„Calcutta“, „Calicut“, „Cochin“ und „Cranganore“ von Herbert Loewe in der Encyclopaedia Judaica (1931)

Die Stichworte der historischen Berliner Encyclopaedia Judaica zu indischen Juden: „Calcutta“, „Calicut“, „Cochin“ und „Cranganore“ stammen vom britischen Gelehrten Herbert Loewe. Der eigentliche Indieneintrag der EJ, bearbeitet von J. Gutmann und Cecil Roth, ist Gegenstand eines parallel erscheinenden haGalil-Artikels

In hoher Druckqualität ausgelegt und von herausragenden Fachleuten verantwortet, erschien im Berliner Verlag  Eschkol ab Ende der 1920er und bis in die frühen 1930er Jahre hinein das jüdische Nachschlagewerk Encyclopaedia Judaica, das bekanntlich ein Fragment blieb. Es konnte nur bis zum Buchstaben „L“ geführt werden, ehe die politischen Verhältnisse in Deutschland eine Weiterarbeit, oder gar einen Abschluss, unmöglich machten. Als Chefredakteur der EJ fungierte Dr. Jakob Klatzkin und als dessen Stellvertreter der bekannte Historiker Prof. Dr. Ismar Elbogen.

Als Lexikonautor für die Städteeinträge zu Indien „Calcutta“, „Calicut“, „Cochin“ und „Cranganore“ gibt die EJ den Oxforder Gelehrten Herbert Loewe an. Dieser war der Enkel des aus Deutschland stammenden, hoch angesehenen Orientalisten Louis Loewe (1809-1888) und am 1. Mai 1882 in London geboren worden.

Sein Vater, James Henry Loewe (1853-1943), ein Bankier mit einer Passion für rabbinische Wissenschaften, wurde zugleich zu seinem ersten Lehrer. 1904/05 schloss Herbert Loewe sein Studium, das er an der Londoner St. Pauls School begonnen hatte, am Queen’s College in Cambridge (Orientalistik und Theologie) mit Bestnoten ab. Er war der Schüler von Dr. Israel Abrahams gewesen, der ihm nicht nur als Lehrer, sondern auch menschlich zum Vorbild dienen sollte.

1905 trat Loewe einen Aufenthalt in Ägypten an, um seine Kenntnisse der arabischen Sprache zu vertiefen, aber auch um an den Schulen der Alliance Israélite Universelle von Kairo und Abyassiyyeh Englischunterricht zu erteilen. Im Jahr darauf setzte er seine akademische Laufbahn zunächst in Cambridge, dann, 1914, in Oxford, fort, indem er u.a. Hebräisch lehrte.

Gemeinsam mit seinem Lehrer Israel Abrahams bemühte sich Loewe um eine Verbesserung der Situation jener jüdischer Studenten, die den Sabbat in vorgeschriebener Weise begehen wollten, sich aber einer christlichen Prüfungsordnung unterworfen sahen, die darauf keine Rücksicht nahm. Es gelang Kompromisse zu finden.

Herbert Loewes Schwager Basil Henriques hatte sich gleichfalls für die Belange der Juden in Oxford eingesetzt und war dabei erfolgreich gewesen. Loewes Wirken in dieser zweiten bedeutenden britischen Universitätsstadt war jedoch nur von kurzer Dauer, da er sich bald nach Kriegsbeginn, 1914, als Freiwilliger für den Kriegsdienst meldete. Man schickte ihn nach Indien, wo er in einer Fabrik für Uniformen Aufsichtsfunktionen wahrnahm, nachdem ein Einsatz an der Front wegen gesundheitlichen Einschränkungen nicht in Frage gekommen war.

Herbert Loewe war mit Ethel Victoria Hyamson (1887-1946), der Schwester des Historikers Albert Montefiore Hyamson, verheiratet. Beider erster Sohn, Raphael James Loewe, kam 1919 in Kalkutta zur Welt und sollte sich bis an sein Lebensende im Jahre 2011 allergrößten Ansehens als akademischer Lehrer für Judaistik und als mehrfach für seine Tapferkeit ausgezeichneter britischer Soldat des Zweiten Weltkriegs erfreuen.

Nach Herbert Loewes Rückkehr nach Oxford im Jahre 1920 wurde er schon bald zu einem Mittelpunkt jüdischen Lebens der Stadt, als der er nicht nur ein Herz für seine Studenten besaß, die mit ihren Sorgen zu ihm kommen durften, sondern der sich um einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Strömungen unter den Juden bemühte, aber auch eine Mittlerfunktion zwischen Christen und Juden einnahm, alles das neben seiner aufreibenden lehrenden und forschenden Tätigkeit.

Wohl nicht nur aufgrund der Herkunft seines Großvaters nahm Herbert Loewe mit Sorge und Mitgefühl wahr, was sich ab den 1930er Jahren in Deutschland abspielte, wie dort das Mittelalter in seinen furchtbarsten Traditionen wiederbelebt wurde, wie Juden allein wegen ihrer Abstammung schlimmste Verfolgungen erdulden mussten.

Als der Rabbiner Leo Baeck vom Berliner Rabbiner Seminar (Hochschule für die Wissenschaft des Judentums) einmal England besuchte, hatte er Loewe kennen und schätzen gelernt. Gemeinsam besprachen sie Pläne die Berliner Hochschule nach Cambridge, wo Loewe ebenfalls Vorlesungen gab, zu transferieren. Das Berliner Lehrpersonal und die Bibliothek des Berliner Instituts hätten dabei den Grundstock einer neu einzurichtenden englischen Jüdischen Akademie gebildet. Jedoch beendete der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs das bereits weit fortgeschrittene Projekt und es musste schließlich aufgegeben werden. Nur 58 Jahre alt geworden, starb Herbert Loewe am 11. Oktober 1940.

Zu Loewes Verpflichtungen bzw. Tätigkeiten hatten u. a. gezählt: Verwalter der Orientalischen Handschriften und Dozent für orientalische Sprachen am Oxforder „Exeter College“, Dozent für rabbinische Literatur, Goldsmid Lecturer für Hebräisch an der Universität London, Mitarbeiter an der Cambridge Mediaeval History, der „Cambridge History of India“, des „Hastings Dictionary of Religion and Ethics“ sowie der „Encyclopaedia Britannica“.

Calcutta, die frühere Hauptstadt von Britisch Indien, heute Hauptstadt der Präsidentschaft Bengalen. Abraham Farisol (1524), der den im Talmud genannten Fluß Gozan (Kid. 72a) mit dem Ganges identifiziert, verweist auf Grund der Zeugnisse christlicher Reisenden auf jüd. Ansiedlungen in den Gangesdistrikten und in verschiedenen Teilen Bengalens (ed. Hyde 148, 168), welcher Ansicht N. Slouschz (Re. Monde Musulm., 1908, Nr. 55, S. 729) folgt; doch sind unzweideutige Hinweise über diese Siedlungen  nicht überliefert. Eine kurze Bemerkung bei Franςois Pyrard (der 1601-1611 reiste) über Juden unter den vielen religiösen Sekten in Bengalen (Hakluyt Soc., I 333) ist nicht beweiskräftig; Thomas Bowrey, der von 1669-1679 in Indien war und wegen der zeitgenössischen englischen Politik sich für  das Vorhandensein von Juden interessiert hätte, übergeht sie fast vollständig in seinem „Geographical Account oft he Countries round the Bay of Bengal“ (s. jedoch ed. R.C. Temple, Cambridge 1905, S. 27, 28). Auch William Hodges (1780-83) erwähnt keine Juden in Bengalen. Einige der zweifelhaften Hinweise auf Juden können durch die Verwechslung von Calicut mit Calcutta erklärt werden: so z. B. der von Farisol (JQR I 409 und 410 unten). Lucien Wolf zufolge ging ein Londoner Jude, Jacob Jessurun Alvarez, im Jahre 1679 nach Calcutta und besuchte einen dort ansässigen John Mendes da Costa (JQR I, 440). Eine Ansiedlung der Beni Israel scheint zu keiner Zeit so weit östlich bestanden zu haben. Die früheste Ankunft von jüd. Gruppen in Calcutta erfolgte erst im 19. Jht., als einige Familien mesopotamischen Ursprungs nach Calcutta übersiedelten. Zwischen 1846 und 1855 besuchte Benjamin II. Calcutta und stellte dort (S. 202 seiner Reisen) 1500 Familien fest (die Zahl scheint zu hoch zu sein, oder sie müßte seither auffallend abgenommen haben), deren Sitten und Lebensweise derjenigen der Juden von Bagdad ähnlich gewesen sei; das Amt des Rabbiners versah ein talmudisch gebildeter reicher Geschäftsmann, Ezechiel Juda Jakob Sliman (= Salomon). Heute (1929) wohnen in Calcutta ca. 2000 Juden; die Gemeinde besitzt drei Synagogen (Bet-El, Magen David, Newe Schalom), drei Schulen und das Ezra-Hospital.

E. Adler besaß eine Sammlung Hebraica, die vor 1850 in Calcutta gedruckt waren; nach seinem Gazeteer of Hebrw printing“ (1917) ist das früheste hebr. Buch, das den Druckvermerk Calcutta trägt, ein Oktavband über Schechita (erwähnt von Zedner bei Ersch-Gruber, s. v. Jüd. Typ.), der 1840 erschien; wahrscheinlich erschienen lithographierte Werke bereits früher. Es wird angenommen, daß hebr. Bücher auch in der Missionspresse in der benachbarten Niederlassung Serampur gedruckt wurden. Während des Weltkrieges druckte die baptistische Missionspresse in Calcutta eine hebr. Chanukka-Liturgie für jüd. Soldaten.

Jew. Year-Book 1922 und 1929.

H(erbert) Lo(ewe)

Calicut, Seehafen an der Malabarküste, in der Präsidentschaft von Madras, in Indien. Aus einer Bemerkung in der Schrift des Josephus Indus, der unter dem Namen Josef von Cranganore bekannt ist (abgedruckt in Novus Orbis des Simon Grynaeus, Basel 1532; vgl. auch Astley, Voyages I, 8), scheint die Anwesenheit von Juden in Calicut hervorzugehen; sie nahmen dort eine angesehene Stellung ein. Ein Begleiter Vasco de (sic!) Gamas auf seiner zweiten Indienreise (1502) erwähnt in seinem Tagebuch zahlreiche Juden im Distrikt Calicut, die ihren eigenen Fürsten hatten. Ludovico di Vartthema, der zwischen 1503 und 1508 dort reiste, traf einen Juden in Calicut, „der ein herrliches Schiff gebaut und vier Eisenmörser gemacht hatte“ (ed. G. P. Badger, London1863, S. 262; s. auch Burtons Ausgabe von Camcens II, 445). Franςois Pyrard, der Indien in den Jahren 1601-11 bereiste, erwähnt, „daß die Juden in Calicut ihr eigenes Viertel bewohnten und eine Synagoge besaßen“ (ed. A. Gray und C. Bell, London 1887 I, S. 407). Wouter (Gautier) Schouten, der 1658-1665 dort reiste, erwähnt ebenfalls Juden in Calicut. Abraham Farisol (Itinera mundi, ed. Thos. Hyde Oxford 1691) berichtet, daß in der Nähe von Calicut Inseln mit „unzähligen“ Juden sich befinden. Im Jahre 1767 besuchte der in den Diensten des niederländischen Gouverneurs stehende jüd. Kaufmann Isaak Sursion (oder Sarition) Calicut im Auftrage der holländischen Kompagnie (vgl. Historical account of Nawab Hyder Ali Khan from the year 1763, Publikationen der Regierung von Madras S. 39).

H(erbert) Lo(ewe)

Cochin, Hafenstadt und Gebiet in der Präsidentschaft Madras (Indien), die neben Cranganore (siehe dort) für die Geschichte der Juden in Malabar bedeutsam gewesen  ist. Man unterscheidet „weiße“ und „schwarze“ Juden in Cochin; der Ausdruck bezieht sich jedoch nicht auf die Farbe, sondern auf die sozialen Verhältnisse: רוחשׁ (schwarz) ist hier verderbt aus ררחושׁמ (freigelassen), da die indischen Juden viele Inder, darunter auch Sklaven, zum Judentum bekehrt haben (die Liturgie enthält bis heute die Zeremonie der Aufnahme von Proselyten). Die ältesten weißen Juden, die Sakkai, sollen bereits 1212 aus Cranganore nach Cochin gekommen sein. Im Jahre 1344 wurde die älteste Synagoge der schwarzen Juden, Angadi, gegründet. Einige Gewährsmänner haben die Anwesenheit von Juden in Cochin während der Cranganore-Periode bestritten; doch kann der Umstand, daß die Portugiesen im Jahre 1500 keine Juden in Cochin fanden (oder erwähnen), aus deren häufiger Verwechslung von Parsen (wie sie noch im Jahre 1563 vorkam) erklärt werden. Vasco da Gama erwähnt Juden in Cochin bei seiner zweiten Reise (1502). 1513 wurden sie von Albuquerque verfolgt. Noch im Jahre 1511 hatte die aus Spanien vertriebene Familie Castile oder Castiel Cochin erreicht. David Reubeni behauptete (1524), ein Königreich von 300 000 Juden zu vertreten. Ein Grab auf dem alten Friedhof in Cochin stammt aus dem Jahre 1550. Im Jahre 1555 floh Josef Azar, der 72. (letzte) jüd. „Fürst“, nach der Zerstörung von Cranganore über Nabo nach Cochin, wo er in Muttan Cheri eine noch heute bestehende Kolonie gründete. 1568 bauten einige spanische Flüchtlinge (Samuel Castiel, David Belilia, Efraim Sallah und Josef Levi) eine Synagoge in Cochin. Ein Toraschild aus Malabar (jetzt im Indian Institute in Oxford) trägt das Datum 1584 und kann der alten Angadi-Synagoge gehört haben oder auch für die 1586 errichtete neue Synagoge der schwarzen Juden (Thecumbagom) bestimmt gewesen sein; die Synagoge Kadavan Bagom, ebenfalls den schwarzen Juden gehörig, wurde 1639 errichtet.

Im 16. Jht. kamen aus Deutschland nach Cochin die Familien Aschkenasi und Rothenburg. Jakob Castro aus Alexandrien wurde 1610 über die Giltigkeit des tauchbads (Tebila) der schwarzen Juden befragt; damals sollen 900 Juden in Cochin gelebt haben, was wohl zu gering gerechnet ist. Manasse b. Israel gab 1640 an, daß die schwarzen Juden zahlenmäßig dreimal so stark seien wie die weißen.

Die portugiesische Inquisition in Cochin traf besonders viele Juden; von den Opfern werden im einzelnen aufgeführt: Verurteilte 4046, Verbrannte 57, in effigie Verbrannte 64 (s. JQR XV, 530). Die Juden erwarteten die Rettung von den Holländern. Als sich diese1662 nach der Belagerung Cochins zurückziehen mußten, verdankten sie ihre Sicherheit einem Juden, der nach ihrem Fortgang weiterhin alle Stunden die Glocke läutete und ihre Lagerfeuer brennend erhielt (s. Wouter Schouten, ed. 1707, I, S. 375; ed. 1725, I, S. 445). Aus Rache plünderten die Portugiesen den Besitz der Juden, töteten viele und zerstörten die Synagoge; einige Urkunden gingen verloren (eine alte Torarolle wurde von den Juden 1668 wiedergefunden). Seit dem Jahre 1663 hatten die Holländer für 100 Jahre Cochin in Besitz. Bald traten die Juden Amsterdams in Verbindung  mit denen in Cochin. 1685 traf eine Kommission holländischer Juden in Cochin ein, die im Jahre 1697 ihren Bericht unter dem Titel „Notisias dos Judeus de Cochin Mandadas por Mosseh Pereyra de Paiva“ (im Faksimile ed. M. B. Amzalak, Lissabon und London 1923) herausgab. Die Notisias spricht von neun Gemeinden, davon drei in Cochin, zwei in Angicaimal und je einer in Parur, Palur, Chenotta und Muttancheri; 460 Familien sollen es im Ganzen gewesen sein. Nach 1685 wurde die Cochin-Liturgie in Amsterdam gedruckt (die Korrekturbogen werden in der Universitäts-Bibliothek Cambridge aufbewahrt); danach wurden die Gebete und allgemeinen Gebräuche der Juden in Cochin dem holländischen sefardischen Ritus angepaßt. Die Familien Rahabi und Haligua sollen um 1680 aus Aleppo in Cochin eingetroffen sein; der Grabstein des Mose Haligua auf dem Friedhof in Cochin trägt bereits das Datum des Jahres 1666. David Castiel, wie sein Vater Agent des Königs von Cochin (seit 1640), soll der Grabschrift zufolge (die aber wohl nicht korrekt ist) 1706 gestorben sein. Nach Angabe Hamiltons lebten Anfang des 18. Jhts. 4000 jüdische Familien in Cochin, Visscher (1723) spricht von 2000 schwarzen Juden, Kleinknecht (1745) von „etlichen tausend Familien“, Paolino (1776) von 15 000-20 000 Juden (in Muttancheri, Multam und Cayancolla), Moens (1781) wiederum nur von etwa 300 Familien. Im Jahre 1799 ging Cochin in englischen Besitz über. Rev. Claudius Buchanan, der Cochin kurz darauf besuchte, beschreibt die Lege der Juden in seinen „Christian Researches“. Im Jahre 1812 wurden 198 weiße Juden in Cochin gezählt, 1834 (von Swanston) 200 weiße Juden in Muttancheri, 1864 (von Pearse) 300-400 weiße und 2000 schwarze Juden. Die offiziellen Zählungen ergaben: im Jahre 1836 1077 Juden, 1849 1277, 1858 1790, 1875 1278 und 1921 1155. Der neue Friedhof wurde 1898 errichtet. An Synagogen bestehen (1929) 4 in Cochin, 3 in Ernakolam, 2 in Malla und eine in Parur.

J. H. Lord, The Jews in India, Kolhapur 1907.

H(erbert) Lo(ewe)

Cranganore, (Kodanghur), Stadt im Staate Cochin in der Präsidentschaft von Madras (in Indien), seit uralter Zeit ein Handelsplatz. Alte Bronzetafeln aus Cranganore, für die verschiedene Daten angenommen werden (von 426 bis 11. Jht.; allgemein gilt das Datum 750 als das wahrscheinlichste), enthalten eine Angabe über die Schenkung von Land an einen gewissen Josef Rabban; die jüd. Siedlung selbst wird Ansovannam („die fünf Farben“) genannt, und es ist anzunehmen, daß Rabban eine Färberei angelegt und damit den Aufschwung der jüd. Siedlung ermöglicht hat. Für das hohe Alter der jüd. Siedlung in Cranganore spricht die Wahrscheinlichkeit, daß der Handel, den König Salomo mit Unterstützung Hirams nach Indien führte, in dem Export der bekannten tyrischen Farben bestand. Von Cranganore her erfolgte die Einwanderung von Juden nach China (sie übergaben übrigens bei ihrer Ankunft dem chinesischen Kaiser als Geschenk „Baumwolle in verschiedenen Arten sowie Rollen von ausländischem Tuch in fünf Farben“), die nach einer Quelle bereits im Jahre 216 vor sich gegangen sein soll und, wenn auch dieses Jahr zu früh ist, jedenfalls ein noch höheres Alter der indischen Stamm-Kolonie, eben Cranganores, voraussetzt. Die jüd. Ansiedlung in Cranganore genoß eine gewisse Selbständigkeit; aus ihr gingen auch andere Gemeinden in Indien hervor, so z. B. in Palayangadi und Kuttingal, wo sich bis heute das „Jew’s Tank“ (Mikwe) und die „Jew’s Church“ erhalten haben. Im Tuhfat Al-Mujjáhidin von Ferishta wird angeführt, daß die jüd. Siedlung in Indien weit älter als die mohammedanische und Cranganore der erste Platz gewesen sei, wo Juden in Indien sich niedergelassen hätten. Der jüd. Fürst von Anjuvannam war als Bevollmächtigter bei der Gründung der christlichen Kirche anwesend. Über die weißen und schwarzen Juden in Cranganore siehe Cochin.

Das Ende der jüd. Niederlassung in Cranganore wurde von den Portugiesen bewirkt, die Cranganore im Jahre 1523 eroberten und, nach mehreren Autoren, im folgenden Jahre den jüd. „Staat“ zerstört haben. Nach anderen Gewährsmännern hat der innere Krieg zwischen weißen und schwarzen Juden in Cranganore den Untergang des Staates herbeigeführt; der heimische Hindufürst, dem die Juden tributpflichtig waren, habe interveniert und der jüd. Unabhängigkeit ein Ende gemacht. Eine dritte Version spricht von einem Angriff der Mohammedaner auf die Juden nach dem Tode Vasco da Gamas (1524), weil die Juden den Portugiesen die Verfälschung des von den Mohammedanern ihnen gelieferten Pfeffers hinterbracht hätten. Mose de Rossi berichtet in einem Brief aus dem Jahr 1535, daß ein Kaufmann von Cranganore ihm mitgeteilt habe, die Juden Cranganores lieferten dem König von Portugal jährlich 40 000 Ladungen Pfeffer; danach wäre der Untergang der Gemeinde nicht anzunehmen und im Gegenteil freundliche Beziehungen zwischen Juden und Portugiesen vorauszusetzen. Ein positiver Beweis für eine gemeinsame portugiesisch-mohammedanische Aktion gegen die Juden ist aus einem Habdala-Gedicht des Efraim Sallah, eines der Gründer der Gemeinde in Cochin (1565), zu entnehmen, welches mit einem Protest gegen die Grausamkeit der „Edomiter und Araber“ (von N. Z. Rahabi als „der Portugiesen und Mauren“ gedeutet) endet. Auch wenn man an dem allgemein angenommenen Datum des Falles von Cranganore (1524) festhält, ist der Zwischenraum zwischen diesem Jahr und dem Jahr 1568 nicht zu lang, um Sallahs Bericht als den eines Augenzeugen zu erschüttern.

Bis in die jüngste Zeit war es zur Erinnerung an den Fall von Cranganore, Brauch, daß jeder Jude, der sich um die Mittagszeit auf dem Westufer des Periar, wo Cranganore früher stand, befand, das andere Ufer zu erreichen suchte, um erst dort seine Mahlzeit einzunehmen. Über den jüd. Staat in Cranganore s. Reubeni, David.

Innes und Evans, Malabar and Anjengo Gazetteer, S. 34ff.; Chao-Ju-Kua, ed. Hirsch u. Rockhill, Petersburg 1911, S. 88; Cordier, Ergänzungen zu Jule, Marco Polo (1920), S. 76; Ferishta, Tuhfat Al-Mujahidin übs. Von Briggs, Calcutta 1908/10, Bd. IV, 531, 537, 644; G. Oppert in Semitic studies in Memory of Alexander Kohut“ (1897), S. 396-419 (vgl. ibid. 420-434); JQR IX (1897), S. 497; J. C. Vischer, Letters from Malabar, Madras 1862, S. 115; Rahabi, Ausg. Des „Seder Chuppat Chatanim“, Bombay 1917.

H(erbert) Lo(ewe)

Anmerkungen:

Der Lexikontext wurde in seiner Originalschreibweise belassen. „ed.“ steht für „editio“, „Ausgabe“; „s“ für „siehe“; „vgl.“ für „vergleiche“; „in effigie“ für „bildlich“, „symbolisch“.

Werke von Herbert Loewe

The Orthodox position. Essays on problems in Jewish Orthodoxy 1. Cambridge: W. Heffer, 1915.

Catalogue of the printed books and of the Semitic and Jewish mss. in the Mary Frere Hebrew Library at Girton College, Cambridge.  [Cambridge]: Girton College, [1915].

“The Seljugs.” In Cambridge Medieval History, vol. 4, ed. David Luscombe and Jonathan Riley-Smith. Cambridge: Cambridge University Press, 1923.

“The Mongols.” In Cambridge Medieval History, vol. 4, ed. David Luscombe and Jonathan Riley-Smith. Cambridge: Cambridge University Press, 1923.

Judaism and the Presbyterian Church: their Mutual Relations in the Future. Oxford: Alden, 1924.

Catalogue of the Manuscripts in the Hebrew Character: Collected and Bequeathed to Trinity College Library by the late William Aldis WrightVice-Master of Trinity College. Cambridge: Cambridge University Press, 1926.

Mediaeval Hebrew Minstrelsy: Songs for the Bride Queen’s Feast, translated by Herbert Loewe. London: James Clarke, 1926.

“Israel Abrahams.” The American Jewish Yearbook 28 (1927): 219-234.

“Herbert Loewe’s 1927 Preface to his Handlist of Hebrew and Samaritan Manuscripts in the Library of the University of Cambridge.” In Hebrew Manuscripts at Cambridge University Library: a Description and Introduction, ed. Stefan C. Reif, 37-44.Cambridge: Cambridge University Press, 1997.

Some Mediæval Hebrew Poesy. London: G. Allen & Unwin, [1927].

Loewe, Herbert and Selig Brodetsky. The Intellectual Level of Anglo-Jewish Life. London:‎ The First Lodge of England, 1928.

Starrs and Jewish Charters: Preserved in the British Museum / with illustrative documents, translations and notes by Israel Abrahams and Henry Paine Stokes. With additions by Herbert Loewe. Cambridge: University Press, 1930-1932.

Adolf Neubauer, 1831-1931. Oxford: Oxford University Press, 1931.

Wiener, Harold M. Posthumous essays, ed. Herbert Loewe. London: Oxford University Press, H. Milford, 1932.

Judaism and Christianity, vol. 2: The Contact of Pharisaism with Other Cultures: Essays, ed. Herbert Loewe. London: Sheldon Press, 1937.

Goodman, Paul [et al.]; Isaac Abravanel: Six Lectures, ed. J.B.Trend and Herbert Loewe. Cambridge: Cambridge University Press, 1937.

Montefiore, Claude Goldsmid and Herbert Loewe, eds. A Rabbinic Anthology. London: Macmillan, 1938.

“Render unto Caesar:” Religious and Political Loyalty in Palestine. Cambridge: Cambridge University Press, 1939.

Israel Abrahams (Late Reader in Talmudic, University of Cambridge): a Biographical Sketch. [Royston]: The Arthur Davis Memorial Trust, 1944.

Ausgewählte Literatur über Herbert Loewe

Jewish Chronicle (9 Oct 1914): 12.

Obituary, The Times (12 Oct 1940): 5.

Obituary, Jewish Chronicle (18 Oct 1940): 6.

Daiches, Samuel. “Address Delivered at the Service Held in Memory of the Late Mr. Herbert Loewe,” offprint. Oxford: Oxford University Press, 1941.

Fuchs, Richard. “‘The Hochschule für die Wissenschaft des Judentums’ in the Period of Nazi Rule. Personal Recollections.” Leo Baeck Institute Yearbook 28 (1967): 3-31 (esp. 27-30).

Haberman, Jacob. “Jewish View of the Idea of Progress.” Journal of Jewish Studies35, no. 1 (1984): 57-70.

Hoffmann, Christhard and Daniel R. Schwartz. “Early but Opposed—Supported but Late: Two Berlin Seminaries which Attempted to Move Abroad.” Leo Baeck Institute Yearbook 36 (1991): 267-296.

Kohn, Roger S. „A Treasured Legacy (II): Hebrew Manuscripts at Cambridge University Library.“ Library History 21 (2005): 175-188.

Lewis, David M. The Jews of Oxford. Oxford: Oxford Jewish Congregation, 1992.

Loewe, Michael. “A Jewish Home in Oxford and Cambridge in the 1920s and 1930s.” Cambridge: the Magazine of the Cambridge Society 45 (1999/2000): 40-44. Cambridge III 40

Reif, Stefan, C. Hebrew Manuscripts at Cambridge University Library. Cambridge: Cambridge University, 1997.

Roberts, Marcus. “Herbert Loewe.”http://www.jtrails.org.uk/trails/Oxford/profiles/c-302/herbert-loewe/

Roth, Cecil. “Loewe, Herbert James Martin.” In Encyclopaedia Judaica, vol. 11, 447. Jerusalem: Keter, 1971.

Roth, Cecil. “Loewe, Herbert James Martin.” In Encyclopaedia Judaica, vol 10, 1141. Berlin: Eschkol, 1934.

Internet:

http://www.ochjs.ac.uk/

http://www.ochjs.ac.uk/mullerlibrary/collections/loewe.html

http://www.ochjs.ac.uk/mullerlibrary/digital_library/Intranet/Loewe/stainedglassdesign/Herbert-00.html

http://www.ochjs.ac.uk/mullerlibrary/digital_library/Intranet/Loewe/stainedglassdesign/HL/Herbert-01.html

http://en.wikipedia.org/wiki/Herbert_Loewe

http://www.jtrails.org.uk/trails/oxford/profiles/c-302/herbert-loewe

http://en.wikipedia.org/wiki/Oxford_Centre_for_Hebrew_and_Jewish_Studies

http://www.orinst.ox.ac.uk/hjs/index.html

http://www.ochjs.ac.uk/mullerlibrary/digital_library/Intranet/Loewe/stainedglassdesign/Loewe.html

http://en.wikipedia.org/wiki/Queens%27_College,_Cambridge

http://en.wikipedia.org/wiki/Exeter_College,_Oxford

http://en.wikisource.org/wiki/Author:Herbert_Loewe

http://books.google.de/books?id=MDuYkcahsq8C&printsec=frontcover&dq=isbn:052158339X&hl=de&sa=X&ei=w-7kUsSMC8jMsgbww4DQDA&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false

http://www.telegraph.co.uk/news/obituaries/culture-obituaries/books-obituaries/8599795/Professor-Raphael-Loewe.html

http://www.ochjs.ac.uk/mullerlibrary/digital_library/Intranet/Loewe/stainedglassdesign/Raphael-00.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Loewe

http://www.kurrein.com/louis%20loewe.htm

Kalkutta – Juden:

http://en.wikipedia.org/wiki/Ethnic_communities_in_Kolkata

http://india.blogs.nytimes.com/2013/10/24/the-last-jews-of-kolkata/

http://www.jewishencyclopedia.com/articles/3917-calcutta

http://www.geni.com/projects/Baghdadi-Trade-Diaspora-Jews-in-Calcutta/12492

http://www.rahelsjewishindia.com/page5/page16/page16.html

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/judaica/ejud_0002_0004_0_03845.html

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4426932,00.html

http://forward.com/articles/128073/the-last-jews-of-calcutta/

http://articles.timesofindia.indiatimes.com/2013-09-08/kolkata/41873409_1_friday-evening-prominent-jews-shanah-tovah

http://articles.timesofindia.indiatimes.com/2013-09-08/kolkata/41873409_1_friday-evening-prominent-jews-shanah-tovah

http://www.telegraphindia.com/1131017/jsp/calcutta/story_17389837.jsp#.UuTx_vswe9I

http://www.rangan-datta.info/photo/thumbs.php?gallery=45

http://www.dnaindia.com/india/report-only-27-remain-but-jews-love-kolkata-1694456

http://www.myjewishlearning.com/culture/2/Food/Sephardic_Cuisine/India.shtml

Calicut – Juden:

http://en.wikipedia.org/wiki/Kozhikode

http://de.wikipedia.org/wiki/Kozhikode

http://blog.calicutheritage.com/2011/07/jews-street-in-calicut.html

http://calicutheritage.com/jews_in_calicut.aspx

http://jewsofmalabar.blogspot.de/2011/07/jews-of-calicut-history-reread.html

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/judaica/ejud_0002_0004_0_03851.html

http://historicalleys.blogspot.de/2011/12/jewish-trader-in-calicut-story-of-isaac.html

http://www.thehindu.com/news/national/kerala/forum-claims-existence-of-jew-street-in-kozhikode/article2208073.ece

http://www.anti-semitism.net/jews/calicut-heritage-a-jews-street-in-calicut.php

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=508699355866508&id=143173142419133

http://www.universityofcalicut.info/index.php?option=com_content&task=view&id=360

http://period90910.wikispaces.com/Calicut-Magardician,+Keogh,+Perciavalle

http://www.abebooks.de/Jews-Kerala-Jussay-P-M-University/1307342037/bd

http://kerala-cities.kerala-tourism.org/kozhikode-calicut-travel-tourism.html

Cochin – Juden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Cochin-Juden

http://en.wikipedia.org/wiki/Cochin_Jews

http://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%BE%D1%87%D0%B8%D0%BD%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B5_%D0%B5%D0%B2%D1%80%D0%B5%D0%B8

http://www.the-south-asian.com/March2001/Jews_of_India_Cochin_Jews2.htm

http://www.jewishencyclopedia.com/articles/4435-cochin

http://jewsofcochin.blogspot.de/

http://adaniel.tripod.com/cochin.htm

http://www.myjewishlearning.com/history/Jewish_World_Today/Jews_Around_the_Globe/jews-india/cochin.shtml

http://www.shalom2.20m.com/page3.htm

http://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g297633-d3218612-Reviews-Jew_Town-Kochi_Cochin_Kerala.html

http://www.thestar.com/news/insight/2013/09/08/the_jews_of_cochin_and_two_mens_quixotic_quest.html

http://www.jcpa.org/dje/articles/cochin-pref.htm

http://www.timesofisrael.com/the-jewish-planet/cochin/about/cochin-jew-town/

http://www.jpost.com/Travel/Around-Israel/Indias-living-evidence-of-Jewish-pride-and-honor-320484

http://cochinsyn.com/page-cultural-where.html

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/08/26/AR2007082601112.html

http://www.tabletmag.com/jewish-life-and-religion/149027/cochin-indian-cuisine

Cranganore – Juden:

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/judaica/ejud_0002_0005_0_04696.html

http://jewishmonumentskerala.blogspot.de/2011/05/significance-of-jewish-cranganore-or.html

http://pazhayathu.blogspot.de/2011/06/similarities-in-migration-pattern-of.html

https://sapientia.ualg.pt/bitstream/10400.1/2530/1/jewish.pdf

http://www.cochinmagic.com/jewish_heritage.html

http://blog.kavrakoglu.com/tag/cranganore/

http://books.google.de/books/about/Shingli_Or_Jewish_Cranganore_in_the_Trad.html?id=ujApHQAACAAJ&redir_esc=y

http://cochinsyn.com/page-chenda.html

http://www.remarkableindia.com/heritage_jewish_town.php

http://jewsofmalabar.blogspot.de/2011/07/synagogues-of-kerala-ii.html

http://chensyn.com/brochure/CochinBrochure.pdf

http://www.jstor.org/discover/10.2307/833956?uid=3737864&uid=2129&uid=2&uid=70&uid=4&sid=21103398125403

http://chroniclesofmalabar.blogspot.de/2012/01/joseph-rabban-history-of-malabar-jews.html