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Jüdischer Weltkongress: Zeichen gegen Antisemitismus in Ungarn

Zum Abschluss seiner Jahrestagung in Budapest hat der Jüdische Weltkongress (WJC) am Dienstag das Verbot rechtsextremistischer Parteien in ganz Europa angemahnt. Einige Kommentatoren fordern von der EU ein stärkeres Eintreten gegen Ungarns rechtskonservative Regierung, die Antisemitismus toleriere. Andere halten es für ungerechtfertigt, den Konservativen im Land pauschal Judenhass zu unterstellen…

Der Standard – Österreich
Europa darf Orbáns Politik nicht dulden

Im Vorfeld der WJC-Tagung haben am Samstag bei einer Demonstration der rechtsradikalen Jobbik-Partei Neonazis antisemitische Parolen wie „Juden raus“ skandiert. Dass die Regierung Orbán den Aufmarsch nicht verhindert hat, ist für die linksliberale Tageszeitung Der Standard unentschuldbar: „Ein Megaskandal angesichts der Tatsache, dass die Europäische Union letztlich gegründet wurde, um Krieg und Holocaust zu überwinden. Beim (bewusst in Ungarn angesetzten) WJC-Kongress hielt Orbán eine Rede, bei der er seinen national-christlichen Mythenschwulst aus dem 19. Jahrhundert abließ, aber gleichzeitig versicherte, Antisemitismus sei ’nicht akzeptabel und nicht tolerierbar‘. Doch Orbán akzeptiert und toleriert den eklatanten Antisemitismus der ungarischen Rechtsextremen. … Ungarn unter Orbán widerspricht vollkommen den Werten der EU. Er betreibt eine nationalistische ‚Nachbarschafts‘-Politik, die immer wieder die Ungarn in der Slowakei und Rumänien einbeziehen will; die Opposition und die wenigen freien Medien in Ungarn werden systematisch mundtot gemacht. Und jetzt auch noch die unverhohlene Duldung von Antisemitismus.“
08.05.2013 deutsch
Frankfurter Rundschau – Deutschland
Auch EU sollte in Budapest Zeichen setzen

Die EU sollte sich die kluge Entscheidung des Jüdischen Weltkongresses, in Budapest zu tagen, zum Vorbild nehmen, empfiehlt die linksliberale Frankfurter Rundschau: „Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat ein starkes Zeichen gesetzt. Er hielt seine Plenarversammlung mit Bedacht in Budapest ab – aus Solidarität mit den von einer offen antisemitischen Partei bedrohten ungarischen Juden und Roma und aus Protest gegen eine Regierung, die gegen den erstarkenden Rassismus in ihrem Land nichts unternimmt. …
Die EU-Partner müssen einschreiten. Gewiss, man muss aufpassen, dass man die antieuropäischen Affekte und die Wagenburg-Mentalität, die Fidesz und Jobbik in Ungarn nach Kräften fördern, nicht noch verstärkt. Aber Vertragsverletzungsverfahren allein reichen nicht mehr. Fantasie und Feingefühl sind gefragt. Vielleicht sollte die EU-Kommission, wenn sie sich mit Pressefreiheit, Minderheitenschutz oder Justizreform befasst, ihre Tagungen nach Budapest verlegen – um, wie der Jüdische Weltkongress, ein deutliches Zeichen zu setzen.“

08.05.2013 deutsch

Magyar Nemzet – Ungarn
Ungarns Rechte befeuert Antisemitismus nicht

Der ungarischen Rechten wird im Ausland nicht erst seit Amtsantritt der Region Orbán vorgeworfen, dass der Antisemitismus in Ungarn wachse, wenn sie an der Regierung ist. Die konservative Tageszeitung Magyar Nemzet widerspricht dieser These: „Die Vertreter und Partnerorganisationen des Jüdischen Weltkongresses üben seit geraumer Zeit Kritik an unserer Heimat. Das christlich-konservative oder mit anderen Worten gemäßigt rechte Lager in Ungarn wird unentwegt mit Vorwürfen und Verleumdungen bombardiert. Die Mehrzahl der Vorwürfe entbehrt jeglicher Realität, ja ein Teil der Kritik ist ausgesprochen lächerlich. Noch dazu misst man mit zweierlei Maß. Der Kern der Vorwürfe liest sich so: Während die Magyaren unter linken Regierungen keine Antisemiten sind, sind sie es unter rechten Regierungen dagegen schon. Diese Sichtweise hat keinerlei Bezug zur Wirklichkeit.“

08.05.2013 ungarisch