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Der Marktplatz im Internet

In allen europäischen Städten gab es früher einen Marktplatz, der vor allem eine wichtige Funktion für den Austausch von Neuigkeiten und Anliegen hatte. Hier wurden Ideen für Verbesserungen in der Stadt geboren, Gruppen formierten sich, um diese durchzusetzen…
Die Idee des Marktplatzes als zentralem Treffpunkt versucht die Organisation Ha-Kikar ha-merkazit (etwa der Hauptplatz) nun in die virtuelle Welt zu übertragen.

Die Idee ist einfach: Auf der Facebook-Seite der Organisation können Nutzer erzählen, was sie stört und Verbesserungsvorschläge machen. Die Organisation greift die Beschwerden und Vorschläge auf und wendet sich an verschiedene Knesset-Abgeordnete, um sie für die Ideen zu interessieren.

Als „Lobbyist der Öffentlichkeit“ bezeichnet sich denn auch David Erez, der Gründer von Ha-Kikar ha-merkazit. Der 35-Jährige ist Partner in einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit und hat langjährige Erfahrung in der Politikberatung. Ha-Kikar ha-merkazit allerdings ist ein Projekt, das er ehrenamtlich betreibt. Die Seite, die es seit Januar dieses Jahres gibt, bezeichnet er gern auch als 121. Abgeordneten. 1.000 Likes hat sie bereits, und täglich werden es mehr.

„Ha-Kikar ha-Merkazit ist nicht nur eine Seite oder eine Facebook-Page“, so Erez. „Es geht darum, die Vorschläge und Ideen zu nehmen und an den richtigen Abgeordneten zu bringen. Es ist keine schwarzes Brett, wo jeder einfach einen Aushang veröffentlicht. Wir versuchen, die Verbindung zwischen der richtigen Idee und dem Abgeordneten mit der passenden DNA herzustellen.“

So wie im Fall von Natali Lahav, die sich über ein Problem beschwerte, das auch in Deutschland nicht unbekannt ist: Bei der Anmietung einer Wohnung werden häufig für den Mieter Maklergebühren fällig. „Ich habe vorher in London gewohnt“, so Lahav, „und dort ist es üblich, dass der Vermieter den Makler bezahlt. Ich habe mich lange darüber aufgeregt, dass das hier anders ist, aber dann habe ich Ha-Kikar ha-merkazit entdeckt und gemerkt, dass ich dort eine Chance habe, das Thema an die Öffentlichkeit zu bringen.“

Nun hat sich Chilik Bar von der Arbeitspartei des Themas angenommen. Er arbeitet an einem umfassenden Gesetzesvorschlag zum Thema Wohnungsvermietung und stützt sich dabei in weiten Teilen auf Gedanken und Anregungen, die im Zuge der Debatte auf der Facebook-Seite aufgekommen sind.
Weitere Themen, die bereits von einem oder einer der 18 Abgeordneten aufgenommen wurden, die offiziell an dem Projekt teilnehmen, sind etwa kommunale Wasserversorgung und die Kürzung von Sozialleistungen für Überlebende des Holocaust.

Ilan Marciano, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Abgeordneten Chayim Katz vom Likud, erklärt dazu: „Sie handeln nicht nur impulsiv sondern vor allem professionell. Es handelt sich um ein wichtiges Werkzeug für Abgeordnete, die Gesetze einbringen und Missstände beheben wollen, von denen wir gar nichts wüssten, wenn die Öffentlichkeit sie nicht auf diesem Wege vorbringen könnte.“

Aus Haaretz, 24.04.13, übers. Botschaft des Staates Israel

Facebook: Ha-Kikar ha-merkazit