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Mehr Fernsehtipps für den März

Vom 16. bis 31. März 2014…

So, 16. Mrz · 15:55-16:48 · arte
Hitlers Madonna und die Retter der Raubkunst

Mehr als 6.000 Kunstwerke hatten die Nazis in dem österreichischen Salzbergwerk Altaussee eingelagert, um sie vor dem Bombenhagel auf deutsche Städte zu schützen. Als die Niederlage der Deutschen im Zweiten Weltkrieg absehbar wurde, plante man, diesen wertvollen Kunstschatz durch eine Bombenexplosion zu vernichten. Die Dokumentation zeigt, wie die Rettung der unschätzbaren Sammlung, die vor allem durch Raub und Enteignung zustande gekommen war, gelang, und wer sich diese Rettung auf seine Fahnen geschrieben hat. Eine tonnenschwere Bombenlast droht zu explodieren, um einen unermesslichen Kunstschatz zu vernichten. Dieses Endzeitszenario im österreichischen Salzbergwerk Altaussee am Ende des Zweiten Weltkrieges beleuchtet die Dokumentation. Knapp 6.500 Kunstwerke lagen hier, darunter unzählige Meisterwerke der europäischen Kunstgeschichte: Michelangelos Brügger Madonna, der Genter Altar, Werke von Vermeer, Rubens, Rembrandt, Brueghel, Tintoretto. Es war Hitlers Sammlung für das geplante „Führermuseum“ in Linz. Zum größten Teil bestand sie aus geraubter Kunst. Später berichteten die Retter, dass sogar die Mona Lisa von Leonardo da Vinci darunter gewesen sein soll. Ganz Europa hatte Hitler dafür plündern lassen, bevor er seine Schätze ab 1943 im Salzbergwerk kriegssicher verstecken ließ. Es war der größte Kunstschatz, der jemals an einem Ort gelagert wurde. Kurz vor Kriegsende drohte seine Zerstörung. Der fanatische Gauleiter August Eigruber hatte die Bomben im Bergwerk deponieren lassen. Dem Feind sollte nach der absehbaren Niederlage keines dieser unschätzbar wertvollen Werke in die Hände fallen. Wer waren die Retter des Kunstschatzes in Altaussee? Was waren ihre Motive? George Clooney erzählt die Geschichte in seinem Film „Monuments Men“ natürlich hollywoodtauglich dramatisiert. Seine Helden retten die Kunst unter Einsatz ihres Lebens. Nach 1945 gab es viele, die behaupteten, den Schatz in der Salzmine Altaussee gerettet zu haben: Österreichische Widerstandskämpfer, ausgebildet vom Britischen Geheimdienst, die Bergwerksleitung ebenso wie die Restauratoren und Kunstexperten, die die Sammlung betreut hatten. Selbst Ernst Kaltenbrunner, Leiter des Reichssicherheitshauptamtes und einer der wichtigsten Männer Nazi-Deutschlands, stilisierte sich zum Retter dieser Kunstsammlung. An der Geschichte dieser Rettung lässt sich vieles ablesen. So wird das Bergwerk in den letzten Tagen des Krieges zum Mikrokosmos des Deutschen Reichs. Auf engem Raum werden die existenziellen Fragen der Zeit verhandelt: Leistet man Befehlsgehorsam bis zum Tod oder lehnt man sich gegen die Terrorherrschaft der Nazis auf? Und ist das Kulturgut mehr wert als das eigene Leben?

Mo, 17. Mrz · 05:15-06:08 · arte
Frankreichs Chanson-Legende – Charles Trenet

Er war Sänger, Schauspieler, Dichter und Maler. Der Franzose Charles Trenet feierte nicht nur zu Lebzeiten mit seinen Chansons weltweite Erfolge. Auch heute noch erfreuen sich seine Lieder großer Popularität. In einem einfühlsamen Porträt blickt ARTE sowohl auf die Bühnenerfolge des Stars als auch auf sein bewegtes Leben hinter den Kulissen. Der Sänger, Schauspieler, Dichter und Maler Charles Trenet (1913 -2001) feierte bereits zu Lebzeiten mit seinen Chansons wie „La Mer“ und „Douce France“ weltweite Erfolge. Auch heute noch erfreuen sich, insbesondere in seinem Heimatland Frankreich, seine Lieder ungebrochener Popularität. Als Kollaborateur der Nazis verdächtigt und von letzteren wiederum wegen seiner vermuteten jüdischen Herkunft und Homosexualität geächtet, lebte Trenet ein bewegtes Leben. Hinter der Fassade des außergewöhnlichen Erfolgs und schnellen Ruhms, hinter dem lustigen Hut und den rollenden Augen verbarg sich ein verletzter und verschlossener Mensch, ein ungeliebtes Internatskind und ein Homosexueller, der sich nicht outen konnte. Charles Trenet zog sich in eine Traumwelt zurück, aus der er immer jäh heraus und wieder zurück in die kalte Realität gerissen wurde.

Mo, 17. Mrz · 20:15-21:45 · 3sat
Hindenburg – Der Mann, der Hitler zum Kanzler machte

Der Generalfeldmarschall und spätere Reichspräsident Paul von Hindenburg wirkte zu einer Zeit, in der sich die Ereignisse in Deutschland und in Europa innerhalb von wenigen Jahren überschlugen: Kriegsniederlage und Revolution führten das Kaiserreich in eine tiefe Krise. Die Inflation und Weltwirtschaftskrise stürzten die Weimarer Republik in heftige Turbulenzen. Hindenburg bestimmte an entscheidender Stelle die Geschicke Deutschlands mit von der Obersten Heeresleitung während des 1. Weltkrieges bis zur Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Jahr 1933. Die Dokumentation „Hindenburg“ hinterfragt den Mythos und räumt mit dem hartnäckig verbreiteten Märchen eines zuletzt geistig und körperlich verfallenen Greises auf, der in seinen letzten Lebensjahren unter fremdem Einfluss gestanden habe. Es ist die Biografie eines Mannes mit einer außergewöhnlichen wie umstrittenen politischen Karriere, die im Kaiserreich begann, die Weimarer Republik überdauerte und in der NS-Diktatur endete. Neben den international renommierten Historikern wie Roger Moorhouse, Pierre Jardin, Wolfram Pyta und Anna von der Goltz kommt auch der Enkel des Reichspräsidenten, Hubertus von Hindenburg, zu Wort, der sowohl seinen Großvater als auch Adolf Hitler im Berliner Präsidentenpalais aus nächster Nähe miterlebt hat.

Mo, 17. Mrz · 23:15-00:00 · Das Erste (ARD)
Hitlers Schatz im Berg

Tonnenschwere Bomben drohen zu explodieren, um einen unermesslichen Kunstschatz zu vernichten. Das ist das Endzeitszenario im österreichischen Salzbergwerk Altaussee am Ende des Zweiten Weltkriegs, das der Radio-Bremen-Dokumentarfilm „Hitlers Schatz im Berg“ beleuchtet. Knapp 6.500 Kunstwerke liegen hier, darunter unzählige Meisterwerke der europäischen Kunstgeschichte: der Genter Altar, Werke von Vermeer, Rubens, Rembrandt, Brueghel, Tintoretto, auch Michelangelos Brügger Madonna. Das meiste ist geraubte Kunst: Hitlers Sammlung für das Führermuseum, das der Diktator nach dem Anschluss Österreichs in Linz errichten lassen wollte. Ganz Europa hatte Hitler dafür plündern lassen – doch als der Krieg verloren zu gehen drohte und die Alliierten immer näher rückten, kamen Hitlers Beamte auf die Idee, die Kunstschätze in einem Bergwerk sicher zu verstecken. Als Hitler den Befehl gab, dem Feind nichts Wertvolles zu überlassen, ließ der fanatische Gauleiter August Eigruber das Bergwerk zur Sprengung vorbereiten. Acht Fliegerbomben wurden auf dem Kunstschatz deponiert und der Wettlauf um die Rettung der Kulturgüter unermesslichen Wertes begann. Die Geschichte der Rettung geraubter Kunstschätze erzählt auch George Clooney in seinem Film „Monuments Men“ – natürlich hollywoodtauglich dramatisiert. Doch waren es wirklich sie, die den Schatz gerettet haben? In der Form eines Whodunit sucht die Dokumentation nach Antworten: Wer waren die Retter des Kunstschatzes in Altaussee? Was waren ihre Motive? Nach 1945 gibt es viele, die behaupten, den Schatz in der Salzmine Altaussee gerettet zu haben: österreichische Widerstandskämpfer, ausgebildet vom Britischen Geheimdienst, die Bergwerksleitung, ebenso wie die Restauratoren und Kunstexperten, die die Sammlung betreut hatten. Selbst Ernst Kaltenbrunner, hochrangiger SS-Funktionär, stilisiert sich zum Retter dieser Kunstsammlung. Mit Hilfe von Interviewpartnern wie Konrad Kramar, der den Kunstretter-Krimi neu aufgeschrieben hat, und der engagierten Schriftstellerin und Altausseerin Barbara Frischmuth rekonstruiert „Hitlers Schatz im Berg“ die Ereignisse und Motive von Altaussee. Welche Rolle spielten die Bergleute, denen die Bedrohung natürlich auch nicht entgangen war? Wer hat die Kunst tatsächlich gerettet? Neben den Ereignissen im Salzbergwerk erzählt der Film auch die Geschichte des größten staatlichen Kunstraubs der Welt sowie des infamen Umgangs damit nach 1945, den beispielsweise die österreichische Restitutionsexpertin Sophie Lillie aufgearbeitet hat. Nicht nur der Fall Gurlitt beweist, dass der Raub der Nazis bis heute nicht aufgearbeitet ist. Etliche Bilder aus Altaussee scheinen verloren, bei einigen sind die Eigentumsverhältnisse vielleicht bis heute nicht geklärt. Noch immer ist der „Fall“ nicht ganz gelöst.

Di, 18. Mrz · 20:15-21:00 · PHOENIX
Hitlers nützliche Idole (1/2): Heinz Rühmann – Der Schauspieler

Es sei stets sein Traum gewesen, den Clown zu spielen. Viel Spaß soll er aber nicht verstanden haben – Hitlers erfolgreichster Unterhaltungskünstler, Heinz Rühmann. Seine Karriere begann schon in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Als Hitler an die Macht kam, folgte der Durchbruch des „kleinen Mannes“. Rühmann blieb, während andere Filmgrößen wie Marlene Dietrich Deutschland konsequent den Rücken kehrten. In den Filmstudios von Babelsberg gaben nun die Nationalsozialisten den Ton an. „Keiner aus meinem Freundeskreis hat sich nach dem Wohlwollen der braunen Herren gedrängt“, sagte Heinz Rühmann später einmal, „aber wenn ein Künstlerempfang angesetzt war, mussten wir hin!“ In der Rolle des naiven, aber liebenswürdigen Kleinbürgers eroberte Rühmann die Herzen der Menschen. Sich selbst sah er als unpolitischen Künstler, der nur seiner Gabe entsprochen habe und sein Publikum zum Lachen brachte. Dabei musste auch Rühmann Farbe bekennen: Mitte der 30er Jahre ließ er sich auf Druck der Nazis von seiner jüdischen Frau Maria Bernheim scheiden. Hans Albers und Heinz Moser hingegen standen treu zu ihren jüdischen Partnerinnen und versagten den Nazis bis zum Schluss jede Achtung. Wollte Rühmann seine jüdische Frau, von der er schon länger getrennt lebte, schützen, wie viele seiner Freunde behaupten, oder stand sie seiner Karriere im Weg? Tatsache ist, dass er sich mehr und mehr vor den propagandistischen Karren spannen ließ. Goebbels ernannte ihn 1940 schließlich zum Staatsschauspieler: die höchste Auszeichnung für Darsteller im „Dritten Reich“. War Heinz Rühmann zu nah an der Macht oder war er der perfekte Überflieger, der Abstand hielt und sich die Finger nicht schmutzig machte? Hat er sich schuldig gemacht? Menschen, die ihm nahe standen, versuchen Antwort zu geben. „Mein Vater war ein sehr unpolitischer Mensch, der die Folgen seines Handelns nicht abschätzen konnte“, meint sein Sohn heute. Nach dem Krieg wurde es zunächst still um den beliebten Schauspieler. Die Westalliierten erteilten ihm Berufsverbot, später wurde er von ihnen als „nicht betroffen“ eingestuft. Im Aufbaufieber der 50er Jahre gelang es Heinz Rühmann, an seine alte Popularität anzuknüpfen. Noch heute ist er – wie Umfragen zeigen – der beliebteste deutsche Schauspieler.

Di, 18. Mrz · 21:00-21:45 · PHOENIX
Hitlers nützliche Idole (2/2): Max Schmeling – der Boxer

Er war Hitlers „Vorzeigeathlet“: Deutschlands Boxlegende Max Schmeling. Kein anderer Sportler war in den 30er Jahren so berühmt, beliebt und geachtet wie der Weltmeister im Schwergewicht. Schmeling selbst bemühte sich um Distanz zum Hitler-Regime. Der Film zeigt ihn und andere Spitzensportler bei der schwierigen Gratwanderung zwischen Opportunismus und Distanz. Bis heute gilt Schmelings unvergesslicher Sieg über den „Braunen Bomber“ Joe Louis 1936 als einer der größten Kämpfe des Jahrhunderts. Die NS-Propaganda wollte das sportliche Ereignis für das Regime vereinnahmen, stilisierte den Wettbewerb zu einer Art „Rassenkampf Weiß gegen Schwarz“. Dieser Sieg machte Schmeling zum Idol. Der Champion wurde bei offiziellen Anlässen herumgereicht, die Prominenz des „Dritten Reiches“ ließ sich mit ihm ablichten. Die politische Vereinnahmung konnte er nicht verhindern.Tatsächlich aber bemühte sich Schmeling um Distanz zum Regime. Als die Reichssportführung ihn aufforderte, sich von seinem jüdischen Manager Joe Jacobs zu trennen, weigerte er sich entschieden. Er suchte Möglichkeiten, Verfolgte in seinem Umfeld zu beschützen. „Man hat versucht, mich zu benutzen“, hat Schmeling einmal gesagt, „aber in Wirklichkeit habe ich mich der Nazis bedient, um anderen Menschen zu helfen.“ So versteckte er während der Pogromnacht 1938 die beiden Söhne seines jüdischen Freundes. Wie vergänglich sportlicher Ruhm ist, erfuhr Max Schmeling 1938, als er im Rückkampf von Joe Louis schon in der ersten Runde KO geschlagen wurde. Das Regime wandte sich ab; Schmeling wurde trotz seiner Berühmtheit schon 1940 eingezogen: als Fallschirmjäger entging er beim Angriff auf Kreta nur knapp dem Tod. Nachdem Hitlers Reich untergegangen war, standen viele Sportler vor dem Aus. Auch Max Schmeling musste nach dem Krieg, völlig mittellos, wieder bei Null anfangen. Doch ihm gelang das „Comeback“ als Boxer und mit der Deutschland-Lizenz für Coca-Cola überdies der Sprung zum Millionär.

Mi, 19. Mrz · 21:50-22:42 · arte
Der seltsame Herr Gurlitt

Haben wir es beim Schwabinger Kunstfund mit NS-„Raubkunst“ zu tun, oder ist die Beschlagnahmung der Sammlung Gurlitt ein moderner Kunstraub aus dem Jahr 2012? Fragen von Besitz und Eigentum, Recht und Moral stehen im Zentrum der Dokumentation um den Fall Gurlitt, der seit Monaten die internationalen Medien beschäftigt. Die Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ nähert sich dem spektakulären Fall von allen Seiten an. Wer ist Herr Gurlitt? Und auf Basis welchen Rechts handelt der Staat? Anfangs erscheint der „seltsame“ Herr Gurlitt in dieser Debatte zunächst als Täter – erst später kommen Stimmen auf, die ihn als Opfer des Systems sehen. 2010 fällt er deutschen Zöllnern bei der Einreise aus der Schweiz auf. Er führt Bargeld mit sich: 9.000 Euro, ab 10.000 hätte er verzollen müssen. Die Zollfahnder beschließen, Gurlitt beschatten zu lassen – und entdecken, dass der unscheinbare alte Mann weit über tausend Gemälde und Bilder aller Epochen in seiner Wohnung lagert. Schnell kommt ein Verdacht auf: Handelt es sich bei Teilen der Sammlung um „Raubkunst“? Gurlitts Vater Hildebrand handelte während der NS-Zeit mit Kunst, machte auch Geschäfte mit jüdischen Sammlern. War er damit für viele die letzte Hoffnung an Geld zu kommen oder bereicherte er sich an ihrer Not? Rettete Gurlitt senior bedeutende Werke der Moderne vor der Verbrennung durch die Nazis oder machte er sich moralisch schuldig? Nach dem Tod des Vaters gingen die Werke in den Besitz seines Sohnes Cornelius über. Wusste der Erbe von der Herkunft der Bilder? 2012 wird die Sammlung durch die Staatsanwaltschaft Augsburg beschlagnahmt, das Nachrichtenmagazin „Focus“ bringt den Fall an die Öffentlichkeit. Opferverbände wollen Gurlitt die Bilder dauerhaft abnehmen. Doch dieser ist der festen Überzeugung, der rechtmäßige Besitzer der Gemälde zu sein. Er fühlt sich vom Staat beraubt. Gleichzeitig sind sich Experten einig: Eine Rechtsgrundlage zur Herausgabe von „Raubkunst“ gibt es nicht. Hat ein übereifriger Staat Cornelius Gurlitt zum Bauernopfer in einem möglichen Präzedenzfall gemacht?

Mi, 19. Mrz · 22:25-22:55 · 3sat
Kulturzeit extra: Der Fall Heidegger

Gert Scobel diskutiert mit Peter Trawny und Rüdiger Safranski Martin Heidegger (1889 – 1976) gilt als einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Die neuste Veröffentlichung von Heidegger-Texten – seine Gedankentagebücher aus den 1930er und 1940er Jahren, die sogenannten „Schwarzen Hefte“ – lässt daran allerdings Zweifel aufkommen. Heidegger hatte testamentarisch verfügt, dass diese erst jetzt erscheinen können – aus strategischem Kalkül? Noch vor ihrer Veröffentlichung sind Zitate antisemtischen Inhalts daraus in Umlauf. Vieles spricht dafür, dass Heideggers Denken nicht nur gelegentlich zu Entgleisungen neigte, sondern durch und durch antisemitisch war. Kann Heideggers Philosophie mit Blick auf diese Tagebücher weiterhin als großartig gelten? Tatsächlich hatte Heidegger mit dem Erscheinen von „Sein und Zeit“ 1927 eine neue Philosophie begründet, die ganze Generationen von Denkern maßgeblich geprägt hat. Dies ist insofern erstaunlich, als gerade die deutsche Philosophie mit Zurückhaltung reagierte: Heidegger trug ein Parteiabzeichen der NSDAP, hielt zum Antritt seines Rektorats an der Freiburger Universität eine völkisch-nationale Rede und brach mit seinem jüdischen Lehrer Edmund Husserl. Dies ist lange bekannt. Peter Trawny, Herausgeber der „Schwarzen Hefte“ und Autor des zeitgleich erscheinenden Buchs „Heidegger und der Mythos der jüdischen Weltverschwörung“ ließ im Vorfeld durchblicken, dass Heidegger in den neuen Veröffentlichungen einen „seinsgeschichtlichen Antisemitismus“ entfalte. Heidegger habe den im Nazi-Deutschland vorherrschenden Antisemitismus nicht nur als politische Haltung begriffen, sondern „zum Anlass philosophischer Gedanken gemacht“. Wie antisemitisch war der Meisterdenker? Diskreditiert die Veröffentlichung seiner Gedankentagebücher posthum seine gesamte Philosophie? Darüber diskutiert Gert Scobel mit Peter Trawny und dem Heidegger-Biografen Rüdiger Safranski.

Do, 20. Mrz · 09:50-10:42 · arte
Stahlmenschen, Epoche II: Auf in eine neue Welt

Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten die Stahlunternehmen noch eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau, doch ihr Ansehen war durch die Kooperation mit den Nazis gestört. Auch die Gewerkschaftsbewegung, die Automatisierung und aufkommende internationale Konkurrenz brachten das Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis durcheinander. Außerdem verliert Stahl nach dem Krieg wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung. Die Ära von Stahl und Eisen neigt sich dem Ende zu. Auch beim Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg spielten die „Stahlmenschen“ wieder eine wichtige Rolle. Doch die Kompromittierung der führenden Unternehmen durch ihre Zusammenarbeit mit den Nazis und das neue Selbstbewusstsein der Arbeiter führen zu tiefgreifenden Veränderungen in den gewachsenen Beziehungen. Gewerkschaftsbewegung, Automatisierung, aufkommende internationale Konkurrenz und beginnende Arbeitslosigkeit unterwandern nach und nach das Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis zwischen Angestellten und Stahlbaronen. Gleichzeitig verliert der Stahl in der Wirtschaft der Nachkriegszeit immer mehr an Bedeutung. Die Dokumentation zeigt Lothringer und Saarländer, Menschen aus der französischen Stahlstadt Le Creusot und dem Ruhrgebiet, Einwanderer und ihre Kinder, Hilfsarbeiter, Gießer und Werkmeister sowie Nachkommen der Stahlbarone und einige der letzten Unternehmenschefs, die das Ende der Ära von Eisen und Stahl miterlebten. Diese Persönlichkeiten geben Einblick in 200 Jahre noch heute nachwirkender Sozial- und Industriegeschichte.

Fr, 21. Mrz · 13:45-15:42 · arte
Rosa Luxemburg

„Wie kommt es, dass Menschen über andere Menschen entscheiden dürfen?“ – im Gefängnis notiert Rosa Luxemburg (1871-1919) eine Frage, die sie ihr Leben lang umgetrieben hat. Margarethe von Trottas behutsame und gefühlsstarke Frauenbiografie interessiert sich in erster Linie für die persönlichen, die inneren Beweggründe politischen Handelns. Einfühlsam in Inszenierung, Spiel und Fotografie überzeugt der Film inhaltlich als Plädoyer für Zivilcourage, unbestechliche politische Moral sowie für den Mut zu utopischem Denken. Ein Gefängnis in Warschau, 1906: Die „Vorwärts“-Redakteurin Rosa Luxemburg ist unter dem Eindruck der Ersten Russischen Revolution nach Polen gekommen, um mit ihrem Geliebten Leo Jogiches die Ideen der Arbeiterbewegung zu verbreiten. Es ist nicht ihre erste Haft. Geboren 1871 als Tochter eines wohlhabenden, polnisch-jüdischen Kaufmanns ließ sie sich nach ihrer Promotion in Berlin nieder und trat der SPD bei. Innerhalb der deutschen Sozialdemokratie, neben Figuren wie August Bebel und Karl Kautsky, wirkte sie wie ein Paradiesvogel: eine eigenwillige, dem Leben zugewandte Frau, kompromisslos im Privatleben und in ihrer Politik. Nachdem Bebel ihre Freilassung aus der Warschauer Zitadelle erkauft hat, gerät die hochbegabte Journalistin und Rednerin in Konflikt mit ihrer Partei, die eine zunehmend staatstragende Linie verfolgt. Einen Verbündeten findet sie schließlich in Karl Liebknecht; dem einzigen Reichstagsabgeordneten, der 1914 gegen die Kriegskredite stimmt. Luxemburgs leidenschaftliche Reden gegen den Krieg führen zum Zerwürfnis mit der SPD, zu Prozessen und weiteren Haftstrafen. Aber weder Isolation noch Krankheit brechen ihren Geist. Als Mitbegründerin des „Spartakus“-Bunds und Redakteurin der „Roten Fahne“ setzt sie nach dem Krieg ihre Arbeit unter veränderten Vorzeichen fort. Den Optimismus ihres Genossen Liebknecht, der auf eine deutsche Revolution hofft, teilt sie allerdings nicht. Und die Ereignisse geben ihr auf furchtbare Weise recht: In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 werden Luxemburg und Liebknecht verhaftet, ermordet und in den Landwehr-Kanal geworfen.

Sa, 22. Mrz · 22:30-00:00 · PHOENIX
Der Fall Chodorkowski

Nowosibirsk am 25. Oktober 2003. Eine russische Spezialeinheit stürmt den Privatjet von Michail Borissowitsch Chodorkowski. So endet abrupt die Karriere des reichsten Manns Russlands. Spannend wie in einem Politthriller zeigt der Berliner Filmemacher Cyril Tuschi mit seinem Dokumentarfilm den Aufstieg und Fall Chodorkowskis. Aus Michail Chodorkowski, dem Chemiestudenten jüdischer Herkunft, dem Komsomol Aktivisten und ersten Gründer einer russischen Privatbank wird schnell ein einflussreicher Banker und Geschäftsmann, der von Gorbatschow und Jelzin protegiert wird. Chodorkowski übernimmt die Mineralölfirma JUKOS, die er nach westlichem Vorbild transparent führt. Dabei wird er immer reicher und mächtiger. Er gründet Stiftungen wie „Offenes Russland“ und unterstützt die politische Opposition. Als er sich öffentlich mit Präsident Putin anlegt und die Amerikaner bei JUKOS mit ins Boot holen will, wird es dem Kreml zu viel. Nach einigen Warnungen und Einschüchterungsmanövern lässt der Staat Michail Chodorkowski wegen Korruption und Steuerhinterziehung verhaften und verurteilen. Bis voraussichtlich 2016 sitzt er noch in Haft. Für viele ist er der prominenteste politische Gefangene in Russland, andere nennen ihn schlicht einen Kriminellen. Wie gut kennen wir eigentlich die politischen (Macht-) Verhältnisse im Russland von heute? Der Dokumentarfilm wurde präsentiert auf dem Montreal World Film Festival, dem Warschau Planete Doc Filmfestival, Melbourne International Film Festival, Tel Aviv Docaviv Festival und dem Münchner Doc.fest, auf den er 2011 mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde. Außerdem erhielt er Preis der Filmkritik des Festivals von Valenciennes 2011 und war für den Preis der deutschen Filmkritik 2011 nominiert.

So, 23. Mrz · 00:00-02:00 · WDR
Die Frau die singt – Incendies

Der frankokanadische Regisseur Denis Villeneuve hat vor dem Hintergrund der Verwerfungen im Nahen Osten eine epische Parabel über die Folgen von Krieg und Gewalt inszeniert. Das Familiendrama, in seiner Auflösung einer antiken Tragödie würdig, wurde 2011 für den Oscar nominiert. Der Letzte Wille ihrer Mutter Nawal, die im kanadischen Exil starb, versetzt die Zwillinge Jeanne und Simon Marwan in tiefes Erstaunen. Notar Jean Lebel, ein enger Freund der Familie, überreicht ihnen zwei Briefe: Einer ist bestimmt für ihren Vater, den sie für tot hielten, der zweite für einen Bruder, von dessen Existenz sie bislang nicht einmal eine Ahnung hatten. Diese Briefe müssen laut Nawals Testament erst übergeben werden, bevor ein Grabstein auf ihre letzte Ruhestätte gesetzt werden darf. Um den Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen, bricht Jeanne in den Nahen Osten auf; Simon folgt ihr nur widerwillig. Im Zuge einer ereignisreichen Odyssee durch ein verwüstetes Land finden beide heraus, dass ihre Mutter nach einem politisch motivierten Attentat in einem Spezialgefängnis inhaftiert wurde. 15 Jahre verbrachte sie in Einzelhaft, wurde von einem „Verhörspezialisten“ immer wieder gefoltert. Als Folge mehrfacher Vergewaltigung brachte sie hier Simon und Jeanne zur Welt. Der unbändige Überlebenswillen ihrer Mutter, die sich durch das Singen in der Haft den Verstand bewahrte, beeindruckt die Zwillinge. Die Konfrontation mit der ganzen Wahrheit versetzt beiden jedoch einen Schock, der ihr ganzes weiteres Leben beeinflussen wird.

So, 23. Mrz · 08:30-09:00 · SWR
„Ich bin da so hineingestolpert“ – Die Gedenksteine des Gunter Demnig

Eigentlich sollte es nur eine einzelne Kunstaktion werden. Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig wollte mit ihr Passanten zum Innehalten und Nachdenken provozieren. Vor Häusern, deren Bewohner von Nationalsozialisten ermordet wurden, schlug er pflastersteingroße Messingplatten in den Boden, die Namen, Geburts- und Sterbedaten der Ermordeten tragen. Doch bei einer einmaligen Aktion sollte es nicht bleiben: Mittlerweile ist aus dem Bildhauer und Konzept-Künstler Demnig der Schöpfer einer flächendeckenden „sozialen Skulptur“ geworden, die sich über ganz Europa spannt. Für ihn wurde sie zu einer Lebensaufgabe, die ihn aus seinem Atelier heraus und in ein Nomadenleben im VW-Bus führte. Mittlerweile hat Demnig fast 30.000 Stolpersteine in über 600 deutschen Städten verlegt. Rund 250 Tage im Jahr reist er durch die Lande, sein Bus ist fahrende Werkstatt und Logistik-Zentrale in einem. Seine Stolpersteine holen die Erinnerung an Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft in den Alltag hinein. Das Vorgehen ist dabei immer gleich: Die Lebensgeschichten der Opfer werden von lokalen Initiativen recherchiert. Paten übernehmen dann die Kosten für die Herstellung und Verlegung der Steine: Privatleute, Schulklassen, Geschichtsvereine, politische oder kirchliche Gruppen tragen die 120 Euro pro Stein. Demnigs Augen leuchten, wenn er von dem generationsübergreifenden Netz aktiver Menschen erzählt, das in den vergangenen acht Jahren durch seine Arbeit entstanden ist. Autorin Annette Wagner begleitete mit einem Kamerateam des SWR Gunter Demnig im Sommer 2011 zu Stolperstein-Verlegungen in Baden-Württemberg und Berlin. In Kehl stellen sich zwei Referendarinnen der besonderen Herausforderung, Grundschülern die Geschichte eines 1943 ermordeten Lehrers ihrer Schule zu vermitteln. Gymnasiasten arbeiten engagiert NS-Geschichte auf und bemühen sich um das Prädikat „Rassismusfreie Schule“. In Berlin übernimmt Filmproduzent Artur Brauner die Kosten und die Patenschaft für zwei Steine, die nahe seines „Hollywood Media“-Hotels verlegt werden. Doch Demnigs Erinnerungsarbeit hat auch Gegner: Während er auf dem Berliner Kurfürstendamm Gedenksteine für die ermordeten Eltern des aus Chicago angereisten jüdischen Emigrantenpaares Veit verlegt, werden im Osten der Stadt einige Stolpersteine mit brauner Farbe beschmiert. Demnig und seine Lebensgefährtin fahren tags darauf an den Tatort. „Antifa verrecke“ haben die Täter neben den mittlerweile von der Polizei gereinigten Steinen aufs Pflaster geschrieben. „Um die Inschriften zu lesen, muss man sich verbeugen“ beschreibt Bildhauer Demnig die Geste der Demut, die Betrachter seiner Gedenksteine häufig unwillkürlich einnehmen. Bücken muss sich auch der Künstler selbst. Das akkordartige Verlegen – manchmal in drei bis vier verschiedenen Städten pro Tag – hat Knie und Rücken des Bildhauers mittlerweile ramponiert. Demnig nimmt es ergeben an: „Einfach aufhören kommt bei so einem Projekt nicht infrage.“

So, 23. Mrz · 13:15-14:45 · Das Erste (ARD)
Das Bernstein-Amulett (1)

Deutschland, während des Zweiten Weltkriegs. Die hübsche Comtesse Barbara von Ganski heiratet im Sommer 1944 ihre große Liebe, den Physiker Alexander Reichenbach, der ihr zu diesem Anlass als Pfand seiner Liebe ein Bernstein-Amulett schenkt. Alexander gerät nach Ende des Krieges in russische Kriegsgefangenschaft. Getrennt von ihrem Ehemann, lässt sich Barbara auf eine leidenschaftliche, folgenreiche Beziehung mit dem russischen Offizier Belajew ein. Trotz ihrer starken Gefühle für Belajew hat Barbara jedoch nie die Hoffnung auf die Rückkehr ihres Mannes aufgegeben. „Das Bernstein-Amulett“ ist ein packendes Familiendrama. In den Hauptrollen glänzen Muriel Baumeister und Michael von Au. Am Tag ihrer Goldenen Hochzeit im Jahr 1994 taucht Barbara Reichenbachs (Eva-Maria Hagen) verschollenes Hochzeitsgeschenk, ein Bernstein-Amulett, wieder auf. Barbara sieht sich nun gezwungen, ihren drei Kindern und ihrem Mann Alexander (Günther Schramm) ihr wohlgehütetes Geheimnis zu offenbaren. Rückblende ins Jahr 1944: Auf dem Schlossgut Hagenow im Osten Deutschlands wird Hochzeit gefeiert. Die hübsche Comtesse Barbara von Ganski (Muriel Baumeister) heiratet den charmanten Physiker Alexander Reichenbach (Michael von Au), der als Wissenschaftler vom Frontdienst befreit ist. Als Pfand seiner Liebe legt Alexander seiner Braut ein Bernstein-Amulett um den Hals. Doch nicht alle Gäste wünschen dem glücklichen Paar eine gute Zukunft: Der SS-Mann Luschnat (Pierre Besson) etwa hat selbst ein Auge auf die Braut geworfen, und die junge Gutsverwalterin Elisabeth (Nadeshda Brennicke) ist in Alexander verliebt. Nach einem Streit zwischen dem unbekümmerten Alexander und dem überzeugten Nazi Luschnat verweist Barbaras Vater, der Baron Albin von Ganski (Jürgen Hentsch), seinen Schwiegersohn des Hauses. Barbara folgt ihrem Mann nach Berlin und nimmt dafür den Bruch mit ihrem konservativen Vater in Kauf. Durch diese Wende sieht Elisabeth, die die verschwiegene uneheliche Tochter des Barons ist, ihre lang ersehnte Chance gekommen, endlich als ein gleichberechtigtes Familienmitglied anerkannt zu werden. Der Baron willigt letztlich ein. Doch als nach einem schweren Bombenangriff zunächst Barbara und Alexanders Mutter Gunhild (Nadja Tiller) sowie kurz darauf auch Alexander aus dem zerbombten Berlin zurückkehren, steht Elisabeth von einem Tag auf den anderen abermals im Abseits. Gunhild gesteht ihrem Sohn, dass sie eine konvertierte Jüdin ist. Um der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen und um Barbara zu schützen, meldet sich Alexander ohne ihr Wissen als Soldat für den Frontdienst. Albin von Ganski versteckt indessen Gunhild auf dem Schlossgut. Als der Krieg sich endlich dem Ende nähert, harren Barbara, Elisabeth, Albin und seine Frau Henriette (Ursela Monn) in gespannter Erwartung der Befreiung durch die russischen Truppen. Zwar bleiben die befürchteten Gräueltaten aus, doch Barbara und ihr Vater sind entsetzt, als Elisabeth sich mit den ungehobelten Soldaten verbrüdert. Barbara verliebt sich derweil in den kultivierten russischen Offizier Belajew (Merab Ninidze), der sie vor den Übergriffen seiner Soldaten schützt. Aber auch er kann ihr nicht helfen, als Albin von Ganski eines Tages wegen vermeintlichen Mordes an einem russischen Kriegsgefangenen hingerichtet wird. Als ihre Mutter daraufhin Selbstmord begeht, steht Barbara vor einer schweren Entscheidung: Soll sie mit Belajew ihre Heimat verlassen? Gerade als die junge Frau ihre Vergangenheit hinter sich lassen will, glaubt sie, auf dem Gut Alexander zu erblicken.

So, 23. Mrz · 23:50-00:35 · ZDF
ZDF-History: Geraubte Kunst: Auf der Jagd nach verlorenen Schätzen

Es ist weniger gefährlich aber laut Interpol beinahe genauso lukrativ wie Drogen- oder Menschenhandel: Weltweit wird jährlich Kunst im Wert von dreieinhalb Milliarden Euro gestohlen. Als größter Kunstraub der Geschichte ging 1911 der Diebstahl der „Mona Lisa“ aus dem Louvre ein. Der italienische Anstreicher Vincenzo Peruggia wollte das Meisterwerk „befreien“ und in da Vincis Heimat bringen. In Deutschland kam es im „Dritten Reich“ zum organisierten Kunstraub im ganz großen Maßstab. Jüdische Kunsthändler mussten ihre Gemälde unter Druck zu Schleuderpreisen verkaufen, und aus den Museen der von der Wehrmacht besetzten Länder verschwanden Tausende von Meisterwerken. Im letzten Kriegsjahr machte sich eine Sondereinheit der US-Armee, die sogenannten „Monuments Men“, auf die Suche nach der Nazi-Beute. Im „Arbeiter- und Bauernstaat“ stahlen Unbekannte 1977 den bedeutendsten archäologischen Fund der sächsischen Geschichte am helllichten Tag aus dem Dresdner Stadtmuseum: ein mysteriöser Fall, der bis heute nicht aufgeklärt ist. An der Seite von US-Soldaten, Polizeiermittlern und Kunsthistorikern macht sich „ZDF-History“ auf eine spannende Spurensuche in der Geschichte und zeigt, warum manche Meisterwerke erst durch ihren Raub zu Weltruhm gelangen.

Mo, 24. Mrz · 20:15-21:10 · 3sat
Der Untergang Österreichs

Der „Anschluss“ Österreichs an das Dritte Reich im März 1938 ist neben dem Untergang der Habsburger Monarchie im Jahr 1918 das zentrale historische Ereignis des vergangenen Jahrhunderts in Österreich. Folgen und Nachwirkungen prägten die anschließende Geschichte der Zweiten Republik und sind in vielen Familienbiografien bis heute als irreparable Brüche präsent. Der Untergang Österreichs beendete die ebenso akademisch wie gewaltsam geführten politischen Auseinandersetzungen über nationale Identität, Patriotismus und Heimatbegriff. Der Einmarsch deutscher Truppen erklärt für viele eine nationale Identitätskrise, die ins Gründungsjahr der Ersten Republik zurückreicht. Wirtschaftskrise und autoritärer Ständestaat beschleunigten zwar den Anschluss. Doch nicht allein die Republik ohne Republikaner öffnete die Türen für Hitler. Andreas Novak konzentriert sich in seiner Dokumentation „Der Untergang Österreichs“ auf das Vorspiel zu den Ereignissen rund um den Anschluss am 11. März 1938, dem Tag, an dem Arthur Seyß-Inquart zum aus Berlin erzwungenen Bundeskanzler wurde. Der von Göring gesteuerte Putsch machte das Land bereits nationalsozialistisch, bevor Hitlers Wehrmacht einmarschierte.

Mo, 24. Mrz · 21:10-21:50 · 3sat
Verlorene Leben – Österreicherinnen im sowjetischen „Gulag“

Auf der Suche nach einem neuen, besseren und gerechten Leben wanderten viele Österreicher und Österreicherinnen ab den 1920er Jahren in die Sowjetunion aus. Ihr Ziel war der Aufbau einer neuen Gesellschaft, welche die Arbeitslosigkeit, das Wirtschaftschaos und den Bürgerkrieg 1934 hinter sich lassen sollte. Spätestens 1937 waren sie als Ausländer inmitten von Repression, Todesurteilen und Lagerhaft – auch die Frauen. Nach dem Abschluss des Hitler-Stalin-Pakts wurden manche der gefangenen Frauen direkt von Stalin’s Gulag in die nationalsozialistischen Konzentrationslager geschickt.

Di, 25. Mrz · 08:55-10:23 · arte
Molotow – Der Mann hinter Stalin

Wer war Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow? Die Welt kennt seinen Namen durch den Molotow-Cocktail. Brandsatz, Symbol von Vernichtung, Terror und willfähriger Zerstörungslust. Was war das für ein Mensch, dessen Name mit unheilvoller Sprengkraft verbunden bleibt? Was für ein Leben ging so in die Geschichte ein? Der Dokumentarfilm zeigt ein differenzierteres Bild des Politikers. Eigentlich hieß er Skrjabin. Aber so, wie sich Dschugaschwili „Stalin“ – der Stählerne – nannte, so nannte Skrjabin sich „Molotow“ – der Hammer. Beide wollten mit ihren Kampfnamen nahe an die Arbeiter heran, und sie würden sich doch weit von ihnen entfernen. In den Namen lag schon alles verborgen: Härte, Gewalt, Unerbittlichkeit, der gnadenlose Terror des Systems. Molotow war der Mann neben und hinter Stalin, und er blieb sogar nach Stalins Tod noch eine Zeit lang mächtig. Er war hartnäckig, direkt, schlagfertig und listig. Nach Außen hin zeigte er sich stets korrekt, freundlich und mit guten Umgangsformen. In den Zeiten der Säuberungen, Geheimprozesse und Massenerschießungen – vor allem 1937 – wurde er der „Buchhalter des Schreckens“ genannt: Er hinterließ Listen mit nahezu 40.000 unterschriebenen Todesurteilen. Kühle Bilanz: „Unsere Fehler, auch die schwersten, waren gerechtfertigt.“ Ab 1930 ist er Ministerpräsident der Sowjetunion, er bleibt dies elf Jahre lang. Später wird er Außenminister. Er verhandelt mit Hitler und von Ribbentrop, mit Roosevelt und Churchill sowie dem japanischen Außenminister. Er wird während des Zweiten Weltkrieges zum Vermittler zwischen Moskau und den anderen Alliierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er zum „Vater“ jener Stalin-Note, die den Westen zum Friedensvertrag mit Deutschland drängen soll. Molotows Frau Polina war im Zweiten Weltkrieg führendes Mitglied des Jüdischen Antifaschistischen Komitees. Nach dem Krieg zog sie den Unwillen Stalins auf sich, wurde wegen „fortgesetzten Kontakts zu jüdischen Nationalisten“ zu fünf Jahren Verbannung verurteilt. Molotow nahm dies mehr oder weniger schweigend hin. Was sie rettete, war Stalins Tod, nicht die Einflussmöglichkeit ihres Mannes. Er hatte sich zur Scheidung zwingen lassen. Vom Zweiten Weltkrieg in den Kalten Krieg – Molotows Leben ist ein Schlüssel zum Verständnis eines Prozesses, der später das Gleichgewicht des Schreckens genannt wird. Nach dem Tod Stalins hatte er zunächst politisch die Abrechnungs- und Korrekturwellen in der kommunistischen Partei überstanden, dann aber folgt sein unweigerlicher Abstieg in mehreren Etappen. Der Dokumentarfilm ist eine gleichnishafte Studie über Aufstieg und Fall eines Prototyps. Voller böser, irrwitziger, traurig-komischer Geschichten ist diese sowjetische Biografie. Das Privateste aus dem innersten Zirkel des Kremls ist eingebunden in die großen Ereignisse der Politik.

Di, 25. Mrz · 22:05-22:48 · MDR
Hitlers Polizei (1/2) – Ordnung und Terror 1933-1939

Die zweiteilige Dokumentation zeigt anhand ausgewählter Biographien, dass auch die „ganz normale Polizei“ nicht „sauber“ geblieben ist. Zum ersten Mal wird die zentrale Bedeutung der Polizei für den NS-Staat mit reichhaltigen und seltenen Archivfilmen aufgezeigt. Die Dokumentation führt zu historischen Schauplätzen und lässt Betroffene sowie ausgewiesene Experten zu Wort kommen. Die deutsche Polizei war eine wesentliche Stütze des NS-Systems. Schon bald nach der Machtübernahme 1933 konnten sich die Nationalsozialisten auf die Polizei verlassen. Sie sorgte nachhaltig für die Stabilisierung der NS-Herrschaft – auch indem sie sich am Terror gegen die politischen und weltanschaulichen Gegner beteiligte. Polizeibeamte und nationalsozialistische Weltanschauungskrieger arbeiten schnell Hand in Hand. Ohne das Fachwissen der gut ausgebildeten Polizisten aus Kaiserreich und Weimarer Republik wäre der Erfolg der neuen Machthaber wohl kaum so rasch möglich gewesen. Die Polizei wird zum willfährigen und zuverlässigen Helfer und so zu einer der tragenden Machtsäulen des Regimes. Schon 1933 gehören bis zu 25 Prozent der Beamten der NSDAP an, in verschiedenen Regionen sind bald annähernd 50 Prozent der Offiziere der uniformierten Polizei in der SS. „Dein Freund und Helfer“ wird für diejenigen zum Albtraum, die nicht in das neue Weltbild passen. Polizeiarbeit wird bald „volkshygienisch“ und „rassebiologisch“ bekundet. Und richtet sich zunehmend gegen diejenigen, die ideologisch aus der „Volksgemeinschaft“ herausdefiniert werden: Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte und sogenannte „Arbeitsscheue“ und „Asoziale“. In den Nachkriegsjahrzehnten galt die deutsche Polizei als eine der wenigen untadeligen Institutionen. Sie sei, so hieß es, „sauber“ geblieben. Lediglich die Geheime Staatspolizei, die Gestapo, habe Verbrechen begangen. Die „normale Polizei“ aber habe für Recht und Ordnung gesorgt. Die zweiteilige Dokumentation zeigt anhand ausgewählter Biographien, dass auch die „ganz normale Polizei“ nicht „sauber“ geblieben ist. Zum ersten Mal wird die zentrale Bedeutung der Polizei für den NS-Staat mit reichhaltigen und seltenen Archivfilmen aufgezeigt. Die Dokumentation führt zu historischen Schauplätzen und lässt Betroffene sowie ausgewiesene Experten zu Wort kommen.

Mi, 26. Mrz · 21:00-21:45 · PHOENIX
Nazis im BND – Neuer Dienst und alte Kameraden

Als im Jahr 2011 vier deutsche Historiker vom Bundesnachrichtendienst (BND) den Auftrag bekamen, die Geschichte der Behörde zu erforschen, sagte ihr damaliger Chef Ernst Uhrlau: „Wir öffnen ein Fass, von dem wir nicht wissen, was drin ist.“ Alois Brunner und Klaus Barbie waren die Schlüsselfiguren bei der Deportation und Ermordung der französischen Juden während des Zweiten Weltkrieges. Beide entzogen sich der Strafverfolgung und wurden von französischen Gerichten in Abwesenheit verurteilt. Beiden wurden gute Kontakte zum BND beziehungsweise zu seinem Vorgänger, der „Organisation Gehlen“, nachgesagt. Wenn nun das „Fass“ geöffnet würde – würden sich konkrete Beweise finden? Was verraten die Akten aus dem BND-Archiv über Rekrutierung und Einsatz von SS-Männern und NS-Funktionären? Die Dokumentation schildert, wie Männer von SS und Gestapo den Geheimdienst in den ersten Jahren der Bundesrepublik prägten. Von 1946 bis 1968, das waren die Jahre, in denen Reinhard Gehlen, Hitlers Chefaufklärer Richtung Osten, den Geheimdienst im westlichen Nachkriegsdeutschland aufbaute und den „Dienst“ der jungen Bundesrepublik Deutschland führte. Er holte vor allem alte Kameraden aus der Abteilung „Fremde Heere Ost“ in den neuen Dienst. In den Akten findet die Filmemacherin Christine Rütten Belege dafür, wie auch in Nürnberg verurteilte, und später begnadigte Kriegsverbrecher alten Kameraden erstklassige Zeugnisse für den Dienst ausstellten. Als Anfang der 60er Jahre die großen Prozesse um Adolf Eichmann in Jerusalem und in Frankfurt um die Wachmannschaften des Konzentrationslagers Auschwitz die Öffentlichkeit aufrüttelten, geriet auch das Personal des BND in die Kritik. Eine unfreiwillige Entnazifizierung aller hauptamtlichen Mitarbeiter der Behörde war die Folge. Hans-Henning Crome führte damals die Untersuchungen. Er schildert in dem Dokumentarfilm, wie bestürzt er war, als er die Lebensläufe seiner Kollegen überprüfte. Für die Dokumentation sichtete Christine Rütten zahlreiche, zum Teil bislang nicht zugängliche Akten, und zeigt, wie sogar Massenmörder auf die Gehaltsliste des BND kamen und wie sie aus ihrem speziellen Wissen auch nach dem Krieg Kapital schlagen konnten. Am Ende aber muss sie sich immer noch die Frage stellen, ob der Bundesnachrichtendienst auch in Sachen Geschichtsaufarbeitung nach dem bewährten Geheimdienstmotto vorgeht: „Niemand soll mehr wissen, als er wissen muss“. Im Jahr 2016 wird die unabhängige Historikerkommission ihre Ergebnisse zu diesem Thema vorlegen.

Mi, 26. Mrz · 21:45-22:37 · arte
Es war einmal … Little Odessa

Diese Folge der Reihe „Es war einmal …“ widmet sich dem preisgekrönten Spielfilm „Little Odessa“ des amerikanischen Regisseurs und Drehbuchautors James Gray. Mit seinem Filmdebüt gewann der damals 25-Jährige 1994 in Venedig den Silbernen Löwen. Der Noir-Thriller spielt in Little Odessa, dem russisch-jüdischen Viertel in Brooklyn/New York. Profikiller Joshua (Tim Roth) hat hier nicht nur ein Problem mit der russischen Mafia, auf deren Todesliste er steht. Er trifft hier auch auf seine desolate Familie, aus der ihn der Vater (Maximilian Schell) verstoßen hat. Um seine todkranke Mutter (Vanessa Redgrave) ein letztes Mal sehen zu können, erpresst Joshua seinen Vater, kann dann jedoch seine Versprechungen nicht einhalten. „Little Odessa“ ist eine Mischung aus gnadenloser Gangsterstory und schnörkelloser Familientragödie, die sich um die Fragen nach Schuld, Sühne und Vergebung dreht. James Gray, der selbst aus einer ukrainisch-russischen Immigrantenfamilie stammt und in den weniger glanzvollen Vierteln New Yorks aufgewachsen ist, verarbeitet in diesem Film auch Fragmente seiner eigenen Vergangenheit und Familiengeschichte. Die mit zahlreichen Filmausschnitten ausgestattete Dokumentation verbindet Grays Anekdoten, die Handlung seines Filmdramas und die Umstände der Dreharbeiten in Little Odessa. Gemeinsam mit den Hauptdarstellern Tim Roth, Vanessa Redgrave und anderen Mitwirkenden beleuchtet Gray Entstehung und Hintergründe des Films.

Mi, 26. Mrz · 22:40-00:13 · arte
Little Odessa

Joshua Shapira ist Profikiller und kehrt für einen Auftrag in sein New Yorker Heimatviertel Little Odessa zurück. Dort erwarten ihn ein patriarchischer Vater, eine todkranke Mutter, ein ihn vergötternder Bruder und ein rachsüchtiger Gangsterboss. Joshuas Auftauchen in Little Odessa bleibt nicht lange unbemerkt – es folgt eine blutige Tragödie. Leise, sanft und dahinfließend läuten die Kirchengesänge die ersten Minuten von „Little Odessa“ ein. Nach und nach gibt die Kamera immer mehr preis und man erkennt das halb im Schatten liegende Gesicht eines jungen Mannes; er hat einen eiskalten Blick. Mit schnellen Schritten überquert er die Straße und erschießt einen Mann, der bei helllichtem Tag auf der Parkbank sitzt. Joshua Shapira ist Auftragskiller und wollte eigentlich nie wieder in sein Heimatviertel Little Odessa in New York zurückkehren, doch ein Auftrag führt ihn dorthin. Im russisch-jüdischen Viertel von Brighton Beach leben fast ausschließlich Immigranten aus Osteuropa. Als Joshuas jüngerer Bruder Reuben hört, dass sein Bruder in der Nähe ist, sucht er den Kontakt und berichtet ihm von zu Hause, der Familie und der todkranken Mutter. Der patriarchische und gewalttätige Vater, überzeugend gespielt von Maximilian Schell, verwehrt seinem ältesten Sohn den Zutritt zum Haus. Letztlich gelangt Joshua doch zum Sterbebett seiner Mutter und verspricht ihr Besserung. Als ein berüchtigter Gangsterboss Joshua aufspürt, kommt es zu einem blutigen Katz-und-Maus-Spiel … „Little Odessa“ ist das Spielfilmdebüt von Regisseur James Gray, „das in einer wohldosierten Mischung aus stimmig inszenierter Gangster-Story und konsequent entwickelter Familientragödie auch Fragen nach Schuld, Sühne, Vergebung und der Notwendigkeit von Wertbewusstsein stellt.“ (Filmdienst)

Do, 27. Mrz · 23:15-00:00 · RBB Berlin
Leo Fall – Vergessenes Enfant terrible der Operette

Er verdiente Unsummen und hatte doch ständig Schulden. Er war ein rundlicher, gemütlicher Mann und schrieb doch die frivolsten Operetten seiner Zeit. Er verkaufte seine Werke bis London, New York und Rio und ließ sich doch freiwillig unter Kuratel stellen: Leo Fall, der verkannte und fast vergessene Starkomponist der 1910er und 1920er Jahre. Er war ein Genie und gleichzeitig ein Enfant terrible, ein ewiges Kind, das im Grunde nichts anderes interessierte, als Musik zu schreiben. Als Spross einer jüdischen Familie wurde er 1873 in Holesov (Südmähren) geboren und später so berühmt, begehrt und viel gespielt wie seine Konkurrenten Franz Léhar und Emmerich Kálmán. Leo Falls Operettenmelodien zählten zu den größten Hits ihrer Zeit und Werke wie „Madame Pompadour“, „Der fidele Bauer“, „Die Dollarprinzessin“ oder „Die Rose von Stambul“ waren Publikumsrenner. Seit einiger Zeit erleben sie eine Renaissance und kehren mit großem Erfolg auf die deutschen und österreichischen Theaterbühnen zurück. Regisseur Thomas Macho hat für seine Dokumentation über Leo Fall umfangreiche Recherchen durchgeführt.

Fr, 28. Mrz · 15:25-15:51 · arte
Verschollene Filmschätze – 1936. Die Spiele von Berlin

„Verschollene Filmschätze“ ist eine Sammlung bedeutender historischer Aufnahmen. Seit mehr als einem Jahrhundert dokumentieren Bild und Film die wichtigsten Geschehnisse der Weltgeschichte. Seit ihrer Erfindung war die Kamera bei allen entscheidenden und bedeutenden Ereignissen dabei. Heute: 1936. Die Spiele von Berlin Berlin, 1. August 1936. Ein Samstag. In dem modernen, monumentalen Berliner Sportstadion, das 100.000 Personen fasst, eröffnet Reichskanzler Adolf Hitler die Olympischen Sommerspiele, offiziell „Spiele der XI. Olympiade“ genannt. Trotz der zahlreichen Boykottaufrufe, unter anderem in den USA, hat es nie zuvor so viele teilnehmende Länder beziehungsweise Athleten gegeben. Wie wurden die afroamerikanischen Sportler, deren Leistungen mit besonderer Spannung erwartet wurden, im rassistischen, totalitären Regime empfangen? Welche Bedeutung maßen Hitler und andere führende Nazis diesen Spielen bei? Welche Propagandamittel setzten sie ein, und wie bedienten sie sich der Medien? Und unter welchen Bedingungen durften die ausländischen Journalisten über das sportliche Großereignis berichten?

Sa, 29. Mrz · 13:35-15:10 · WDR
Applebaums großer Auftritt

Einst war Morris Applebaum ein gefeierter Shakespeare-Darsteller am New Yorker Broadway. Mittlerweile ist er schon lange in Pension – aber auch mit knapp 90 Jahren ist Applebaum noch immer ein gewitzter und mit allen Wassern gewaschener Exzentriker. Trotz aller Vitalität hat er sich nun aber vorgenommen, seinem Leben ein Ende zu setzen – er will abtreten, solange er dazu noch selbstbestimmt in der Lage ist. Und da der legendäre Applebaum ein unverbesserlicher Showman ist, will er sich – nachdem diverse Dinge geregelt sind – gebührend verabschieden. Dazu gehört, die drei erwachsenen Kinder über seine Freitod-Pläne zu informieren und zu einer Art Abschlussfeier einzuladen. Natürlich steht der Applebaum-Nachwuchs binnen kürzester Zeit bei Morris auf der Matte, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Allerdings haben die Geschwister so sehr mit ihren eigenen Neurosen zu kämpfen, dass ihr ungewöhnlicher Vater dagegen regelrecht normal erscheint. Der geschiedene Psychologe Ted hätte selbst eine Therapie nötig; die TV-Produzentin Flo hadert mit dem Single-Dasein als 40-Jährige und hat Komplexe wegen ihres vermeintlich trivialen Berufs; der Familienvater und mäßig erfolgreiche Auto-Händler Barry ringt vergeblich um die Anerkennung seines Vaters und zieht sich dessen Zorn zu, weil er seinen jüdischen Namen in „Apple“ geändert hat. Keine Frage, dass in den kommenden Tagen jede Menge alter Konflikte aufbrechen, denn eines wird immer deutlicher: Morris liebt seine Kinder zwar über alles – aber ein einfacher Vater war er nie.

Sa, 29. Mrz · 22:25-23:55 · 3sat
Das Meer am Morgen

Frankreich im Kriegsjahr 1941: Nachdem die deutschen Truppen ein Jahr lang wie „Gott in Frankreich“ lebten, wird in Nantes ein deutscher Offizier auf offener Straße erschossen. Die Attentäter können unerkannt entkommen. Adolf Hitler ordnet umgehend die Exekution von 150 französischen Geiseln als Vergeltung an. In der deutschen Kommandantur im Pariser „Hôtel Majestic“ werden der Schriftsteller Ernst Jünger und der General Otto von Stülpnagel mit der Sache befasst. Die hinzurichtenden Geiseln sollen auch aus dem Internierungslager Choisel in der Bretagne ausgewählt werden. Dort wird unter anderem der 17-jährige Guy Môquet festgehalten: Er hatte in einem Kino Flugblätter verteilt. Gemeinsam mit 26 Mithäftlingen steht Guy auf der Liste der zu Exekutierenden. Am Atlantikwall wird der junge Wehrmachtssoldat Heinrich zu Schießübungen mit scharfer Munition verpflichtet. „Das Meer am Morgen“ ist ein packendes historisches Drama von Volker Schlöndorff, das die Abläufe der angekündigten Ermordung französischer Geiseln tatsachengetreu lebendig werden lässt. Der Film ist inspiriert von erst kürzlich entdeckten Berichten Ernst Jüngers, einer frühen Erzählung von Heinrich Böll sowie zeitgenössischen Dokumenten. Er fängt drei Perspektiven ein: die des hinzurichtenden Jungen, die des heimlichen Protokollanten Ernst Jünger und die des schießenden Wehrmachtssoldaten. 3sat zeigt „Das Meer am Morgen“ anlässlich des 75. Geburtstags von Regisseur Volker Schlöndorff am 31. März.

Mo, 31. Mrz · 01:30-03:05 · HR
Das Herz von Jenin

Am 5. November 2005 erschießt ein Soldat der israelischen Armee im Flüchtlingslager Jenin den zwölfjährigen palästinensische Jungen Ahmed Khatib, der mit einem Plastikgewehr spielt. Trotz seines großen Schmerzes entscheidet sich sein Vater Ismael dafür, die Organe seines Sohnes israelischen Kindern zu spenden – eine Geste des Friedens. Zwei Jahre später begibt sich Ismael Khatib auf eine Reise quer durch Israel, um die Kinder zu besuchen, die durch die Organtransplantationen gerettet werden konnten – eine schmerzhafte und zugleich befreiende Reise, denn durch die Kinder kommt Ismael auch seinem Sohn wieder ganz nah. „Das Herz von Jenin“ führt zu dem kleinen Beduinenjungen Mohammed in die Negev-Wüste; zu Samah, einem drusischen Teenager im Norden Israels, und schließlich zu Menuha, der Tochter einer jüdisch-orthodoxen Familie aus Jerusalem. Dem Treffen mit Menuhas Familie schaut Ismael Khatib mit großer Anspannung entgegen, denn Menuhas Vater Yaakov hatte noch während der Transplantation gegenüber Reportern geäußert, er sei unglücklich darüber, dass seine Tochter nun mit dem Organ eines Arabers leben müsse. Es ist eine Begegnung auch mit Menschen, die gelernt haben, mit dem alltäglichen Konflikt und der Gewalt umzugehen und trotzdem ihre Hoffnung auf Frieden nicht aufzugeben. Ein bewegender Film über einen palästinensischen Vater, der ein Zeichen des Friedens setzen will. Der Film wurde mehrfach preisgekrönt, unter anderem erhielt er den Deutschen Filmpreis 2010.

Mo, 31. Mrz · 07:20-07:50 · WDR
Planet Schule: Spiel für mich Allegro – Ein Stück Hoffnung am Gazastreifen

Das Kibbuz Nir-Am liegt kurz vor der Grenze zum Gaza-Streifen und damit in Reichweite der Kassam-Raketen militanter Palästinenser. Der Film erzählt vom gefährlichen Leben einer allein erziehenden israelischen Mutter und ihrer kleinen Tochter. Trotz des regelmäßigen Raketenbeschusses geben sie die Hoffnung auf Frieden nicht auf.

Mo, 31. Mrz · 07:50-08:20 · WDR
Planet Schule: Nadavs kleines Stück Frieden in Jerusalem

Nach einer Reihe von Selbstmordanschlägen in Jerusalem beschließt der israelische Junge Nadav eine Kampagne zu starten – „Frieden für die Zukunft“. Die 30-minütige Sendung zeigt die konträren Sichtweisen israelischer und palästinensischer Jugendlicher und begleitet die Entstehung und das letztendliche Scheitern dieser Initiative.

Mo, 31. Mrz · 22:45-00:15 · Das Erste (ARD)
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Richard C. Schneider, ARD-Korrespondent für Israel und die Palästinensischen Autonomiegebiete, sowie Jörg Armbruster, ehemaliger ARD-Korrespondent für die arabische Welt in Kairo, haben die Umwälzungen in der jeweiligen Region beobachtet und persönlich in ihrem Alltag erfahren. Der „Arabische Frühling“ mit all seinen zukunftsträchtigen Chancen und enttäuschten Hoffnungen wird in Israel als Bedrohung und Verunsicherung wahrgenommen. Die Zugeständnisse des iranischen Staatspräsidenten Hassan Rohani bei den Atomgesprächen gelten im Westen als Durchbruch, in Israel und Saudi Arabien als Täuschung. Die Karten werden neu gemischt im Nahen Osten. Doch die historischen Wurzeln der Konflikte sitzen tief. Richard C. Schneider und Jörg Armbruster dokumentieren, was die Umwälzungen in der arabischen Welt und die Charme-Offensive aus dem Iran für den klassischen Nahost-Konflikt und die Position Israels bedeuten – vor allem für die Menschen, die damit leben müssen. Die Autoren begleiten israelische Soldaten an der Grenze zu Syrien, Schiiten und Sunniten im Libanon, enttäuschte Revolutionäre in Ägypten, geschäftstüchtige Palästinenser und verzweifelte Flüchtlinge. Wer zieht die politischen Fäden hinter den menschlichen Schicksalen im Nahen Osten? Die Filmautoren fragen Strippenzieher wie den ehemaligen saudischen Geheimdienstchef Turki Al Faisal und den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Vor einem Jahr war Jörg Armbruster im nordsyrischen Aleppo zu Beginn der Dreharbeiten für diesen Film angeschossen worden. Jetzt trifft er an der türkisch-syrischen Grenze den Arzt aus Aleppo wieder, der ihm damals das Leben rettete. Die Grenzen zu Syrien und Ägypten waren für Israel bis 2011 relativ sicher und ruhig. Jetzt wächst die Angst vor den Djihadisten auf dem Sinai und in den syrischen Rebellen-Gebieten. Das tiefe Bedrohungs-Trauma der Israelis wird schnell in panische Verteidigungs-Reflexe verwandelt. Richard C. Schneider und Jörg Armbruster diskutieren und streiten über die arabische und die israelische Sichtweise, dazu treffen sie sich immer wieder an den Knotenpunkten der Konflikte. Zum Beispiel an der Grenze zwischen Südlibanon und Israel: Jörg Armbruster auf der libanesischen Seite kann mit Richard C. Schneider auf der anderen Seite in Sichtweite telefonieren, doch die Hand geben können sie sich nicht: Für Reisende aus Israel, ob Deutsche oder Israelis, gibt es kein Visum. Woher kommt der tiefe Hass gegen Israel in der arabischen Welt und im Iran? Ist er ein Politikum oder tiefe Überzeugung der Menschen? Was macht die Palästinenser zum ewigen ungeliebten Spielball zwischen allen Fronten und was lähmt die israelische Politik? Der Nahe Osten hält die Welt in Atem. Wie es dazu kommen konnte, und warum es immer noch so ist, das analysieren Richard C. Schneider und Jörg Armbruster in eingestreuten Rückblicken aus ihren historischen Archiven: die Flüchtlingsströme der Palästinenser, der Oslo-Friedensprozess und die Roadmap, der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel, die Gaza-Kriege, die Rolle der Hisbollah und der Muslim-Brüder, der Sturz der arabischen Despoten. Schauplatz für das Finale der Dokumentation ist Jerusalem, wo sich die Linien zwischen allen gedachten, gefühlten und umkämpften Fronten kreuzen. Richard C. Schneider und Jörg Armbruster geben Ausblicke in die Zukunft des Neuen Nahen Ostens – zwischen Hoffnung und Verzweiflung.