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Raketen aus Libanon auf Nordisrael

Im Norden Israel hat es am Abend zweimal Raketenalarm gewesen. Bei Naharia wurden zudem drei Explosionen gehört. In der Nordisraelischen Stadt hätten die Menschen wegen des Raketenalarms sichere Unterstände und Luftschutzbunker aufgesucht…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 22. August 2013

Der israelische Militärsprecher Joav Mordechai bestätigte Rundfunkberichte. Insgesamt seien vier Katjuscha-Raketen aus dem Süden Libanons auf Israel abgeschossen worden. Eine explodierte in einem freien Feld, während eine zweite in einer kleinen Ortschaft zwischen Häusern einschlug und „leichten Schaden“ angerichtet hat. Zwei weitere Raketen seien von dem Abwehrsystem „Eisenkappe“ erfolgreich in der Luft abgeschossen worden. Menschen kamen nicht zu schaden.

Aus libanesischen Medien verlautete, dass mehrere Raketen aus der Gegend von Tyros und dem Dorf Kilia abgeschossen worden seien. Bisher ist unklar, welche Gruppierung für den Raketenbeschuss verantwortlich war, zumal niemand die Verantwortung dafür übernommen hat. Gemäß israelischen Experten liege nahe, dass möglicherweise palästinensische Extremisten aus dem Flüchtlingslager Raschidije südlich von Tyros einige der Raketen abgeschossen hätten.

Der israelische Militärsprecher dementierte, dass die israelische Luftwaffe in der Folge des Raketenbeschusses im Libanon einen Angriff geflogen habe. Das Militär verfügte eine Schließung des Luftraums über dem Norden Israels. Der Flughafen von Haifa darf bis auf weiteres nicht angeflogen werden.

Seit dem Libanonkrieg 2006 zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz herrschte weitgehende Ruhe entlang der Grenze. Es kam nur noch vereinzelt zu Raketenbeschuss auf Israel, den palästinensische Gruppen durchgeführt hatten, während die Hisbollah Provokationen gegen Israel vermieden hat.

Eine der Raketen aus Libanon ist mitten in einer kleinen Ortschaft am Mittelmeer im Norden Israels eingeschlagen. Ihren Namen hat der Militärzensor noch nicht zur Veröffentlichung frei gegeben. Nach Augenzeugenberichten ist die 122-Millimeter Katjuscha-Rakete im Hof des eines Erholungsheimes für Holocaustüberlebende explodiert. Dabei wurden zwei Autos beschädigt. Außerdem entstand erheblicher Sachschaden an den umliegenden Gebäuden. In den Hauswänden sind viele kleine „Einschusslöcher“ zu sehen, was darauf hindeutet, dass der Sprengkopf der Rakete mit Metallsplittern oder mit Kugeln aus Kugellagern gefüllt war. Das hat eine Wirkung wie international geächtete Streubomben und soll die tödliche Wirkung der Raketen erhöhen.

Zur Zeit des Raketeneinschlags befand sich eine Gruppe von 42 Holocaustüberlebenden in dem von deutschen Volontären betriebenen Erholungsheim. Die Arbeit in dem Heim, in dem Holocaustüberlebende oder Geschädigte einen kostenlosen zehntägigen Erholungsurlaub verbringen können, wird mit Spenden aus Deutschland finanziert. Alle Gäste und die Mitarbeiter des Heims waren dem Luftalarm gefolgt und hatten rechtzeitig in Schutzräumen Zuflucht gefunden. Niemand ist zu Schaden gekommen.

Auf Anfrage wollte der Militärsprecher lediglich bestätigen, dass es dem Abwehrsystem „Eisenkappe“ gelungen war, eine der mutmaßlich vier Raketen aus dem Libanon aufzufangen. Militärsprecher Peter Lerner hatte gegenüber Nachrichtenagenturen behauptet, dass der Schaden „in einer kleinen Ortschaft“ durch Trümmer der „Eisenkappe“ Abwehrraketen entstanden sei. Alles Weitere werde noch geprüft.

Augenzeugen und Fotos von der Einschlagstelle, die wegen der Zensurauflagen noch nicht veröffentlicht werden können, beweisen eher, dass der Schaden an den Gebäuden und an zwei Fahrzeugen durch eine starke Explosion entstanden ist.

Libanesische Medien bestätigten den Raketenbeschuss auf den Norden Israels, jedoch ohne zu sagen, wer sie abgeschossen haben könnte. Militärsprecher Lerner vermutet die radikale Salafistengruppe Globaler Dschihad hinter dem „nicht provozierten Angriff auf israelische Zivilisten“. Nach libanesischen Angaben seien die Raketen aus der Gegend des Flüchtlingslagers Raschidije südlich von Tyros und aus dem Dorf Kilija abgeschossen worden. Israelische Militärreporter vermuten deshalb eher extremistische palästinensische Gruppen hinter den Angriffen.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Nachtrag v. 23.08.:
Mittlerweile ist bekannt, dass es sich bei dem Erholungsheim um Beit El in Shavei Zion handelt.