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Familienbande: Israels Oberrabbinat neu besetzt

Die neuen Großrabbiner Israels sind gewählt. Und sie haben berühmte Väter. Diese übten nämlich selbst einst das Amt des Großrabbiners aus. Alles also wie gehabt. Das zweiköpfige Spitzenamt des staatlich-religiösen Oberrabbinats wurde wieder einmal mit Hilfe von Familienbeziehungen und einer „Prinzen-Allianz“ der (ultra-)orthodoxen Interessengruppen besetzt…

Die zwei Neuen sind keine herausragenden Tora-Gelehrten und auch keine charismatischen Rabbiner, die viele Anhänger haben. Nein, es sind Jitzchak Josef (61), der Sohn von Ovadja Josef, dem spirituellen Führer der sephardisch-orthodoxen Schas-Partei und zwischen 1973 und 1983 Großrabbiner, und David Lau (47), der Sohn von Jisrael Meir Lau, dem aschkenasischen Großrabbiner der Jahre 1993 bis 2003.

Ein Wahlkomitee aus Vertretern des Regierungskabinetts, Rabbinern, Bürgermeistern, Richtern vom Rabbinergericht und der allgemeinen Öffentlichkeit hatte am 24. Juli in Jerusalem die beiden Repräsentanten für die nächsten zehn Jahre bestimmt. 68 der 150 Wahlberechtigten gaben dabei jeweils Lau und Josef ihre Stimme. Der Erfolg der Männer aus dem nichtzionistisch orthodoxen Lager wird dort nun als Triumph über die zionistischen Religiösen gefeiert. Letztere hatten große Hoffnungen in den Rabbiner David Stav gelegt.

Stav, Vorsitzender der Rabbinerorganisation „Zohar“ hatte für seine liberaleren Ansätze in Fragen des religiösen Eherechts viele Sympathien in der nationalreligiösen und der säkularen jüdischen Bevölkerung gesammelt. Zudem ist er ein Freund von Religionsminister Naftali Bennett (Das Jüdische Heim). Stav galt daher als aussichtsreicher Kandidat für den Posten des aschkenasischen Großrabbiners. Am Ende erhielt er jedoch nur 54 Stimmen vom Wahlkomitee und war damit ebenso geschlagen wie Jaakov Shapira, ein ultraorthodoxer Rabbiner von der „Merkas ha-Rav“-Jeschiwa, für den 25 Wahlleute votierten.

Auch bei der Wahl zum sephardischen Großrabbiner war das Ergebnis am Ende recht knapp. Rabbi Schmuel Elijahu, Oberrabbiner der Stadt Zfat, erhielt hinter Jitzchak Josef 49 Stimmen. Zion Boaron, ein Richter am Obersten Rabbinergericht und Günstling des bisherigen Großrabbiners Schlomo Amar, bekam 28 Stimmen. Besonders die Kandidatur Schmuel Elijahus hatte im Vorfeld für viel Wirbel gesorgt. Der Generalstaatsanwalt Jehuda Weinstein wollte diese verhindern, gilt doch der Rabbiner spätestens seit seinem rassistischen Aufruf im Jahr 2010, keine Wohnungen an arabische Studenten in Zfat zu vermieten, als nicht tragbar.

Ursprünglich sollte Jizhak Josefs älterer Bruder, Avraham (63), in die Fußstapfen des Vaters Ovadja Josef treten. Doch Avraham, Oberrabbiner von Holon, steht unter Verdacht des Vertrauensbruchs und muss sich polizeilichen Untersuchungen unterziehen. Dass nun dennoch ein Josef die Wahl gewonnen hat, ist für die Familie von großer Bedeutung.
Der Großrabbiner Jitzchak Josef kann wesentlichen Einfluss auf die Kaschrut-Politik in Israel und teilweise auch im Ausland nehmen. Als halboffizielle Kaschrut-Vergabestelle wird das „Beit Josef“, ein Privatunternehmen der Familie unter der Leitung des Bruders Mosche, zukünftig noch (umsatz-)stärker.

Einen so großen wirtschaftlichen Nutzen wird David Lau wohl nicht aus seinem neuen Posten ziehen. Aber schon sein Vater Meir Lau galt nicht als Mann von Visionen, sondern als Marionette der aschkenasischen Ultraorthodoxie. Auch zu Regierung und Armee pflegte Meir enge Beziehungen. In diese Rolle scheint David Lau nun nahtlos zu schlüpfen: sowohl Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch der spirituelle Führer der Ultraorthodoxen, Rabbiner Aharon Shteinman, gehörten schon vor der Wahl zu seinen Befürwortern.

© ED / Jüdische Zeitung Nr.8