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Fernsetipps August

Vom 01. bis 15. August 2013…

Do, 1. Aug · 15:15-16:00 · NDR
Geheimnisvolle Orte: Die Oranienburger Straße

Wenn die Touristen heute durch die Oranienburger Straße strömen, wähnen sich viele von ihnen im angesagten Scheunenviertel. Damit sind sie einer Falschinformation aufgesessen, verbreitet schon vor über 70 Jahren, von den Nationalsozialisten. Die haben nämlich den negativ besetzten Begriff „Scheunenviertel“ einfach auf die Spandauer Vorstadt ausgeweitet. Die große Synagoge deutet an, dass in diesem Viertel die wohlhabenden Juden gelebt haben. Die Nazis wollten diesen Berliner Kiez mit den Attributen „Kriminalität, Armut und Prostitution“ belegen und nannten ihn Scheunenviertel. Der Irrtum hat sich bis heute gehalten. Dieser „Geheimnisvolle Ort“ bietet viel Erzählenswertes: Von einer Touristenmeile, die in aller Munde ist und eine Geschichte besitzt, die es in sich hat. Hier befindet sich z. B. nicht nur der bekannteste Straßenstrich der Stadt, hier wurde die Redewendung „auf den Strich gehen“ geboren! Ein Strich mitten auf der Oranienburger trennte einst Männer- und Frauenprostitution. Gegenüber wird das wohl spektakulärste Bauprojekt Berlins begonnen. Auf einer Grundstückfläche von 31.000 Quadratmetern soll das „Forum Museumsinsel“ entstehen. Mit der Restaurierung von acht denkmalgeschützten Gebäuden und einem neuen zentralen Stadtplatz wird Berlin ein einmaliges Ensemble bekommen. Unweit von diesem Ort der Moderne stand das inzwischen geschlossene Kunsthaus Tacheles lange Zeit für das Subversive und die Undergroundkultur des neuen Berlins. Auch dieses Gebäude steckt voller Geschichte. Der Ursprung des Baus aber stand für anderen Glanz. Die „Friedrichstraßen-Passage“ wollte das Prinzip des Warenhauses und der Passage miteinander verbinden. Die vielen kleinen Geschäfte, deren Vereinigung das vom Initiator des Unternehmens, Otto Markiewicz, geplante Spezialwarenhaus darstellte, sollten deshalb optisch nicht voneinander getrennt werden, wie es bei der Passage normalerweise der Fall war. Vielmehr sollten alle Räume, wie in den anderen führenden Warenhäusern, ineinander übergehen. Das Verkaufsmodell in der neuen, auch heute noch für amerikanische „Malls“ aktuellen Organisationsform, versagte jedoch im Berlin der Kaiserzeit. Bereits ein halbes Jahr nach der Fertigstellung der Bauanlage im August 1908 musste das Passage-Kaufhaus Konkurs anmelden. Wolf Wertheim mietete den gesamten Komplex im Frühjahr 1909 an und eröffnete hier ein Warenhaus. Jedoch blieb auch diesem Unternehmen der dauerhafte Erfolg versagt: die hohen Mietforderungen der Eigentümergesellschaft führte Anfang 1914 ebenfalls zur Geschäftsaufgabe. Die Große Synagoge, der Monbijoupark, das kaiserliche Postfuhramt, fast an jeder Ecke der Oranienburger Straße finden sich Orte voller Geheimnisse.

Do, 1. Aug · 16:25-18:40 · MGM
Der Schatten des Giganten

Colonel Marcus (Kirk Douglas) ist Amerikaner jüdischer Abstammung. Nach Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 soll er für die israelische Armee als Berater tätig werden. Er nimmt die Herausforderung an und gerät in Palästina in die Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern. – Aufwändig inszeniertes Starkino mit hochkarätiger Besetzung.

Fr, 2. Aug · 05:15-06:05 · PHOENIX
Tage, die die Welt bewegten: Entscheidung im Sechstagekrieg

In Großbritannien haben gerade die Beatles ihr Album „Sergeant Pepper“ herausgebracht. In den USA verweigert Muhammad Ali den Wehrdienst und bekommt dafür seinen Weltmeistertitel im Boxen aberkannt, und in Afrika erklärt Biafra seine Unabhängigkeit. Doch die Welt schaut auf den Nahen Osten. Die Spannung, die sich dort seit Monaten zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten aufgebaut hat, ist nun explodiert.Am 5. Juni greift die israelische Luftwaffe mit einem Präventivschlag Ägypten, Jordanien und Syrien an. Kurze Zeit später besetzen Bodentruppen den Gazastreifen und marschieren in den Sinai ein. Gleichzeitig kommt es in der geteilten Stadt Jerusalem zu erbitterten Kämpfen zwischen israelischen und jordanischen Truppen. 16 Stunden sind bereits seit Kriegsbeginn vergangen. Uzi Narkiss ist verantwortlicher General auf israelischer Seite. Er ist besorgt, war darauf nicht vorbereitet. Doch Narkiss erkennt sofort die Chance, Ostjerusalem endlich unter israelische Kontrolle zu bringen und die Stadt wieder zu vereinen ? etwas, was 19 Jahre zuvor nicht gelungen war. Zirka 60 Kilometer entfernt, in der jordanischen Hauptstadt Amman, sitzt der Mann, der das Kommando über die arabischen Streitkräfte innehat. Wie auch für Narkiss setzt König Hussein alles auf eine Karte.

Sa, 3. Aug · 12:15-13:07 · arte
The War, 3/14, Das Schlimmste kommt noch

Amerikanische Truppen landen in Nordafrika und liefern sich erste Kämpfe mit der deutschen und der italienischen Armee. Hier lernen sie, das Töten als eine gewissermaßen professionelle Fähigkeit zu begreifen. Aus dieser Zeit stammt die viel zitierte Aussage „Killing is a craft“, zu Deutsch: Töten ist ein Handwerk. Gleichzeitig verwandeln sich in den USA stille, friedliche Orte über Nacht zu boomenden „Kriegsstädten“. Denn fast die gesamte Industrie wird für den Krieg mobilisiert, und viele Frauen müssen in den Fabriken arbeiten. Januar 1943: Amerika hat bereits ein Kriegsjahr hinter sich. Und obwohl der Krieg weit weg ausgefochten wird, prägt er mittlerweile den Alltag einer jeden Familie in vielen Städten der USA. In Europa hat sich nicht viel geändert. Noch immer besetzen die Deutschen fast ganz Westeuropa. Die Alliierten sind sich einig, dass die faschistischen Diktatoren Hitler und Mussolini gestoppt werden müssen, können sich aber auf keinen Plan einigen. Bereits im November 1942 waren jedoch Truppen der alliierten Streitkräfte, zu denen auch der Sohn eines Farmers, Charles Mann aus Luverne, gehört, in Nordafrika gelandet, das von der sogenannten Heeresgruppe Afrika unter der Führung von Feldmarschall Erwin Rommel besetzt ist. Hier kommt es zu einem ersten Kräftemessen der Mächte. Schlecht ausgerüstet und unvorbereitet, sind die amerikanischen Soldaten Rommels Heeresgruppe anfänglich weit unterlegen. Erst als George Patton die Führung der amerikanischen Truppen übernimmt, wendet sich das Blatt. Ihm gelingt es, die Soldaten körperlich und moralisch aufzubauen, und schon nach kurzer Zeit holt die US-Armee zum großen Gegenschlag aus – mit Erfolg: Nach sechs Monaten harten Kämpfen kapitulieren im Mai 1943 die letzten deutschen und italienischen Soldaten. In den USA laufen indessen die Produktionsbetriebe auf Hochtouren. Überall im Land wird rund um die Uhr Kriegsmaterial produziert. Viele amerikanische Industriestädte erleben eine unglaubliche Bevölkerungsexplosion. Auch die Stadt Mobile scheint aus allen Nähten zu platzen. Oft teilen sich vier Männer ein Doppelzimmer in einer Pension – während zwei arbeiten, schlafen die anderen beiden in den Betten.

Sa, 3. Aug · 18:32-19:00 · RBB
Die rbb Reporter – Schicksale unterm Hakenkreuz

Sie wurden von den Nazis vertrieben, verschleppt oder ermordet, Berliner, die einer anderen Religion angehörten, einer anderen Partei oder einfach nur eine andere Kunstauffassung hatten. An die Menschen, mit denen unter den Nazis die geistige Vielfalt verschwand, erinnert eine Säulenausstellung am Lustgarten. Sieben Persönlichkeiten daraus stellt der Film „Die rrb Reporter – Schicksale unterm Hakenkreuz“ vor. Von der jüdischen Leichtathletin Lilli Henoch, die auf dem Transport ins KZ ermordet wurde, über den Schriftsteller Walter Mehring bis zum Reichstagspräsidenten Paul Löbe. Mit ihren Kurzporträts wird an die Machtübernahme der Nationalsozialisten vor 80 Jahren erinnert.

So, 4. Aug · 01:40-03:25 · Das Erste (ARD)
Die Kammer

Der junge Rechtsanwalt Adam Hall nimmt sich eines äußert heiklen Falls an – er will den wegen zweifachen Mordes verurteilten Ku-Klux-Klan-Anhänger Sam Cayhall vor der Todesstrafe bewahren. Das Besondere an der Sache: Cayhall ist Adams Großvater. Die beiden haben sich nie zuvor gesehen, und der alte Mann begegnet seinem Enkel voller Ablehnung. Adam teilt zwar nicht die rassistischen Ansichten seines uneinsichtigen Großvaters, doch er ist überzeugt, dass dieser zu Unrecht als Haupttäter verurteilt wurde. Um dies zu beweisen, bleiben ihm jedoch nur 28 Tage – dann soll Cayhall hingerichtet werden.

So, 4. Aug · 22:15-23:15 · BR-alpha
Nazis wider Willen – Deutsche in amerikanischen Lagern

Michaela Kirst widmet sich dem Schicksal deutschstämmiger US-Familien, die in amerikanischen Lagern interniert und zum Teil sogar nach Deutschland zurückgeführt wurden, wo sie ebenfalls mit tiefem Misstrauen beäugt und der Spionage verdächtigt wurden. Fünf exemplarische Lebensläufe hat die Filmemacherin herausgegriffen, in denen sich die Odyssee von Menschen widerspiegelt, die, ohne es zu wollen oder es verhindern zu können, zwischen alle Fronten gerieten. Ein Film über ein dunkles Kapitel des 2.Weltkriegs, das bis heute von der amerikanischen Politik beharrlich totgeschwiegen wird: das Schicksal deutschstämmiger US-Familien in amerikanischen Lagern. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der USA wurden fleißige deutsche Immigranten über Nacht plötzlich zu potentiellen Nazis und zur „Gefahr für die nationale Sicherheit“. Bei tausenden von ihnen klopfte eines Tages das FBI an die Tür. Sie wurden verhaftet, verloren Hab und Gut und finden sich hinter Stacheldraht in einem Internierungslager wieder. Für etwa 4000 dieser Deutsch-Amerikaner ist das Lager aber nur eine Zwischenstation: Sie werden gegen ihren Willen zum Einsatz im geheimen Handel der Kriegsmächte: Die US-Regierung tauscht sie gegen amerikanische Kriegsgefangene ein und schickt sie – mitten im Krieg – per Schiff nach Deutschland zurück. Damit beginnt ihr Leidensweg erneut: Auch in Deutschland sind sie nicht willkommen. Man hält sie für amerikanische Spione und sperrt sie wieder ein. Familien zerbrechen. Selbst nach Kriegsende bleibt vielen von ihnen die Rückkehr in ihre Wahlheimat Amerika verwehrt. Die ehemals Internierten, Deportierten und Repatriierten haben nach dem Krieg jahrzehntelang geschwiegen – aus Scham oder Angst. Erst jetzt bricht eine kleine Gruppe ihr Schweigen. Sie kämpft im US-Senat dafür, dass die amerikanische Regierung ihr Schicksal endlich offiziell anerkennt. Anhand von fünf Schicksalen schildert der Film zum allerersten Mal die bewegende Geschichte der Deutsch-Amerikaner, die während des Zweiten Weltkriegs wider Willen zwischen alle Fronten gerieten. Ihre Odyssee steht bis heute in keinem Geschichtsbuch – weder in Deutschland, noch in Amerika Es ist aber eine, wenn auch oft stockende Bewegung in die traurige Geschichte einer jahrzehntelangen Verdrängung gekommen. Karen Ebel, deren Vater Max, eins der fünf Opfer, kurz vor den Dreharbeiten zu „Nazis wider Willen“ starb, hatte 2005 das Aktionsbündnis „German American Internee Coalition“ ins Leben gerufen, das um die Rehabilitierung der Internierten und Abgeschobenen kämpft. Mit im Boot sitzt u. a. der renommierte jüdische Senator Russ Feingold (Wisconsin), der schon im Sommer 2004 im Kapitol über „dieses tragische Kapitel in der Geschichte unserer Nation“ referierte und einen entsprechenden Gesetzentwurf vorschlug. Siebzehn Kongressmitglieder, darunter auch der frühere Präsidentschaftsbewerber Joe Liebermann, unterstützen dieses Vorhaben. Auch Menschenrechtler der „American Civil Liberties Union“ fordern die Einsetzung einer Untersuchungskommission. Und „Ehemalige“ wie Eb Fuhr erheben ihre Stimme immer lauter. Mit einer 2009 gestarteten Wanderausstellung erinnern sie an ihre Gefangenschaft in US-Lagern. Sie fordern das Eingeständnis der Wahrheit. Und Karen Ebels Koalition ehemaliger Internierter und Verbündete hat in langjähriger Aufklärungsarbeit erreicht, „dass sich im Frühjahr 2009 ein Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses im Frühjahr erstmals dieses Themas angenommen hat. Er erörterte die brisante Frage, in welcher Weise Euroamerikaner, Iberoamerikaner, japanisch-stämmige Lateinamerikaner und jüdische Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg behandelt worden sind. Über dieses Thema wird es in Zukunft noch viele Anhörungen geben, aber Fuhr bezweifelt, dass deutschamerikanische Opfer der US-Internierungspolitik je entschädigt werden. Er sagt jedoch: „Selbst wenn mir Geld angeboten würde, nähme ich es nicht an. Ich war es ja nicht, der alles verloren hat, sondern mein Vater, und der ist lange tot“ (Rheinischer Merkur, 16.06.2009). “ Michaela Kirst widmet sich dem Schicksal deutschstämmiger US-Familien, die in amerikanischen Lagern interniert und zum Teil sogar nach Deutschland zurückgeführt wurden, wo sie ebenfalls mit tiefem Misstrauen beäugt und der Spionage verdächtigt wurden.

So, 4. Aug · 23:15-23:45 · NDR Niedersachsen
Sportclub History – Mythos Bernd Rosemeyer

Bernd Rosemeyer ist eine Legende als Rennfahrer. Von 1935 bis 1937 hat er zehn Grand-Prix-Rennen gewonnen, er fuhr Rundenrekord auf dem Nürburgring und holte den Titel in der Rennwagen-Europameisterschaft. Rosemeyer war ein Ausnahmetalent und verstand es wie kein anderer, den Boliden der Auto-Union mit seinen 520 PS durch die Kurven zu lenken. Der ehemalige Formel-1-Fahrer Hans-Joachim Stuck, Sohn von Rosemeyers Kollegen Hans Stuck, sagt: „Es war extrem schwierig, dieses Auto zu fahren. Ich habe es selbst mal probiert. Und auch mein Vater hat erzählt, dass man übers Lenkrad fühlen musste, wenn der Wagen hinten ausbricht.“ Bernd Rosemeyer, der Mann aus Lingen im Emsland, war Volksheld und Publikumsliebling. Zu den Rennen kamen damals Hunderttausende Zuschauer, Millionen Menschen verfolgten sie am Radio, dem Volksempfänger. Rosemeyer redete in Interviews frei heraus, der „blonde Bernd“ war äußerst gut aussehend und flott, so erinnern sich im Film seine damaligen Fans. Für die Propaganda der Nationalsozialisten war Rosemeyer ein Aushängeschild und half wie die anderen Fahrer, die Überlegenheit der deutschen Technik und damit das Regime zu bewerben. Rosemeyers Popularität wurde durch die Hochzeit mit der Flugpionierin Elly Beinhorn noch gesteigert. Das „schnellste Ehepaar der Welt“ war zu Rennen in Europa und Afrika im eigenen Flugzeug unterwegs. Gegen seinen größten Konkurrenten Rudolf Caracciola von Mercedes Benz kämpfte Rosemeyer nicht nur um Grand-Prix-Punkte, sondern bald auch auf der abgesperrten Reichsautobahn um den absoluten Geschwindigkeitsrekord. Rosemeyer stellte eine Bestmarke auf und war 406 km/h schnell! „Er wusste natürlich um die Gefahr. Und meine Mutter hat gesagt: Wenn so eine Konkurrenzsituation bei einer Rekordfahrt weiter besteht, endet das möglicherweise in einer Katastrophe“, erzählt Bernd Rosemeyer jun., der Sohn. Elly Beinhorns schlimmste Befürchtung wurde wahr: Im Januar 1938 verunglückte Bernd Rosemeyer im Alter von 28 Jahren bei neuen Rekordversuchen tödlich. Hitler, Himmler und Göring kondolierten, die Flaggen wehten auf Halbmast, es gab ein Heldenbegräbnis. Und, so berichten Zeitzeugen, die ganze Nation trauerte um Rosemeyer, der viel mehr als ein Sportidol war. Was macht seine Faszination aus, warum erinnern sich die Menschen noch heute an Bernd Rosemeyer und welche Rolle spielte seine SS-Mitgliedschaft? „Sportclub History“ mit einem spannenden Film über Rosemeyer – nicht nur für Motorsportfans.

Mo, 5. Aug · 01:15-02:10 · HR
Das Kind, der Tod und die Wahrheit – Das Rätsel um den Palästinenserjungen Mohammed Al-Durah

Das Bild ging um die ganze Welt: Ein Vater kauert hinter einem Betonfass, schützend den Arm um seinen kleinen Sohn gelegt. Er versucht, sich und sein Kind zu retten. Die tragische Szene wird gefilmt von einem Kameramann des französischen Fernsehkanals France 2. Weltweit ist zu sehen, wie Mohammed Al-Durah, der zwölfjährige Palästinenserjunge, an der Netzarimkreuzung in Gaza in den Armen seines Vaters stirbt, Opfer eines mörderischen Schusswechsels zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten. Aber stimmt die Geschichte? Oder sind die westlichen Medien Opfer palästinensischer Propaganda geworden? Ist die spektakuläre Szene eine Fälschung? Erste Zweifel an der schlichten Wahrheit formulierte die ARD-Dokumentation „Drei Kugeln und ein totes Kind – Wer erschoss Mohammed Al-Durah?“ von 2002. Die akribische Recherche zeigte damals, dass nahezu ausgeschlossen ist, dass israelische Soldaten das Kind am 30. September 2000 erschossen. Was damals noch für heftige Angriffe gegen die ARD sorgte, ist mittlerweile allgemein akzeptiert. Demnach wären Palästinenser verantwortlich für den Tod des kleinen Jungen. Doch vielleicht ist die wahre Geschichte noch viel unglaublicher: Wurde Mohammed Al-Durah überhaupt erschossen? Die Zweifel jedenfalls an der Authentizität der Szene sind so schwerwiegend, dass kürzlich ein Gericht in Paris urteilte, es sei zulässig, von einer Fälschung zu sprechen. Wegen dieser Szene haben Menschen getötet und sind Menschen gestorben. Auch Al Kaida nutzt die Bilder – in einem Rekrutierungsvideo im Internet. In Freitagspredigten und auf Flugblättern wurden Muslime aufgerufen, Mohammed Al-Durah zu rächen – ein Aufruf, der grausige Realität wurde mit der bestialischen Enthauptung des amerikanischen Journalisten Daniel Pearl durch Islamisten. Im Video seiner Hinrichtung wird das „Todesurteil“ als Rache für die „Ermordung“ Mohammed Al-Durahs gerechtfertigt und die berühmte Szene eingespielt. Weltweit wurden Straßen und Plätze nach ihm benannt, und bis heute werden Kinder in Palästina aufgerufen, den „Märtyrer Mohammed Al-Durah“ zu rächen und ihm nachzueifern. Die Dokumentation „Das Kind, der Tod und die Wahrheit“ geht den vielen Widersprüchen und Ungereimtheiten nach, versucht das Rätsel um den kleinen Palästinenserjungen zu lösen. Auf Mohammed Al-Durahs Grab steht: „Die in der Schlacht sterben, sterben nicht wirklich, sondern leben weiter“ – im Paradies, davon ist jeder gläubige Moslem überzeugt. Sollte Mohammed aber tatsächlich noch am Leben sein, dann wäre er heute zwanzig Jahre alt. Denkbar ist diese unglaubliche Geschichte, denn eines zeigen die Bilder ohne Zweifel nicht: den Tod Mohammed Al-Durahs.

Di, 6. Aug · 09:50-10:41 · arte
Schattenkampf – Europas Résistance gegen die Nazis, 6/6, 1944 /1945 – Illusion und Desillusion des Widerstands

In ganz Europa – von Paris bis Warschau, von Athen bis Kopenhagen, in Berlin, London und Moskau – bildeten sich zwischen 1939 und 1945 Widerstandsgruppen gegen die brutale Gewalt und Barbarei des NS-Regimes. Auch wenn sie nur eine Minderheit waren, bekämpften sie den Nationalsozialismus mit allem, was ihnen zur Verfügung stand, und setzten ihr Leben aufs Spiel. In der Dokumentarfilmreihe erzählen die Kämpfer im Schatten aus ganz Europa von ihrem außergewöhnlichen mutigen Engagement. Mit dem Voranschreiten der Befreiung der besetzten europäischen Länder wächst in den Widerstandsbewegungen die Hoffnung auf eine neu gestaltete politische Ordnung in Europa. Doch wie stellen sich die Alliierten und die Sowjetunion die Zukunft Europas vor? In den letzten Monaten vor der Befreiung der besetzten Länder Europas von der Naziherrschaft hegen die verschiedenen Widerstandsgruppen große Hoffnungen. Und gleichzeitig träumen sie von einem Nachkriegseuropa mit neuer politischer und sozialer Ordnung. Die Frage, wie diese neue politische und soziale Ordnung gestaltet werden soll, führt jedoch zu starken Differenzen innerhalb des europäischen Widerstands. Dabei haben die Alliierten und die Sowjetunion längst über das Schicksal Europas entschieden.

Di, 6. Aug · 20:15-21:45 · arte
Hindenburg

Am 30. Januar 1933 ernannte der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg den NSDAP-Vorsitzenden Adolf Hitler zum Reichskanzler. Das umfassende Porträt zeigt Paul von Hindenburg als einen Mann, der das Schicksal seines Landes aktiv mitbestimmt hat. Paul von Hindenburg wirkte zu einer Zeit, in der sich die Ereignisse in Deutschland und in Europa innerhalb von wenigen Jahren überschlugen: Kriegsniederlage und Revolution führten das Kaiserreich in eine tiefe Krise, Inflation und Weltwirtschaftskrise stürzten die Weimarer Republik in heftige Turbulenzen. Die Welt war aus den Fugen, und Hindenburg bestimmte an entscheidender Stelle die Geschicke Deutschlands mit: in der Obersten Heeresleitung, während des Ersten Weltkriegs beim Sturz Kaiser Wilhelms II. im November 1918 und im Januar 1933, als er als Reichspräsident Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Filmemacher Christoph Weinert hinterfragt den „Mythos Hindenburg“ und räumt auf mit der hartnäckig verbreiteten Mär eines zuletzt geistig und körperlich verfallenen Greises, der in seinen letzten Lebensjahren unter fremdem Einfluss gestanden habe. Hindenburg traf alle politischen Entscheidungen bis kurz vor seinem Ableben bei klarem Verstand. Auch die zahlreichen politischen Morde, die im Auftrag seines Reichskanzlers Hitler verübt wurden, hat Hindenburg ausdrücklich verteidigt und gut geheißen. Das Dokudrama ist das Porträt eines Mannes mit einer atemberaubenden wie umstrittenen politischen Karriere, die im Kaiserreich begann, die Weimarer Republik überdauerte und in der NS-Diktatur endete. Als der Generalfeldmarschall Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg am 2. August 1934 auf Gut Neudeck starb, war er 86 Jahre alt und hatte fast zehn Jahre das Amt des Reichspräsidenten inne.

Di, 6. Aug · 22:45-23:30 · RBB
Gegen den Strom – Der Widerstand der Cato Bontjes van Beek

Am 5. August 1943 wurde Cato Bontjes van Beek hingerichtet – vor 70 Jahren. Eine junge Frau im Widerstand gegen das NS-Regime und Hitler; vielleicht etwas leichtfertig, doch in jeder Hinsicht mutig und konsequent. Der Film erzählt das kurze Leben einer außergewöhnlichen Frau. Geboren 1920 in Fischerhude, bei Bremen, als Tochter der Ausdruckstänzerin Olga Breling und des Keramikers Jan Bontjes van Beek, erlebt Cato – mit ihren Geschwistern Tim und Mietje eine unbeschwerte Kindheit. Die Freiheit dieses Lebens, ihre Bücher, die Diskussionen im Künstler-Haus machen sie zu einer selbstbewussten jungen Frau. Ihre große Leidenschaft war das Segelfliegen. 1938 zieht sie nach Berlin. Sie genießt die Großstadt, ist immer unterwegs, doch sie registriert auch Veränderungen. Als der Krieg beginnt, wird sie aktiv. Mit ihrer Schwester hilft sie Kriegsgefangenen, die in S-Bahn-Zügen durch die Stadt gebracht werden. Die jungen Frauen stecken den Männern Zigaretten, Seife und Medikamente zu. Sie lernt Libertas Schulze-Boysen kennen. Diese und ihr Mann Harro sind Mitglieder einer „Widerstandsgruppe“, der später so genannten „Roten Kapelle“. Im Herbst 1942 wird Cato Bontjes van Beek, zusammen mit vielen anderen Mitgliedern der „Roten Kapelle“ verhaftet, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Vor 70 Jahren, am 5. August 1943, wird sie in Berlin-Plötzensee enthauptet. Der Film von Dagmar Brendecke erzählt von Cato van Beek, ihrer Schwester Mietje und ihrem Bruder Tim, berichtet von einer jungen Frau, die seit Jahrzehnten tot ist – und in ihrer Familie doch gegenwärtig.

Di, 6. Aug · 23:30-00:55 · RBB
Gerdas Schweigen

1967 bekommt die in Ost-Berlin lebende Familie Elstermann Besuch aus New York: „Tante“ Gerda ist eigentlich eine ehemalige Nachbarin der Elstermanns, eine Jüdin, die im Berlin der Nazi-Zeit aufgewachsen und nach dem Krieg nach Amerika ausgewandert ist. Der damals siebenjährige Knut Elstermann fragt Gerda nach ihrem Kind – und erntet das entsetzte Schweigen aller Anwesenden. Knut ist verwirrt und beschämt. Diesen Sonntagnachmittag wird er nie vergessen. 30 Jahre später besucht Knut Elstermann, heute ein bekannter Journalist, Gerda in New York und stellt ihr diese Frage erneut. Sie berichtet von engen Familien- und Freundschaftsbanden der Vorkriegszeit, vom Überleben jüdischer Freunde und Bekannte, aber auch von Deportation und Tod. Es ist die Geschichte einer Suche nach Wahrheit in Akten und Zeitzeugenberichten sowie in der eigenen Erinnerung. Die Filmemacherin Britta Wauer ist Gerdas Geschichte nachgegangen und begleitet die Begegnungen und Gespräche Elstermanns mit Gerda, die als Jüdin in Nazi-Deutschland Grauenvolles erleben musste. Ausgehend von Gerdas Begegnung mit Knut, seinen hartnäckigen Fragen, die schließlich eine Antwort bekommen, zeichnet sie mit großem Respekt und unverkennbarer Liebe zu ihrer Protagonistin das filmische Porträt einer faszinierenden Frau, die sich mit trotzigem Lebensmut ein Leben nach Auschwitz aufgebaut hat. Der Ausgangspunkt dieses neuen Lebens war ein Schweigen über den Endpunkt des alten – ein Schweigen, das Gerda bis zu ihren Gesprächen mit Knut Elstermann auch gegenüber ihrem Sohn Steven nicht brach …

Mi, 7. Aug · 07:00-10:00 · MGM
Anatevka

Russland, vor der Oktoberrevolution: Der jüdische Milchmann Tevje (Chaim Topol) lebt mit Frau und Töchtern im beschaulichen ukrainischen Dorf Anatevka. Nicht nur die üblichen Probleme des „Schtetl“-Lebens machen Tevje zu schaffen. Die zaristischen Machthaber wollen die Bewohner aus ihrer Stadt vertreiben. – Verfilmung des berühmten Broadway-Musicals mit Oscar-gekrönter Musik. An der Violine: Isaac Stern!

Mi, 7. Aug · 22:15-00:00 · RBB
Miral

Jerusalem, in den späten 1980er Jahren. Krieg und Bombenterror prägen das Leben der hübschen jungen Miral, die in Ostjerusalem unter der Obhut ihres liebevollen Vaters Jamal, eines gemäßigten Geistlichen, aufwächst. Ihre Mutter Nadia leidet an den Folgen eines sexuellen Missbrauchs, der sie in den Alkohol getrieben hat. Nach deren Selbstmord muss Jamal die Tochter schweren Herzens ins Waisenhaus geben. Doch Miral hat Glück im Unglück, die Siebenjährige kommt in das renommierte Dar-Al-Tifel-Institut. Dessen Leiterin, die charismatische Hind Husseini, eröffnet jungen Frauen nicht nur eine der wenigen Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu entfalten und eine gute Ausbildung zu erhalten – „Mama Hind“ erzieht ihre palästinensischen Schützlinge auch zu Menschlichkeit und Gewaltverzicht. Als die 16-jährige Miral sich in den PLO-Aktivisten Hani verliebt, gerät sie in ein persönliches Dilemma: Soll sie an dessen Seite den Weg des bewaffneten Kampfes einschlagen oder weiterhin nach Mama Hinds pazifistischen Idealen leben?

Do, 8. Aug · 02:10-03:45 · Das Erste (ARD)
Buenos Aires 1977

Argentinien, zur Zeit der Videla-Diktatur. Der angesehene Fußballprofi Claudio wird eines Tages völlig überraschend von der Militärpolizei verhaftet. Man beschuldigt ihn – zu Unrecht – Mitglied einer oppositionellen Guerilla-Gruppe zu sein. Obwohl Claudio fortwährend seine Unschuld beteuert, verschleppt man ihn in ein Geheimgefängnis am Rande von Buenos Aires. Hier ist er über einen Zeitraum von 120 Tagen sadistischen Folterungen ausgesetzt – bis er mit einer Gruppe von Mithäftlingen einen Ausbruchsversuch wagt. Auf packende Weise setzt das preisgekrönte, auf realen Ereignissen basierende Drama „Buenos Aires 1977“ sich mit der grausamen Zeit der argentinischen Militärdiktatur auseinander. Buenos Aires, 1977. Das Land leidet bitter unter der seit 1976 herrschenden Militärdiktatur des Generals Jorge Rafael Videla. Die Menschen leben in ständiger Angst. Tausende Bürger wurden bereits von der Junta verschleppt, gefoltert und ermordet. Eines Tages gerät auch der Fußballprofi Claudio (Rodrigo de la Serna) durch die Denunziation eines verzweifelten Folteropfers (Martin Urruty) ins Visier der Militärpolizei. Man verhaftet ihn als vermeintliches Mitglied einer oppositionellen Gruppe und will ihn zwingen, seine angeblichen Kompagnons zu verraten. Obwohl Claudio immer wieder seine Unschuld beteuert, verschleppt man ihn in eine Villa am Rande von Buenos Aires, die der Junta als Geheimgefängnis dient. 120 Tage und Nächte ist er hier zermürbenden Verhören durch sadistische Folterknechte ausgesetzt. Seine karge, enge Zelle teilt er sich mit drei weiteren Häftlingen: Guillermo (Nazareno Casero), El Gallego, genannt der „Galizier“ (Lautaro Delgado) und El Vasco, genannt der „Baske“ (Matias Marmorato). Physisch gemartert und seelisch gebrochen, wagen die Männer keinerlei Widerstand – selbst eine Chance, einen Wärter zu überwältigen, bleibt ungenutzt. Immer wieder hören sie die Schreie der misshandelten Mithäftlinge, müssen Scheinhinrichtungen aushalten und werden mit falschen Versprechungen in die Irre geführt. Neben der Gewalt durch die Folterknechte kommt es auch zu Aggressionen der Gefangenen untereinander und zu Schuldzuweisungen der unschuldig Verschleppten gegen die „schuldigen“ Widerstandskämpfer. Dadurch drohen die tatsächlich verantwortlichen Verbrecher des Regimes immer mehr aus dem Blick zu geraten. Eines Tages gelingt es Guillermo schließlich, ein Fenster zu knacken. Trotz ihrer unendlichen Furcht vor der Vergeltung ihrer Peiniger beschließen die Männer, die Flucht zu wagen. Spätestens seit Filmen wie „Amores perros – Von Hunden und Menschen“ oder „City of God“ steht das „Neue lateinamerikanische Kino“ (New York Times) auch international hoch im Kurs. „Buenos Aires 1977“, der auf einer wahren Geschichte basiert, ist zweifellos einer der aufwühlendsten Beiträge dieser Bewegung. Der Regisseur Israel Adrián Caetano, Jahrgang 1969, hat die grausame Zeit der Militärjunta von 1976 bis 1983 als Kind noch selbst miterlebt. Möglicherweise rührt aus diesem persönlichen Blickwinkel sein emotionaler, präziser und schonungsloser Blick auf ein finsteres Stück Vergangenheit, dessen Nachwirkungen in der argentinischen Gesellschaft noch heute täglich spürbar sind. Dank des eindringlichen Hauptdarstellers Rodrigo de la Serna („Die Reise des jungen Che“) und Caetanos meisterhafter Beherrschung der filmischen Stilmittel gelingt es dem Film, die perfiden psychologischen Mechanismen und Methoden der argentinischen Diktatur augenfällig zu machen.

Sa, 10. Aug · 11:30-12:15 · NDR
Der Krieg, 1/5, Überfall auf Polen

1933: Die Ernennung Adolf Hitlers zum deutschen Reichskanzler am 30. Januar markiert den Anfang vom Ende einer 15 Jahre weitgehend friedlichen währenden Periode in Europa. Mit dem „Anschluss“ Österreichs und des Sudetenlandes sowie der Annexion der „Rest-Tschechei“ ist Hitlers Expansionsdrang nicht am Ende. Der deutsche Überfall auf Polen im September 1939 zieht dessen Verbündete Frankreich und Großbritannien formell in den Krieg. Die Sowjetunion hatte sich mit Hitler arrangiert und wird Teile Polens, Finnlands und das Baltikum annektieren. Nach dem Sieg über Polen beginnt die deutsche Schreckensherrschaft, unter der besonders die Juden und andere Minderheiten in neu eingerichteten Gettos leiden. In Frankreich bereitet man sich auf einen Waffengang vor. Die Armee verschanzt sich in den Bunkern der Maginot-Linie; es kommt jedoch lediglich zu kleineren Scharmützeln. Die Zivilbevölkerung wird zum Teil evakuiert und auf Luft- und Gasangriffe vorbereitet, die Fremdenlegion wird mobilisiert. Großbritannien schickt ein Expeditionskorps auf den Kontinent und richtet sich seinerseits auf einen deutschen Angriff ein. Der Krieg wird zum „Sitzkrieg“. Die USA sind über Polens Niederlage entsetzt, aber sie bleiben zunächst neutral. Im Frühjahr 1940 rückt die deutsche Wehrmacht in Dänemark und Norwegen ein, die UdSSR überfällt Finnland. Doch Hitlers nächstes Ziel ist Frankreich.

Sa, 10. Aug · 22:15-00:00 · RBB
Die Rache des Tanzlehrers

Kommissar Stefan Lindman hat gerade seinen Vater zu Grabe getragen. Nun will er sich bei dem pensionierten Ex-Kollegen Herbert Molin für den Kranz bedanken, den dieser schickte. Doch Lindman trifft ihn nicht mehr an: Molin wurde brutal ermordet. Markante Blutspuren auf dem Dielenboden in seinem Haus erinnern an eine Reihenfolge von Tanzschritten. Zuständig für diesen Fall ist der einheimische Polizeichef Rundström, der sich jedoch als schlampiger Kriminalist erweist. Lindman nimmt eigene Ermittlungen auf. Rasch stellt er fest, dass er seinen langjährigen Freund offenbar nicht gut kannte. Warum änderte Molin schon vor geraumer Zeit seinen Namen? Und warum wurde sein Haus von einem Hochsitz aus beobachtet? Die Maklerin Elsa Berggren, von der Molin das Haus kaufte, hatte offenbar eine engere Beziehung zu ihm, über die sie sich jedoch ausschweigt. Nicht sehr redselig ist auch der Nachbar David Andersson, der im Gespräch plötzlich sehr nervös wird. Andersson konnte Molin auf den Tod nicht ausstehen. Worin diese Abneigung gründet, kann Lindman aber nicht mehr herausfinden, denn auch Andersson wird brutal ermordet. Während die Kollegen nach einem Zusammenhang zwischen den Taten suchen, stößt Lindman bei nochmaligem Durchstöbern von Molins Haus auf alte Dokumente. Sie weisen seinen Freund als überzeugten Altnazi aus. Mithilfe seines Kollegen Giuseppe Larsson stößt Lindman auf ein braunes Netzwerk, zu dem auch Molins sympathische Tochter Veronica gehört – und sogar sein eigener Vater war Mitglied dieser Organisation. Allein der Mord an Molin bleibt rätselhaft.

So, 11. Aug · 20:15-21:00 · MDR
Roland Freisler – Hitlers williger Vollstrecker

7. September 1944, 8 Uhr. Im Berliner Kammergericht kommt an diesem Tag der Volksgerichtshof zusammen. In einer Einzelzelle im Erdgeschoss wartet bereits der Angeklagte Carl Goerdeler. Der ehemalige Oberbürgermeister von Leipzig kauert auf einer Holzbank, er ist mager, auf dem Handrücken und am Unterarm sind Blutergüsse – die Gestapo hat ihn vernommen. Goerdeler ist einer der Verschwörer des 20. Juli 1944, wochenlang war sein Steckbrief in den Zeitungen abgedruckt, schließlich hat ihn eine Luftwaffenhelferin für eine Million Reichsmark verraten. Zwei Stockwerke über Goerdelers Zelle wartet Dr. Roland Freisler in seinem Büro auf den Prozessbeginn. Wie immer hat sich der Präsident des Volksgerichts akribisch vorbereitet. „Der Freisler wird das richten“, hat Adolf Hitler gesagt und dafür gesorgt, dass die Männer und Frauen des 20. Juli 1944 von seinem Lieblingsrichter verurteilt werden.Carl Goerdeler und Roland Freisler: Zwei Juristen, deren Lebensweg nicht unterschiedlicher sein könnte. In der Gegenüberstellung dieser beiden Biographien wird die Perfidie der nationalsozialistischen Justiz besonders deutlich. Wer war Roland Freisler? Was trieb ihn an? Der Psychologe Andreas Steiner hat sich jahrelang mit der Psychologie des Dritten Reiches auseinandergesetzt. Für „Geschichte Mitteldeutschlands“ erstellt er erstmals ein Profil des berüchtigtsten Juristen Hitler-Deutschlands. Dafür analysiert er unter anderem die wenigen bekannten Filmaufnahmen von Roland Freisler: „Verräter vor dem Volksgericht“ heißt der Film, den Joseph Goebbels vom Prozess über die Attentäter des 20. Julis anfertigen ließ. Heute ist nur noch eine Kopie des Films erhalten, sie lagert im Berliner Bundesarchiv. Das mehrstündige Filmdokument zeigt das gnadenlose Tribunal gegen die Verschwörer und erlaubt einen einzigartigen Blick in die Seele des Richters Roland Freisler. Im Archiv der Universität Jena lagern weitere, beinahe vergessene Dokumente, die neue Rückschlüsse auf den Präsident des Volksgerichtshofes zulassen: Was sagt Freislers handschriftlich verfasster Lebenslauf über ihn aus? Was seine Immatrikulationsunterlagen? Welche Rolle spielt Freislers Bruder Oswald, den Hitler persönlich aus der Partei ausschließen ließ? Die Dokumentation zeigt einen Mann, der sich ganze Wochenenden nur auf Latein unterhalten wollte. Einen Richter, der nach seinem mörderischen Arbeitstag zum Familienmenschen wurde und seine zwei kleinen Söhne ins Bett brachte. Der Film zeigt aber auch einen Angeklagten, der für seine Überzeugungen den Tod in Kauf nahm und seinem Richter mit Würde entgegentrat. Carl Goerdeler und Roland Freisler: Zwei deutsche Juristen.

Mo, 12. Aug · 01:30-02:30 · HR
Der Tag, als ich ins Paradies wollte

Mohammed Besharat war 16 Jahre alt, fast noch ein Kind. Er kam aus dem Dorf Tamun im Westjordanland, nahe Jenin, und er wollte ins Paradies. Am 2. August 2001 stieg Mohammed in einen voll besetzten Linienbus, an einer Haltestelle im Norden Israels. Die meisten Fahrgäste waren Jugendliche, die den „Tag der Liebenden“ feiern wollten und unterwegs waren zu einem Musikfestival. Mohammed aber hielt eine Tasche mit einer Bombe in seiner Hand. Menashe Nuriel, Vater von vier Kindern, war an diesem Donnerstag der Fahrer des Busses. Als er den jungen Palästinenser wahrnahm, spürte er, dass etwas nicht in Ordnung war. Er beobachtete ihn und begriff plötzlich, was er plante. Ohne nachzudenken, drängte er den Jungen aus dem Bus und verhinderte, dass die Bombe explodierte. 54 Menschen rettete Menashe Nurriel das Leben. Der Selbstmordattentäter wurde festgenommen und sitzt seitdem in einem israelischen Sicherheitsgefängnis. Die Dokumentation von Esther Schapira schildert den Weg des jungen Palästinensers an diesem 2. August 2001, dem Tag, als er zur lebenden Bombe wurde. Zum ersten Mal spricht ein überlebender Selbstmordattentäter ausführlich vor einer Fernsehkamera: über seine Träume, seinen Glauben und über den Tag, als er mit einem Massenmord ins Paradies wollte. Offen äußert sich auch seine Familie über das Leben in den besetzten Gebieten und über die Rekrutierungspraxis der radikalen Terrororganisationen. Der Film blickt gleichzeitig auf die Menschen, die beinahe Opfer geworden wären: die Familie des Busfahrers, die schon immer, aber vor allem seit diesem Tag, mit der Angst leben muss und die dennoch weiter für die Friedensbewegung ist und an ein friedliches Zusammenleben von Arabern und Israelis glaubt. Während der Dreharbeiten riss ein anderer Attentäter in einem Club in Tel Aviv vier junge Menschen in den Tod. Die Geschichte dieses Attentates verbindet sich auf dramatische Weise mit der Rekonstruktion jenes Tages, an dem Mohammed die Eintrittskarte ins Paradies löste. Das Billet ist noch nicht verfallen. Allein schon der Wille, sich selbst zu töten, gilt radikalen Muslimen ebenso viel wie die Tat selbst, und so bereut Mohammed nichts.

Mo, 12. Aug · 22:45-23:00 · BR-alpha
Klassiker der Weltliteratur: Alfred Döblin

Der Arzt Alfred Döblin interessierte sich nicht nur für die Randgebiete der Nervenheilkunde. Er begeisterte sich für die chinesische Kultur und deren Denkrichtungen – er lebte seinen Enthusiasmus, aber auch seine Nachtseiten beim Schreiben aus und wurde als Schriftsteller weltberühmt. 1878 kam Alfred Döblin in Stettin zur Welt. Sein Vater verließ die Familie, Frau und fünf Kinder, und brannte mit einer bedeutend Jüngeren durch. Döblin las viel, studierte Medizin und gründete mit 34 eine eigene Familie. Ein Jahr vor seiner Heirat hatte er in Berlin eine Praxis für Nervenheilkunde eröffnet. Die Ehe aber entwickelte sich zu einem Desaster, doch Döblin trat nicht in die Fußstapfen des Vaters, sondern beugte sich aus Pflichtgefühl den gesellschaftlichen Konventionen. Den Wunsch, aufzubegehren und diesen Konventionen zu trotzen, lebte Döblin nicht aus, sondern verarbeitete ihn literarisch. Hier konnte er all seinen Mut zusammennehmen und dieses Ausbrechen nicht nur inhaltlich schildern, sondern vor allem sprachlich spiegeln. Stilistisch hatte er sich ganz dem Expressionismus verschrieben. Mit abrupten Brüchen in der Syntax, unvermittelten Perspektivwechseln und einer elliptischen Atemlosigkeit setzte er neue Maßstäbe in der Erzählkunst. Es ist die Geschichte des Franz Biberkopf, die Döblin hier in „Berlin Alexanderplatz“ erzählt. Biberkopf wurde aus dem Gefängnis entlassen, wo er einsaß, weil er seine Freundin erschlagen hatte. Nun als freier Mann versucht er, ein ehrbares Leben zu führen, was ihm auch kurz gelingt – bis er an einen falschen Freund gerät, der Biberkopf in ein Komplott verwickelt. Wieder gerät für Biberkopf die Welt aus den Fugen, dieses Mal allerdings landet er unschuldig als Mörder in der geschlossenen Anstalt. Er hat alles verloren und es nicht geschafft, trotz aufrechter Bemühungen, das Chaos von seinem Leben fernzuhalten. Döblin selbst war 1933 in die Schweiz geflohen, weil es für ihn als Juden in Deutschland zu gefährlich wurde. Zwölf Jahre später kehrte er zurück, inzwischen hatte er in Frankreich und den Vereinigten Staaten gelebt. 1941 konvertierte er zum katholischen Glauben, was keiner seiner Zeitgenossen recht verstand, und diese Ablehnung schadete nicht zuletzt seiner schriftstellerischen Karriere. Erst 1946 erschien wieder ein – äußerst erfolgreiches – Buch von ihm, unter Pseudonym allerdings. 1953 ging er wieder nach Frankreich, musste sich krankheitsbedingt aber immer häufiger in Sanatorien und Kliniken aufhalten, wo er 1957 in Emmendingen starb.

Di, 13. Aug · 22:00-22:30 · WDR
Kreuzfahrt mal ganz koscher – Alte Liebe entdeckt neue Wege

Gaby und Tikwah Lock sind streng orthodoxe Juden, seit 40 Jahren verheiratet und waren noch nie zusammen im Urlaub. Jetzt haben sie eine Kreuzfahrt gebucht, aber nicht irgendeine, sondern eine koschere Reise zwischen Mittelmeer und Adria. Das Besondere auf der „Golden Iris“: neben den typischen Theaterstücken und der Animation an Bord werden auch religiöse Diskussionsrunden angeboten und Beratungen bei Eheproblemen. Die Eheleute entdecken somit nicht nur andere Länder auf ihrer Reise, sondern auch andere Seiten beim Partner und bei sich selbst. Die Reise verändert Gaby und Tikwah im Umgang miteinander. Und auch die strengen orthodoxen Regeln spielen an Bord eine Rolle, vor allem für Gaby.

Mi, 14. Aug · 00:30-01:45 · arte
Google Baby – Das Geschäft mit den Leihmüttern

Ein israelischer Unternehmer bietet einen neuen Service an: „Babyproduktion“ – Kinder als in globalisierter Arbeitsteilung hergestellte Produkte. „Kunden“ sind hetero- und homosexuelle Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Das genetische Materiel wird zum Teil von den Kunden geliefert, die Eizellspende erbringt oft eine – zumeist weiße Spenderin. Ausgetragen werden die Babys von indischen Leihmüttern, die für westliche Verhältnisse wenig Geld für die strapaziöse und oft gefährliche Schwangerschaft und Geburt verlangen. Das Entstehen eines Babys ist zu einem vom Sex unabhängigen Akt geworden. Und die Globalisierung hat die „Babyproduktion“ bezahlbar gemacht Voraussetzung ist eine Kreditkarte. Anweisungen sind auf YouTube zu finden. „Google Baby“ erzählt die Geschichte der sich anbahnenden „industriellen Babyproduktion“ im Zeitalter der Globalisierung. Doron, ein israelischer Unternehmer, bietet einen neuen Service an: „Babyproduktion“. Er bietet Kunden eine kostengünstige Lösung für eine Leihmuttergeburt an. Das gewünschte genetische Material kann von den Kunden gewählt werden, der Rest liegt in der Hand des Produzenten. Spermien und Eier werden online erworben und zahlreiche Embryos werden produziert und eingefroren. Verpackt in flüssiges Nitrogen, werden nur diejenigen Embryos, die den Kundenwünschen entsprechen, nach Indien verschickt. Dort werden sie in die Eierstöcke einheimischer Leihmütter eingepflanzt. Erst nach der neunmonatigen Schwangerschaft erscheinen dann die Kunden, um die Babys mitzunehmen. Das Elend der Leihmütter interessiert sie zumeist nicht. Das Entstehen eines Babys ist heute zu einem vom Sex unabhängigen Akt geworden. Die Globalisierung hat die „Babyproduktion“ bezahlbar gemacht. Voraussetzung ist eine Kreditkarte. Anweisungen sind auf YouTube zu finden.

Do, 15. Aug · 02:50-04:14 · arte
Der Kollaborateur und seine Familie

Die Entscheidung des Palästinensers Ibrahim El-Akel, für den israelischen Geheimdienst zu arbeiten, hatte Folgen – auch für seine Familie, weil diese auf einmal gleichfalls als Verräter galt. Der Dokumentarfilm beschreibt die Schwierigkeiten der Ehefrau und der drei Kinder, sich gegen dieses Stigma zu behaupten. Der Palästinenser Ibrahim El-Akel hat mit dem israelischen Geheimdienst zusammengearbeitet. Eine nicht nur für ihn, sondern auch für seine Angehörigen folgenschwere Entscheidung, denn sie werden von den Palästinensern als Verräter angesehen und entsprechend aus deren Gemeinschaft ausgegrenzt. Die gesamte Familie war gezwungen, in Tel Aviv unterzutauchen. Ibrahims Kinder (Mahmoud, 12, Suffian, 14, und Mohammed, 17) sowie seine Frau Yusra zahlen einen hohen Preis für den Entschluss des Familienvaters. Der Dokumentarfilm von Ruthie Shatz und Adi Barash zeigt, wie die Familie El-Akel versucht, im Alltag ihre Beziehungen untereinander zu pflegen, die Kinder vor den Anfeindungen der Außenwelt zu schützen und sich in eine Gesellschaft zu integrieren, der sie sich nicht zugehörig fühlt.