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Schlag für die Hamas in Gaza

Der Sturz des ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi bedeutet für die im Gazastreifen seit ihrem Putsch gegen die Autonomiebehörde in Ramallah herrschende islamistische Hamas-Partei einen schweren Schlag. Die Hamas ist nicht nur historisch aus den ägyptischen Moslembrüdern hervorgegangen, sondern steht ihnen bis heute ideologisch nahe…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 5. Juli 2013

Aus pragmatischen Erwägungen heraus ist jedoch Mursi in letzter Zeit hart gegen die Hamas vorgegangen, indem er der Armee gestattete, systematisch die Schmugglertunnel unter der Grenze zwischen dem ägyptischen Sinai und dem Gazastreifen zerstören zu lassen. Jetzt, nach der Entmachtung der Moslembrüder, geht freilich die ägyptische Armee noch schärfer gegen die Hamas vor.

Ein israelischer Sicherheitsexperte, Nimrod Novik, erklärte im Rundfunk, dass es zwischen Mursi und den Militärs eine stille Abmachung gab. Demnach habe der Präsident den Militärs das Monopol für die Sicherheit Ägyptens voll überlassen, um Ägypten auf dem internationalen Parkett, bei den wirtschaftlichen wie militärischen Beziehungen mit den USA und auch bei den Beziehungen mit Israel nicht in den Abgrund stürzen zu lassen. Deshalb habe es zwischen Jerusalem und Kairo unterkühlte politische Beziehungen gegeben, aber die militärische Zusammenarbeit sei „enger als jemals zuvor“ gewesen.

Am Freitag wurde nach Schießereien mit einem toten ägyptischen Polizisten der Grenzübergang Rafah „auf unbestimmte Zeit“ gesperrt, bislang das einzige Tor vom Gazastreifen zur Außenwelt. Israel lässt nur in humanitären Notfällen Palästinenser über den Erez-Kontrollpunkt den Gazastreifen verlassen.

Eigentlich hatte der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan am Freitag den Gazastreifen besuchen wollen, um Israel erneut zu provozieren. Das Besuchsdatum sickerte durch, weil sich viele türkische Journalisten beim israelischen Presseamt um einen Ausweis bemüht hatten, um am Freitag in den Gazastreifen zu reisen. Doch offenbar ist Erdogan durch die Entwicklungen in Kairo überrascht worden.

Die Hamas hatte in letzter Zeit „auf das falsche Pferd gesetzt“. Erst distanzierte sie sich vom syrischen Präsidenten Baschar Assad und schloss ihr Hauptquartier in Damaskus. Das zog einen Bruch mit Iran nach sich, bis dahin der wichtigste Financier der Hamas. Diese Schachzüge sollten der Hamas ermöglichen, sich den Ägyptern anzunähern. Tatsächlich haben die Ägypter im vergangenen November, als es fast zu einem erneuten Krieg und Einmarsch der Israelis gekommen war, mit Erfolg einen Waffenstillstand ausgehandelt. Vermutlich hat das der Hamas die Existenz gerettet. In den Medien wurde jedenfalls dieser Waffenstillstand als großer Sieg der Hamas gefeiert, obgleich angeblich die Kampftruppen der Hamas durch die israelischen Luftangriffe schwer geschlagen worden sind.

Jetzt, mit dem Sturz der Moslembrüder in Ägypten, sieht die Zukunft der Hamas eher düster aus. In Ramallah wurde sogar schon zu einem Aufstand gegen die Hamas-Diktatur im Gazastreifen aufgerufen. Nicht zufällig war Präsident Mahoud Abbas, schärfster Gegner der Hamas, der erste arabische Politiker, der den Ägyptern zu ihrem Umsturz gratuliert und die ägyptische Armee für ihren „wundervollen Einsatz“ gelobt hatte.

Für die Hamas stehen harte Zeiten an. Über der Sinaihalbinsel wurde daraufhin der Ausnahmezustand verhängt. Für die Ägypter liegt Nahe, dass Extremisten aus dem Gazastreifen an Schießereien nahe der Grenze und bei El Arisch beteiligt waren. Die Sinaihalbinsel ist schon unter Präsidenten Hosni Mubarak zu einer Freizone für Terroristen jeglicher Couleur verkommen und zunehmend unter Mursi. Nach Angaben des „Middle East Forum“ halte sich im Sinai Muhammad Zawahiri auf, ein prominenter extremistischer Moslembruder und zudem Bruder des Nachfolgers von Osama ben Laden als El Kaeda Chef, Ayman Zawahiri.

Waffenschmuggler belieferten über Sinai die Hamas im Gazastreifen sowie Gruppierungen von El Kaeda und andere Extremisten. Immer wieder wurden ägyptische Truppen im Sinai angegriffen, woraufhin Israel trotz des Entmilitarisierungsabkommens der ägyptischen Armee, genehmigt hat, nicht nur Militärs, sondern auch schweres Kriegsgerät wie Panzer und Truppentransporter in den Sinai zu verlegen. Wegen der allgemeinen Unsicherheit im Sinai verlor Ägypten den Sinai als Traumziel für Touristen aus aller Welt. Immer wieder wurden Touristen entführt und gegen Lösegeld wieder freigelassen.

Dem ägyptischen Militär und der neuen Übergangsregierung droht vor allem vom Sinai her größte Gefahr, zumal die mangelnde Kontrolle über dieses Gebiet auch zu Attacken auf Israel missbraucht werden kann. Am Donnerstag waren in der südisraelischen Stadt Eilat zwei heftige Explosionen zu hören. Die Suche nach den Raketenresten dauert noch an.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com