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Von Steinen und Menschen

Was ist der Unterschied zwischen einem Stein und einem Menschen? Ganz klar würde man denken… aber so klar ist das alles nicht. Zumindest nicht, wenn man die Nachrichten der vergangenen Tage betrachtet…

von Ramona Ambs

Da gibt es nämlich ein kurioses Nachrichtengefälle. Über den Angriff auf ein paar Steine wird in sämtlichen Zeitungen groß und breit berichtet, der Angriff gegen ein paar Menschen hingegen geht medial fast unter.

Die Menschen, um die es ginge, sind ein paar Asylbewerber. Sie wohnten in Germering in einer Asylbewerberunterkunft. Und diese wurde angezündet. Von unbekannt. Wie immer wird in alle Richtungen ermittelt, noch nicht einmal ein fremdenfeindlicher Hintergrund wird ausgeschlossen.
Zum Glück haben alle überlebt.

In den Medien wird dieser Anschlag kaum gemeldet. Dort ist man vielmehr mit einen Anschlag anderer Güte befasst. Dem Anschlag auf ein paar Steine in Berlin. Ja, genau: die Betonstelen des Holocaustmahnmals, „um das uns die Welt beneidet“ wie seinerzeit bei der Eröffnung betont wurde. Jedenfalls haben dort einige Jugendliche in der Silvesternacht drangepinkelt und Feuerwerkskörper abgeschossen. Das ist natürlich nicht schön. Und definitiv respektlos und zu verurteilen. Die Reaktionen darauf sind geradezu kurios. Die neue Kulturstaatsministerin Grütters in Berlin beispielsweise will das Mahnmal nun besser schützen lassen.

Diskutiert wird ein Zaun um das Mahnmal und weitere Überwachungsszenarien mit Kameras und Wachleuten. Vielleicht könnte man ja – so nach Hamburger Vorbild – das Mahnmal zum Gefahrengebiet erklären und künftig dort alles und jeden kontrollieren..? ist in vielerlei Hinsicht absurd. Zum einen, weil das Mahnmal zwar eine zentrale Gedenkstääte des Holocaust ist, aber bei weitem ja nicht die einzige. Wenn man bedenkt dass immer wieder clips auftauchen, in denen Nazis auf Stolpersteine pinkeln, und auch andere Denkmale geschändet und zerstört werden – und zwar bewusst und böswillig und nicht nur aus einer besoffenen Laune am Silvesterabend heraus… dann hätte man viel zu tun mit Zäunebauen… zum anderen ist es geradezu menschenfeindlich ein totes Stelenfeld mit einem Zaun zu schützen, während an einem anderen Ort in der Republik gezielt Menschen angegriffen und getroffen werden.

Ich bin sehr dafür, die Erinnerung an den Holocaust wichtig und ernst zu nehmen,- aber das wirkt nur dann glaubwürdig, wenn man sich heute dafür engagiert Flüchtlinge aus anderen Ländern zu schützen. Und sich um sie zu sorgen. Solange hier Steine wichtiger sind als Menschen, hat man nichts kapiert.