Hin und Her gegenüber dem Iran

Die Sanktionen gegen den Iran werden durch Propagandaauftritte des Regimes, Iran-Reisen und schlampige österreichische Behörden konterkariert…

Von Stephan Grigat, Wiener Zeitung v. 29.10.2012

In der EU hat man sich hinsichtlich des Verhaltens gegenüber dem iranischen Regime offensichtlich für ein klassisches Einerseits-Andererseits entschieden. Einerseits wurden Mitte Oktober weitere Sanktionen beschlossen, die mit dem Verbot des Imports iranischen Erdgases in die richtige Richtung weisen, auch wenn sie alleine das Regime wohl kaum daran hindern werden, sein Nuklearwaffenprogramm fortzusetzen. Andererseits lässt man es aber zu, dass die Ajatollahs ihre Propaganda mitten in der EU verbreiten können, österreichische Behörden schauen weg, wenn das Regime Wien im großen Stil zur Geldwäsche, zur Umgehung der Sanktionen und der Beschaffung von Technologie für das Atomprogramm nutzt, und deutsche Bundestagsabgeordnete hofieren die Machthaber in Teheran ausgerechnet in der jetzigen Situation mit einer Visite im Iran.

Offensichtlich war die jahrelange Reisetätigkeit eines Vertreters des iranischen Zentrums für Innovation und Technologie-Kooperation, das sich aufgrund seiner Verwicklung in das Atomprogramm auf der US-Sanktionsliste findet, den staatlichen Stellen in Österreich bekannt, ohne dass sich jemand dafür interessiert hat. Iranische Oppositionelle haben aufgedeckt, dass er in Österreich ein Netzwerk zur Umgehung der Sanktionen aufgebaut hat. Der Fall zeigt einmal mehr, dass nur ein komplettes Einreiseverbot für alle Vertreter des iranischen Regimes in der EU verhindern kann, dass der Iran Europa weiterhin zur Beschaffung entscheidender Komponenten für sein Atomprogramm und zur Geldwäsche verwendet.

Während oppositionelle Schriftsteller im Iran verfolgt werden, das Kopfgeld auf Salman Rushdie vor wenigen Wochen nochmals erhöht und eine neue Todesfatwa gegen den im Exil lebenden Sänger Shahin Najafi verhängt wurde, konnten sich die Ajatollahs auf der Buchmesse in Frankfurt präsentieren. Wie nun durch das Simon-Wiesenthal-Center bekannt wurde, war auch erstmals der iranische Verlag für „heilige Verteidigung“ vertreten, der in Frankfurt offen antiisraelische Bücher anbot, wie etwa die englische Fassung von „Palästina und das zionistische Regime aus der Sicht des Obersten Geistlichen Führers“, also aus der Sicht von Ali Khamenei, der erst vor kurzem seine Perspektive auf Israel nochmals ganz unmissverständlich kundgetan hat: Israel sei ein „Krebsgeschwür, das herausgeschnitten werden muss und herausgeschnitten werden wird“.

Die Reise deutscher Abgeordneter von SPD, CDU und Liberalen in den Iran, die dabei unter anderem dem Holocaust-Leugner Mohammad Javad Larijani die Hand schütteln werden, muss den mittlerweile weitgehend isolierten Machthabern in Teheran wie ein Geschenk vorkommen. Schon in der Vergangenheit wurden solche Visiten von der regimetreuen Presse als großartige Propagandaerfolge bejubelt, die beweisen würde, dass das Regime in Teheran mit seiner Politik unbeirrt fortfahren könne. Das wird diesmal nicht anders sein.

Alle diese Fälle zeigen, dass einige in Europa immer noch nicht verstanden haben, wie ernst die Gefahren sind, die vom iranischen Regime ausgehen.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und Mitherausgeber von „Iran im Weltsystem„.

5 Kommentare zu “Hin und Her gegenüber dem Iran

  1. @urmian: „Was könnte ich von ihnen lernen, das wahrhaftig und menschlich wertvoll wäre“?:

    Man sollte Menschen nicht an Baukränen öffentlich erhängen, man sollte Kindern keine Paradiesschlüssel um den Hals binden und in Minenfelder schicken, man sollte Menschen nicht steinigen, man sollte keinen anderen Völkern und Menschen die Vernichtung androhen, finanzieren und Selbstmord heiligen. Es gäbe noch viel mehr zu sagen, wäre aber anscheinend sinnlos, wobei die urmians doch eigenlich mehrheitlich christlich sind.

  2. Hin und Her gegenüber dem Iran von Stephan Grigat , Wiener Zeitung 29.10.2012
    Stephan Grigat, ein Lehrbeauftragter an der Universität Wien und Mitherausgeber von “Iran im Weltsystem“ schreibt: Die Sanktionen gegen den Iran werden durch Propagandaauftritte des Regimes, Iran-Reisen und schlampige österreichische Behörden Konterkarier. Das ist für einen Lehrbeauftragten und Mitherausgeber der “Iran im Weltsystem“ eine maliciouse Kommentar und ihre Darstellungen sind in Ihrem Beitrag sehr propagandistisch formuliert. Dass sie die Vertretung des iranischen Verlags für die heilige Verteidigung islamischen Heiligtümer in Frankfurt kritisieren, wie der Simon-Wiesenthal-Center die englische Fassung von “Palästina und das zionistische Regime aus der Sicht des Obersten geistlichen Führers“. Das beweist ihre inhumane maliciouse Einstellung zu Frieden, Freiheit und das Recht der Völker. Sie Schließen ihre Augen vor den nackten Tatsachen, dass die Israeli kein friedliches Volk ist und seit 64 Jahren (seiner Gründung) Krieg führt, das Volk Palästina abschlachtet wie ein Tier und das Territorium seinen Nachbar-Staaten besetz um jüdische Siedlungen zu bauen. Damit sie die offensichtlichen sozialen Unruhen in Israel zu deeskalieren und die Macht der israelische Führung zu sichern. Sie machen die drei Affen, nichts sehen, nichts hören und auch nichts sagen. Nur aus Höflichkeitsgründen vermeide zu sagen: „Sie sind eine Affe“ Da bleibt zum Abschluss nur noch eine einzige Frage offen: „Was könnte ich von ihnen lernen, das wahrhaftig und menschlich wertvoll wäre“?

  3. Sehr geehrter Herr Grigat,

    Der unbekannte Vorkommentator ist ein Schah-Anhänger von der Seite Iran-Now -Net, das für seine antijüdischen Hetztiraden bekannt ist.

    Nach Meinung dieses Menschen haben Israelis, und mit Ihnen der Westen, den Sturz des „arischen Lichtes“ bewerkstelligt und dabei die iranische Bevölkerung hinters Licht geführt. Auch die Folterexzesse in den iranischen Gefängnissen ist nicht etwa das Werk des Schahs oder der Mullahs gewesen. Nein, es ist der Mossad, der die Pasdaran in Foltertechniken ausgebildet hat.

    Zu guter Letzt behauptet er und viele aus dieser Community von Schah-Anhängern und Islamisten, dass der Westen an sich degeneriert sei und sowohl Demokratie als auch Gewaltenteilung, westliche Exporte, die den Iran nur schaden.

    Daher gilt es sowohl der Demokratie als auch den Liberalismus den Kampf anzusagen, denn das eine ist die Ausgeburt von den „beiden besoffenen Idioten Platon und Sokrates“ und das andere „eine Ideologie“, mit dessen Hilfe die ganze Welt unterworfen und kolonialisert werden soll.

    Die Verantwortlichen dieser Community identifizieren sich so sehr mit diesen Thesen, dass die entsprechenden „Artikel“ auf der Hauptseite veröffentlicht wurden.

    Die Sanktionen sind übrigens sinnvoll und eine lange Forderung der iranischen Opposition UND Exilgemeinde, die seit über 30 Jahren dafür plädiert die Mullahs zu sanktionieren.

    Der Schulterschluss zwischen Schaholahis und Regime-Anhänger, die in Israel den Kriegstreiber sehen und Sanktionen unter allen Umständen ablehnen ist übrigens nicht weiter erstaunlich, wenn man den Worten ihres arischen Führers genau zuhört.

  4. Verehrter Herr Grigat,

    für einen Lehrbeauftragten und Mitherausgeber sind die Darstellungen in Ihrem Beitrag sehr propagandistisch formuliert.

    Die Islamische Republik mordet seit 33 Jahren und zu keinem Zeitpunkt hat diese Tatsache irgendjemand in der Welt interessiert. Aber nunmehr werden Sanktionen gegen den Iran aufgrund des vermeintlichen iranischen Atomprogramms beschlossen? Einer, der sich mittelmäßig mit Iran auskennt, weiß, dass die Sanktionen nicht die Machthaber treffen, sondern die Menschen. Und dass der Holocaust kein iranisches sondern ein europäisches bzw. deutsches Problem ist. Denken Sie als Lehrbeauftragter wirklich, dass Sanktionen, die die Menschen treffen, zu rechtfertigen sind? Ist also das Leben eines jüdischen Menschen mehr Wert als das Leben eines Iraners? Haben Sie als Lehrbeauftragter mal überhaupt beim Verfassen Ihres Artikels nachgedacht? Haben Sie überhaupt irgendwelche Nachforschungen über die Ereignisse und Zusammenhänge angestellt? Oder sind Sie einfach mal auf dem Zug aufgesprungen?

    Bevor Sie in Zukunft weitere Bücher verfassen und als Lehrbeauftragter fungieren, sollten Sie wissen, dass die Islamische Republik seit 33 Jahren gegen Israel wettert, der Begründer Ayatollah Khomeini rief beim ersten Golfkrieg (und damit meine ich den Krieg zwischen Irak und Iran. Vielleicht kennen Sie ja nur den Krieg der USA gegen Irak) den iranischen Soldaten, der Weg nach Jerusalem gehe über Karbela (ist eine Stadt im Zentrum des Irak, schiitischer Pilger-Ort). Bis dato hat es keinem interessiert. Auch hat es niemanden interessiert, als tausende Menschen hingerichtet wurden, jugendliche erhängt und Frauen gesteinigt wurden. Sie sind bei allem Respekt ziemlich unglaubwürdig, wenn Sie jetzt den moralischen Menschen spielen wollen!

    Solange Europa nicht die Menschen im Iran miteinbezieht und denkt, man könne mit kolonialistischen Mitteln auf Kosten anderer Menschen Weltpolitik treiben, ist man auf dem Holzweg!

    Gruss

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