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Zweierlei Maß in Ungarn

Zweieinhalb Monate vor den Wahlen verlangt der christdemokratische Staatssekretär Bence Rétvári die Entfernung der Büste von Karl Marx aus der Eingangshalle der ehemaligen Budapester Karl Marx Universität, mit der Begründung, Marx wäre Antisemit und Rassist gewesen…

Von Karl Pfeifer

Tatsächlich meinte Marx „Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also vom praktischen, realen Judentum wäre die Selbstemanzipation in unserer Zeit.“

Hingegen widersprach er Bruno Bauer, der verlangte, „daß der Jude das Judentum, überhaupt der Mensch die Religion aufhebe, um staatsbürgerlich emanzipiert zu werden.“ Marx sah darin „die einseitige Fassung der Judenfrage“ und verlangte  „die menschliche Emanzipation“. Die Juden sollten also nach der Auffassung von Karl Marx nicht auf ihren Glauben verzichten müssen.

Was die Forderung Rétváris so unglaubwürdig macht ist sein Schweigen zu der Aufstellung einer Büste, im Vorraum einer reformierten Kirche, von Miklós Horthy, der sich stolz zu seinem Antisemitismus bekannte und die Mitverantwortung trug für die Ermordung von mehr als einer halben Million ungarischer Staatsbürger, die zuvor als Juden gebrandmarkt und ausgeraubt wurden.

In Ungarn gibt es einige Statuen des Vordenkers des rassistischen Antisemitismus, Ottokár Prohászka. Auch Straßen können laut einer Ende April 2013 bekanntgemachten Mitteilung der ungarischen Akademie der Wissenschaften nach ihm benannt werden. Ottokar Prohászka:  

…kam es uns zum Bewusstsein, daß es sich in der Judenfrage um eine Rassenfrage handelt, daß Judentum keine Konfession, sondern eine scharf gezeichnete Rasse oder zumindest Nationalität ist, die einer andern bodenständigen, staatserhaltenden Rasse gegenübersteht

Der Vizepräsident des Ungarischen Parlaments, Sándor Lezsák (Fidesz), einer der höchsten Würdenträger Ungarns, nahm Anfang Oktober 2008 bei der Enthüllung einer weiteren Statue von Ottokár Prohászka den rassistischen Antisemitismus propagierenden katholischen Bischof in Schutz, dieser Befürworter der Diskriminierung der Juden habe doch nur „die kosmopolitisch-parasitäre Schicht“ zurückdrängen wollen.

Die Gedenkstätten ungarischer Antisemiten wie Prohászka, Wass, Tormay usw. stören den christdemokratischen Staatssekretär Rétvári nicht, denn die werden ja von der Regierungspartei Fidesz-KDNP propagiert.