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Gedenken an die „Reichspogromnacht“ in Ramat Gan

Als vor 75 Jahren in Deutschland die Synagogen brannten, wich in der Familie von Regina K. die Sorge der Angst…

Von Oliver Vrankovic

Die Synagoge, die ihr Vater jeden Shabat besucht hat, stand in Flammen. Die Familie sass in ihrer Wohnung in einem Berliner Mehrfamilienhaus, als wenig spaeter die Gestapo auftauchte. Geistesgegenwaertig ging ihre aeltere, blonde Schwester ins Treppenhaus, um den Schergen zu erzaehlen, dass die Juden im Haus bereits abgeholt worden seien. Regina K. gelang es noch, sich von der Kinder- und Jugendaliya eine Anstellung als Haushaelterin bei einer juedischen Familie in Southhampton vermitteln zu lassen. So kam sie noch 1938 an Ausreisepapiere und verliess Deutschland. Ihre Eltern und ihre aeltere Schwester blieben zurueck und fielen dem Holocaust zum Opfer.

In Muenchen erlebte die Familie von Henni R. die Reichspogromnacht in ihrer Wohnung unweit der Pappenfabrik ihres Vaters. Sie seien aengstlich zu Hause gesessen, erinnert sich Henni R., nicht wissend was als Naechstes kaeme. Die Pogromstimmung drang durch die Fenster in ihre Wohnung, und in der Familie wurde ein Entschluss gefasst. Obwohl die Ausreise schon lange Thema war, zoegerte die Familie bis 1938, ihrer grossen Wohnung und Deutschland den Ruecken zu kehren. Der Vater konnte sich lange nicht von seiner Pappenfabrik mit den vielen Angestellten trennen. Erst nachdem die Synagoge, in die der glaeubige Fabrikan regelmaessig ging in Flammen aufging stand der Entschluss fest. Die Familie verliessen ihre Heimat Richtung Palaestina.

Palaestina war zu der Zeit Mandatsgebiet unter britischer Verwaltung. Seit 1936 verhaengte die Mandatsmacht strenge Restriktionen ueber die juedische Einwanderung nach Palaestina. 1938 musste bereits ein Vermoegen aufgebracht werden, um noch legal ins Mandatsgebiet einreisen zu koennen.

Ihren Lebensabend verbringen Regina K. und Henni R. im Elternheim der Organisation fuer Einwanderer mitteleuropaeischer Herkunft. Diese Organisation wurde 1932 als Solidaritaetswerk fuer deutsche und kulturdeutsche Einwanderer gegruendet und entwickelte sich mit der 1933 einsetzenden Einwanderung aus Mitteleuropa zu einem bedeutenden Verband. Aus demographischen Gruenden bilden die fuenf Elternheime der Organisation heute den Schwerpunkt der Verbandstaetigkeit. Das Elternheim, in dem ich arbeite, befindet sich in Ramat Gan, einer Stadt in der Metropolregion Tel Aviv. Den vier Stockwerken des betreuten Wohnens ist eine Station fuer Bewohnerinnen und Bewohner angeschlossen, die besondere Unterstuetzung benoetigen und eine Pflegestation.

Das Mitmach- und Kulturangebot im Elternheim ist breit gefaechert und verweist auf den Bildungskontext, dem die Bewohnerinnen und Bewohner des Heims entstammen. Es reicht von Kunsthandwerks- und Literaturklassen bis Yoga. In jeder Woche finden sich vier Vortraege in dem zweisprachig erscheinenden Wochenprogramm. Daneben finden in unregelmaessigen Abstaenden Konzertnachmittage und -abende statt.

Am 75. Jahrestag der Reichspogromnacht gedenken im Heim Dutzende Bewohnerinnen und Bewohner ihrer Flucht aus Deutschland und den Angehoerigen, die zurueckblieben und im Gas umkamen.

Was ist aus den deutschen Juden, die die Heimat ihrer Kindheit in den 30er Jahren Richtung Palaestina verliessen, geworden? Sie wurden Mitbegruender des juedischen Staates. Aus den Einwanderern aus Deutschland wurden Israelis. Israelis, die Deutsche geblieben sind. Obwohl ihnen Deutschland fuer immer verleidet wurde, kam es nach ihrer Auswanderung zu keinem Abloesungsprozess von ihrem kulturellen Erbe. In den Bewohnerinnen und Bewohnern des Heims ist jenes liberale Bildungsbuergertum aufgehoben, das in Mitteleuropa seit dem zweiten Weltkrieg keine Entsprechung mehr hat. Bildungsanspruch, umstaendliche Foermlichkeit und Pedanterie machen das Heim sehr deutsch.

Israelisch geworden – Deutsch geblieben

Regina K. aus Berlin teilt sich auf der Pflegestation im Heim ein Zimmer mit Lillit P. aus Stettin in Westpommern. Lillit P. kannte das Elternheim bereits, bevor sie Bewohnerin wurde. Wochenprogramme aus den 90er Jahren weisen aus, dass sie im Haus musiktheoretische Vortraege gehalten hat. Bevor Regina K. auf die Pflegestation kam, hatte sie eine Wohnung in den oberen Stockwerken des Hauses und ist regelmaessig in die Philharmonie gegangen. Wenn ich bei den Damen eintrete, muss ich viel Geduld mitbringen. Die Bluse muss zum Tag und der Lippenstift zur Strickjacke passen. Erst wenn die Frisur perfekt sitzt und das Rouge akkurat aufgetragen ist, lassen sie sich in den Speisesaal begleiten, wo sie von frisch gebruehtem Kaffee und dezent eingespielter Klassik empfangen werden.

Henni R., die auf der Pflegestation in einem Einzelzimmer wohnt, ist meine Spaetaufsteherin und waehrend ich ihr bei der Morgentoilette helfe, laeuft im Fernseher das Alpenpanorama auf 3sat. Gerne, so sagt sie, wuerde sie noch einmal Schnee sehen.

Nach dem Fruehstueck sitzt sie mit ihrer privaten Betreuerin unter den Orleanderbaumen im hauseigenen Park. Regina sitzt im Innenhof der Pflegestation und blaettert in der Boulevardzeitschrift „Neues Blatt“. Die kulturelle Identitaet mancher Bewohner ist inzwischen von Alterungsprozess ueberschattet.

Als Regina K. als juengste Tochter der Familie mit der Kinderaliya nach England geschickt wurde, war die Familie ihres besten Freundes aus Berlin schon nach Palaestina ausgereist. Sein Vater, ein Arzt, sei glaeubiger Jude gewesen und gleichzeitig ein deutscher Patriot und Weltkriegsveteran, fuer den es ein Schock gewesen war, als ihm die Nazis mitgeteilt haetten, dass er keine Deutschen mehr behandeln duerfe und kein Geld mehr von der Krankenkasse bekaeme. Er sei ueber seine Verbitterung Zionist geworden. Wie er waren viele deutsche Juden um Anpassung in Deutschland bemueht und wandten sich erst aufgrund der Zurueckweisung dem Zionismus zu.

Einem Witz zufolge gab es ab 1933 in Palaestina neben Zionisten aus Ueberzeugung ploetzlich auch solche aus Deutschland.

Auf der Strasse seien sie grob angefahren worden, wenn sie Deutsch gesprochen haetten, erzaehlt mir Henni R. “Hitlerzionisten” seien sie einmal genannt geworden, erinnert sie sich. In der Zeitung der Organisation der Einwanderer aus Mitteleuropa erschienen 1940 in drei aufeinanderfolgenden Ausgaben eindrichliche Aufrufe an die Einwanderer aus Deutschland, sich im oeffentlichen Raum nicht auf Deutsch zu unterhalten.

Das juedische Gemeinwesen in Palaestina, das die Einwanderer absorbierte, wurde von osteuropaeischen Pionieren dominiert. Die Pioniere waren sozialistische Zionisten, die aus Ueberzeugung nach Palaestina gekommen waren und den widerwillig eingewanderten Deutschen viel Argwohn entgegenbrachten. Ein gutnachbarschaftliches Verhaeltnis der hemdsaermligen Pioniere zu den Jekkes, wie die deutschen und kulturdeutschen Einwanderer bezeichnet wurden, hat zunaechst auf sich warten lassen. Meine Bewohner erzaehlen mir, dass Jekke eine aeusserst abschaetzige Bezeichnung war, als der Begriff aufkam.
Juden aus Sicht der Pioniere

Lillit P. aergert sich, dass den Deutschen die zionistische Identitaet generell abgesprochen wurde. Sie ging in Stettin auf dem Auguste Victoria Gymnasium und spaeter auf die Universitaet, wo sie Musik, Philosophie und Kunst studiert hat. Als Studentin sei in einer zionistischen Jugendbewegung aktiv gewesen, sagt sie. Obwohl die Machtergreifung der Nazis letztlich den Ausschlag fuer ihre Auswanderung gab, seien sie und ihr Mann durchaus ueberzeugte Zionisten gewesen. Aus Lotte wurde Lillit und aus ihrem Mann Heinz Hannan.

In ihrem Haus sei Deutsch gesprochen und die Schlafstunde eingehalten worden, erzaehlt ihr Sohn Dan, der 1938 geboren ist. Erst als er in die Schule gegangen sei, so erinnert sich er sich, haetten seine Eltern angefangen, sich mit ihm auf Hebraeisch zu unterhalten.

Zum Ausdruck ihrer kulturellen Identitaet in der neuen Heimat wurde fuer Lillit P. die Kammermusik. Die deutschen Amateurmusiker und Musikliebhaber seien alle miteinander bekannt gewesen und haetten sich zu Ensembles zusammengeschlossen. Kammermusikalische Abende waren eine sagenumwobene Institution im Leben der Jekkes. Lillit P., die dem Zirkel der Kammermusiker angehoerte, beschreibt mir die haeuslichen Abende als innige Erfahrung. Die Zusammenkuenfte haetten puenktlich begonnen, seien puenktlich zu Ende gegangen und seien im Ablauf streng festgelegt gewesen. Sie selbst habe regelmaessig mit den gleichen Leuten gespielt. So seien sie einander vertaut geworden und haetten sich aufeinander eingespielt.

Lilit P. fand als Pianistin nur bei Klaviertros und -quartetten Verwendung, nicht aber in der haeuftigsten kammermusikalischen Gattung, den Streichquartetten. Wenn Kammermusikgruppen sich zu Stuecken entschlossen haben, die eines Klaviers bedurften, kam es des Oefteren dazu, dass sie sich in ihrem Wohnzimmer einfanden. Weswegen ihr Salon unter den Musikern bekannt gewesen sei. So spielte sie nicht nur mit ihrer eigenen festen Gruppe, sondern auch mit anderen.

Neben den Musikern fanden sich in ihrem Haus viele deutsche Architekten ein. Dan, der Sohn von Lillit P., erinnert sich, wie seine Eltern nach der Schlafstunde mit ihnen im Salon gesessen und sich mit ihnen auf Deutsch unterhalten haetten. Die jungen Baumeister waren Anhaenger eines modernen Architekturstils, der im juedischen Gemeinwesen in Palaestina den Nerv der Zeit traf. Sie legten den Grundstein fuer das Bauhaus in Palaestina. Lillit P. kann sich an die Spleens vieler bedeutend gewordener Architekten erinnern.

Einer der Bewohner, mit dem Lillit P. schon lange bekannt war, bevor sich ihre Wege im Elternheim wieder kreuzten, war der Archaeologe Arie K., der mit ihrem Mann im Ausschuss fuer die Gestaltung des Shekel, der israelischen Waehrung sass. Arie K. kan sich noch gut an den Heinz erinnern.

Arie K. aus Berlin, der im zweiten Stock des Heims mit seiner zweiten Frau Miriam eine schoene Wohnung bezogen hat, sitzt am Vormittag gerne im Park. Der Weg von seiner Wohnung an die frische Luft ist fuer den bald Hundertjaehrigen ein ausgedehnter Spaziergang. Mit viel Muehe behaelt er die Oberhand ueber seinen Rollator. Ich bin eingeteilt ihn beim Gang in den Park zu begleiten. Beim “Verpusten” erzaehlt er von “Alten Sachen”. Unter “Alte Sachen”, einem jiddischen Ausdruck fuer Antiquitaeten, fallen fuer Arie K. auch Archaeologie und er selbst. Oft verliert er sich in Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in Berlin. Er ist ein sehr heiterer Mensch, manchmal sogar jovial, ohne dabei die Etikette ausser Acht zu lassen. Wenn er im Park die ebenfalls aus Berlin stammende Theresa F. sieht, wechselt er mit ihr ein paar hoefliche Worte.

Nachdem der Vater von Arie K. 1933 “Mein Kampf” gelesen hatte, stand der Entschluss fest, nach Palaestina auszuwandern. Arie K. war in einer zionistischen ugendbewegung und hatte eine ungefaehre Vorstellung vom Leben in der neuen Heimat.

Arie K. hat nach seiner Einwanderung in Schlossereien und Handwerksbetrieben sein erstes Geld verdient und war beim Bau des Hafens von Tel Aviv beschaeftigt. Spaeter hat er fuer eine Verleihwaescherei gearbeitet und mit einem Dreirad Waesche aus den Hotels von Tel Aviv eingesammelt, zur Waescherei gefahren und spaeter sauber ihren Besitzern zurueckgebracht. Die Waescherei gehoerte dem Onkel seiner spaeteren Frau Miriam, die er viele Jahre spaeter heiraten sollte, nachdem Beide ihre jeweils ersten Lebenspartner ueberlebt hatten. Miriam ist 1933 mit zehn Jahren ins Land gekommen und bei ihrem Onkel in Gadera aufgewachsen. Als 1936 arabische Aufstaende ausbrachen, wurde sie im Umgang mit dem Gewehr geschult und im Alter von 13 Jahren bereits fuer den Wachdienst eingeteilt.

Arie K. ist bereits nach seiner Ankunft in Palaestina der paramilitaerischen Hagana beigetreten. Er wurde in der uneinheitlich ausgestatteten juedischen Untergrundarmee mit einem aus Italien geschmuggelten Gewehr bewaffnet. Umstaendlich und schwer zu bedienen, wie er sich erinnert. Wenn er erzaehlt, unter welchen Bedingungen die Juden sich vor der Staatsgruendung militaerisch organisiert haben, scheint er manchmal selbst von neuem verwundert. Wenn er von seiner Zeit in der Hagana erzaehlt, dann in kurzen eindringlichen Anekdoten.

Jahre nach seiner Einwanderung traf Arie K. auch auf Max F., mit dem er in Berlin Briefmarken gesammelt hatte. Der inzwischen verstorbene Max F. studierte in Basel Jura, als Hitler an die Macht kam. Seine Familie konnte sich nicht dazu entschliessen, Berlin den Ruecken zu kehren, und kam im Holocaust um. Er selbst verliess aus zionistischer Ueberzeugung die Schweiz und ging nach Beendigung seines Studiums nach Palaestina. Dort lernte er seine spaetere Frau Theresa kennen.

Als 1948 der Staat Israel ausgerufen und in der gleichen Nacht von fuenf regulaeen arabischen Armeen ueberfallen wurde, war Arie K. bereits Kommandant einer Einheit, die hauptsachlich aus bulgarischen Einwanderern, aber auch aus Ueberlebenden des Holocaust bestand, die nach Ende des zweiten Weltkrieges illegal nach Palaestina gelangten. Die Einheit von Arie K. kaempfte um den Versorgungskorridor in die belagerte Stadt Jerusalem. Im Verlauf des Krieges gelangte er an ein aus der Tschechoslowakei geliefertes Gewehr. Es stammte aus der deutschen Waffenfabrikation in der Tschechoslowakei und vor Aushaendigung mussten ihm die Reichsinsignien ausgestanzt werden.

Regina K., die in Southhampton die moerderischen Bombardements der deutschen Luftwaffe erlebte, stand mit ihrem Jugendfreund aus Berlin lange Jahre nur in Briefkontakt. Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges rekrutierte er sich in Palaestina fuer das britische Militaer und kaempfte in Nordafrika gegen die Nazis. In einem Brief an den Hochkommisar fuer Palaestina erreichte er nach Kriegsende eine Einreiseerlaubnis fuer Regina K. Die Beiden verlobten sich und heirateten. Ihr Mann blieb dem Militaer treu. Einer ihrer Soehne fiel im Yom Kippur Krieg. Der Andere ist Chefredakteur einer bedeutenden Wirtschaftszeitung.

Arie K. wurde im Laufe seines zivilen Lebens Leiter der ersten Ausgrabungen in Israel. Im Verlauf seiner Karriere hat sich Arie K. auf Muenzen spezialisiert. Er war Praesident der israelischen numismatischen Gesellschaft, Dozent an der Bar Ilan Universitaet und Verfasser von Fachbuechern. Arie K. war Leiter der Abteilung fuer Muenzen am Israel Museum und hat Adenauer bei dessen historischem Besuch in Israel durch das Museum gefuehrt. Er erzaehlt, dass er sich mit dem Kanzler ueber die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Judentum und Christentum unterhalten haette. Bei den Muenzen hat Arie K. Adenauer einen Geldschein vom deutschen Notgeld gezeigt. Adenauer sagte: “Das kenn ich”

Max F.,der Jugendfreund von Arie K., arbeitete als Rechtsanwalt fuer die Regierung und handelte zwischenstaatliche Vertraege aus. Seine Frau Theresa leitete eine Bank.

Regina, die in Southhampton die moerderischen Bombardements der deutschen Luftwaffe erlebte, stand mit ihrem Jugendfreund lange Jahre nur in Briefkontakt. Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges rekrutierte er sich in Palaestina fuer das britische Militaer und kaempfte in Nordafrika gegen die Nazis. In einem Brief an den Hochkommisar fuer Palaestina erreichte er nach Kriegsende eine Einreiseerlaubnis fuer Regina K. Die Beiden verlobten sich und heirateten. Ihr Mann blieb dem Militaer treu. Einer ihrer Soehne fiel im Yom Kippur Krieg. Der Andere ist Chefredakteur einer bedeutenden Wirtschaftszeitung.

Der Vater von Henni R. gruendete im Norden von Tel Aviv eine neue Pappenfabrik. Henni R. heiratete einen Einwanderer aus Dinslaken und wohnte zehn Jahre in der erst umkaempften, dann belagerten und schliesslich geteilten Stadt Jerusalem. Ihr Beitrag zum Aufbauwerk war die Gruendung eines Hilfsvereins fuer autistische Kinder, der sich zu einem sehr bedeutenden Traeger der Sozialarbeit entwickelt hat.

Lillit P. wirkte an der Gruendung des ersten philharmonischen Orchesters in Tel Aviv mit. Ihr Mann wurde oberster Stadtplaner im israelischen Staatsdienst und entwarf einige Entwicklungsstaedte.

Irgendwann hat die Bezeichnung Jekke sich gewandelt. Ueber die herablassende Zuschreibung von aussen hinaus wurde sie zur Selbstbezeichnung.

Die Integrationsprobleme der Jekkes, die den osteuropaeischen Pionieren so sehr Aergernis waren, sind heute in liebevoll gepflegte Annekdoten verpackt.

Eine Anekdote aus dem Unabhaengigkeitskrieg, die ich von Arie K. gehoert habe, hat mit den Jekkes aus Naharia zu tun. Naharia wurde als landwirtschaftliche Genossenschaftssiedlung fuer deutsche Einwanderer gegruendet. Sie entwickelte sich zu einer Stadt, der viele bedeutende Unternehmen entwuchsen. Als die landsmannschaftlich geschlossene Stadt im Unabhaengigkeitskrieg abgeschnitten und von den Arabern belagert wurde, hielten die Bewohner der Belagerung stand. In einem Funkspruch proklamierten sie: „Naharia bleibt deutsch!“

Mehr von Oliver Vrankovic: http://derpartisan.org/