Die indischen Juden in historischen deutschen Nachschlagewerken

Welchen Umfang bzw. welche Qualität wiesen die Informationen zu Juden in Indien in den großen deutschen Enzyklopädien des 20. Jahrhunderts auf? Handelte es sich lediglich um Randbemerkungen, um knappe Erwähnungen, sozusagen, der Vollständigkeit halber, oder wurden wertvolle, möglicherweise sogar detaillierte Angaben vermittelt? Nichtjüdische deutsche Lexika wie Brockhaus, Meyer und andere sollen Antworten auf diese Fragen geben, aber auch ergänzende allgemein-demografische bzw. die Geschichte betreffende Angaben beisteuern…

Brockhaus und Meyer waren im 20. Jhdt. die bekanntesten und umfangreichsten deutschsprachigen, allgemeinen Enzyklopädien. Sie waren mehrbändig ausgelegt und überraschen noch heute, besonders in ihren frühen Auflagen, durch ihre Vielseitigkeit und Detailliebe. Häufig begleiteten die schriftlichen Ausführungen auch noch hochwertige schwarz-weiße, seltener, farbige Abbildungen und Karten.

Das Land, das wir heute ganz eindeutig als Indien kennen und so bezeichnen, war lange Zeit über in deutschen Lexika, zur besseren Unterscheidung von Westindien (Karibik), unter dem Stichwort „Ostindien“ zu finden. So erklärt sich, dass die unten wiedergegebenen Auszüge teils unter „Indien“, teils unter „Ostindien“ nachzuschlagen waren. Für diesen Beitrag  wurden auch noch weitere Indien-Einträge, wie die zu Bombay, Kalkutta, Cochin/Kotschin, Malabar oder Goa, auf deren Bezug zu Juden hin untersucht und in Frage kommende Stellen zitiert.

Bombay, Präsidentschaft des britisch-indischen Kaiserreichs…

Der Religion nach waren 1901: 19 916 438 Hindu, 4 567 295 Mohammedaner, 216 118 Christen, 535 950 Dschaina, 78 552 Parsen, 10 860 Juden, 177 104 Naturanbeter…

Bombay, Hauptstadt der gleichnamigen Präsidentschaft…

Im ganzen besitzt Bombay neun öffentliche Plätze, zahlreiche Hindutempel, 89 Moscheen, anglikanische, römisch-katholische und armenische Kirchen und eine Synagoge

Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl., Leipzig und Wien 1904.

Kotschin (…), britisch-indischer Vasallenstaat … mit (1901) 812 025 Einwohnern, darunter 501 544 Hindu, 46 389 Mohammedaner, 173, 831 Christen und 1142 Juden…

Kotschin (Kotschi-Bandar)… Hafenstadt im Distrikt Malabar der brit.-ind. Präsidentschaft Madras am Südufer der schiffbaren Haupteinfahrt des Travancore-Ästuars…

Schon 52 n. Chr. soll der Apostel Thomas hier eine christliche Kirche gegründet haben; auch Juden ließen sich (zufolge der Überlieferung nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus (70 n. Chr.)) hier nieder…

Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl., Leipzig und Wien 1905.

Malabar, Küstenstrich im Südwesten der vorderindischen Halbinsel…

Das Christentum, zu dem sich ein Zehntel der Bevölkerung bekennt, fand angeblich bereits durch den Apostel Thomas Eingang; jetzt sind hier syrische und katholische Christen (Jesuiten) und die protestantische Baseler Mission tätig. Auch zählt Malabar einige Judengemeinden (weiße und schwarze Juden). Außer 500 000 Tschanar in Travankor sprechen sämtliche Einwohner das Malayalam…

Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl., Leipzig und Wien 1907.

Ostindien (…), die Halbinseln Vorder- und Hinterindien mit den Inseln des Indischen Ozeans, von den Lakkadiven bis zu den Philippinen; im engeren Sinne das Britisch-indische Kaiserreich (Indobritisches, Angloindisches Reich), auch kurz Indien genannt…

…Nach dem 1901 angestellten Zensus war die Zahl der Einwohner Britisch-Indiens nebst allen Außenbesitzungen 294 361 056 (fast der fünfte Teil der Erdbewohner), wovon 231 899 507 auf die unmittelbaren, 62 461 549 auf die mittelbaren Besitzungen kommen…

Dem Geschlecht nach unterschied man bei 293 377 300 Personen, über die genauere Erhebungen gemacht werden konnten, 149 420 853 männliche und 143 956 447 weibliche Personen. Der Nationalität nach waren von 1 180 772 Nichtindern 154 691 Briten, 14 986 andre Europäer (1500 Deutsche), 66 779 Chinesen (…), 307 920 Araber (…) u. a. …

Dem Religionsbekenntnis nach unterschied man 207 147 026 Hindu, 62 458 077 Mohammedaner, 8 584 148 Buddhisten, 9 476 759 Naturanbeter, 2 923 241 Christen, 2 195 339 Sikh, 1 334 148 Dschaina, 94 190 Parsi, 18 228 Juden u.a. Überwiegend vertreten sind die Mohammedaner in Bengalen u. im Pandschab, die Buddhisten in Birma, die Christen in Madras, die Sikh im Pandschab, die Dschaina und Parsen in Bombay. Von den Christen waren 169 677 Europäer, 89 251 Eurasier, 1 664 313 Eingebor(e)ne. Die einheimischen Christen sind teils sogen. Thomaschristen an der Malabarküste, teils durch Franzosen und Portugiesen bekehrte Katholiken, teils durch Engländer, Amerikaner, Deutsche, Schweden und Dänen gewonnene Protestanten. Die Zahl der römischen Katholiken betrug 1901: 1 202 169, der Anglikaner 453 099, der syrischen Christen 248 741, der Baptisten 221 040, der Lutheraner 155 455 ec. Es arbeiten hier 30 Missionsgesellschaften, neben englischen und amerikanischen auch 6 deutsche (…), eine schwedische und eine dänische. Die römisch-katholische Kirche hat 18 apostolische Vikariate und eine Präfektur sowie mehrere bedeutende Lehranstalten der Jesuiten in Kalkutta, Bombay, Negapatam, Mangalor ec. …

Ethnologisch scheidet sich die Bevölkerung Indiens in zwei Hauptgruppen: die Arier (…), hauptsächlich in den nördlichen Ebenen von Indus bis in das Tal des Brahmaputra, und die Drawida (…), die früher über ganz Indien verbreitet, jetzt mit Tanuba, Kanaresen, Telugu, Malabaren u.a. den südlichen Teil, das Dekhan, nebst dem gebirgigen Innern einnehmen. Neben diesen beiden Gruppen lebt meist in unzugänglichen Berg- und Waldgegenden eine Anzahl von Stämmen, die das Land wahrscheinlich schon lange vor jenen bewohnten und sich von ihnen in jeder Hinsicht sehr scharf unterscheiden. Zu diesen gehören die Gond, Dantal, Kund, Kol, Bhil u.a. Im Norden und in Hinterindien wohnen zahlreiche tibeto-birmanische Stämme, wie die Katschar oder Bodo, Garo, Newar, Leptscha, Both, Naga, Mikir, Birmanen, Kunu, Karen u.a. An sie schließen sich Siamesen, Lao, Schan u.a. an. Eine ganz andre Stellung nehmen jene Volksstämme ein, die in geschichtlicher Zeit als Eroberer ins Land kamen, wie die mohammedanischen Mongolen, Perser und Afghanen, oder sich als Kaufleute in den Städten Malabars, in Calicut, Goa, Gudscharat ec. niederließen, wie die Araber, deren mit Hindu erzeugte Mischlinge in Südindien Mopla genannt werden, die Parsi und die Juden, welch letztere, angeblich schon zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft eingewandert, sich in weiße und schwarze Juden, wohl die Nachkommen bekehrter Eingeborener, scheiden. Wenn man von den mongoloiden Birmanen Hinterindiens absieht, sind in Ostindien vier große Rassengruppen zu unterscheiden: die Kol, die Drawida, die Tibetaner und die Arier…

Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl., Leipzig und Wien 1908.

Juden,

Die babylonischen Juden standen unter einem Exilfürsten (…), der sein Geschlecht auf David zurückführte. Im ganzen ging es ihnen während der Herrschaft der Parther und Sassaniden erträglich, obwohl es zeitweise nicht an Bedrückungen fehlte, so besonders unter Jezdegerd II, Firuz, Hormuz, Kobad. Bei solcher Gelegenheit wanderten persische Juden nach Indien aus und gründeten an der Malabarküste ein kleines Fürstentum, das bis 1520 bestand…

Kirchliches Handlexikon, (Hg.) Michael Buchberger, Freiburg im Breisgau 1912.

Bombay,… Die Hauptstadt Bombay, (1921) 1 175 914 Einwohner (meist Hindu, 184 685 Mohammedaner, 68 169 Christen), nächst Kalkutta die volkreichste Stadt Britisch-Indiens, auf der 55qkm großen Insel Bombay, die ein schmaler Kanal (Brücke) von der Insel Salsette trennt…

Bombay hat zahlreiche Hindutempel, 89 Moscheen, anglikanische, römisch-katholische und armenische Kirchen und eine Synagoge, starke Garnison und Industrie…

Meyers Lexikon, 7. Aufl., Leipzig 1925.

Indische Religionen. So wenig wie die indischen Sprachen oder das indische Volk sind die indischen Religionen im weitern Sinn einheitlich. Neben 68 735 233 Mohammedanern, 4 754 064 Christen (Europäer und Eingeborene) zählte Indien (1921: 316 128 721 Einw.) eine Reihe von Glaubensbekenntnissen, die einander stets geduldet haben; Herrscher haben Untertanen und Mönche andern Glaubens ebenso geschützt wie die ihres eignen…

Der Islam fand Eingang mit der Ausbreitung der politischen Macht der Mohammedaner und Mogulherrscher im 11. Jh.; durch Missionare, deren Reisen im 13. Jh. beginnen, kam das römisch-katholische Christentum nach Indien. Da Friedrich IV. von Dänemark seine indische Besitzung Trankebar missionieren wollte, so trat 1706 auch die protestantische Mission (…) auf den Plan. Angeblich alte Tradition bewahren die Juden (21 778) an der Südwestküste.

Meyers Lexikon, 7. Aufl., Leipzig 1927.

Kotschin (Kochin, engl. Cochin), britisch-indischer Vasallenstaat an der Küste von Malabar, der Präsidentschaft Madras unterstellt, 3831 qkm mit (1920) 979 080 Einwohnern (646 132 Hindu, 68 707 Mohammedaner, 262 595 Christen, meist Nestorianer, 1167 Juden)…

Lit.: F. S. Davis, Cochin, British and Indian (1923).

Kotschin (Kutschi-Bandar, „kleiner Hafen“, engl. Cochin), Hafenstadt im Distrikt Malabar der britisch-indischen Präsidentschaft Madras an der Haupteinfahrt des Travankor-Ästuars, hat alte Bauten aus der holländischen Zeit (1663-1795), anglikanische Kirche (…), Missionsschulen und (1921) 20637 Einwohner, zur Hälfte Christen (ursprünglich Nestorianer, ansässig seit dem 5. Jahrh.), schwarze und weiße Juden und viele Mopla, die Fischerei, Handel und Schiffahrt treiben…

Meyers Lexikon, 7. Aufl., Leipzig 1927.

Ostindien (…), die Halbinseln Vorder- und Hinterindien nebst Inseln; im eigenen Sinn das Britisch-indische Kaiserreich (engl. Indian Empire, Indien, Britisch-Indien, veraltend Angloindisches Reich)…

… Nach dem Religionsbekenntnis gab es 1921: 216, 7 Mill. Hindu, 68, 7 Mill. Mohammedaner, 11, 6 Mill. Buddhisten, 4, 8 Mill. Christen, 9, 8 Mill. Heiden, 3, 3 Mill. Sikh, 1, 2 Mill Dschaina, 101 778 Parsen und 21 778 Juden.

… In geschichtlicher Zeit drangen Parsi und Juden ein, später mohammedanische Mongolen, Perser und Afghanen, als Kaufleute Araber in die Küstenstädte (…).

… Die größten Städte sind Bombay, Kalkutta, Madras, Haidarabad, Rangun, Delhi, Lahor, Ahmedabad, Lakhnau, Bangalor, Karatschi, Khanpur und Puna (über 200 000 Einwohner).

Meyers Lexikon, 7. Aufl., Leipzig 1928.

Cochin, (…), 1) Eingeborenenstaat der britisch-indischen Präsidentschaft Madras, umfaßt 3527 qkm mit (1921) 980 000 Einwohnern (646 000 Hindus, 263 000 Christen, 68 000 Mohammedaner, 1160 Juden)…

Die Bevölkerungsverhältnisse erhalten durch die starke Verbreitung des Christentums, das Bestehen einer alten jüdischen Siedlung, das Vorkommen primitiver Eingeborenenstämme (…), die überaus scharfe Kastengliederung und das Matriarchat der bäuerlichen Nayars ihr Gepräge. Hauptstadt ist Ernakulam (23 190 Einwohner).

2) Hafenstadt in der britisch-indischen Präsidentschaft Madras (…), hat (1921) 20 640 Einwohner (zur Hälfte Christen und einige hundert Juden)…

Der Große Brockhaus, 15. Aufl., Leipzig 1929.

Juden, ein ursprünglich einheitliches Volk in Palästina, das noch heute ihr Kernland bildet; sie sind entstanden aus dem Volke Israel, zu dem sie gewissermaßen die Fortsetzung bilden…

Zahl der Juden, geordnet nach Erdteilen und innerhalb dieser nach Ländern…

Asien:

Juden in Britisch-Indien: Gesamtbevölkerung 319 000 000; Juden 21 000; 0, 007 %

Zahl der Juden in den wichtigsten Städten der Welt und ihr Prozentsatz zu der Gesamtbevölkerung

Bombay 10 750 Juden, 1 %.

Calcutta 1600 Juden, 0, 2%.

II. Die Juden in der Diaspora

c) Die Juden in Indien. Aus Indien liegen Zeugnisse alter Niederlassungen von Juden seit 490 n. Chr. vor. 1492 siedelten sich hier aus Spanien vertriebene Juden an, wurden aber von der Inquisition bis auf geringe Reste (die „Weißen Juden von Cochin“) ausgerottet. Daneben wohnen dort nach jüdischem Ritus lebende Stämme von Eingeborenentyp: 1) Die „Schwarzen“, d. h. hindubraunen Juden; 2) die Beni Israel zu Bombay, wahrscheinlich Mischlingsstämme aus Juden und bekehrten Hindu und Drawida.

Der Große Brockhaus, 15. Aufl., Leipzig 1931.

Malabar, Pfefferküste, Landschaft an der Südwestküste Vorderindiens (…), besteht aus der Küstenebene und dem Westabfall  der Westghats und wird von den Malajalam sprechenden Malabaren bewohnt…

Der Distrikt Malabar der Präsidentschaft Madras umfaßt einschließlich der Lakkadiven 15 000 qkm mit (1921) 3 099 000 Einwohnern (2 038 000 Hindu, 1 004 000 Mohammedaner, 54 500 Christen). Hauptstadt ist Calicut. Andere wichtige Häfen sind Tellicherry, Cannanore und Cochin…

Das Christentum war hier schon früh verbreitet (…); auch gab es alte Judengemeinden. Zwischen Malabar und Arabien bestanden alte Handelsbeziehungen…

Der Große Brockhaus, 15. Aufl., Leipzig 1932.

Juden, Einzahl der Jude, eine über fast alle Länder zerstreute Volks- und Religionsgemeinschaft, insgesamt wohl 16-17 Mill. Menschen…

Die Juden im Altertum in der Diaspora. Hand in Hand mit einer ungeheuren Vermehrung der jüdischen Volkszahl (5. Jahrh. v. Chr. 400 000 bis 500 000; 1. Jahrh. n. Chr. 4 ½ Mill.) ging eine rasche Ausbreitung der Juden über die ganze Welt. Diese Zunahme war zum größten Teil durch das Einströmen von Nichtjuden als Proselyten in die jüdische Religions- und Volksgemeinschaft bedingt. In der gleichen Zeit haben sie sich von Babylonien und Palästina aus über alle Mittelmeerländer ausgebreitet. Am Ausgang des Altertums finden sie sich von Germanien und Gallien bis nach Südarabien, von Spanien bis nach Indien und China…

Britisch-Indien: 25 000 Juden; 0, 01 % (der Gesamtbevölkerung)

Der Neue Brockhaus – Allbuch in vier Bänden und einem Atlas, 2. Aufl., Leipzig 1941

Beni Israel, sehr lange in Vorderindien eingesessene Juden unbekannter Herkunft von brauner Hautfarbe, die Marathi sprechen. Ihre Religion ist eine primitive Form des Judaismus mit islamischen und christlichen Einschlägen. Das Hebräische und die volle Kenntnis des jüdischen Rituals war bei ihnen in Verfall geraten, als christliche Missionare sie um 1800 ‚entdeckten‘. Seit 1850 bemühen sich Juden aus Bagdad um ihre religiöse Erneuerung. Man zählt heute etwa 15 000 Beni Israel, stark assimiliert und mit Hindus vermischt. Zentrum Bombay; Hauptberufe: Ölpresser und Soldaten.

H. S. Kehimker: History of the Bene Israel of India (Tel Aviv 1937).

Der Grosse Brockhaus, 16. Aufl., Wiesbaden 1952.

Bombay, … 2) Hauptstadt des Staates Bombay, die zweitgrößte Stadt Indiens… mit (1951) 2, 84 Mill. Einwohnern; neben Hindus etwa 100 000 Parsen, die wirtschaftlich eine führende Rolle spielen, Araber (Händler), Irakjuden, Japaner…

Der Grosse Brockhaus, 16. Aufl., Wiesbaden 1953.

Indien, amtlich Bharat (…), Staat in Vorderindien…

Statistik – Religionen: in % (1941 und 1881): Hindu 69, 46; 75, 09. Moslems 24, 28; 19, 97. Tritals 2, 26; 2, 57. Christen 1, 91; 0, 71. Sikhs 1, 46; 0, 74. Dschainas 0, 37; 0, 49. Buddhisten 0, 12; 0, 07. Parsis 0, 03; 0, 03. Juden 0, 01; – . andere 0, 10; 0, 33.

Der Grosse Brockhaus, 16. Aufl., Wiesbaden 1954.

Juden, der in der Landschaft Juda (Judäa) beheimatete und von dort über die Welt zerstreute Rest des ehemaligen Volkes Israel…

Aus Indien liegen Zeugnisse jüdischer Niederlassungen seit 490 n. Chr. vor. 1492 siedelten sich hier aus Spanien vertriebene Juden an, wurden aber von der Inquisition bis auf geringe Reste (die weißen Juden von Kotschin) ausgerottet. Daneben wohnen dort nach jüdischem Ritus lebende Eingeborenenstämme: die Schwarzen Juden, die Beni Israel zu Bombay, wahrscheinlich Mischlingsstämme aus Juden, bekehrten Hindus und Drawidas; z. T. sind sie nach Israel ausgewandert…

Der Grosse Brockhaus, 16. Aufl., Wiesbaden 1955.

Malabar, Pfefferküste, Landschaft an der SW-Küste Vorderindiens…

Malabar bildete etwa im 8.-9. Jahrh. das Reich der Perumal-Dynastie und zersplitterte dann in Teilstaaten. Das Christentum war hier früh verbreitete (…); auch gab es alte Judengemeinden

Der Grosse Brockhaus, 16. Aufl., Wiesbaden 1955.

Juden, die Angehörigen der jüdischen Volks- und/oder Glaubensgemeinschaft…

Die Juden in Asien

Nach Indien, wohin Handelsbeziehungen schon länger bestanden, wanderten persische Juden im letzten Viertel des 5. Jahrh. aus. Zeugnisse jüdischer Niederlassungen liegen seit 400 vor. Europäische Juden kamen mit den Portugiesen gegen Ende des 15. Jahrh. nach Indien. Die Inquisition in Goa ging besonders gegen die Marranen vor. – Stark an die indische Umwelt assimiliert ist der jüdische Stamm der Beni Israel (15 000 Mitglieder, meist in Bombay). Tausende von ihnen sind 1950 nach Israel ausgewandert und siedelten z. T. geschlossen, in Dörfern des Lakischdistriktes.

In Kotschin gibt es die alteingesessenen Schwarzen Juden, die ethnisch der Urbevölkerung nahestehen; neben ihnen konnten sich die im Mittelalter eingewanderten Weißen Juden halten.

Statistik Der Jüdischen Bevölkerung

Juden in Indien 1928/31: 21 000; 1949/50: 25 000; 1968: 16 000.

Jüdische Bevölkerung in Bombay: 1928/31: 10 750; 1949/50: 14 350; 1968: 14 000.

Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bänden, 17. Aufl., Wiesbaden 1970.

Anmerkungen:

Die Angaben aus den Nachschlagewerken wurden in ihrer Originalfassung übernommen und nicht der neuen Orthografie angepasst. Abkürzungen wurden zumeist ausgeschrieben. Die unterschiedlichen Jahreszahlen bei Lexika derselben Auflage erklären sich damit, dass die Bände einer Auflage nacheinander, nach Fertigstellung, und nicht in einem bestimmten Jahr, alle zusammen, erschienen sind.

Das zitierte zweibändige Kirchliche Handlexikon trägt den Untertitel „Ein Nachschlagewerk über das Gesamtgebiet der Theologie und ihrer Hilfswissenschaften“; es wurde von namhaften deutschen Akademikern verantwortet und stammt aus der katholischen Herderschen Verlagsbuchhandlung. Beim Herausgeber des Kirchlichen Handlexikons, Michael Buchberger, handelt es sich um eine rundweg umstrittene Persönlichkeit; Einzelheiten siehe Wikipedia (Link, unten).

Eine Absicht, die mit dem vorliegenden haGalil-Beitrag verbunden ist, war es, Leser zu eigenen Recherchen in historischen, deutschsprachigen Nachschlagewerken anzuregen und sich nicht ausschließlich auf die virtuelle Bürgerenzyklopädie Wikipedia zu verlassen. Wie die obige Materialsammlung zu den Juden in Indien belegt, lassen sich in alten deutschen Lexika auch zu nichtdeutschen Wissensgebieten, bzw. Themen, zahlreiche verwertbare Informationen finden. Nicht selten entpuppen sich gerade diese Kompendien mit den leicht angegilbten Seiten und dem speziellen Geruch als wahre Goldgruben.

Internet:

http://de.wikipedia.org/wiki/Meyers_Konversations-Lexikon

http://de.wikipedia.org/wiki/Brockhaus_Enzyklop%C3%A4die

http://en.wikipedia.org/wiki/Kirchliches_Handlexikon

http://www.mgh.de/bibliothek/opac/?wa72ci_url=/cgi-bin/mgh/regsrchindex.pl?wert=kirchliches+handlexikon+ein+nachschlagebuch+ueber+das+gesamtgebiet+der+theologie+u+ihrer+hilfswissenschaften&recnums=312968&index=1&db=opac

http://de.wikipedia.org/wiki/Verlag_Herder

http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Buchberger