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Dormitio Zion erneut beschmiert: „Jesus ist Affe“

Die Benediktiner-Abtei Dormitio auf dem Jerusalemer Zionsberg, eines der Wahrzeichen Jerusalems, ist in der Nacht zum Freitag von Unbekannten mit gehässigen Graffitis erheblich beschädigt worden. Zugleich sind sieben Autos mit Ölfarbe bespritzt worden und zwei Reifen wurden zerschnitten. „Christen sind Affen“, „Jesus ist ein Affe“, „Die Affen durchlöchern“, „Christen sind Sklaven“, „Chavat Maon“ (der Name eines zum Abriss vorgesehenen Siedlervorpostens bei Hebron) und ähnliche Sprüche auf Hebräisch „zierten“ die Gemäuer und parkende Autos…

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 31. Mai 2013

„Wir haben die Schmierereien heute morgen um 7:30 Uhr entdeckt. Erstaunlicherweise haben wir nichts gehört, obgleich ich mit offenem Fenster direkt über einer der beschmierten Stellen schlafe“, sagte ein Mönch der deutsch-katholischen Abtei. Die Polizei sei sofort gekommen und habe die Graffitis an den Klosterwänden schon übertüncht. Der Schaden an den Autos sei groß, sagte der Mönch.

Es gebe keine konkrete Hinweise auf die Täter. Doch die Sprüche weisen erneut auf rechtsradikale israelische Siedler, die schon mehrmals Fassaden von Kirchen in Latrun aber auch von Dormitio und der griechischen Kreuzkirche in Jerusalem beschmiert haben. Die Polizei hat schon vor Monaten eine Sonderkommission eingerichtet, aber bisher nur einzelne Festnahmen gemacht.

In den vergangenen Monaten gab es eine deutliche Steigerung von Vandalismus durch mutmaßlich rechtsradikale fromme Siedler. Betroffen sind neben christlichen Kirchen auch Moscheen und Autos von Palästinensern in den israelisch besetzten Gebieten des Westjordanlandes.

Ebenso wurden Häuser und Autos in anderen Vierteln Jerusalems beschmiert.

Die israelischen Medien haben prominent über die Vorfälle berichtet. Ein Reporter fragte, wieso der Geheimdienst so punktgenau Terroristen ausfindig mache, aber unfähig sei, die Verantwortlichen für diesen jüdischen Vandalismus auszumachen.

David Neuhaus, stellvertretender lateinischer Patriarch in Jerusalem, redete im Rundfunk über „Dutzende“ Vorfälle gegen christliche Institutionen in Jerusalem allein. „Wir haben das Gefühl, dass an manchen Schulen nicht Toleranz gelehrt wird.“ Er beklagte sich auch darüber, immer wieder bespuckt zu werden, wenn er mit Kutte und Kreuz auf die Straße gehe. „Wir verstehen nicht, warum ausgerechnet die Christen angegriffen werden.“ Die Lösung sei nicht die Bestrafung der Täter, sondern eine bessere Erziehung der nächsten Generation. Neuhaus meinte, dass die Täter wohl nicht unter ultraorthodoxen Juden zu suchen seien, sondern eher in „extrem nationalistischen Kreisen“.

© Ulrich W. Sahm, haGalil.com