Anti-israelische Störung bei Konzert in Berlin

„Raus, Raus. Bitte gehen Sie“, rief aufgebracht eine ältere grauhaarige Frau, als pro-palästinensischen Aktivisten in Berlin am vergangenen Donnerstag ein Spendenkonzert des Jüdischen Nationalfond (JNF) gestört hatten. Der Vorfall wurde erst jetzt durch Berichte in zwei israelischen Zeitungen bekannt und bisher von keinem deutschen Medium aufgegriffen…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 8. Oktober 2012

Eine Gruppe von etwa 20 pro-palästinensischen Aktivisten mit roten T-Shirts mit der Aufschrift „Viva Palästina“ hatten ein Konzert des israelischen Givatron-Kibbuz Chores mit lauten Schreien, Spruchbändern und hoch gehaltenen Plakaten gestört. Dabei wurden sie auch handgreiflich. Das Konzert hatte der Jüdische Nationalfond organisiert, um Spenden zu sammeln. Die Aktivisten, darunter Palästinenser, Iraner, ein Spanier und zwei Israelis riefen auf Englisch: “Vom (Jordan-) Fluss und bis zum (Mittel-) Meer wird Palästina frei sein.” Auf einem Spruchband bezichtigten sie den Jüdischen Nationalfond der „ethnischen Säuberung“.

Der Jüdische Nationalfond, schon 1901 gegründet und in Israel „Keren Kajemet LeIsrael“ genannt, sammelt weltweit Gelder und ist federführend bei der Wiederaufforstung Israels. Der JNF kann als die größte israelische Umwelt-Organisation bezeichnet werden, zumal sie sich um die Konservierung von Wasser und Wüstenbekämpfung kümmert und erzieherische Projekte durchführt.

Bei dem gestörten Konzert des Kibbuzchores hatte einer der Aktivisten gefilmt und seine Dokumentation bei Youtube ins Internet hochgeladen. Dabei sind auch Wortwechsel zwischen den Veranstaltern und Demonstranten  bruchstückhaft zu hören. „Ich störe doch nicht“, sagte eine junge Frau im roten T-Shirt, während ein Veranstalter ihr auf Hebräisch erwidert: „Schämt Ihr Euch nicht, in so eine Veranstaltung einzudringen. Dafür könntet Ihr ins Gefängnis geschickt werden.“ In der letzten Szenen greift einer der Aktivisten vor dem Verlassen des Saales eine israelische Flagge und Spendenbüchsen des JNF und wirft sie auf den Boden.

Zu dem Film haben die Demonstranten der Organisation „Direct Action Berlin“ auch ein Pamphlet veröffentlicht. Darin wird der JNF als „ältestes und effektivstes Instrument zionistischer Apartheid und Unterdrückung in Palästina´“ bezeichnet, durch die Gründung „illegaler Siedlungen“ und durch „ausbeuterisches Aufkaufen von Land der Einwohner“. Der JNF sei das „ausführende Organ der rassistischen Politik Israels gegen Nicht-jüdische Menschen in seinem Territorium“.

Weiter heißt es dort, dass die Gruppe „aus Solidarität Widerstand leiste, wenn eine solche Organisation gelobt und gepriesen“ werde. Der Widerstand sei „symbolisch und gewaltlos“ gewesen, gegen eine „aktive Beteiligung an Kriegsverbrechen und illegale Apartheid“ (womit das Konzert gemeint ist!). Die Aktivisten beklagen sich, von den Konzertgängern „brutal angegriffen“ worden zu sein und später von „Geheimagenten“ der Berliner Polizei „festgenommen und wie Kriminelle“ behandelt worden zu sein. Das habe wieder einmal bewiesen, dass der Staat Israel „und seine deutschen Verbrechenspartner“ unfähig seien, mit „gewaltlosem Widerstand“ umzugehen.

Auf Facebook bezeichnet sich die Gruppe als „Linksextremistische Politische Organisation“ und wurde nach eigenen Angaben am 10. September 2012 gegründet.

Yoel Parnass, der Chormanager, erklärte gegenüber der Zeitung Jediot Achronot, dass die Aktivisten ein „großes und sehr lautes Durcheinander“ verursacht hätten. Die Chormitglieder seien „sehr verwirrt“ gewesen, denn derartiges sei ihnen seit dem 65-jährigen Bestehen ihres Chores zum  ersten Mal passiert. Nach etwa 10 Minuten, so die Zeitung, hätten örtliche Ordner die Aktivisten des Saales verwiesen. „Es war alles ziemlich beängstigend und sehr peinlich für die Saalbetreiber, die uns sehr freundlich empfangen hatten“, sagte Parnass. Das Konzert konnte nach dieser Störung fortgesetzt werden.

Jüdische oder israelische Kulturveranstaltungen wurden in letzter Zeit immer häufiger gestört, darunter in den USA, in England und in Hannover, wo eine jüdische Tanzgruppe mit Steinen beworfen worden ist.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

80 Kommentare zu “Anti-israelische Störung bei Konzert in Berlin

  1. Zu Günter Grass, der einem schon leid tun kann – da ruiniert jemand systematisch sein Lebenswerk.
    Michael Wulinger beendet seinen kleinen Einwurf zu einem weiterenb Spätwerk von Grass (die Tinte ist ihm doch noch nicht ausgegangen – Gott sei gedankt!) mit der Bemerkung: „Grass aber bringt den literarischen Antisemitismus in Verruf“:

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/14190

    lisa freuntlich sei herzlich gedankt für ihre treffenden, abgeklärten Formulierungen. Ein Lichtblick.
    Der Dame G. und dem Herrn S., beide tapfer-obsessive Kämpfer gegen das Böse, sei beigepflichtet:
    „Es ist an der Zeit, dass die Juden in Deutschland endlich mal objektiv informiert werden.“ Und: „Man sollte (…) aber noch hinzufügen, dass es auch noch anständige Zionisten gibt.“ Und: „Sie wollten von mir hören, was ich mit dem Begriff aufgeklärte Deutsche meine.“
    In der Tat: Die Übergriffe von den hier lebenden zehn Millionen Juden gegen wehrlose Deutsche Bürger haben in erschreckendem Ausmaß zugenommen. Sie stören andauernd deutsche und palästinensische Kulturereignisse, attackieren deutsche Chöre, brüllen palästinensische Sänger in Bonn und Berlin nieder, organisieren Kampagnen gegen deutsche Umweltschutzinitiativen… Nichts hat sich gebessert. Nichts. Wir leben in finsteren Zeiten.
    In Frankreich ist es wohl noch ärger:

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/14199

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/14200

  2. lisa freuntlich Sie bringen es auf den Punkt. Der Antisemit/Die Antisemitin will uns glauben machen, man würde in Deutschland (Österreich) Tapferkeit brauchen, um sekundär antisemitisch tätig zu sein. Diese Antisemiten glauben, mit ihrem ignoranten Israelbashing Kritik zu üben.
    Wie oft habe ich hier auf ihre Sachfehler aufmerksam gemacht. Diese nehmen sie nicht zur Kenntnis sondern setzen fort.
    Es ist mühsam und zeitaufwendig den Israelbashern entgegenzutreten. Und doch notwendig.
    Immer wieder muß den Israelbashern die EUMC Definition des Antisemitismus entgegengehalten werden.

  3. @“Fairness“
    Sie gehen auf den Inhalt nicht ein. Wieso Sie ausgerechnet „Lager“(wieso wohl dieser Begriff?) als vermeintliches Gegenargument anführen, ist mir schleierhaft.
    Sie als Antisemit/In können sich sicherlich nicht vorstellen, dass Nichtantisemiten das was Sie an Juden glauben kritisieren zu müssen, an anderen ebenso kritisieren. Sie kämen gar nicht auf die Idee, sich Gedanken über das wirkliche Elend von realen Flüchtlingen zu machen, weil sie keine Möglichkeit der antisemitischen Projektion entwickeln können.

    Wenn Sie irgendwelche Ungleichbehandlung von Arabern gegenüber anderen Arabern („Lagern“) in den palästinensischen Autonomiegebieten kritisieren wollten, so müssten Sie die Verantwortlichen kritisieren. Die sind nicht in Israel zu suchen. Was kann Israel dafür, dass die palästinensische Verwaltung und die meisten arabischen Staaten Araber nicht gleichbehandelt wenn Vorfahren in der ehemaligen britischen Kolonie Palästina gelebt haben?

    Sie müssten doch über die Lage in Jordanien erfreut sein. Da ist nämlich jeder, der in der ehemaligen Kolonie Palästina gelebt hat sowie seine Nachfahren automatisch Staatsbürger (zur Kolonie gehörten das heutige Jordanien, Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete) – außer er/sie ist Jude/Jüdin. Da ist man nämlich reinlich in den arabischen Staaten. Die sind nämlich um in der Sprache ihrer verleugneten Vorfahren zu bleiben entweder Judenrein oder zumindestens nicht besonder Judenbeschmutzt.

    Dass Sie selbstverständlich die sehr geringe Lebensmittelhilfe an Araber in den Autonomiegebieten kritisieren aber die Apanage-Politik für Terroristenfamilien nicht benennen, wundert mich nicht. Schließlich trauern sie jedem der 1000 Millionen jährlichen Steuereuro der EU, die in die Autonomiegebiete fließen, nach, die nicht für Terrorfinanzierung ausgegeben werden, nicht wahr?

  4. Uri Degania schrieb:
    „Auch in der nächsten Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen findet sich ein Beitrag über antisemitische Kampagnen gegen hiesige jüdische / israelische Kunstaktionen. Ein Trauerspiel deutscher Selbstgerechtigkeit und ein weiterer Beleg für antisemitischen Furor – der sich hinter verbalen Tarnmäntelchen verbirgt.“

    Das ist lobenswert. Es ist an der Zeit, dass die Juden in Deutschland endlich mal objektiv informiert werden über Israel und die Rückwirkungen der israelischen Politik auf das „Jüdische Leben in Deutschland“. Wichtig ist dabei, in der Berichterstattung den mittlerweile fundamental gewordenen Unterschied in der Ethik herauszustellen zwischen der „deutschen Selbstgerechtigkeit“ und der Moral einiger jüdischer Zionisten in Deutschland. Wie sich hier in diesem Fall zeigt: Die meisten Deutschen dürften eine ethnische Säuberung aufgrund der Rassen-, Volks- oder Religionszugehörigkeit der betroffenen Opfer schlimmer finden als das Stören eines Konzertes einer Organisation, die genau sowas mitbetreibt. Dagegen einige jüdische Zionisten hierzulande sehen es genau anders herum, die finden das Stören eines Konzertes schlimmer und antisemitischer als ethnische Säuberung.

    Man sollte in dem Bericht aber noch hinzufügen, dass es auch noch anständige Zionisten gibt, selbst in den höchsten Positionen (wenn auch ausserhalb Deutschlands). Hier zum Beispiel die Stellungnahme des ehemaligen Vorstandsmitglieds des Jüdischen Nationalfond (JNF) Seth Morrison. Der trat im letzten Dezember von seinem Posten als Vorstandsmitglied zurück und kappte alle Verbindungen zum JNF, und zwar mit der Begründung, er könne die Menschenrechtsverletzungen des JNF („the systematic transfer of Palestinian property to ideological settlers who wish to put facts on the ground that hinder a lasting peace agreement“) nicht länger mittragen. Zitat aus seiner Erklärung:
    „I have always supported Israel through organizations like JNF because I believe that the Jewish people have the right to a secure, democratic and peaceful homeland in Israel. And I strongly believe that the Palestinian people have the right to a secure, democratic and peaceful homeland in a neighboring Palestinian state. By supporting right-wing settlers in “Judaizing” Palestinian neighborhoods, JNF makes this vision harder to achieve. I fear that such actions endanger Israel’s future as a secure and democratic state.“
    http://forward.com/articles/147766/jnf-board-member-quits-over-evictions/

    Was der wohl gesagt hätte zu der Störung des Konzertes in Berlin? Als „Judaisierung“ bezeichnet er jedenfalls das, was der JNF betreibt und wogegen nach Meinung eines Uri Degania und anderer nicht durch die Störung eines Konzertes in Berlin protestiert werden darf.

  5. Hallo, liebe Gitte,
    an dem Punkt des vermutlich schwer errungenen “Sieges“ der einstigen “römischen „GSG9″“ über das Königreich JEHUDA nach der Zerstörung des II.Jüdischen Tempel in Jerushalayim – samt all den zahlreich blutig gemordeten UNschuldigen – denke “man“ dabei zum Beispiel an die von “den Römern“ erfundene, weltweit bekannteste – wohl grausamste, weil über mehrere Stunden und Tage hinweg tiefschmerzlich todbringende Hinrichtungsmethode schlechthin – scheint Oberster Befehlshaber und Kaiser offensichtlich einen “sehr schwachen“ Moment geistiger Bereitschaft – geprägt von Bildungsferne – gehabt zu haben (eines der einst existierenden und untergegangenen grössten sog. Weltreiche – sozusagen schillert in wahrer GRÖSSE), “man“ könnte daraus schlussfolgernd konstatieren: “Die Sieger schreiben Die Geschichte“ – sooo UNWAHR und schwachsinnig sie auch immer sein möge – Die konsequenziblen Auswirkungen genau DESSEN dürfen wir noch im Hier u. Heute “bestaunen“! hart und oder fair? Gitte, sollte “man“ dort gewesen sein? r.

  6. Hier noch einmal der Link zu der vorzüglichen Fernsehdokumentation von Hafner über die beiden Terrorattentate in München 1970 und 1972. In ihm vermag man sehr viel über linken Antisemitismus, verleugnende, mörderische „Palästinasolidarität“, historische Blindheit etc. zu lernen:
    http://www.youtube.com/watch?v=wf4nxC19D2c
    Auch in der nächsten Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen findet sich ein Beitrag über antisemitische Kampagnen gegen hiesige jüdische / israelische Kunstaktionen. Ein Trauerspiel deutscher Selbstgerechtigkeit und ein weiterer Beleg für antisemitischen Furor – der sich hinter verbalen Tarnmäntelchen verbirgt.

  7. Man muss schon sehr unterbelichtet und gefühllos sein, um nicht den antisemitischen Furor dieser Person zu spüren. Noch eine Fanatikerin, die hier eine Lebensbeschäftigung „im Kampf gegen das Böse“ sucht – den Juden. Ok, den bösen zionistisch-imperialistischen Staat…

  8. @ Karl Pfeifer:
    Ich empfinde viel Respekt vor Ihnen, da Sie sich die Mühe machen, den antisemitischen Müll mit diffizieler Faktendarstellung, die üblicherweise ignoriert wird, offenzulegen.

    Zu der ständigen Behauptung, dass es mutig sei gegen den dt. Mainstream Israel zu „kritisieren“: Schon die Vorgänger der heutigen Israelkritiker, behaupteten obwohl die Zeitungen voll der antisemitischen Schmähungen waren, dass sie mutig „Judenkritik“ betreiben würden, weil sie ja die Wahnvorstellung reproduzieren mussten, dass die Juden übermächtig und gleichzeitig vernichtenswert seien.

    Die eigene Ohnmacht wird in Juden hineinprojiziert und in eine Vernichtungsabsicht gegen sie gewandelt. Ob es sich um klassische „Judenkritik“ oder die, seit Gründung des jüdischen Staates, zeitgemäße Israelkritik handelt ist dabei unerheblich.

    • Frau Freundtlich.
      Ich bin kein Nachfahre der Damaligen und Sie gehen mit dem Begriff Antisemitisch leichtfertig um, zu leichtfertig.

      Ich kritisiere Lager.

      Im Gaza und in der Westbank. Ich kritisiere, dass die EU ZUR ZEIT 2012 11 Millionen Euro für die Ernährung palästinensicher Kinder in diesen Lagern zur Verfügung stellen muss. Beweisen Sie mir doch das Gegenteil.

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