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Ehemalige Synagoge Obernbreit wird Ort des Erinnerns und der Begegnung

In Obernbreit im heutigen Landkreis Kitzingen existierte von 1528 bis 1910 eine Jüdische Gemeinde. Sie besaß eine 1748 erbaute Synagoge mit Vorbeterwohnung, eine Schule, die 1712 errichtet worden war und eine Mikwe unter dem Synagogengebäude. Nach dem Verkauf an Privatleute 1911 wurde die Synagoge zunächst als Wartungsbau für landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, später, bis Anfang des 21. Jahrhunderts, als Schuppen und Lagerhalle benutzt. An die ursprüngliche Funktion des Bauwerks erinnerte lange Zeit lediglich ein sehr schöner Chuppastein an der linken Seite des Synagogengebäudes, der aber im Laufe der Zeit nur noch schwer zu erkennen war…

Von Israel Schwierz

Erst mit der Renovierung dieses Chuppasteines, die der inzwischen verstorbene Pfarrer Helmut Walz anlässlich seines 60. Geburtstages durchführen ließ, begann man, sich in Obernbreit wieder mit der früheren jüdischen Gemeinde und ihrer Synagoge zu beschäftigen. Im Oktober 2005 wurde unter maßgeblicher Beteiligung des damaligen evangelischen Ortspfarrers und des Altbürgermeisters der „Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V.“ gegründet, der es sich zum Ziel setzte, das einstige Synagogengebäude, das zu dieser Zeit immer noch als Lagerhalle genutzt wurde, als bedeutendes Denkmal der Ortsgeschichte zu erhalten.

Chuppastein der ehemaligen Synagoge Obernbreit

Noch im gleichen Jahr wurde der Verein Eigentümer des Gebäudes, welches ihm seine damalige Eigentümerin überlassen hatte. Danach wurde umfangreiche Renovierungs- und Reparaturarbeiten durchgeführt, in deren Verlauf auch die Mikwe auf der rechten Seite des Gebäudes wieder entdeckt wurde, die sich ca. 10 m unter der Erde befindet und durch einen schmalen Treppenschacht mit 44 Sandsteinstufen zu erreichen ist. Hier findet der Besucher heute im dem damaligen Tauchbecken erstaunlicher Weise ganz klares, reines Wasser vor. Es sollte auch erwähnt werden, dass im Zuge der Renovierungsarbeiten Überreste einer kleinen Genisa gefunden werden konnten.

Mikwe der ehemaligen Synagoge Obernbreit

Am 29. September 2013 wurde die ehemalige Synagoge Obernbreit ein Jahr nach dem Beginn aufwendiger Umbauarbeiten mit einem großen Festakt feierlich als ein „Ort des Erinnerns, des Gedenkens und der Begegnung“ eröffnet. Zu diesem Ereignis hatten sich Vertreter der beiden christlichen Kirchen und der jüdischen Religionsgemeinschaft sowie der Politik und ganz viele Mitglieder des Träger- und Fördervereins ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. in dem einsteigen Synagogengebäude eingefunden. Erstaunlich und gleichzeitig begrüßenswert ist die Tatsache, dass das einstige Synagogengebäude nicht einheitlich renoviert wurde sondern so, dass man eigentlich Zeugnisse aller Epochen, die das Bauwerk erlebt hatte, deutlich vor Augen geführt bekommt – von der farbigen Wandmalerei aus der Entstehungszeit über dem Platz, an den sich einst der Toraschrein befunden hat bis zu Spuren aus der Zeit, als es als Reparatur- bzw. Lagerhalle diente. Auch die beiden großen hölzernen Schiebetüren sind auf der rechten Seite des Gebäudes erhalten geblieben, aber man betritt es durch zwei ganz moderne Glastüren, eine auf der rechten und eine auf der Hinterseite.

Die einstige Synagoge soll übrigens auf keinen Fall als Museum dienen, sondern vielmehr als eine Stätte der Begegnung und des Zusammenwirkens. Dies scheint den Initiatoren des Projekts gelungen zu sein, denn seit der Eröffnung fanden schon einige Veranstaltung in dem Gebäude statt, andere sind in Planung.

Ehemalige Synagoge Obernbreit

Allen, die sich um die Renovierung und Restaurierung der einstigen Synagoge Obernbreit verdient gemacht haben – sei es den Initiatoren des Träger- und Fördervereins und allen seinen Mitgliedern, sei es denen, die sich durch Eigenleistungen bei den anfallenden Arbeiten am Gebäude eingebracht oder auch das Projekt wissenschaftlich begleitet haben gebührt für ihr verdienstvolles Tun Dank und Anerkennung aller, denen die Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte ihrer Heimat ein Anliegen ist.