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Israel und die Volksrepublik China

Eine Übersicht über die zwischenstaatlichen Beziehungen…

Das chinesisch-israelische Verhältnis lässt sich grob in drei Abschnitte einteilen. Zunächst die Phase der frühen Annäherung Israels an China, der der Kalte Krieg und dessen Folgeerscheinungen ein Ende bereiteten; es handelt sich um den Zeitraum 1950 bis etwa 1975. Dann die Phase des ersten Neubeginns, die vor allem gekennzeichnet war von sich kontinuierlich steigernden Rüstungsgeschäften; ihr setzten regelmäßige Interventionen der Vereinigten Staaten von Anfang der 1990er Jahre an ein Ende. Schließlich der zweite Anlauf, der sich ab der Etablierung der vollen diplomatischen Beziehungen im Jahre 1992 bis in die Gegenwart erstreckt und für den eine atemberaubende Steigerung der Umsätze bei Warenaustausch und Technologietransfer sowie eine Vielzahl von Kontakten auf nahezu allen erdenklichen Ebenen charakteristisch sind.

„Antisemitismus ist der chinesischen Kultur fremd“.
(Yizhak Shichor, Haifa University’s Department of Asian Studies)

„In allen Sprachen der christlichen und der muslimischen Welt ist das Wort ‘Jude‘ stark mit emotionellem und polemischen Ballast behaftet, (einem Ballast), der bereits in den Basistexten dieser beiden Religionen, dem Neuen Testament und dem Koran, verankert ist. Die Chinesen tragen diesen Ballast nicht mit sich herum“.
(Shalom Wald, Senior Fellow am Jewish People Institute)

„China hat mehr Juden aufgenommen als Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika und Indien zusammen“.
(Gao Yanping, Botschafterin der Volksrepublik China in Israel bezugnehmend auf die jüdischen Flüchtlinge in Shanghai während der Jahre des deutschen „Dritten Reiches“)

„Israel rangiert bei den Rüstungsverkäufen an China an zweiter Stelle nach Russland; bei der Weitergabe von hochentwickelter Militärtechnologie an China steht es an erster Stelle, vor Frankreich und vor Deutschland“.
(Aus einem Bericht der U.S.-China Security Review Commission von 2002)

Als Israel am 9. Januar 1950 die Volksrepublik China anerkannte, tat es dies als eines der ersten Nichtostblockländer. Mit diesem Schritt einher ging der formale Abbruch der israelischen Beziehungen zur Republik Nationalchina (Taiwan).

Zunächst sah damals alles es danach aus, als wolle die VR China die vollen diplomatischen Beziehungen zu dem kleinen Land am Ostrande des Mittelmeers aufnehmen, da die arabischen Staaten noch als zu sehr dem Westen hörig galten und einige von ihnen, als Monarchien, veralteten, „reaktionären“ Strukturen anhingen. Jedoch beeinflussten der Ausbruch des Koreakrieges, Israel war Bestandteil des Bündnissystems der USA, und auch die gesellschaftspolitischen Veränderungen in Teilen der arabischen Welt, so spielte etwa die Hinwendung Ägyptens zum Sozialismus eine wesentliche Rolle, die weiteren Entwicklungen maßgeblich. Kurzum, China verstand Israel nun als einen Teil des feindlichen Westens und unterstützte hinfort den antiisraelischen, arabischen Staatenblock.

Dennoch ergaben sich bereits zu jener Zeit, und zum Beispiel auf privater Basis, Berührungspunkte, die gepflegt und ausgebaut wurden. Im Januar/Februar 1955 besuchte eine israelische Delegation im Rahmen einer „Goodwill“-Reise die Volksrepublik und wurde freundlich aufgenommen. Die Absicht dahinter war, vordergründig, Handelsverbindungen herzustellen, tatsächlich jedoch, die Einleitung diplomatischer Beziehungen. Chinas Außenminister Tschou-En-Lai hatte bereits im Jahr davor angekündigt, dass zwischen beiden Staaten Kontakte bestünden und man die Aufnahme normaler Beziehungen anvisiere. Eine von Israel ausgesprochene Gegeneinladung von 1955 wurde jedoch von chinesischer Seite nicht beantwortet.

Der Afro-asiatische Gipfel von Bandung vom April 1955 lieferte bald darauf die Erklärung für das abweisende Verhalten der Chinesen: Der inzwischen zum Premier ernannte Tschou-En-Lai verbündete sich in aller Öffentlichkeit mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Gamal Abdul Nasser und beide Staaten nahmen diplomatische Beziehungen auf. Dass die VR China sich für die arabische Seite entschieden hatte manifestierte sie wenig später auch noch durch die Annäherung an Syrien und andere arabische Länder der Region.

Israel spielte für China keine Rolle mehr, aber, noch wesentlich unangenehmer, die Chinesen machten ihren nicht unerheblichen Einfluss in den folgenden, kriegerischen, israelisch-arabischen Auseinandersetzungen schmerzlich fühlbar.

Sie nahmen ab 1956 ihre kommunistisch erprobte, anti-israelische Rundfunkpropaganda auf, in der der Judenstaat nicht selten als „Werkzeug des Imperialismus“ diffamiert wurde. Ab Mitte der 1960er Jahre verstärkte die VRC noch ihre israelfeindlichen Aktivitäten, indem sie die PLO anerkannte und sie auf lange Jahre hin mit Waffen, Logistik und Geldmitteln unterstützte. Obendrein schulte die VR China PLO-Mitglieder in sämtlichen Taktiken des Propagandakrieges und trainierte angehende Terroristen für den Guerillakampf.

Der für Israel erfolgreich ausgegangene Sechstagekrieg versetzte den antiisraelischen Aktivitäten der Volksrepublik China einen zusätzlichen Anstoß, der sich u.a. in intensivierter Unterstützung der PLO niederschlug. Als PLO-Führer Yasser Arafat Anfang 1970 Peking besuchte, wurde er mit sämtlichen Ehren eines Staatsgastes eines souveränen Landes empfangen und genoss er in der chinesischen Medienberichterstattung ganz besondere Aufmerksamkeit.

Der Kampf der arabischen Staaten gegen Israel wurde von der KP Chinas als ein Schauplatz des weltweiten Kampfes gegen den Imperialismus politisch-propagandistisch instrumentalisiert. Dementsprechend galt Israel jahrelang in den Medien des fernöstlichen Riesenreiches als „Marionette der US-Imperialisten“.

Man ging lange Zeit davon aus, dass die VR China in jenen Jahren Aussöhnungsinitiativen und Vermittlungsversuche zwischen Arabern und Israelis aktiv bekämpft hat. Nur eine Verlängerung des Kriegszustandes im Nahen Osten schien Peking dazu geeignet, den endgültigen Sieg über den verhassten westlichen „Imperialismus“ herbeiführen zu können.

Während sich gegen Ende der 1960er Jahre die Sowjetunion arabischen Terrororganisationen gegenüber eher zurückhaltend gab, zögerte die VR China nicht diese paramilitärischen Verbände mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen.

Dennoch zeichnete sich allmählich ein Wandel in den israelisch-chinesischen Beziehungen ab. So stellten die im Sechstagekrieg von 1967 erbeuteten und von israelischen Spezialisten nicht nur reparierten, sondern gemäß allermodernstem Technikstand aufgewerteten ex-sowjetischen Waffen eine ungeheure Verlockung für Peking dar, das von Moskau bis dahin nur solche Wehrtechnik erhalten hatte, die sich mit der des Westblocks nicht messen konnte. Der Verkauf der modernisierten Panzer, Feuerleitsysteme und Raketen an die Chinesen stellte schon bald die Basis für weitere Kooperationen zwischen beiden Ländern dar.

Auch nach außen verbesserte sich das beiderseitige Verhältnis, nachdem sich die Annäherungspolitik, die US-Präsident Nixon ab 1972 gegenüber der Volksrepublik betrieb, als erfolgreich erwies. Anlässlich der Luftfahrtausstellung von Paris, 1975, kam es zwischen Israel und der VR China zu wichtigen Kontakten, die bald ausgebaut wurden.

Ab dem Zeitpunkt des Bruchs Chinas mit der Sowjetunion, bzw. nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen der VR China mit den USA fanden zahlreiche chinesisch-israelische Geheimgespräche statt. Verdeckt bauten beide Seiten ihre militärischen Verbindungen aus, die sich nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan noch verstärkten. Beide Staaten zählten zu den Waffenlieferanten der afghanischen Mujaheddin und beide unterstützten den islamischen Widerstand gegen Moskau. In Zusammenhang mit diesem gemeinsamen Vorgehen gedieh auch der chinesisch-israelische Austausch auf den Ebenen Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft und Industrie.

Bei den Paraden zum chinesischen Nationalfeiertag des Jahres 1984 machten Experten eine erhebliche Anzahl von Panzern aus, die Israel bei seinen Kämpfen mit den arabischen Nachbarn  erbeutet und mit modernster Technik ausgestattet, an China verkauft hatte. Die Chinesen hatten sich u.a. mit der Lieferung von Vanadium, Titan und anderen seltenen Erzen, die der Veredelung von Metallen dienen, revanchiert.

Jedoch führte der ganz offensichtlich hemmungslose Technologietransfer an China den Israelis bereits damals überdeutlich vor Augen, welch unerwünschte Nebeneffekte solche Deals mit der Volksrepublik China mit sich bringen konnten. Bitter beklagten sich die Repräsentanten eines gewissen Unternehmens bei der eigenen Regierung, als sie entdeckten, dass auf einer internationalen Waffenmesse in den USA die Chinesen eine, zwar nicht ganz so elegant verarbeitete und aus roherem Material gefertigte, dennoch voll funktionsfähige, und vor allem, höchst preiswerte, Kopie ihrer UZI-Maschinenpistolen anboten.

Trotz solcher Episoden verbesserten sich die zwischenstaatlichen Beziehungen weiter, nachdem Israel im damals noch britisch verwalteten Hong Kong sein Konsulat wiedereröffnete, das als Vermittlungsbörse für Wirtschaftkontakte diente. 1987 beauftragte Israels Premier Shimon Peres den Wirtschaftsfachmann Amos Yudan mit der Gründung der offiziell ersten regierungseigenen Firma zur Ankurbelung und Förderung des chinesisch-israelischen Handels, der Copeco Ltd. Dieses Unternehmen bestand bis 1992, also bis zu jenem Jahr, in dem die vollen diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern aufgenommen wurden.

Das Verhältnis China-Israel, das man bereits gegen Ende der 1980er Jahre mit einiger Berechtigung als ein besonderes Verhältnis bezeichnen konnte, gestattet es der VR China die nach dem Massaker vom Tiananmen Platz im Jahre 1989 von Europäern und US-Amerikanern verhängten Sanktionen (Stopp der Rüstungslieferungen an China) zu umgehen. Israel erkaufte sich mit seinem, von Kritikern als moralisch  fragwürdig gebrandmarkten, Verhalten eine konziliantere Haltung Pekings, eine Mäßigung von dessen feindlicher Rhetorik und letztendlich die erwünschte Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen. Alle drei sind dies durchaus nachvollziehbare Argumente, wenn man sich vor Augen hält, dass Israel fast ausschließlich von Feinden umgeben ist und sich in Notfällen bisher in erster Linie auf Eigenhilfe hat verlassen müssen.

Die Normalisierung des Verhältnisses, die bereits 1991 mit Vorbereitungstreffen auf hoher Ebene eingeleitet worden war und die am 24. Januar 1992 zustande kam, erfolgte keinesfalls exklusiv, sondern etwa zur selben Zeit, als auch andere Länder, darunter arabische, es für angebracht hielten ihre Beziehungen zu Israel auf eine neue und feste Basis zu stellen. Die Einleitung eines Friedensprozesses zwischen Israel und der PLO hatte hierbei ohne Zweifel eine gewichtige Rolle gespielt. China ließ übrigens seine Absicht erkennen, selbst als Vermittler in diesem Konflikt auftreten zu wollen.

Das sich allmählich wieder verschlechternde Klima zwischen den USA und China, die Chinesen wurden von den Amerikanern zunehmend als eine Bedrohung empfunden, und zwar sowohl als gefährliche Konkurrenz auf dem Weltmarkt als auch militärisch, sollte sich als nicht ohne Einfluss auf die chinesisch-israelischen Beziehungen auswirken. Immer häufiger wurden hochrangige US-Diplomaten oder Politiker in Jerusalem bzw. Tel-Aviv vorstellig und mahnten zu Mäßigung bei High-Tech-Rüstungslieferungen an die Chinesen.

Dies geschah zum Beispiel 1992, als Israel allermodernste Technologie, verbaut im „Patriot“-Raketenabwehrsystem, an China weitergab. Ebenso im Jahr darauf, bei einem ganz ähnlich gelagerten Fall. 1994 richteten sich die Vorwürfe gegen den, nach US-Auffassung unverantwortlichen, Technologietransfer in Zusammenhang mit dem Prestigeprojekt „Lavi“. Das war jenes israelische Jagdflugzeug mit amerikanischem Triebwerk, in das so hohe patriotische Hoffnungen gesetzt worden waren und das schließlich an explodierenden Kosten, aber auch weil es eine unangenehme Konkurrenz zu US-Jets der gleichen Kategorie dargestellt hätte, scheitern musste. Zugleich war es jenes Jagdflugzeug gewesen, welches sich nur wenige Jahre später und in neuem Gewande in chinesische Lüfte erheben sollte.

Eher den Wünschen der Amerikaner zum Trotz als mit deren Segen besiegeln Israelis und Chinesen im Jahre 1999 ihre Zusammenarbeit auf militärtechnologischem Terrain; diese Kooperation schließt u. a. ein Milliardengeschäft ein, welches den Verkauf russischer Flugzeuge, die mit israelischer Technologie auf den allerneuesten Stand gebracht worden waren, an China vorsieht.

1999 bzw. 2000 muss auf US-amerikanischen Druck hin der Verkauf des „Phalcon“-Frühwarnsystems an China storniert werden. Die Amerikaner drohen widrigenfalls ihre jährlichen Unterstützungszahlungen an Israel in Höhe von 2,8 Milliarden $ einzustellen.

2004 beträgt das Volumen des bilateralen Warenaustauschs 2,4 Milliarden $. Im darauffolgenden Jahr steigt dieser Betrag auf 2,9 Milliarden $ und 2006 auf 3,39 Milliarden $. 1992 hatten die entsprechenden Zahlen sich noch auf 54 Millionen $ belaufen.

Zwischen Dezember 2004 und August 2005 intervenieren die USA mehrfach erneut und verhindern damit, dass Israel chinesische „Harpy“-Drohnen mit allerneuester Technologie ausstattet. Jerusalem beschließt daraufhin seine High-Tech-Waffenexporte an China einzustellen.

Im Jahre 2005 ist China Israels bedeutendster Handelspartner in Asien. Israel liefert u.a. das Knowhow sowie Technologie zu Solarenergie, Roboterbau, Beregnungsanlagen und Einrichtungen zur Entsalzung von Meerwasser. Im Gegenzug enthält es von China vor allem Hightech-Produkte und Fertigwaren.

Die weltweiten Rüstungsverkäufe Israels repräsentieren im Jahre 2006 einen Wert von 4,4 Milliarden $; darunter befindet sich kein neues Geschäft mit China.

2007 begehen Chinesen und Israelis den 15. Jahrestag der Aufnahme beiderseitiger Beziehungen mit dem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert in Peking. Bei den Gesprächen mit Chinas Pemier Wen Jiabao wird u.a. über das Atomprogramm des Iran gesprochen, denn China hat bei den internationalen Verhandlungen hierzu eine Schlüsselrolle inne. Mehr als 800 israelische Firmen sind aktiv am Chinageschäft beteiligt; 40 davon betreiben eigene Niederlassungen im Reich der Mitte. Eines der Unternehmen, der israelische Drogeriekonzern „Superpharm“, betreibt mit einem chinesischen Partner 50 Filialen in China.

2010 sind mehr als 1000 israelische Firmen in China tätig. Chinesische Unternehmen hingegen haben einen bedeutenden Anteil an der Herstellung koscherer Lebensmittel, einer Industrie mit Milliardenumsatz. 500 chinesische Firmen beliefern mit ihren Koscherprodukten den US-amerikanischen und den israelischen Markt. Allein die israelischen Ausfuhren nach China erreichen 2010 einen Umfang von 2 Milliarden $; die jährliche Steigerungsrate in diesem Bereich beträgt 95%.

Am 3. Juli 2011 wird eine Vereinbarung zur Verbesserung und Erleichterung des gemeinsamen Handels unterzeichnet. Im September 2011 finden Verhandlungen über den gemeinsamen Bau einer Hochgeschwindigkeitszugverbindung zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer statt. Damit soll der Gütertransport chinesischer Waren nach Israel und Teilen Europas unter Umgehung des jederzeit blockierbaren und somit unsicheren Suezkanals beschleunigt und auf eine unabhängige Basis gestellt werden. Die neue Trasse soll Eilat mit der Negev-Wüste, Beersheba und Tel-Aviv verbinden.

Bei den Feiern zum 20. Jahrestag der Aufnahme der beiderseitigen Beziehungen im Jahre 2012 stellt Premier Benjamin Netanyahu fest, er sei erfreut, dass China damit begonnen habe seine Öleinfuhren aus dem Iran zu beschränken. Zugleich habe er volles Verständnis dafür, dass China an der Sicherstellung einer regelmäßigen Energieversorgung, zum Fortbestand seines eindrucksvollen Wohlstands, sehr gelegen sei. Er glaube, es sei möglich das iranische Öl zu ersetzen, außerdem hoffe er, dass die chinesische Regierung sich den europäischen Staaten anschließen und in Kürze einen vollständigen Lieferstopp für iranisches Öl einleiten werde. Die beiderseitigen Beziehungen seien Israel ein besonderes Anliegen, daher sei man fest entschlossen sie in einer Vielzahl von Gebieten möglichst rasch auch noch weiter auszubauen.

Im August 2012 richtet die Pekinger Universität für International Business and Economics eine Fakultät für israelische Wirtschaftswissenschaften („Israeli economics“) und Judaismus ein. Andere chinesische Universitäten bieten Hebräisch-Kurse an.

Das beiderseitige Verhältnis besteht im Jahre 2013 vordergründig aus Wirtschaftskontakten. Der Handel zwischen beiden Ländern läuft auf hohem Niveau ab (8 Milliarden $ im Jahr 2012). Premier Benjamin Netanyahu unterzeichnet eine Reihe bilateraler Abkommen mit seinem chinesischen Amtskollegen Li Keqiang. Auch ein Kreditabkommen zwischen beiden Ländern existiert – demnach soll Israel für 300 Millionen $ in China investieren. Das neueste bilaterale Projekt stellt ein Freihandelsabkommen dar.

Die Rolle des Iran im Verhältnis China-Israel

Der Iran ist aus den chinesisch-israelischen Beziehungen nicht fortzudenken. Für Israel stellte und stellt der Mullah-Staat mit dessen unstillbar erscheinendem Bedürfnis nach eigener Atombewaffnung sowie mit dessen festgemauertem Feindbild Israel eine konstante und gefährliche Bedrohung dar. Dem an eigenen Vorräten armen, aber vom Erdöl extrem abhängigen, China ist im Iran ein ebenso unverzichtbarer wie zuverlässiger Lieferant in allernächster geographischer Nähe erwachsen. Kein anderes, arabisches oder asiatisches, Land wäre in der Lage eine kürzere bzw. bequemere Versorgung Chinas mit Öl sicherzustellen. Israels Stellenwert für China ist kaum geringer einzuschätzen. Ohne das Knowhow, bzw. ohne die Innovations- und Improvisationskraft des kleinen Landes vom Ostrand des Mittelmeeres stünde es um den chinesischen Aufschwung und um den chinesischen Wohlstand bedeutend schlechter. Ohne Israel fiele es China wesentlich schwerer seine Waren weltweit abzusetzen sowie wissenschaftliche, ökonomische, gesellschaftliche, technische etc. Probleme im eigenen Lande zu lösen. Es liegt wohl vor allem am Iran, dass Israelis und Chinesen noch nicht zu einem wirklich ‚warmen‘ Verhältnis haben finden können.

Als permanentes Mitglied des UN-Sicherheitsrates legte China lange Jahre über sein Veto gegen UN-Resolutionen ein, die eine Isolierung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, eines strategischen Verbündeten des Iran, vorsahen. China bezeichnet sich gerne als Freund sowohl Palästinas als auch Israels, als Freund, „der stets eine objektive und faire Haltung einnahm“ – so zumindest drückte es 2013 der chinesische Premier Li Keqiang aus. Sein israelischer Kollege Netanyahu antwortete ihm, höchst diplomatisch, er schätze Chinas konstruktive Rolle im Nahost-Friedensprozess. Seth Kaplan, Vorsitzender des Israel Asia Center in Jerusalem und geschäftsführender Gesellschafter von Alpha International Consulting glaubt, dass es unrealistisch wäre zu erwarten, die Chinesen würden ihre Verbindungen zum Iran ‚nur‘ um ihres sich so erfreulich entwickelnden Israelgeschäfts wegen beschränken. Zugleich sei ein Verzicht Chinas auf die Dienste Israels, hier insbesondere die Vermittlung allermodernster Technologien, aus heutiger Sicht ebenfalls schwer vorstellbar.

 

Literatur und Internet:

„China and Israel.“ In: Encyclopaedia Judaica, Jerusaelm 1971.
Wikipedia: China–Israel relations:
http://en.wikipedia.org/wiki/China%E2%80%93Israel_relations
http://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_people_in_Israel
http://en.wikipedia.org/wiki/Dates_of_establishment_of_diplomatic_relations_with_the_People%27s_Republic_of_China
http://en.wikipedia.org/wiki/International_recognition_of_Israel
http://en.wikipedia.org/wiki/Israelis_in_China
http://en.wikipedia.org/wiki/China%E2%80%93Palestine_relations
Rachel Avraham: Chinese-Israeli Cultural Relations Blossoming http://www.jewishpress.com/blogs/united-with-israel/chinese-israeli-cultural-relations-blossoming/2013/08/15/
Carice Witte: A Quiet Transformation in China’s Approach to Israel http://jcpa.org/article/a-quiet-transformation-in-chinas-approach-to-israel/
Boaz Bismuth and Eli Leon: China-Israel relations: A historic milestone http://www.israelhayom.com/site/newsletter_article.php?id=9039
Rachel Avraham: China’s Positive View of the State of Israel http://unitedwithisrael.org/chinas-positive-view-of-the-state-of-israel/
Steve Linde: Opening a new chapter in the China-Israel relationship http://www.jpost.com/Features/In-Thespotlight/Opening-a-new-chapter-in-the-China-Israel-relationship-329263
Israel-China Relations http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Politics/ChinaIsraelRelations.html
Ralf Balke: Hightech nach China, Selbsterfahrung in Indien http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.581.html
Israel and China: The ‘Odd Couple’ Trading Partners Tighten Their Ties https://knowledge.wharton.upenn.edu/article/israel-and-china-the-odd-couple-trading-partners-tighten-their-ties/
Sam Chester: As Chinese-Israeli Relations Enjoy a Second Honeymoon, America Frets http://www.tabletmag.com/jewish-news-and-politics/136348/china-israel-united-states
Joseph Puder: The Growing Chinese-Israeli Relationship http://www.frontpagemag.com/2012/joseph-puder/the-growing-chinese-israeli-relationship/
Carol Giacomo: Israel Second Only To Russia In Providing Arms To China http://www.rense.com/general28/iisj.htm
Frida Ghitis: Red-to-Med Deal Highlights Growing Israel-China Ties http://idjames.org/2013/09/red-to-med-deal-highlights-growing-israel-china-ties/
Yuval Azulai: Israel-China free trade agreement breakthrough http://www.globes.co.il/serveen/globes/docview.asp?did=1000860557
K. M. Seethi: China, Israel and India: Flexible Coalitions http://thediplomat.com/2013/11/china-israel-and-india-flexible-coalitions/
P. R. Kumaraswamy: At What Cost Israel-China Ties? http://www.meforum.org/926/at-what-cost-israel-china-ties
Elias Groll: Israel Accused of Suppressing Terror Evidence to Help Out New Pal China http://blog.foreignpolicy.com/posts/2013/07/24/israel_considers_suppressing_terror_evidence_to_help_out_new_pal_china#sthash.czdJBFyw.dpuf