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Jahreskonferenz des Verbands der Europäischen Jüdischen Museen

Vom 16.-20. November 2013 trafen sich in den Jüdischen Museen von München und Hohenems die Mitglieder der Association of European Jewish Museums zu ihrer Jahreskonferenz. 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – von Dublin bis Jerusalem, Oslo bis Rom, und von Riga bis Toledo – diskutierten fünf Tage lang über die Zukunft der Jüdischen Museen in Europa, planten gemeinsame Aktivitäten und besuchten zum Abschluss das Jüdische Museum in Basel und die Braginsky Collection in Zürich…

Jahreskonferenz des Verbands der Europäischen Jüdischen Museen

Schwerpunkte des Programms unter dem Titel „Where we are. Site, Space and Context“ waren key note lectures, workshops, Podien und Museumspräsentationen zur Frage des Umgangs der Jüdischen Museen mit ihrer jeweiligen urbanen und historischen Umgebung, mit den politischen Ansprüchen ihrer Gesellschaften und den Erwartungen ihres Publikums.

Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg in Bayern, schilderte zur Eröffnung der Konferenz, die wenige Tage nach dem 70. Jahrestag der „Kristallnacht“ auch im Zeichen der gewaltsamen Zerstörung des 20. Jahrhunderts stand, das widersprüchliche Nebeneinander von NS-Erinnerung und der Erinnerung an jüdisches Leben und die wechselvolle Geschichte der Annäherung an sie an den Orten des Geschehens.

Dr. Felicitas Heimann-Jelinek hingegen diskutierte die widersprüchliche Erfolgsgeschichte Jüdischer Museen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Bedürfnisse nach Identität und den Zugriff auf Jüdische Museen als Orte einer durchaus elitären Sinnstiftung, einem Zugriff, der für die Museen durchaus eine Belastung werden kann. Dagegen helfe nur ein Selbstbewusstein, dass sich auch darauf einlässt, „die Jüdische Geschichte und Erfahrung mehr und mehr als Raster für andere Minderheiten-Geschichten und Erfahrungen“ ins Spiel zu bringen. „Mit der jüdischen Migrationserfahrung generieren die Jüdischen Museen also auch neue Erinnerungen, sie dynamisieren das historische und kulturelle Gedächtnis“.

In den Workshops zur kuratorischen Praxis wurde deutlich, dass es dabei auch um die Kultivierung einer Haltung geht, die den Erfahrungen der Besucher mit Neugier und nicht mit Belehrung begegnet.

Neu in den Vorstand gewählt wurden Bernhard Purin (München), Lucja Koch (Warschau) und Joanne Rosenthal (London) – neben Hanno Loewy (Hohenems) und Erika Perahia-Zemour (Thessaloniki), die im Vorstand verblieben. Die Association wächst. Auch in diesem Jahr wurden fünf neue Mitglieder aufgenommen.

Und die Aufgaben des Verbands entwickeln sich ebenso stetig. Schon zum fünften Mal wurde in diesem Jahr das Trainingsprogramm für Kuratoren durchgeführt, eine intensive Fortbildung, die sich den spezifischen Reichtum und die Vielfalt der jeweiligen Sammlungen der gastgebenden Häuser zu Nutze macht und von der Rothschild-Foundation (Hanadiv) in London nachhaltig unterstützt wird. 2014 wird sich das Kuratoren-Training in Amsterdam nicht zuletzt mit den unterschiedlichen Formen materieller Kultur im sefardischen und aschkenasischen Judentum beschäftigen. Gemeinsam mit dem Berliner Jüdischen Museum plant die Association eine weitere Intensivierung dieses wichtigen Programms.

Schon zum zweiten Mal wurden unlängst auch Vermittlerinnen und Vermittler an den Museen zu einem eigenen Fortbildungsprogramm der Association nach Warschau eingeladen. 2014 wird das Jüdische Museum in Oslo folgen. Und der Verband wird dabei von der David Berg Foundation in New York unterstützt. Museumspädgog_innen an Jüdischen Museen stehen vor ähnlichen, und besonders aktuellen Herausforderungen. Im Umgang mit einem zunehmend multikulturellen Publikum vermitteln sie jüdische Geschichte und Kultur als kontinuierliche Grenzüberschreitung zwischen dem vermeintlich Eigenen und dem vermeintlich Fremden.

Die Association wird zunehmend auch als Beratungsinstanz für die Museen interessant. Im Rahmen des von der Rothschild Foundation finanzierter Advisory Visit Programms können die Mitgieder beim Verband den Besuch von Expert_innen beantragen, die bei der Lösung von Problemen helfen können. Auf diese Weise hat der Verband schon einiges bewegen können, denn oft braucht es nur einen produktiven Anstoß von außen.

2014 will der Verband sich neben den laufenden Projekten unter anderem auf die Entwicklung einer neuen website konzentrieren, und damit auch seine Erfahrungen und Informationen einem breiteren Publikum zugänglich machen. Für diese Öffnung des Verbands steht auch eine gemeinsame Veranstaltung mit Paideia und der Rothschild Foundation zum Thema „(Re)shaping the (Re)presentation of Jewish Culture: The Future of Jewish Museums in Europe“, die im März 2014 im Anschluss an das Kuratorentraining in Amsterdam stattfinden wird.

Die Jüdischen Museen sind im 21. Jahrhundert angekommen und sie suchen darin freilich noch ihren Ort. Die Association of European Jewish Museums ist ein guter Rahmen um diese Suche auch für die Besucher von Jüdischen Museen spannend und produktiv zu machen. Es sind nämlich am Ende ähnliche Fragen, die die Museen und ihre Besucher beschäftigen. Diese gemeinsame Neugier ist eine gute Grundlage für Ausstellungen und Programme, die den Nerv der Zeit treffen.

Die nächste Jahreskonferenz soll im November 2014 in Warschau stattfinden.