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Wie Israel und Ägypten stillschweigend kooperieren

Der Krieg der ägyptischen Armee gegen Terrorgruppen auf der Sinaihalbinsel hat das Potential für einen Konflikt mit Auswirkungen auf die ganze Welt. Während die Moslembrüder in Ägypten selbst bestenfalls leichte Feuerwaffen einsetzen, verfügen extremistische Gruppen um El Kaeda, Islamischer Dschihad und Salafisten im Sinai über schwere Waffen, Sprengstoff und Raketen…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 17. August 2013

Gefahr droht vor allem der internationalen Schifffahrt im Suezkanal. Eine Sperrung des Suezkanals würde weltweit die Frachtkosten verteuern, wenn Schiffe von Fernost nach Europa wieder Afrika umfahren müssten. Ägyptische Militärs haben angeblich Terroranschläge auf Schiffe vereitelt. „Der Geheimdienst entdeckte einen Plan der Dschihadisten, die Al-Salam-Brücke über den Suezkanal am zweiten Tag des Eid el Fidr zu zerstören“, berichtete die ägyptische Regierungszeitung Al Ahram.

Schon unter Hosni Mubarak war im Sinai ein Vakuum entstanden, in das extremistische Organisationen gestoßen sind. Der Sinai wurde zum Umschlagplatz für geschmuggelte Waffen aus Iran, Sudan und den geplünderten Arsenalen Libyens in Richtung Gazastreifen. Im November 2012 hatte die Hamas Tel Aviv und Jerusalem mit Gradraketen aus iranischer Produktion beschossen. Die haben eine Reichweite von 70 Kilometern und können nur über den Sinai nach Gaza gelangt sein.

Die Terrorgruppen im Sinai beschränken sich nicht auf tödliche Anschläge entlang der Grenze zu Israel und auf eine Bewaffnung der Hamas. Immer häufiger kam es auch zu Angriffen auf ägyptische Stellungen, Polizeistationen, Militärpatrouillen und auf die Erdgas-Pumpstationen bei El Arisch im Norden des Sinai. So wurden ägyptische Erdgaslieferungen nach Israel, Jordanien und Syrien gestoppt. Für Ägypten wie für die Endabnehmer kam das teuer zu stehen.

Laut Friedensvertrag dürfen nur ägyptische Polizisten mit leichten Waffen im „entmilitarisierten“ Sinai stationiert sein. Doch schon während des Umsturzes von Hosni Mubarak erlaubten die Israelis Ausnahmeregelungen, zunächst, um Mubarak in Scharm A Scheich zu schützen, und seitdem, um das Chaos im rechtsfreien Raum des Sinai in den Griff zu bekommen. Die Ägypter verlegten mit israelischem Einverständnis Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge und Militärhubschrauber in den Sinai.

Die ägyptische Armee bekämpft inzwischen nicht nur die extremistischen Gruppen im Sinai und hebt deren Waffenlager aus. Sie „entdeckte“ und zerstörte plötzlich auch 80 Schmugglertunnel zwischen Sinai und Gazastreifen. Unter Mubarak galten die Tunnel noch als „unauffindbar“.

Zusätzlich sperrte Ägypten auf „unbestimmte Zeit“ den einzigen Grenzübergang vom Gazastreifen, nachdem es in der Grenzstadt Rafah zu Gefechten gekommen war. Jetzt sind die Palästinenser in Gaza tatsächlich eingesperrt, da auch Israel seine Grenzübergänge für Menschenverkehr geschlossen hält. Die Versorgung des Gazastreifens läuft nur noch über Israel über den Warenterminal Kerem Schalom. Für die Hamas bedeutet das alles den wirtschaftlichen Ruin. Denn ihre Haupteinnahmequelle waren Abgaben der Schmuggler für Waren aus Ägypten.

Weder Israel noch Ägypten haben Details über ihre Kooperation offen gelegt. So ist unbekannt, wie sie funktioniert oder auf welcher Ebene sie abgewickelt wird. Mit Sicherheit haben die Militärs direkte Kommunikationskanäle. Die Adresse der israelischen Botschaft in Kairo wird zwar mit Sharia Ibn-el Malek Nr. 6 angegeben, aber seit dem Sturm auf die Botschaft im September 2011 fliegen die Diplomaten zu ihrer Sicherheit an Wochenenden heim.

Vor knapp zwei Wochen hat Israel möglicherweise erstmals seit 1973 im Sinai angegriffen. Drei von vier Raketenschützen, Beduinen der El Kaeda nahen Organisation „Ansar Beit al-Makdis“ wurden angeblich mit einer Drohne getötet. Die Abschussrampe wurde auch getroffen. Palästinenser im Gazastreifen haben die Explosion gehört, wussten aber nach Angaben der Nachrichtenagentur Maan nicht, was da passiert ist.

Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte zu dem Vorfall nur ominös: „Wir respektieren Ägyptens Souveränität“. Ein ägyptischer Militärsprecher bestritt israelisches Eingreifen mit diffusen Aussagen. Denn die ägyptischen Militärs würden ihr „Gesicht verlieren“, wenn sie eingestehen müssten, Israel zu einem Angriff auf ihrem Territorium eingeladen zu haben. Und Israel will nicht schuldig für einen Bruch des Friedensvertrags gesprochen werden.

(c) Ulrich W. Sahm / haGalil.com