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Der Papst und die Juden

Kein anderer Papst hat so viele Synagogen besucht wie Benedikt XVI. Er hat die jüdisch-katholischen Beziehungen auf präzedenzlose Ebenen gehoben. Das schrieb Ronald Lauder, Präsident des jüdischen Weltkongresses, kurz nach der Rücktrittserklärung des deutschen Papstes. Lauder lobte Ratzinger dafür, den Beziehungen eine „solide theologische Basis gegeben und sie mit Inhalten und Leben gefüllt zu haben“…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 11. Februar 2013

Josef Ratzinger ist 2005 dem polnischen Papst Karol Wojtyla gefolgt, der zusammen mit Juden in Polen aufgewachsen war, den Holocaust teilweise miterlebt und bei seinem Besuch in Israel im Millenniumsjahr sogar Klassenkameraden und eine Jüdin wieder getroffen hatte, der er als junger Priester das Leben gerettet hat. Auch Benedikt hat Israel besucht und so ein Zeichen zu der Bedeutung des Heiligen Landes und guter Beziehungen mit dem jüdischen Staat gesetzt hat.

Lauder erwähnte, dass Ratzinger Holocaustleugner wie Bischof Richard Williamson nicht geduldet habe.

In den elektronischen Medien Israels war der vorzeitige Rücktritt des Papstes stundenlang der Aufmacher, obgleich die Mehrheit der Israelis jüdisch und nicht christlich ist. In Rundfunk und Fernsehen waren die ersten Kommentare durchweg positiv, obgleich auch auf die großen Probleme hingewiesen worden ist, die Benedikt hinterlasse, darunter Missbrauchs-Skandale und eine zunehmend sekuläre Welt, wogegen die katholische Kirche einen verlorenen Kampf führe. Im Fernsehen wurde hervorgehoben, dass die von Papst Benedikt initiierte Heiligsprechung seines Vorgängers Pius XII die jüdisch-katholischen Beziehungen in eine Krise gestürzt hätten. Pius XII war Papst in der Nazizeit. Bis heute ist umstritten, ob er Juden geholfen habe, wie der Vatikan behauptet, oder widerstandslos und wissentlich die Juden in den Tod schicken ließ. Noch immer sind die kritischen Dokumente in den Vatikan-Archiven den Forschern nicht zugänglich.

Bis heute ist eine Wandtafel im Holocaust-Museum Jad Vaschem zu dem umstrittenen Papst Pius XII ein Streitapfel, der zu diplomatischen Verwicklungen geführt hat. Unter einem Bild von Pius XII inmitten von Fotos aus Auschwitz wird angedeutet, dass die katholische Kirche zu dem Massenmord an den Juden geschwiegen habe.

Extrem unfreundlich reagierte die linksgerichtete Zeitung Haaretz auf den Abgang des Papstes. In ihrer elektronischen Ausgabe titelte sie: „Auf dem erzkonservativen Papst Benedikt XVI lasteten die Sünden seiner Vorgänger“. Weiter schrieb das vormals angesehene israelische Blatt: „Benedikt wurde Opfer von Kritik für eine lange Liste realer und imaginärer Versäumnisse. Aber fast alle stammten noch von seinem populären Vorgänger, dem medialen Superstar Johannes Paul II.“

Unter einem Foto des Papstes an der Jerusalemer Klagemauer zollt die Zeitung dem Papst gleichwohl Respekt, rechtzeitig abgedankt zu haben. Das sei ein Zeichen „für die Integrität Joseph Ratzingers“.

Haaretz erinnerte auch daran, dass Vorgänger Wojtyla den Kommunismus und die Nazis bekämpft habe, während Ratzinger doch Hitlerjunge und Kindersoldat bei der deutschen Luftwaffe gewesen sei.

Heftige Kritik äußerte die Zeitung an der Wiedereinführung der Tridentinen-Messe mitsamt dem Gebet, die „Herzen der Juden zu erleuchten, Jesus als ihren Erlöser anzuerkennen“.

Rabbi David Rosen, der wie kein anderer Israeli den Vatikan und auch Papst Benedikt XVI persönlich kennt, erklärte laut Haaretz: „Er setzte den Weg seines Vorgängers fort, der einen Durchbruch in den Beziehungen zwischen dem Vatikan, dem jüdischen Volk und dem Staat Israel vollbracht hat. Doch (Ratzinger) hatte Probleme mit PR und nicht die Fähigkeit, seinen konservativen Aktionen ein Lächeln aufzusetzen. Das hat seine Papstzeit dramatisch beeinflusst.“

Die konservative Jerusalem Post zitierte unter einem Bild des Papstes, wie er Staatspräsident Schimon Peres küsste, den israelischen Oberrabbiner Jonah Metzger mit den Worten: „In seiner Amtszeit hat es die besten Beziehungen jemals zwischen der Kirche und dem Oberrabbinat gegeben. Wir hoffen, dass dieser Trend weitergeht.“ Weiter zitierte ein Sprecher den Oberrabbiner: „Ihm gebührt viel Anerkennung, weltweit die interreligiösen Verbindungen zwischen Judentum, Christentum und Islam gefördert zu haben.“

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com