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65 Jahre Deir Jassin

Am 9. April 1948 hat es in dem „friedlichen Dorf“ Deir Jassin ein Massaker an den Dorfbewohnern gegeben, ausgeführt durch 120 Mitglieder der jüdischen Untergrundorganisationen Lechi und Irgun. Das Dorf beherrschte die einzige Zugangsstraße Jerusalems vom Westen her…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 10. April 2013

Palästinensische Medien veröffentlichten Erklärungen zu dem „Massaker, das bis heute nicht geendet hat“, wie es der Propagandist Mustafa Barghutti formulierte. Iranische Medien hoben eine britische Gedenkfeier für Deir Jassin in einer Kirche und einer Moschee in London hervor.

Deir Jassin wurde in dem Krieg zwischen Juden, Arabern und Briten im Mandatsgebiet Palästina fast einen Monat vor der Gründung Israels ein Wendepunkt. In Deir Jassin, wo die letzten stehenden Häuser im Komplex einer Anstalt für Geisteskranke integriert worden sind, hat die linksgerichtete israelische Organisation „Zochrot“ einen Gedenkmarsch veranstaltet.

Die historischen Fakten sind durch spätere Mythen  und Propaganda überschattet worden. Die Zahl der Todesopfer schwankt je nach Quelle zwischen 80 und 250. Neben muslimischen Arabern kamen auch vier jüdische Kämpfer ums Leben und 35 wurden verletzt, was auf bewaffneten Widerstand hindeutet. Ausgerechnet eine Studie der palästinensischen Bir Zeit Universität aus dem Jahr 1988 reduzierte die Zahl der arabischen Todesopfer auf 107.

Gemäß zeitgenössischen Berichten hatte die Nachricht von dem Massaker in Deir Jassin eine fatale Wirkung auf die arabische Bevölkerung in jenem Gebiet, in dem wenig später der jüdische Staat entstehen sollte. Mit dem Ruf „Deir Jassin“ auf den Lippen seien Hunderttausende geflohen, aus Haifa, Jaffo, Ramle und anderen Städten. Hazem Nusseibi und Hussein Khalidi vom „Hohen Arabischen Rat“ bereuten später, grausame Details des Massakers mit entsprechenden Übertreibungen veröffentlicht und so eigenhändig die arabische Bevölkerung (heute würde man sagen, die „Palästinenser“) in Panik versetzt und zur Flucht veranlasst zu haben. Die Folge ist das bis heute ungelöste Problem der palästinensischen Flüchtlinge, mitsamt ihren Nachkommen inzwischen über 5 Millionen Menschen.

Während die palästinensische Propaganda dieses Massaker bis heute nutzt, um „die Zionisten“ als Massenmörder abzustempeln, die Legitimität des Staates Israel in Frage stellt und den „jüdischen Kolonialisten“ eine „ethnische Säuberung“ Palästinas vorwirft, werden nirgendwo Zahlen zu den tatsächlich getöteten Arabern während der Wirren von 1948 veröffentlicht. Es wird immer nur von etwa 450 arabischen Dörfern geredet, die Juden zerstört hätten. Von den rund 700.000 „ins Exil“ getriebenen arabischen Flüchtlingen aus Palästina, ist zudem die Mehrheit im Land geblieben, in bis heute bestehenden Flüchtlingslagern in Gaza, bei Bethlehem, Ramallah, Jericho und anderen Städten im Westjordanland. Überhaupt kein Thema bei diesem Narrativ ist die Vertreibung von etwa einer Million Juden aus der gesamten arabischen Welt, die sich infolge des Massakers angeblich gezwungen sah, mit Krieg den Staat Israel auszulöschen.

Einen Tag vor dem Massaker, am 8. April, hatten die Juden einen entscheidenden Sieg erlangt, indem sie am „Kastel“, wenige Kilometer westlich von Deir Jassin, einen strategischen Stützpunkt der arabischen Rebellen eroberten und dabei den Befehlshaber des arabischen Aufstandes, Abdul Kader Husseini, töteten. So war Deir Jassin das einzige arabische Dorf, das die einzige Verbindungsstraße von Tel Aviv zum belagerten Jerusalem beherrschte.

Da die Bewohner von Deir Jassin gute Beziehungen mit ihren jüdischen Nachbarn pflegten und einen Nicht-Angriffspakt geschlossen hatten, bestand kein echter Grund, das Dorf zu attackieren und auszuradieren. Dennoch haben es die beiden großen jüdischen „Terror-Organisationen“ getan, wobei der Irgun damals unter dem Befehl des späteren Ministerpräsidenten Menachem Begin stand,

Die „Hagana“, aus der die israelische Armee hervorgegangen ist, übte scharfe Kritik an dem Massaker, weil es die Ehre und den Ruf der jüdischen Kämpfer besudelt hätte. So markierte Deir Jassin auch einen Wendepunkt in der Geschichte Israels. Im Juni 1948 gab Ministerpräsident David Ben Gurion deshalb den Befehl, vor der Küste von Tel Aviv das Schiff Altalena zu versenken. Es sollte der Untergrundorganisation Irgun geschmuggelte Waffen bringen. Fortan sollte es nur noch eine Armee unter Regierungsbefehl geben und keine unberechenbaren bewaffneten Milizen mehr.

In vielen arabischen Ländern stellen „bewaffnete Arme von Parteien“ und Milizen deren Souveränität und Berechenbarkeit ernsthaft in Frage. Die Hisbollah im Libanon, die El Aksa-Brigaden der Fatah Partei im Westjordanland, die Hamas im Gazastreifen, die Rebellen in Syrien, El Kaeda in Ägypten, Libyen und Mali sind nur Beispiele für bürgerkriegsähnliche Zustände, die in Israel infolge des Deit Jassin Massakers mit dem Versenken der Altalena beendet worden sind.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com