Rechtsextreme Frauen – übersehen und unterschätzt

Analysen und Handlungsempfehlungen in einer neuen Broschüre der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus  der Amadeu Antonio Stiftung…

Ein Jahr nach Prozessbeginn gegen Beate Zschäpe zeigt sich, dass die Ermittlungspannen von Verfassungsschutz und Polizei auch auf einer eklatanten Fehlwahrnehmung rechtsextremer Frauen beruhen: Die Verbrechen des NSU hätten in mehreren Fällen aufgedeckt werden können, wenn die Aktivitäten rechtsextremer Frauen wahr- und ernstgenommen worden wären. Nicht nur seitens der Polizei und des VS, auch in der Pädagogik, Zivilgesellschaft und Medien werden rechtsextreme Frauen jedoch nach wie vor häufig als „Freundin von…“ gesehen und ihre Ideologie und Handeln ausgeblendet. Auf diesem Wege jedoch wird das Gefahrenpotential rechtsextremer Frauen unterschätzt. Gerade in ländlichen Räumen versuchen rechtsextreme Frauen als freundliche Nachbarin, engagierte Mutter im Elternbeirat und im Sportverein ihre Ideologie strategisch einzubringen und an die „Mitte der Gesellschaft“ anzuschließen. Hier gilt es, genauer hinzusehen und etwas dagegen zu tun.

Die Fachstelle Gender und Rechtsextremismus präsentiert mit einer Broschüre die Ergebnisse eines Projektes, das das weit verbreitete Ausblenden rechtsextremer Frauen aufzeigt. Der Analyse verschiedener Fallgeschichten schließen sich Handlungsempfehlungen für Pädagogik, Vereine, Sicherheitsbehörden, Justiz, Zivilgesellschaft und Medien an.

„Die Aktivitäten rechtsextremer Frauen werden mit einer stereotypen Wahrnehmung ausgeblendet. Frauen sind jedoch nicht per se friedliebend oder gar unpolitisch. Die Strategien rechtsextremer Frauen als Nachbarin, Erzieherin, Juristin oder Terroristin sind eine ernstzunehmende Gefahr für eine demokratische Gesellschaft, hier gilt es, aktiv zu werden und genau hinzusehen“, fordert Heike Radvan, Leiterin der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus in der Amadeu Antonio Stiftung.

Die Fachstelle Gender und Rechtsextremismus setzt sich als der Teil der Amadeu Antonio Stiftung für einen geschlechterreflektierenden Ansatz in der Arbeit gegen Rechtsextremismus ein. Dazu bietet sie Analysen, Fortbildungen und Beratungen für Politik und Zivilgesellschaft an.

Weitere Informationen finden Sie unter www.gender-und-rechtsextremismus.de