anderer Fall. Als ein in der Wüste lagernder Truppenteil den Befehl erhielt, nach Jerusalem zu marschieren, jedoch eine kleine Abteilung auf dem Posten zurückzulassen, erklärte die letztere, ebenfalls nach Jerusalem abmarschieren zu wollen und verließ, ohne die weiteren Befehle abzuwarten, den Posten. Diese Soldaten wurden wegen Gehorsamsverweigerung vor ein Kriegsgericht gestellt und einige von ihnen sind zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Im allgemeinen muß gesagt werden, daß die englischen militärischen Machthaber wohl den jüdischen Legionären für ihr Verhalten reiches Lob spendeten, sie aber sowohl während der Kriegsaktion als auch nachher nichts weniger als freundlich behandelten. Bei den entscheidenden Kämpfen in Palästina im Herbst 1918 wurden sie an die gefährlichsten Abschnitte kommandiert und einer der Legionäre bezeichnete in einem später erschienenen Bericht den diesbezüglich ergangenen Befehl unverblümt als „Urias-Brief“. Dabei mußten sich die Legionäre gelegentlich seitens der englischen Soldaten Hänseleien und Beschimpfungen gefallen lassen.

Nach dem Kriege wurden die den Legionären gemachten Versprechungen mit nur geringen Ausnahmen nicht eingelöst. Die Zusagen, den Legionären in Palästina Boden zwecks Ansiedlung zu überlassen, wurde nicht gehalten und ein großer Teil derselben mußte trotz aller Liebe und Begeisterung zum Heiligen Lande wieder in die alte Heimat zurückkehren. Es stellte sich heraus, daß die selbst in England lautgewordenen warnenden Stimmen hinsichtlich der Legionäraktion nicht ganz ungerechtfertigt waren. Ein Memorandum der jüdischen Legionäre, das im Herbst 1919 dem in Palästina weilenden Louis D. Brandeis übermittelt wurde, charakterisiert die Lage am drastischesten. In dem Memorandum wurde unter anderem ausgeführt:

„Die unter den jüdischen Soldaten herrschende Stimmung veranlaßt uns, Ihnen gegenüber zu erklären, daß es notwendig ist, die Entlassung aller jüdischen Soldaten so rasch als möglich herbeizuführen.

Sie wünschen Nachricht über den Zeitpunkt ihrer Demobilisierung. Eine der Hauptursachen für die in den Regimentern herrschende Unzufriedenheit sei die Verwischung des nationalen Charakters der jüdischen Regimenter. Die Zusicherungen spezieller jüdischer Bezeichnung und jüdischer Abzeichen seien nicht erfüllt worden. Die zionistische Organisation muß sich daher bemühen, daß die Regimenter einen hebräischen Namen bekommen und daß das nationale Abzeichen (die Menorah) als das offizielle des Regimentes festgesetzt, ebenso daß die hebräische Sprache die Befehlssprache wird. Ferner sollen die jüdischen Regimenter in der Nähe der jüdischen Siedlungen in Judäa, Samaria und Galiläa stationiert werden. Die militärische Leitung wolle bestimmte Stunden für den Unterricht in der hebräischen Sprache festsetzen (innerhalb der für die militärischen Übungen festgesetzten Zeit) und den hebräischen Unterricht für sämtliche Angehörige der jüdischen Regimenter als obligatorisch erklären.

Um der jüdischen Armee die Möglichkeit der Entwicklung und der Ertüchtigung zu geben, müßten neue jüdische Regimenter aus den Reihen der palästinensischen Juden und insbesondere von den Juden im Auslande (Kaukasus, Rumänien, Polen und anderen Ländern) gebildet werden. Die neuen Regimenter sollen die sämtlichen verschiedenen Militärabteilungen umfassen (Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Flieger usw.).

Sämtliche Angehörigen der jüdischen Regimenter, die im Lande verbleiben wollen, muß die Möglichkeit gegeben werden, sich für einen Arbeitsberuf vorzubereiten, noch während sie in der Armee sind, wie es auch in den englischen Regimentern geschieht. Etwa 600 jüdisch-amerikanische Soldaten wollen sich im Lande niederlassen mit der Absicht, sich am Aufbau des Landes zu beteiligen und einen produktiven Arbeitsberuf auszuüben. Die zionistische Organisation sei daher verpflichtet, jetzt schon die Mittel zu ergreifen, um die entsprechenden Projekte auszuarbeiten, um all den Freiwilligen nach ihrer Demobilisierung die Möglichkeit zu gewähren, sich produktiv bei der Bearbeitung des Landes zu betätigen. Der größte Teil der Legionäre, die entschlossen sind, im Lande zu verbleiben, haben den lebhaften Wunsch, sich als landwirtschaftliche Arbeiter niederzulassen, sei es in den kooperativen Gruppen auf den Ländereien des Jüdischen Nationalfonds, sei es unter anderen Kolonisationsformen. Viele unter ihnen wollen ihre militärische Erfahrung und Befähigung zum Zwecke der Errichtung von Überwachungs- und Schutzsiedlungen an den Grenzen des Landes ausnützen. Die zionistische Organisation müsse die erforderlichen Ländereien und die entsprechenden Geldmittel zur Verfügung stellen. Die zionistische Organisation müsse die Frage untersuchen, ob die britische Regierung bereit sei, für die jüdischen Soldaten , die sich in Palästina niederlassen wollen, genügend Boden zur Verfügung zu stellen und ihnen durch Errichtung von Gebäuden und Zuweisung von kolonisatorischen Hilfsmitteln behilflich zu sein.“

Die Intervention der zionistischen Organisation und der führenden jüdisch-amerikanischen Kreise zugunsten der Legionäre, hatte jedoch nur einen teilweisen Erfolg.

(Jonas Kreppel; Juden und Judentum von heute; Zürich, Wien und Leipzig 1925, S. 109 – 114.)

1927, kam in Berlin das vierbändige (aus fünf Teilbänden bestehende) Jüdische Lexikon heraus. Als Autor des darin enthaltenen Eintrags zur Jüdischen Legion wird der promovierte Jurist Robert Weltsch (2), der damals den Posten des Chefredakteurs der „Jüdischen Rundschau“ bekleidete, angegeben.

Legion, Jüdische. Im Winter 1914, nach dem Eintritt der Türkei in den Weltkrieg, entstand bei einer Gruppe zionistischer Politiker der Gedanke, durch Mitwirkung einer jüdischen Freiwilligenlegion bei der Eroberung Palästinas an der Seite der Entente einen unmittelbaren jüdischen Anspruch auf Palästina zu begründen. In Alexandrien, im Lager der von den Türken aus Palästina vertriebenen jüdischen Flüchtlinge, wurde auf Vorschlag von W. Jabotinsky und J. Trumpeldor der Beschluß gefaßt, die jüdische Legion für Palästina zu schaffen; die britische Heeresleitung verhielt sich jedoch ablehnend. Schließlich wurde in Ägypten April 1915 doch das „Zion Mule Corps“, eine Tragtier-Abteilung, keine Kampftruppe, begründet, das unter Kommando von Colonel Patterson, dem später sein Stellvertreter Trumpeldor nachfolgte, nach Gallipoli gesandt wurde, wo es unter großen Strapazen und mit vielen Enttäuschungen seinen Dienst hinter der Front gegen die Türken versah, bis es März 1916 entlassen wurde. Inzwischen verfolgte Jabotinsky seinen Plan unablässig weiter, verhandelte mit Staatsmännern der Entente und suchte seine Idee auch in der jüdischen Welt durchzusetzen. Die offizielle Führung der Zionistischen Organisation bekämpfte den Plan einer jüdischen Legion, weil sie befürchtete, dies könnte zum Bruch der Neutralität des Zionismus aufgefaßt werden und unerwünschte Konsequenzen für die noch unter türkischer Herrschaft in Palästina lebenden Juden haben. Die Tatsache, daß England die in Whitechapel (East End von London) wohnenden russischen Juden zum Militärdienst heranziehen wollte, kam der Sache der jüdischen Legion zustatten. August 1917 wurde in England die Dienstpflicht für russische Bürger und gleichzeitig die Schaffung eines jüdischen Regiments bekanntgemacht. Während der Rekrutierung und Ausbildung dieses Regiments, dessen Kern die Überreste des „Zion Mule Corps“ bildeten, hatte im November 1917 die Offensive Allenbys gegen Palästina begonnen, zugleich war am 2. November 1917 die Balfour-Deklaration erlassen worden. Im Februar 1918 ging das 1. Bataillon unter Patterson von London an die Palästina-Front. Inzwischen hatte auch in Amerika und in Palästina die Werbung von Freiwilligen eingesetzt. Ein Bataillon jüdischer Freiwilliger aus Amerika unter dem australischen Juden Colonel Margolin stieß zur Legion. Nach der Besetzung Südpalästinas durch die Engländer wurde dort unter großer Begeisterung der Mehrheit des Jischuw die Rekrutierung („Hitnadwut“) durchgeführt; aus allen Bevölkerungsschichten meldeten sich junge Leute, Kolonistensöhne, Gymnasiasten, Arbeiter (besonders Angehörige der Poale Zion, während der Hapoel Hazair die Legions-Bewegung ablehnte). Im September 1918 nahmen ungefähr 1500 Mann der Legion (1 ½ Bataillone) an der englischen Offensive teil und zeichneten sich beim Übergang über den Jordan bei Um esch Schert aus. Im Heeresbericht werden sie als das 38. Bataillon der Royal Fusiliers – dies der offizielle Name – erwähnt. Anfang 1919 war die Legion auf rund 5000 Man angewachsen; sie bildete das 38., 39. und 40. Bataillon der Royal Fusiliers und diente als ein Teil der Besatzung des eroberten Landes während der Wirren nach dem Krieg. Die Armeeleitung sah aber die Legion ungern und bereitete ihr Schwierigkeiten. Nach der Demobilisierung, Ostern 1920, war die Legion auf 3-400 Mann zusammengeschrumpft und wurde bald darauf vollständig aufgelöst. Das Versprechen die Legionäre auf Regierungsboden anzusiedeln, kam nicht zur Durchführung. Die meisten Legionäre, soweit sie nicht Palästinenser waren, verließen wieder das Land. Die Fahne der Legion wurde im Dezember 1925 (Chanukka) in die „Churwa“, die große Synagoge in Jerusalem, überführt.

Die Forderung, eine jüdische Legion wieder aufzustellen und sie zur Sicherung der Ruhe in Palästina und nötigenfalls zur Erzwingung der jüdischen Ansprüche zu verwenden, wurde in der Nachkriegszeit leidenschaftlich von Jabotinsky innerhalb der Zionistischen Organisation verfochten und bildete eine der am heftigsten umstrittenen Fragen. Auf dem XII. Kongreß (1921) vermochte Jabotinsky mit seiner Forderung durchzudringen, doch wurde diese bald gegenstandslos und aus der offiziellen zionistischen Politik ausgeschaltet. Jabotinsky, der bald darauf aus der Zionistischen Exekutive austrat, bezeichnete aber weiterhin die Bildung der jüdischen Legion als den zentralen Punkt seines Programms und gründete die Partei der „Zionistischen Revisionisten“, die dieses Programm annahm. Die Forderung einer „jüdischen Einheit“ innerhalb der britischen Truppe Palästinas wurde aber bei verschiedenen Anlässen auch von anderen zionistischen Gruppen (z. B. Achdut Awoda) erhoben. Demgegenüber bekämpfen andere Gruppen aus moralischen und realpolitischen Gründen den Legions-Gedanken und die Anwendung militaristisch-nationalistischer Denkungsart auf den Zionismus.

Lit.: Patterson, With the Judeans in the Palestine Campaign; Jabotinsky, Geschichte der jüdischen Legion, 1928 (russisch; erschien in Zeitschriften auch jiddisch, hebräisch, deutsch; „Vom Nil zum Jordan“); Polit. Bericht der Zionistischen Exekutive an den 12. Zionistenkongreß, London 1921; Jabotinsky, in „Rasswjet“, deutsches Sammelheft. – Gegen die Legions-Ideologie: A. D. Gordon, Gesammelte Schriften, 4. Band; Weltsch und Kohn, Zionistische Politik, Mährisch Ostrau 1927.

1934 war das Jahr in dem der letzte erschienene Band der Encyclopaedia Judaica des Eschkol-Verlags (Berlin) zur Auslieferung gelangte; es handelte sich um den Band X mit den Buchstaben Kimchit-Lyra. Von Kapitän Israel Jaffé, Antwerpen, stammte der Eintrag:

Legion, Jüdische, jüdische Truppe im Weltkrieg, innerhalb der englischen Armee. Im Jahre 1915 begannen W. Jabotinsky und andere eine Propaganda für die Bildung eines jüdischen Regiments in der englischen Armee, getragen von der Hoffnung, daß dadurch die Durchsetzung der zionistischen Forderungen erleichtert würde. Der Gedanke fand auch die Unterstützung Ch. Weizmanns und der englischen zionistischen Organisation. Das englische Kriegsministerium erklärte sich erst im April 1917 damit einverstanden, und es wurde beschlossen, ein jüdisches Infanterieregiment unter dem Namen „The Jewish Regiment of Infantry“ zu bilden; doch ließ man den Namen dann fallen und die jüdische Truppe wurde in mehrere Bataillone der „Royal Fusiliers“ (38, 39, 40 und 42) eingereiht. Das Kommando wurde in Plymouth errichtet, und neben den in den Entente-Ländern lebenden russischen Juden, die in erster Reihe für die Rekrutierung in Frage kamen, wurde auch anderen jüdischen Soldaten der Ententearmeen die Möglichkeit zur Registrierung gegeben. Mehrere tausend jüdische Soldaten kamen aus den Vereinigten Staaten und Kanada, und auch in Palästina selbst meldeten sich zahlreiche Freiwillige, so daß die Gesamtzahl ungefähr 10 000 betrug. Juni 1918 ging das 38. Bataillon unter dem Kommando des Colonel J. H. Patterson zur Front (bei Nablus in Palästina), besetzte im August die Jordanebene und vereinigte sich hier mit dem 39. Bataillon unter dem Colonel E. Margolin. Jabotinsky war Leutnant im 30. Bataillon. Die Legion besetzte späterhin die Stadt Es Salt und sicherte während der Unruhen in Ägypten 1919 die palästinensische Eisenbahnlinie von Kantara nach Semak. In Anerkennung ihrer Verdienste änderte das englische Kriegsministerium 1919 den Namen des Regiments in „Judeans“ um und verlieh den Bataillonen ein spezielles Abzeichen (eine Menora mit der Inschrift „Kadima“). Auch erhielten sie das „Magen David“ als Abzeichen in verschiedenen Farben für die einzelnen Bataillone.

Die Bataillone wurden nach dem Kriege aufgelöst, ein Teil der Legionäre blieb in Palästina; 1925 wurden die Fahnen in die Große Synagoge in London überführt und von dort später nach Palästina, wo sie in der „Churwa“-Synagoge in Jerusalem niedergelegt wurden.

Anmerkungen:

1) Kreppel Jonas, Schriftsteller, geb. 25. Dezember 1874 in Drohobycz (Galizien). Kreppel übernahm 1895 die Leitung der hebräischen Abteilung einer Druckerei in Drohobycz und zugleich die Redaktion der von deren Inhaber Hirsch Supnik herausgegebenen deutschen Wochenschrift (in hebr. Lettern) „Drohobyczer Zeitung“ mit der hebr. Monatsbeilage „Zijon“. 1899 wurde er Leiter der hebr. Druckerei seines Schwiegervaters Josef Fischer in Krakau; 1903 gründete er eine eigene hebr. Druckerei in Lemberg. Zu gleicher Zeit gab er eine Reihe von jüdischen Zeitschriften in deutscher, hebr. und jiddischer Sprache heraus; 1899 das Wochenblatt „Jüdische Volksstimme“ mit der literarischen Monatsbeilage „Jerusalem“; 1900-1901 und 1907 die hebr. bibliographische Zeitschrift „Jeruschalajim“ in Krakau, 1904 die hebr. Zeitung „ha-Jom“ in Lemberg, 1909-1912 das Wochenblatt „Jiddische illustrierte Zeitung“ und 1909-1914 die Tageszeitung „Der Tog“ in Krakau. 1910 redigierte er die jiddische Monatsschrift „Bet Jisrael“ in Krakau. Während des Weltkrieges wurde Kreppel politischer Pressereferent am Auswärtigen Amt in Wien und 1926 Ministerialsekretär daselbst. 1915-1920 gab er das Wochenblatt „Jüdische Korrespondenz“ heraus, seit 1919 war er Wiener Korrespondent des New Yorker „Jiddischen Tagblatts“, in dem er u.a. einige historische Erlebnisse aus dem jüdischen Leben veröffentlichte. 1921-1923 redigierte er die literarisch-bibliographische Zeitschrift „Das Buch“ (in deutscher Sprache). In Buchform veröffentlichte Kreppel eine Reihe von Erzählungen in jiddischer Sprache, ein Werk „Zur Geschichte der jiddischen Presse in Galizien“ (jidd.), ferner in deutscher Sprache: 1. Der Weltkrieg und die Judenfrage (1914); 2. Österreich-Ungarn nach dem Friedensschlusse (1915); 3. Der Kampf für und wider den Frieden (1917); 4. Der Friede im Osten (1918); 5. „Juden und Judentum von heute“ (1925); 7. Jakob Aschkenasi, eine historische Erzählung aus den Tagen des Bogdan Chmielnitzky (1927); 8. „Handwörterbuch für Politik und Wirtschaft der Gegenwart“ (1927 ff.). <Reisen, Lexikon III (1929), 790-795.>

(Encyclopaedia Judaica, Eschkol Berlin 1934)

Am 21. Juli 1940 haben Deutsche Jonas Kreppel im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

2) Robert Weltsch:

http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Weltsch

http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Weltsch

Internet:

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Legion

http://en.wikipedia.org/wiki/Jewish_Legion

http://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%95%D0%B2%D1%80%D0%B5%D0%B9%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BB%D0%B5%D0%B3%D0%B8%D0%BE%D0%BD_%281917%E2%80%941919%29

http://fr.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9gion_juive

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Jewish_Legion_in_World_War_I?uselang=de

http://query.nytimes.com/gst/abstract.html?res=9E03EFD71231E733A05755C1A9629C946796D6CF

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/History/sugar38rf.html

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/History/legion.html

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/judaica/ejud_0002_0011_0_10141.html

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/History/gallipoli.html

http://gazeta.rjews.net/Lib/Jab/slovo2.html

http://www.eleven.co.il/article/11515

http://www.sem40.ru/politics/3838/

http://www.jewisheastend.com/jewishlegion.html

http://www.maranat.de/agr_06_den_02.html

http://jewishmag.com/148mag/jewish_legion/jewish_legion.htm

http://web.archive.org/web/20071225180154/http://www.veterans.org.il/?p=206

http://www.jewishpubliclibrary.org/blog/wp-content/uploads/2010/11/JEWISH-LEGION.pdf

http://www.israeldailypicture.com/2013/03/the-jewish-brigade-celebrates-passover.html

http://www.crwflags.com/fotw/flags/il%5Egb.html

http://www.historyireland.com/18th-19th-century-history/the-zion-mule-corps-and-its-irish-commander/

http://knowlescollection.blogspot.de/2010/10/jewish-legion.html

http://www.fusiliermuseumlondon.org/uncategorized/the-jewish-legion-1915-1920/

http://jewishmuseummd.org/2012/11/the-jewish-legion-of-world-war-i/

http://ldn-knigi.lib.ru/JUDAICA/JabotW_JLeg.htm

Beit Hagdudim Museum –
Jewish Volunteers to the British Armed Forces during World Wars I and II

http://www.mod.gov.il/pages/heritage/BeitHagdudimMuseum.asp

http://www.isragen.org.il/siteFiles/1/211/4782.asp

http://www.youtube.com/watch?v=BclBnKFix2A

YOUTUBE

http://www.youtube.com/watch?v=BzMXDKiKOco

http://www.youtube.com/watch?v=l_-DSbWYcNM

http://www.youtube.com/watch?v=NutOZwCm5qU

http://www.youtube.com/watch?v=yngPuqDWxiU

http://www.youtube.com/watch?v=6DElyJeq8mk

http://www.youtube.com/watch?v=LIuleh505bA

http://www.youtube.com/watch?v=7_tkGZDgZQQ

http://www.youtube.com/watch?v=t_BJXa9nHyg

http://www.youtube.com/watch?v=x3sOw0UUB9c

http://www.youtube.com/watch?v=kpRyPHOkkbs