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Für Freunde der unabhängigen israelischen Filmszene

Mit dem „Israel Film Festival Berlin“ feierte das erste unabhängige Filmfestival in Berlin einen erfolgreichen Auftakt. Im Gegensatz zum Jüdischen Filmfestival Berlin, das Produktionen aus aller Welt mit jüdischer Thematik zeigt, standen ausschließlich Filme israelischer Regisseure auf dem Programm…

Das erste israelische Filmfestival in Berlin

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Von Ayala Goldmann

Sie sind jung, schwul und Palästinenser, und ihr Leben ist die Hölle. Louie, Abdu und Faris sind aus dem Westjordanland nach Tel Aviv geflohen – vor ihren Familien und der palästinensischen Polizei. In dem neuen Dokumentarfilm von Yariv Mozer, der jetzt am Wochenende beim Israel Film Festival in Berlin gezeigt wird, berichtet Abdu nicht nur von Diskriminierung, sondern von Folter: Seine Verwandten denunzierten ihn als schwul. Das lieferte den Beamten der palästinensischen Autonomiebehörde den Anlass, dem jungen Mann Kollaboration mit Israel vorzuwerfen. Sie hielten Abdu stundenlang fest, schlugen ihn und steckten seinen Kopf in eine Toilette. Louies Vater flippte aus, als ihm Bilder seines Sohnes mit einem Mann im Bett zugespielt wurden: Er ging mit einem Messer auf Louie los, der bis heute eine riesige Narbe im Gesicht trägt. Auch der Vater von Faris drohte seinem homosexuellen Sohn mit dem Tod.

Drei junge Männer in einer gefährlichen Situation, die trotz allem versuchen, Liebe und Geborgenheit zu finden: In Tel Aviv schlagen sie sich ohne Aufenthaltserlaubnis durch, jobben in Restaurants und leben abends in der Schwulenszene auf. Doch schließlich entscheiden sie sich dafür, ihre Heimat zu verlassen: Sie stellen einen Asylantrag nach Europa, weil Israel ihnen keine Zuflucht gewährt. Michael Höfner, Mitorganisator des Israel Film Festivals Berlin:

„Ein außergewöhnlicher Film ist „The Invisible Men“; der beschreibt das Schicksal von drei schwulen Palästinensern, die die Westbank verlassen und sich bis zu zehn Jahre in Tel Aviv verstecken, illegal aufhalten, und dann ausreisen können. Es ist ein sehr kontroverses Thema, ein starker Film, der große Aufmerksamkeit verdient.“

Produktionen mit schwul-lesbischen Themen sind einer der Schwerpunkte beim Israel Film Festival Berlin. Einer der Mitorganisatoren ist Jürgen Brüning, der auch das Schwullesbische Filmfestival in Berlin mitbegründet hat.

Gezeigt werden jetzt auch eine Reihe von dezidiert politischen Filmen. Darunter „Testimony“ von Shlomi Elkabetz – ein Film, in dem es um gegenseitige Angriffe von Israelis und Palästinensern aufeinander während der zweiten Intifada geht. Die Zeugenaussagen werden abwechselnd von jüdischen und arabischen Schauspielern rezitiert.

Als künstlerischer Berater des Berliner Festivals fungiert Yair Hochner, gemeinsam mit der israelischen Filmemacherin Anat Even. Auf Förderung durch die israelische Botschaft oder das Auswärtige Amt haben die Organisatoren bewusst verzichtet. So entstand ein wild gemischtes Programm – bis hin zur Zombie-Satire im Militärlager. Was allerdings fehlt, sind die schönen und emotionalen israelischen Spielfilme, die zuletzt auf den Festivals von Cannes, Berlin und Venedig ausgezeichnet wurden. Jürgen Brüning:

„Das Land Israel hat mit bestimmten Filmen in den letzten Jahren sehr starke Aufmerksamkeit und Festivalerfolge erzielt, aber die zeigen ja nur einen ganz kleinen Ausschnitt des Filmschaffens in Israel, den wir nicht in unserem Festival zeigen, weil diese Filme ja schon auch die Möglichkeit haben, gesehen zu werden, weil sie einen Verleih finden.“

So wie „Ha-Shoter“ oder „Policeman“, der Eröffnungsfilm des Festivals gestern Abend. Die Produktion von Nadav Lapid wurde beim Filmfestival in Locarno ausgezeichnet und kommt nächste Woche in verschiedene Programmkinos in Berlin, Hamburg, Frankfurt und andere Städte. Ein Film, der in seiner Spannung und kalten Ästhetik der US-Fernsehserie „24“ nachempfunden wirkt. Im Mittelpunkt stehen israelische Polizisten einer Anti-Terror-Einheit, die jüdische Terroristen daran hindern sollen, drei von ihnen entführte Multi-Millionäre umzubringen. Ursprünglich angelegt als Science-Fiction-Film, zeichnet der Film das düstere Bild einer israelischen Gesellschaft, in der es nur um Macht, Machotum und Geld geht.

„In den israelischen Medien wurde mein Film als „prophetisch“ bezeichnet. Das ist natürlich Quatsch, denn ich habe schon 2005 über den Film nachgedacht. Aber es stimmt, dass im Herzen der israelischen Gesellschaft eine große Ungerechtigkeit existiert. Und ich als Künstler habe mir einfach vorgestellt, was passieren würde, wenn jemand aufstehen und etwas dagegen unternehmen würde. Und als dann die Demonstrationen begannen, hatte ich das Gefühl, dass die Realität zum Set meines Filmes geworden ist.“

„Es ist auch eine deutsche Geschichte. Der Regisseur hat seine Anregungen, wie er sagt, in Berlin bekommen, weil er vor fünf Jahren in einer Ausstellung bei den Kunstwerken war, die sich mit dem Baader-Meinhof-Komplex beschäftigt hat.“

Das Kreuzberger Kino Moviemento mit seinen 300 Plätzen war gestern Abend fast ausverkauft. „Policeman“ lief in drei Sälen gleichzeitig. Ein erfolgreicher Auftakt für das erste unabhängige Filmfestival in Berlin.

Weitere Informationen:
Homepage des Israel Film Festival Berlin