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Antisemitische Blutlegende reloaded

Rechtzeitig zu Ostern und dem jüdischen Pessach-Fest hat die palästinensische „Friedensorganisation“ Miftah eine der übelsten antijüdischen Blutlegenden aufgegriffen. Ein gewisser Nawaf Al Zaru hatte auf der Internetseite von Miftah einen Artikel veröffentlicht, in dem er behauptete, dass die Juden zum Backen ihrer ungesäuerten Brote das Blut christlicher Kinder verarbeiten…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 1. April 2013

Diese mittelalterliche Legende hatte in Europa und später in der arabischen Welt zu schweren Pogromen und Massenmorden an Juden geführt. In der modernen antisemitischen Propaganda taucht das Motiv als Vorwurf gegen Israel auf, willkürlichen Massenmord an palästinensischen Kindern zu verüben.

Miftah wurde im Dezember 1998 von der „gemäßigten“ christlichen Politikerin Hanan Aschrawi als „palästinensische Initiative für die Förderung eines globalen Dialogs und Demokratie“ gegründet. Die Organisation steht nach eigenen Angaben für den Kampf gegen Rassismus, Hass, Diskriminierung und „Verfolgung in jeder Form“, vor allem „in unserer eigenen Gesellschaft“.

Den Artikel des Al Zuru hatte die israelische Homepage „Elder of Zion“ aufgegriffen, wodurch die aufgewärmte Blutlegende in Israel und im Ausland große Aufmerksamkeit erhielt. „Elder of Zion“ wird dem rechten israelischen Lager zugeordnet und dokumentiert anti-israelische wie antisemitische palästinensische Propaganda.

Zunächst hatte sich Miftah gegen die „Schmierkampagne“ einer „obskuren pro-israelischen Webseite“ verwahrt. Sie habe die Miftah Gründerin, Dr. Hanan Aschrawi, und Miftah zu Unrecht verunglimpft. Der umstrittene Artikel sei wieder herausgenommen worden, „um weitere Missverständnisse zu vermeiden“. Gleichwohl blieb der Vorwurf einer ungerechtfertigten „Schmierkampagne“ in der ersten Erklärung von Miftah bestehen.

Am Montag, dem 1. April, folgte eine weitere sehr ungewöhnliche öffentliche Erklärung mit einer „Entschuldigung“. Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass ein junger Mitarbeiter „irrtümlich und fälschlich“ den Artikel von Abu Zuruf veröffentlicht habe. Der Mitarbeiter sei entlassen worden. Das übrige Team sei über das „ekelhafte und abstoßende Phänomen der Blutlüge und seiner Vorwürfe gegen Juden“ informiert worden. Dr. Hanan Aschrawi sei an der Tagesarbeit bei Miftah nicht beteiligt und „in keiner Weise in diesem Vorfall“ involviert gewesen.

Aschrawi ist Christin und war in den neunziger Jahren sie Sprecherin der palästinensischen Delegation bei den Friedensgesprächen in Madrid. Später wurde sie Ministerin unter Jassir Arafat. Dank ihres vorzüglichen Englisch war sie jahrelang das wichtigste „Gesicht“ der Palästinenser. Sie trat regelmäßig bei CNN und anderen internationalen Fernsehsendern auf.

Die Nicht-Regierungs-Organisation Miftah verfügt über ein jährliches Budget von über einer Million Dollar (Angabe von 2010). Sie wird mit Spenden unter anderem der UNESCO, des italienischen Konsulats, der EU, der österreichischen Entwicklungsgesellschaft (ADA), der Konrad Adenauer Stiftung und der norwegischen Regierung mitfinanziert.

Die israelische Organisation NGO-Monitor, die sich für Transparenz bei Nicht-Regierungsorganisationen und deren internationalen Finanzierung einsetzt, hat dokumentiert, dass Miftah die erste weibliche Selbstmordattentäterin als „Beginn einer Reihe palästinensischer Frauen mit der Hingabe, ihr Leben für eine Sache zu opfern“ bezeichnet hätte. Terrorgruppen werden als „Widerstand“ beschönigt. Aschrawi habe in Durban 2001 Israel als „schlimmsten Ausdruck von fortgesetztem Kolonialismus, Apartheid und Rassismus“ bezeichnet. In Miftah Publikationen wurden (mit Quellenangaben) Vorwürfe wegen „Massakern“, „kulturellem Völkermord“ und „Kriegsverbrechen“ gemacht. Die „Friedensorganisation“ befürworte die Strafverfolgung von Israelis vor internationalen Gerichten wegen „Verbrechen an Palästinensern“ und propagiere einen Boykott Israels.

Offenbar sind die EU, die UNO und bekannte deutsche Stiftungen bereit, Boykottaufrufe gegen Israel und Selbstmordattentate als „Widerstand“ hinzunehmen. Doch die mittelalterliche antijüdische Blutlegende scheint auch deren Grenzen des guten Geschmacks überschritten zu haben. Deshalb wohl die sehr ungewöhnliche offene „Entschuldigung“, ohne eine erneute Diffamierung der israelischen Webseite, die den Text entdeckt und verbreitet hat.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com