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Feierstunde: Rabbinerordination in Erfurt

In Erfurt werden am Mittwoch erstmals Rabbiner ordiniert. Alexander Nachama und Adrian Michael Schell sind Absolventen des liberalen Abraham Geiger Kollegs der Universität Potsdam. Die Ordinationsfeier findet in der Neuen Synagoge der Jüdischen Landesgemeinde statt…

Adrian Michael Schell und Alexander Nachama

Adrian Michael Schell und Alexander Nachama werden ordiniert

mdr.de – Zu den Feierlichkeiten werden zahlreiche Gemeinderepräsentanten aus dem In- und Ausland erwartet. Die Festansprache wird Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht halten.
Alexander Nachama wurde 1983 geboren. Er arbeitet seit November 2012 als Gemeinderabbiner für die Dresdner Jüdische Gemeinde.
Adrian Michael Schell wurde 1973 geboren. Er ist Jugendleiter der Union progressiver Juden in Deutschland. Seit Frühjahr 2012 betreut er zusätzlich die Jüdische Gemeinde Hameln, deren Rabbiner er nach seiner Ordination sein wird.

Auf MDR.de kann man die Rabbiner-Ordination morgen, 10. April 2013, 14.00 bis 15.00 Uhr, im Livestream verfolgen. Der Link ist
http://www.mdr.de/mediathek/livestreams/fernsehen/livestream-mdr-plus100.html.  Einen zusammenfassenden Beitrag von 15 Minuten sendet das MDR Fernsehen morgen 22 Uhr.

Zwei neue jüdische Kantoren

Während der Festveranstaltung werden auch zwei Kantoren in ihr Amt eingeführt: Isodoro Abramowicz und Nikola David sind ebenfalls Absolventen des Potsdamer Abraham Geiger Kollegs. Als Kantoren werden sie nicht nur als Vorbeter im Gottesdienst einen festen Platz haben, sondern für die komplette musikalische Betreuung des Gemeindelebens im liturgischen und weltlichen Bereich zuständig sein.

Fünfte Rabbinerordination für Potsdamer Absolventen

Die erste Rabbinerordination in Deutschland seit dem Holocaust fand im September 2006 in Dresden statt. 2009 und 2010 gab es in Berlin weitere Ordinationen, darunter der ersten Frau, die nach dem Holocaust in Deutschland zur Rabbinerin ordiniert wurde. Die vierte Ordination mit fünf Absolventen war vor zwei Jahren in Bamberg. Die fünfte Berufungsfeier für Rabbiner nach ihrer wissenschaftlichen Ausbildung in Potsdam findet nun in Erfurt statt. Das Potsdamer Kolleg wurde im Jahr 2000 als erstes Rabbinerseminar in Deutschland seit dem Holocaust eröffnet. 1942 hatten die Nationalsozialisten die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin geschlossen.

Das Abraham Geiger Kolleg ist eigenen Angaben zufolge das erste Rabbinerseminar in Zentraleuropa seit dem Holocaust. Die Potsdamer Ausbildung dauert fünf Jahre. Zum Studium gehört unter anderem die Arbeit mit jüdischen Texten aus Bibel, Talmud und Midrach. Weitere Schwerpunkte reichen von Religionsphilosophie und Geistesgeschichte über Soziologie der jüdischen Gemeinden und praktische Liturgie bis zu synagogaler Musik und Seelsorge. Besonders aufwändig sind die Sprachen Hebräisch, Aramäisch und – als Wahlfach – Jiddisch. Der Studiengang sieht einen einjährigen Aufenthalt in Israel und zwei praktische Jahre in jüdischen Gemeinden vor. In Potsdam werden auch Rabbiner für andere Länder ausgebildet.

Kooperation mit Weimarer Musikhochschule

Das Potsdamer Kolleg will bei der Ausbildung jüdischer Kantoren künftig mit der Weimarer Hochschule für Musik „Franz Liszt“ enger kooperieren. Dazu wurde eigens ein neuer Lehrstuhl für Geschichte der jüdischen Musik in Weimar geschaffen. Die Leitung übernimmt der Musikwissenschaftler und Pianist Jascha Nemtsow.

Die jüdischen Gemeinden in Deutschland und Europa haben seit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust große Mühe, wieder an ihre alten Traditionen anzuknüpfen. Neue Impulse kommen für die Gemeinden aus dem neuen Selbstverständnis der jungen Generation und der Zuwanderung aus Osteuropa. Dadurch wurde jüdisches Leben in Deutschland wieder selbstverständlicher. Allerdings fehlen für die Gottesdienste noch Rabbiner und Kantoren.