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Ariel Scharon hatte Recht: Erfolg für Extremisten im Irak

Ariel Sharon, damals israelischer Regierungschef, hatte den amerikanischen Präsidenten George W. Bush vor einer US-Invasion im Irak gewarnt. Mit Blick auf die unabsehbaren Folgen für die Kräftegleichgewichte in der Region sah er in Bushs Invasion 2003 ein gefährliches und unnötiges Abenteuer, das insbesondere Israel gegenüber verantwortungslos sei. Die US-Truppen werden irgendwann wieder abziehen, doch wir bleiben hier, so Scharon an Bush…

Während Ariel Sharon im Koma liegt und die Bestätigung seiner Einschätzung nicht mehr wahrnehmen kann, haben erstmals seit der US-Invasion radikale Islamisten eine irakische Großstadt, Falludscha, unter ihre Kontrolle gebracht. Nach schweren Gefechten mit der irakischen Armee eroberten al-Qaida-nahe Extremisten am Samstag die Stadt. Der Syrien-Konflikt verleiht dem radikalen Islamismus in der Region Aufwind, analysieren Kommentatoren und sehen ein gefährliches Sicherheitsvakuum seit dem Abzug der US-Truppen.

La Repubblica – Italien
Islamisten profitieren vom Syrien-Konflikt

Durch den Syrien-Konflikt gewinnt der radikale Islamismus immer mehr Anhänger in der Region, analysiert die linksliberale Tageszeitung La Repubblica:

„Syrien und der Irak sind die Hauptschauplätze der neuen Offensive des radikalen sunnitischen Extremismus. Die richtet sich zum einen gegen den anderen großen, wenn auch minderheitlichen Teil der muslimischen Bevölkerung, die Schiiten. … Zum anderen gegen die ‚Kreuzritter‘, den Westen, der von der Supermacht USA angeführt wird. … Die Popularität [von al-Qaida] ist derweil bei der sunnitischen Bevölkerung nicht gesunken, im Gegenteil, mit dem Syrien-Konflikt ist sie gewachsen. Denn dank der Syrien-Krise hat der radikale Islam neue militärische und finanzielle Unterstützung von Saudi-Arabien und den Golfmonarchien erhalten. Diese beabsichtigten, sich gegen die Gleichgültigkeit des Westens gegenüber der Anti-Assad-Revolte zu wehren, indem sie jene finanzieren, die sie noch bis gestern als ihren ärgsten Feind betrachteten.“ (06.01.2014) La Repubblica Alberto Stabile

Frankfurter Allgemeine Zeitung – Deutschland
Irak-Desaster ist Menetekel für Afghanistan

Dass gerade Falludscha, wo im Irak-Krieg besonders viele US-Soldaten ums Leben kamen, in die Hände der Islamisten gefallen ist, beunruhigt die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung:

„Zwei Jahre nach dem übereilten Abzug der Amerikaner aus dem Irak ist die Stadt in der Hand von Dschihadisten, die Al Qaida nahestehen; die Regierung Maliki hat … wenig getan, um den sunnitisch-schiitischen Gegensatz zu entschärfen und den Sunniten politische Teilhabe zu eröffnen. Hatte früher die sunnitische Minderheit das Sagen, so geht es heute allein nach der schiitischen Mehrheit – Nutznießer sind die Dschihadisten. Die Vereinigten Staaten wollen Maliki im Kampf gegen vagabundierende Extremisten helfen, aber keine Soldaten entsenden. Natürlich werden amerikanische Soldaten nicht zurückkehren. Und doch muss man auf das Sicherheitsvakuum hinweisen, das Washington hinterlassen hat. Hoffentlich wird man das eines Tages nicht auch für Afghanistan feststellen – falls nach Abzug der westlichen Truppen Terror und Taliban zurückkehren.“ (06.01.2014) deutsch Klaus-Dieter Frankenberger

De Volkskrant – Niederlande
Obama muss eingreifen

Die zunehmende Gewalt im Irak und der anhaltende Krieg in Syrien setzen die USA unter Zugzwang, analysiert die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant:

„Die Frage ist, wie lange Obama weiter nur die Lunten austreten und dabei das Pulverfass ignorieren kann. … Lösungen sind im Wespennest der islamischen Welt nicht einfach zu finden. Obama schreckt aus gutem Grund vor militärischen Aktionen zurück. Aber er verbreitet seinen Nicht-Interventionismus mit großem Getöse. Er verhält sich wie ein Kartenspieler, der seinen besten Trumpf sofort auf den Tisch legt. Diplomatie muss immer Vorrang haben, aber das funktioniert meistens besser, wenn die kämpfenden Parteien wissen, dass jemand – etwa auf einer Syrien-Friedenskonferenz – mit einer starken Peitsche im Gepäck am Tisch sitzt. Jetzt riskiert Obama, die Rolle seines Landes zu marginalisieren. Angesichts der Eskalation im Nahen Osten nutzt das niemandem.“ (06.01.2014) De Volkskrant Arie Elshout