Der Krieg mit toten Kindern

In Afghanistan haben australische ISAF-Soldaten „versehentlich“ zwei Kinder getötet, nachdem sie auf „vermeintliche Aufständische“ in der Provinz Urusgan das Feuer eröffnet hatten. Das berichtete die französische Agentur afp und wurde prominent zum Beispiel in „Die Welt“ abgedruckt. Abgesehen davon, dass der Tod von zwei unschuldigen Kindern eine Tragödie ist, verfolgt dieser Bericht auch eine politische Absicht: Stimmung gegen den NATO-Einsatz am Hindukusch zu machen…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 3. März 2013

Das fällt auf, nachdem die UNO-Flüchtlingshilfe-Organisation UNWRA vor ein paar Tagen ebenfalls ein totes Kind für seine Zwecke missbraucht. Die UNWRA kümmert sich allein um „Araber aus Palästina“, also palästinensische Flüchtlinge, im ganzen Nahen Osten. In einer herzzerreißenden Pressemitteilung geht es um ein totes Kind, Basem al-Hindi, 14 Jahre alt, vor der Tantouri-Schule in Damaskus von Splittern einer Granate tödlich getroffen. Dabei wurden nach Angaben der UNO auch ein syrischer Mann und seine zwei Töchter getötet. Da die aber keine palästinensischen Flüchtlinge unter der Obhut der UNWRA sind, ist die Nennung ihrer Namen offensichtlich irrelevant. Und da die UNO im Bürgerkrieg in Syrien „Neutralität“ bewahrt, wird nicht einmal angedeutet, wer die tödliche Granate abgeschossen haben könnte.

Der Grund für diese ebenso herzzerreißende Beschreibung des Todes eines Kindes per Pressemitteilung findet sich am Ende des Textes: die Hand aufhalten für Spenden, um weitere Projekte der UNWRA zu finanzieren. Es sei hier festgestellt, dass bei dem Bürgerkrieg in Syrien inzwischen etwa 90.000 Menschen getötet worden sind, darunter auch zahlreiche Kinder durch Autobomben oder willkürlich bombardierte Wohnviertel. Doch für die interessiert sich niemand in der Welt.

Fotos toter Kinder sollen die Emotionen anrühren. Und so hat Paul Hansen, Fotograf der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter, den diesjährigen Preis für das Welt-Pressefoto gewonnen. Auf dem nachweislich mit Photoshop geschönten Foto ist das Begräbnis von zwei toten palästinensischen Kindern im Gazastreifen zu sehen, deren Leichen in Tüchern mit offenen Gesichtern von Männern durch eine enge Gasse getragen werden. Die Kleinkinder sind im vergangenen November selbstverständlich bei einem israelischen Luftangriff getötet worden, so die palästinensischen Angaben. Wären sie durch eine Bombe der Hamas-Organisation um Leben gekommen, hätte Hansen das Begräbnis mutmaßlich nicht einmal fotografieren können. Denn nicht die toten Kinder sind relevant, sondern deren Verwendung für Propaganda. Ein Jury-Mitglied hatte treffend gesagt: „Die Stärke des Bildes liegt im Kontrast zwischen der Wut und Trauer der Erwachsenen und der Unschuld der Kinder.“ Doch diese „Wut und Trauer“ darf natürlich nur in die Welt getragen werden, wenn es dafür auch den richtigen Schuldigen gibt, in diesem Fall Israel. Niemand hätte sich für das noch so starke Bild interessiert, wären die Kleinkinder eines natürlichen Todes oder an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben.

Hansen hatte ein Jahr zuvor schon einen anderen Preis in Schweden gewonnen, für das Bild eines toten Mädchens nach dem Erdbeben auf Haiti. Das Mädchen hatte offenbar geplündert und war von der Polizei erschossen worden. Ein Dutzend Fotografen hatten das am Boden liegende tote Mädchen fotografiert. So ist leicht zu erkennen, wie es mitsamt ihren gestohlenen Gemälden in „Pose“ gelegt worden ist, um eine gutes „Motiv“ abzugeben.

 (C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

109 Kommentare zu “Der Krieg mit toten Kindern

  1. Ach ja, unsere selbsternannten „Israel-Experten“, mit ihrer obsessiven Beschäftigung bzgl. der „bösen israelischen Regierung“. Alles ziemlich psychologisch und politisch leicht durchschaubar und langweilig, dieses Mantra.
    Man schaue sich die empirischen Befragungen unter arabischen Israelis an, in welchem Land sie nach einer Zwei-Staaten-Lösung leben möchten:
    http://test.hagalil.com/2011/05/05/ostjerusalem-2/

    Zu den arabischen Parteien findet sich hier auf haGalil u.a.

    http://test.hagalil.com/israel/politik/wahlen/2003/parteien-arabische.htm

    http://test.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=2200

    http://test.hagalil.com/2013/02/09/araber-5/

    http://test.hagalil.com/2012/02/01/arabisch-israelischer-stolz/

    http://test.hagalil.com/2011/11/15/arabisch/

    http://test.hagalil.com/2010/03/25/arabische-ordinaria/

    Zur Erinnerung: Zur Verurteilung Mosche Katzavs vermerkte haGalil: „Die Urteilsverkündigung wurde vom Richter George Kara, einem arabischen Christen, im Saal 606 des Tel Aviver Bezirksgerichts verlesen…
    http://test.hagalil.com/2011/03/22/katzav-5/

  2. Fairness @efem

    hab mich schon gewundert. Aber ist es oft nicht schwer, stringent bei seiner Haltung zu bleiben, wenn es so viele Nebenaspekte gibt? Ich kann auch emotional zurückrudern, wenn ich furchtbare Attentate auf israelische Kinder lesen muss und frage, was hat das noch mit einem „gerechten Krieg“ der Hamas zu tun?

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