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3. Oktober 1943: Massaker der Wehrmacht in Ligkiádes

Wie aus heiterem Himmel brannten deutsche Wehrmachtssoldaten 1943 ein griechisches Bergdorf nieder, töteten Frauen, Alte, Babys. Christoph Schminck-Gustavus reiste an den Ort, der noch heute vom Schrecken gezeichnet ist…

Er hat die letzten Überlebenden des Massakers gefunden, ihre Berichte aufgezeichnet und Archive gesichtet: Die Rekonstruktion eines erschütternden Verbrechens und seiner juristischen Verleugnung…Soldaten der Gebirgsdivision Edelweiß trieben die Einwohner von Lyngiádes in die Keller der Häuser, mähten sie mit Maschinengewehren nieder und zündeten das Dorf an. Fünf Menschen überlebten und krochen aus den brennenden Trümmern. Wegen der angeblichen Unterstützung von Partisanen fielen Hunderte Dörfer auf dem Balkan sogenannten »Sühnemaßnahmen« zum Opfer.

Weil deutsche Gerichte sich später die Rechtfertigung der Täter zu eigen machten und das Massaker von Lygiádes als »Kampf gegen Partisanen« einstuften, wurde das Kriegsverbrechen nicht verfolgt. Deutschland und Griechenland haben die Opfer für ihr Leiden nie entschädigt.

Christoph U. Schmick-Gustavus,geb. 1942, Professor für Rechts- und Sozialgeschichte an der Universität Bremen (1974-2007), zahlreicheVeröffentlichungen und Bücher zu Kriegsschicksalen im Zweiten Weltkrieg, die auch in Italien, Griechenland und Polen erschienen sind.

Aus dem Buch: Feuerrauch: Die Vernichtung des griechischen Dorfes Lyngiádes am 3. Oktober 1943

Gespräch mit Herrn Tsiríkis

Ich frage: »Erinnern Sie sich noch, wie die Nachricht zu Ihnen kam: Lyngiádes ist abgebrannt.«

Herr Tsiríkis fährt sich mit der Hand über die Stirn und sagt leise: »Ja, aber ich war doch noch klein. Erst zwölf Jahre alt. Karyés liegt auf der anderen Seite des Berges. Man kann Lyngiádes von dort aus nicht sehen. Wir sahen nur, wie plötzlich hoch oben über dem Gipfel des Mitsikéli riesige schwarze Rauchsäulen aufstiegen: Feuerrauch. Das war mittags, gegen ein Uhr. Die schwarzen Wolken wurden immer dichter. Es sah aus, als überschwemmten sie den ganzen Himmel. Wir verstanden das nicht und dachten, unten am See brennt das Schilf. Da liegt ein großes Sumpfgebiet, mit Schilf bewachsen. Einige, die unten am See ihre Schafe hatten, rannten los, um die Tiere in Sicherheit zu bringen. Aber vom Berg aus sahen sie, dass gar nicht das Schilf brannte, sondern unser Dorf. Sie kehrten um und kamen zurück: ›Lyngiádes brennt! Alles in Flammen!‹, schrien sie.

Aber was drinnen im Dorf passierte, das wussten sie auch nicht. Niemand traute sich jetzt, in das brennende Dorf herunter zu gehen. Erst später kamen einige, die überlebt hatten, zu uns hoch auf den Berg und erzählten, was geschehen war. So erfuhren wir alles. Aber niemand wusste Genaues: ob vielleicht doch noch einer lebt oder ob alle tot sind.

Ich wartete mit meinen Geschwistern, dass endlich mein Vater kommt… oder meine Mutter… Alle warteten, dass doch noch jemand kommen möge. Aber es kam niemand.«
Herr Tsiríkis schweigt. Jánni schweigt. Die angelehnte Tür des Gemeindebüros knarrt im Wind. Dann endlich sagt Jánni: »Später am Abend, so habe ich gehört, im Schutz der Dunkelheit, gingen einige doch noch ins Dorf, um nachzuschauen. Bist Du da auch mitgegangen?«

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Herr Tsiríkis schüttelt heftig den Kopf: »Aber nein! Ich doch nicht! Ich war noch viel zu klein. Erwachsene sind gegangen, um zu schauen, was los ist. Mitten in der Nacht. Ich bin erst viel später wieder ins Dorf gekommen. Ich blieb mit den anderen Geschwistern in Karyés bei meiner Großmutter. Erst nach einiger Zeit kam mein Großvater und nahm uns mit, weil wir doch auch in Karyés nicht bleiben konnten. Bevor er uns bei den anderen Verwandten unterbrachte, blieben wir aber noch
eine Zeit lang im Wald. Wir hausten da mit anderen zusammen, die auch nichts mehr hatten. Im Wald versteckten wir uns. Wie wilde Tiere.«

Ich unterbreche: »Aber es war doch schon fast Winter! Oktober!«
»Ja. Herbst mit viel Regen. Aber was sollten wir machen? Wir schnitten Zweige von den Bäumen, bauten Hütten und krochen da unter. Aber wir hatten keine warme Kleidung. Nur eben das, was wir am Leib trugen.«…

Feuerrauch: Die Vernichtung des griechischen Dorfes Lyngiádes am 3. Oktober 1943

Ιωάννινα, Μεταφορά των Εβραίων.

Anm.: Am 25. April 1944 umstellten deutsche Truppen das am Ioannina-See gelegenen jüdische Viertel der Bezirkshauptstadt Ioannina (s. Karte) und übermittelten den jüdischen Gemeindevertretern, dass binnen drei Stunden jede jüdische Familie an vorbestimmten Sammlungsplätzen sich einzufinden habe. 1700 Angehörige der jüdischen Bevölkerungsgruppe wurden mit Lastwagen der Wehrmacht nach Larisa in ein dortiges Konzentrationslager verbracht und anschließend per Zug aus Athen in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 alle Bilder…

95 Prozent der jüdischen Bevölkerungsgruppe wurden mittels dieser Aktion am 25. April 1944 ausgelöscht. Die an diesem Tag von der Propagandakompanie der Wehrmacht erstellte Fotokumentation befindet sich heute (2012) im Bundesarchiv in Koblenz.

Griechenland, Ioannina. Deportation der Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Frauen und Kinder am Straßenrand.
Ελληνικά: Ιωάννινα, Μεταφορά των Εβραίων. Μεταφορά των μελών της εβραϊκής κοινότητας. Γυναίκες και παιδιά που περιμένουν. Γερμανοί στρατιώτες. Στο βάθος φορτηγά.