Jüdische Wurzeln christlicher Liturgie

Am Mittwoch, den 07.Mai 2014, fand in den Räumen des Schönstattheims in Würzburg ein Studiennachmittag zum Thema „Jüdische Wurzeln christlicher Liturgie“ statt, zu dem das Fortbildungsinstitut der Diözese Würzburg eingeladen hatte…

Judith Bar-Or

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Frau Dr. Monika Berwanger den Referenten Herrn Israel Schwierz, Rektor i.R. und Lay Leader der jüdischen US-Militärgemeinde Würzburg a.D. und den Co-Referenten, Herrn Bernhard Hopf vom Liturgieinstitut der Diözese sehr herzlich.

Nach einer Vorstellungsrunde aller Teilnehmer, die zumeist aus den Bereichen Kirche oder Schule waren, wurde ein kurzer Film über zwei Bar-Mitzwa-Feiern in Jerusalem – eine an der Klagemauer und eine weitere in einer aschkenasischen Synagoge – gezeigt. Danach vermittelte Israel Schwierz exemplarisch, ergänzt durch zahlreiche Beispiele, einen kurzen Überblick über die beiden Hauptgruppen des jüdischen Volkes – die Aschkenasim (westliche Juden) und die Sephardim (orientalische Juden), – aber auch über die drei wichtigsten Richtungen des aschkenasischen Judentums, die Orthodoxie, das konservative Judentum und das Reformjudentum. In diesem Kontext machte er die Anwesenden mit einigen jüdischen Ritualgegenständen – z.B. Tallit, Tefillin, Gebetbuch, u.s.w. – bekannt und beantwortete aufkommende Fragen. Anschließend wurden in einer regen Diskussion Parallelen zwischen liturgischen Handlungen im Judentum und im Christentum gesucht und auch gefunden. Schnell war allen klar, dass eine größere Anzahl von Aktivitäten in der christlichen Liturgie ihre ursprünglichen Wurzeln im Judentum haben mussten. Angesprochen wurde auch der Gottesdienst der Juden zu Zeiten des Tempels, über den allerdings relativ wenig bekannt ist, außer der Tatsache, dass täglich Tieropfer dargebracht worden sind.

Nach einer kurzen Pause wurde ihnen in einem zweiten Kurzfilm der Sabbath – sowohl daheim als auch in der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin – vorgestellt. In der anschließenden sehr regen und fruchtbaren Diskussion wurden wiederum zahlreiche Parallelen zwischen den beiden Religionen gefunden, aber es wurden auch grundlegende Unterschiede klar. So wurde wohl auch den meisten bewusst, dass trotz Chancen gemeinsamer Liturgie eine Ökumene – derzeit jedenfalls – noch nicht denkbar und möglich ist.

In einer kurzen Zusammenfassung am Ende der vierstündigen Veranstaltung trugen die Teilnehmer zusammen, was sie an neuen Erkenntnissen und Einsichten aus diesem Seminar mitnehmen konnten. Es war in der Tat sehr erfreulich, wie viel Neues ihnen an diesem Nachmittag zuteil geworden war. Mit einem hebräischen Lied aus dem neuen Gesangbuch der Diözese, von Bernhard Hopf auf dem Klavier sehr einfühlsam begleitet, endete dieser wohl in seiner Art einmalige Studiennachmittag.

Es ist sehr erfreulich, dass sich heutzutage Christen mit den jüdischen Wurzeln ihrer Religion beschäftigen. Ein ganz besonderer Dank und höchste Anerkennung gebühren daher Frau Pastoralreferentin Dr. Monika Berwanger für ihre sehr arbeitsintensive Vorbereitung, großartige Durchführung und Moderation des Seminars, ebenso wie ihrem Kollegen Herrn Bernhard Hopf, der maßgeblich zum Gelingen des Seminars beitrug. Großer Dank gebührt vor allem Herrn Israel Schwierz für seine ehrlichen und offenen Ausführungen, aber auch allen Teilnehmern des Seminars für ihr großes Interesse und ihre regen Diskussionsbeiträge. Es ist sehr zu hoffen, dass diese Veranstaltung nicht die letzte ihrer Art gewesen ist, sondern dass noch viele folgen mögen.

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