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Nahost-Vorausblick auf 2013

Seit zwei Jahren gedeiht der „Frühling“ im Nahen Osten. Ob in Tunesien, Libyen, Jemen, Bahrein und Ägypten die Revolutionen tatsächlich abgeschlossen sind, ist ebenso ungewiss, wie die Zukunft in Syrien, Irak oder Iran…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 18. Dezember 2012

Die vermeintliche „Stabilität“ im Königreich Jordanien, im Libanon, im Westjordanland oder im Gazastreifen kann niemand garantieren. Erste Symptome für typische Frühlingskrankheiten wurden schon ausgemacht. Denn der Frühling ist höchst ansteckend, breitet sich wie ein Krebsgeschwür aus und ist mit den konventionellen Arzneien wie Schuldzuwendungen gegen Israel und seine Siedlungspolitik nicht mehr zu behandeln.

Mit den politischen Umwälzungen geht auch ein wirtschaftlicher Niedergang einher, in Ägypten wegen Ausbleiben der Touristen, in Syrien wegen Bürgerkrieg, im Iran wegen Sanktionen. Das färbt auf die ganze Region ab.

In Israel stehen Neuwahlen an. Es wird viele neue Gesichter geben, aber grundsätzlich ist kein tiefgreifender Wandel vorherzusehen, gleichgültig wer die künftige Koalitionsregierung bildet. Während rundum alles brennt, werden weder Israel noch die Palästinenser dramatische Schritte in Richtung Frieden tun können, mangels Vertrauen und weil die Gesamtlage zu viele Risiken für alle Beteiligten birgt.

Ohne die Entwicklungen in Syrien und Ägypten, oder in Jordanien, Libanon und den Palästinensergebieten voraussehen zu können, gibt es Brennpunkte, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Voraussichtlich im Frühjahr wird der kritische „Punkt ohne Rückkehr“ beim Atomprogramm des Iran erreicht. Vor allem die Amerikaner werden dann entscheiden müssen, ob die Welt sich mit einer iranischen Atombombe und Iran als Hegemonialmacht im ölreichen Gebiet des persischen Golfs abfinden kann.

Kriegspotential bietet auch Syrien. Die NATO will die Türkei vor Raketenangriffen schützen. Amerikanische Spezialtruppen stehen bereit,  in Syrien produziertes und eingelagertes Giftgas nicht in „in falsche Hände“ fallen zu lassen. Millionen syrische Flüchtlinge setzen alle umliegenden Länder unter Druck.

Offen ist, ob das islamistische Ägypten weiter die Kraft und den Willen hat, an dem seit 30 Jahren währenden Frieden mit Israel festzuhalten. Anschläge auf Gasleitungen, Terroranschläge entlang der Grenze und der Sturm auf die israelische Botschaft in Kairo waren gefährliche Omen.

(C) Ulrich W. Sahm / hagalil.com