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Der Israelboykott

Seit seiner Gründung 1948 wird Israel boykottiert. Der gelähmte Professor Steven Hawking ist der neueste prominente Befürworter eines Boykotts Israels…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 8. Mai 2013

Früher hatte die Arabische Liga in Damaskus ein Büro, das über die Geschäftsbeziehungen internationaler Firmen wachte und sie auf eine schwarze Liste setzte, sowie herauskam, dass sie mit Israel Geschäfte machten. Coca Cola gab es im kleinen Israel, während Pepsi Cola die arabische Welt erobern konnte. Außer Lufthansa mieden deutsche Firmen Israel oder firmierten unter falschem Namen. VW war Champion. Mit den Osloer Verträgen und der Anerkennung der PLO hat sich das gelockert. Der Vatikan anerkannte nun  den jüdischen Staat und Siemens eröffnete eine Filiale in Israel. Aber wer sich in Deutschland einen Rasierapparat von Phillips gekauft hat, konnte im beigelegten Garantieschein eine Service-Adresse im tiefsten Dschungel in Afrika finden, nicht aber in Israel.

Die arabischen Sanktionen hatten letztlich einen gegenteiligen Effekt. Die Israelis entwickelten großen Erfindungsreichtum. Entweder produzierten sie selber, was ihnen die Araber vorenthalten wollten, vom besten Panzer der Welt bis hin zu Drohnen und sogar einem Kampfflugzeug, dem Kfir.  Oder sie fanden heimliche Wege, Produkte nach Israel zu schmuggeln.

Israel Erfolgsindustrie, der Hightech-Bereich, ist eine Fortsetzung ihres Überlebenskampfes, unterzugehen oder aber das Rad neu zu erfinden.

Die Palästinenser hatten sich mit einer zweiten mörderischen Intifada seit Herbst 2000 mit Tausenden eigenen Toten selber in den Ruin manövriert, nur um Israel mit Selbstmordattentätern und Terror in den Abgrund zu treiben.  Seitdem beklagen sie sich über israelische Schutzmaßnahmen wie Straßensperren, Mauern und Massenverhaftungen. Obgleich bis heute täglich Palästinenser mit Rohrbomben oder Messern an den Sperren abgefangen werden und regelmäßig von Gaza aus mit Mörsergranaten und Raketen beschossen  wird, hat sich der Krieg gegen Israel zunehmend auf „gewaltlosen“ Widerstand verlagert: Hetze, Delegitimierung, Aberkennung des Existenzrechts und Boykottaufrufe.

Der Boykott gilt vermeintlich nur Produkten aus den „illegalen“ Siedlungen, erinnert aber immer häufiger an den alten Spruch: „Kauft nicht bei Juden“. Jüdische Läden in Frankreich oder Italien wurden attackiert. Die neueste Masche ist der Versuch, akademische Kontakte, Auftritte von Künstlern in Israel, Vorträge von Israelis und Benefizkonzerte zugunsten israelischer Wohltätigkeitsvereine zu stören, oder mit Gewaltandrohung gegen Saalvermieter zu unterbinden.

Im Rahmen der Meinungsfreiheit ist das natürlich alles legitim. Europäische Befürworter dieser Politik, jetzt auch Steven Hawking, müssen sich allerdings fragen, ob sie gleiche Maßstäbe bei China wegen Tibet, bei Marokko wegen der Sahara, bei Syrien, Sudan, Eritrea, Kongo und anderen Ländern wegen „illegaler Besatzung“ oder Menschenrechtsverletzungen ansetzen.

Wenn dieser Boykott gegen Israel legitim ist, wegen seiner Regierungspolitik, trotz demokratischer Wahl, könnte doch die israelische Regierung genauso auf die Idee kommen, die palästinensischen Gebiete zu boykottieren, weil ihr deren „Regierungspolitik“ nicht genehm ist. Israel würde es Argumenten nicht mangeln, vom Raketenbeschuss aus Gaza bis hin zu Hetze und Verherrlichung von Massenmördern bei der Autonomiebehörde.

Ein entsprechender israelischer Boykott würde aber bedeuten, dass es im Gazastreifen weder Strom noch Trinkwasser gäbe, oder Mehl und andere Grundnahrungsmittel, die von Israel angeliefert werden. Präsident Abbas könnte nicht mehr nach China reisen und Millionen Palästinensern wäre die Bewegungsfreiheit in alle Richtungen versperrt. Die palästinensische Wirtschaft würde zusammenbrechen, wenn Palästinenser weder in Siedlungen noch in Israel ihrer Arbeit nachgehen oder nach Israel ihre Produkte verkaufen könnten.

Steven Hawking berührte einen gefährlichen Punkt, indem er akademischen Austausch von „Regierungspolitik“ abhängig gemacht hat und den Boykott der Palästinenser unterstützt. Gleichgültig was man von der vor kurzem demokratisch gewählten israelischen Regierung und ihrer Politik hält, ist ein genereller Boykott Israels, wie ihn Hawking jetzt unterstützt, kein Mittel, Frieden, Dialog oder eine „Lösung“ der ausstehenden Probleme zu erreichen. Es ist ein zweischneidiges Schwert, falls die Israelis auf die Idee kämen, mit gleichen Mitteln zurück zu schlagen.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com