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Fernsehtipps für Sukkot

Vom 01. bis 15. Oktober 2012…

Mo, 1. Okt · 05:55-06:55 · arte
Darius Milhaud und seine Musik – Aus der Provence rund um die Welt

Darius Milhaud (1892-1974) war einer der bedeutendsten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine ihm eigene polytonale Kompositionstechnik und die südamerikanischen Rhythmen, die er in seine Musik einfließen ließ, machen seine Musik unverwechselbar. Milhaud ist Sohn einer angesehenen jüdischen Familie aus Aix-en-Provence in Südfrankreich. Doch es gab in seinem Leben zahlreiche bedeutende Stationen rund um die Welt, neben Paris vor allem Rio de Janeiro. Auf Einladung von Paul Claudel war er als Kulturattaché an der französischen Botschaft tätig und ließ sich von der brasilianischen Musik inspirieren. In Israel komponierte er die Oper „David“, und als die Nationalsozialisten in Frankreich einfielen, flüchtete er mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten, wo er am Mills College in Oakland eine Kompositionsklasse übernahm. ARTE macht Halt an diesen Stationen und bereist die Städte, die den Künstler in seinen verschiedenen Lebensphasen prägten. Zur Illustration des herausragenden Werks und des ungewöhnlichen Werdegangs von Darius Milhaud suchte die Regisseurin Cécile Clairval-Milhaud die wichtigsten Stationen im Leben des französischen Komponisten auf: die Provence, die als Schauplatz seiner Kindheit prägenden Einfluss auf ihn hatte; Paris, wo ihm seine Werke Erfolge, aber auch Skandale brachten, und wo er mit Jean Cocteau und der „Groupe des Six“ neue Weichen für die Musik stellte. Aber auch Brasilien, das Land, dessen Natur ihn ebenso faszinierte wie die Musik; Brüssel, wo im Théâtre de la Monnaie mehrere seiner Werke uraufgeführt wurden; die Vereinigten Staaten, wo er lange Jahre lebte; Israel wegen jener Werke, für die Milhaud sich von biblischen Texten anregen ließ, wie zum Beispiel von der Oper „David“. Für die musikalische Untermalung sorgen das Philharmonische Bläserquintett Berlin mit „La Cheminée du Roi René“, interpretiert auf dem Festival von Aix-en-Provence, das Ensemble Vocal Français mit einem Rezital in Paris und das weibliche Eclipse Quartet aus Los Angeles mit zwei Quartetten. Viele von Milhauds Opern, etwa „Christophe Colombe“, „Maximilien“ und „Bolivar“, belegen das Engagement des Komponisten für den Freiheitskampf.

Di, 2. Okt · 07:00-07:56 · arte
Morgenland und Abendland, 2/7, Der Siegeszug des einen Gottes

Monotheismus, Grundlagen der Wissenschaft, Bürgerrechte, Justiz, Handelsmärkte und verschiedene Kunstformen – der Mittlere Osten ist die Wiege grundlegender Ideen, die das moderne Weltbild bis heute prägen. Die Dokumentationsreihe erzählt nicht die Geschichte einer Nation oder eines Volkes, sondern die des gemeinsamen Erbes aller Europäer. Auf einer Reise durch die Geschichte von der Antike bis ins 20. Jahrhundert erkundet Regisseur John Fothergrill eine faszinierende Grenzregion zwischen Europa, Asien und Afrika und schildert sieben historische Ereignisse aus der Perspektive des Mittleren Ostens. Der zweite Teil der Reihe schildert die Entstehung der monotheistischen Religionen. Heute bekennt sich ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung zu einem einzigen Gott, seien es Juden, Muslime oder Christen. Die monotheistischen Religionen sind das Ergebnis einer außergewöhnlichen Geschichte, die im Schmelztiegel des Mittleren Ostens ihren Anfang nahm. Zahlreiche geistige wie kriegerische Auseinandersetzungen endeten damit, dass ein einziger Gott über die Vielfalt des antiken Pantheons siegte. In der zweiten Folge der siebenteiligen Dokumentationsreihe „Morgenland und Abendland“ erfährt der Zuschauer alles über die Entstehung, die Entfaltung und die explosionsartige Ausbreitung der jüdischen und christlichen Religionen bis zu ihrem Triumph über das Römische Reich.

Di, 2. Okt · 12:00-13:15 · PHOENIX
THEMA: Jüdisches Leben in Deutschland

Das jüdische Leben und seine Kultur sind lange in Deutschland verwurzelt. Fast 70 Jahre nach dem Holocaust stehen die Beschneidungsdebatte und ein Überfall auf einen Rabbiner in Berlin im Sommer diesen Jahres in der öffentlichen Debatte. Doch wie sieht der Alltag von jüdischen Menschen in Deutschland aus? Welche Traditionen haben sie, wie geht die junge Generation damit um? Wie steht es um den Antisemitismus, mit welchen Anfeindungen sind Juden täglich konfrontiert? Wie sehen das Familienleben und die Aktivitäten in und um die jüdische Gemeinde aus? PHOENIX-Reporter Marlon Herrmann begibt sich auf kulturelle Spurensuche durch das jüdische Berlin, der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands. Er besucht u. a. das Scheunenviertel, das ehemalige jüdische Viertel, wo auch heute wieder viele Buchhandlungen, Restaurants zu finden sind. Mit Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, spricht Herrmann über das Thema Beschneidung und über die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland. Weiter trifft Herrmann die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer und spricht mit ihr über die Verfolgung der Juden in Deutschland. Die 92-Jährige lebte während der Naziherrschaft im Untergrund, wanderte nach Amerika aus und kehrte vor zehn Jahren nach Berlin zurück. Nun berichtet sie Schülerinnen und Schülern von ihrem Schicksal. Er besucht das jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn in Berlin und spricht mit Barbara Witting, der Schulleiterin, über Vorurteile und wie man diese überbrücken kann. Außerdem ist er verabredet mit Avitall Gestetter, der ersten jüdischen Kantorin Deutschlands und mit dem Fußballtrainer der 1. Herren von TUS Makkabi Berlin, Claudio Offenberg.

Di, 2. Okt · 20:15-21:00 · ZDF
Weltenbrand, 3. Völkerschlacht

Der Frühling begann mit einem Paukenschlag. Eingeleitet durch ein fünfstündiges Trommelfeuer aus 6600 Geschützrohren, traten am 21. März 1918 über eine Million deutsche Soldaten zu einer massierten Offensive in Frankreich an – Deckname „Michael“. Die deutsche Armeeführung erhoffte sich von diesem Befrei-ungsschlag den Durchbruch im vierten Jahr eines Stellungskrieges, der unermessliche Todesopfer gefordert hatte, ohne Boden gutzumachen. Zusätzliche Truppen, die nach dem Friedensschluss mit Lenins neuem Sowjetregime von der Ostfront herbeordert wurden, verstärkten das deutsche Aufgebot. Die Zeit drängte, zumal immer mehr frische US-Truppen die Westalliierten verstärkten. Nach Verlusten, Auszehrung und Hunger erhöhte zudem die zunehmende Kriegsmüdigkeit in der Heimat und an der Front den Druck, nun mit allen Mitteln die Entscheidung zu suchen. Der Film erzählt den bewegten Verlauf der Völkerschlacht im letzten Kriegsjahr anhand der Erfahrungen zweier junger Offiziere, die ein Vierteljahrhundert später im Zweiten Weltkrieg zu prominenten Widersachern wurden: Hitlers Generalfeldmarschall Walter Model und US-Panzergeneral George S. Patton traten Ende 1944 während der deutschen Ardennen-Offensive erneut gegeneinander an – unter Umständen, die durchaus Parallelen mit dem Unternehmen „Michael“ 1918 aufwiesen. So schlägt die Dokumentation einen Bogen zwischen den beiden verheerenden Kriegen und zeigt, wie sie miteinander verknüpft waren und wie sie sich unter-schieden. Bebildert wird die Darstellung mit eindrucksvollen Aufnahmen aus zahlreichen Archiven weltweit, die oftmals zum ersten Mal veröffentlicht werden und zur besseren Anschaulichkeit mit moderner Technik aufbereitet und in authentischer Farbanmutung rekonstruiert werden. Begleitend dazu helfen Spielszenen, originale Erlebnisberichte, Computergrafiken, Einschätzungen von Histori-kern und atmosphärisch dichte Aufnahmen von den Originalschauplätzen, nach einem Jahrhundert aus neuer Sicht jenen fernen Krieg zu erschließen, dessen Nachwirkungen gleichwohl bis heute spürbar sind.

Mi, 3. Okt · 07:15-08:00 · RBB
Brundibár

Das dritte Education-Projekt des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder) begann am 6. März 2011. Zeitgleich starteten auch die Dreharbeiten im Schloss Genshagen. Sie endeten am 8. Mai 2011 zur Premiere in Frankfurt (Oder) in der Konzerthalle „Carl Philipp Emanuel Bach“. Autor Frank Overhof und Kameramann Alexander Huf waren fast täglich bei den Proben von deutschen und polnischen Kindern und Jugendlichen dabei. Sie beobachteten sie, besuchten einige von ihnen zu Hause und waren in schönen, schwierigen und lustigen Momenten mit der Kamera dabei. Ein Höhepunkt der Dokumentation sind die Erinnerungen der Zeitzeugin Eva Hermanova. Als damals 14-Jährige sang sie bei den Aufführungen von „Brundibár“ in Theresienstadt im Kinderchor mit. Das Kamerateam hat sie in Prag besucht. Da es ihr Gesundheitszustand erlaubte, war Eva Hermanova Ehrengast bei der Premiere. Der Film macht ein Stück Zeitgeschichte erlebbar. Zuschauerinnen und Zuschauer werden Zeugen eines ganz besonderen länderübergreifenden Mehrgenerationenprojektes. Als Sprecher der Dokumentation konnte der Schauspieler Axel Prahl gewonnen werden. Die Kinderoper „Brundibár“ von Hans Krása und Adolf Hoffmeister wurde vor allem dank der Rolle berühmt, die sie im Konzentrationslager Theresienstadt gespielt hat. Dort wurde sie über 50 mal offiziell gespielt und unzählige Male inoffiziell – auf den Gängen der Wohnbaracken und in Hofecken. An seiner Bedeutung zweifelte nicht einmal das nazi-deutsche Lagerkommando und wählte die Oper als Beweis des „schönen Lebens“ im „Kurort Theresienstadt“ für die Inspektion des Internationalen Roten Kreuzes am 23. Juni 1944.

Mi, 3. Okt · 22:05-00:15 · 3sat
Eine Frau in Berlin – Anonyma

April, 1945: Die Russen marschieren in Berlin ein. Sie nisten sich in Straßen und Häusern ein, vergewaltigen Mädchen und Frauen jedes Alters. Die Journalistin und Fotografin Anonyma versteckt ein Flüchtlingsmädchen und dessen Freund, einen bewaffneten Deserteur, in ihrer zerbombten Dachgeschosswohnung. Die Russen dulden keine versteckten Flüchtlinge, ein Verstoß wird mit dem Tod bestraft. Um sich und die vorwiegend weibliche Gemeinschaft, mit der sie ihre Wohnung teilt, vor den Russen zu schützen, fasst die Russisch sprechende Anonyma einen Entschluss: Obwohl sie mit einem deutschen Soldaten verlobt ist, sucht sie sich einen russischen Offizier als Beschützer. In Oberleutnant Anatol scheint die junge Frau den Richtigen gefunden zu haben. Seine Männer gehen von nun an bei ihr ein und aus. Sie bringen Schnaps und Essen mit und scheinen nach dem Krieg vor allem eines zu suchen: Wärme und Gemeinschaft – und sei es im Hause des Feindes. Nur Major Andrej bleibt zurückhaltend. Der Offizier ist gebildet und sensibel, aber gleichzeitig von einer Härte, die ahnen lässt, was die Deutschen ihm und seiner Familie angetan haben. Anonyma ist fasziniert von dem Mann, mit dem sie vieles verbindet, von dem sie aber auch vieles trennt. Da entdecken russische Soldaten in Anonymas Wohnung die versteckten Flüchtlinge und erschießen sie. Anonyma droht die Hinrichtung. Doch Major Andrej stellt sich auf ihre Seite und verhindert die Eskalation. Damit gefährdet der Offizier auch sich selbst. Da trifft die Nachricht ein, dass Berlin gefallen ist. Die Rote Armee hat gesiegt. Haben Anonyma und Major Andrej eine Zukunft? Anonymas Verlobter Gerd kehrt heim – zerstört und besiegt auch er. Sie gibt ihm ihre Tagebücher zu lesen, die sie in den Wochen der Belagerung geführt hat. Hitlers Krieg hat nicht nur Berlin zerstört. Das Kriegsdramas von Max Färberbock basiert auf den Tagebuchaufzeichnungen einer anonym gebliebenen Autorin. Nina Hoss brilliert in der Rolle der mutigen „Anonyma“.

Do, 4. Okt · 20:15-21:00 · BR-alpha
Das verschwiegene Volk – Die Drusen im Libanon

Sie sind die geheimnisvollste, verschwiegenste Religionsgemeinschaft des Nahen Ostens: die Drusen im Libanon, Syrien, Jordanien und Israel. Dreihundert- bis vierhunderttausend sollen im Libanon leben. Vornehmlich in der Mittelgebirgslandschaft des Schuf und im Hermanongebirge. Viele Generationen hindurch lebten die Drusen aus Angst vor Verfolgung und Vertreibung isoliert in den Bergen und mieden möglichst alle Fremden. Sie entwickelten ein ausgeprägtes Selbstvertrauen sowie eine Art nationalistischen Zusammenhalt. Auch wenn sie sich gerade in den letzten Jahren mehr und mehr, nicht zuletzt durch äußeren und inneren Druck, langsam öffnen mussten, um mit ihren Traditionen zu überleben. Die Geheimhaltung ihres Glaubens bleibt ein zwingendes Gebot. Sie haben uns trotzdem ihre heiligsten Stätten geöffnet, und wir konnten erleben, dass die Drusen einen einfachen Glauben der Liebe und Wahrheit leben und lehren. Sie streben danach, ihre Herzen zu Gott zu erheben. Sie gewähren keinem Fremden Einblick in ihr wirkliches Seelenleben. Niemand kann in ihre Glaubensgemeinschaft eintreten, so verteidigen sie ihre spirituelle Freiheit. Wir haben ein geheimnisvolles Volk erlebt, deren oberstes Ziel Gastfreundschaft ist. Dafür sind wir dankbar. Sie haben uns einige Türen geöffnet, die bisher verschlossen waren, aber eben nicht alle. Dafür haben wir Verständnis.

Do, 4. Okt · 22:25-00:00 · 3sat
Buenos Aires 1977

Buenos Aires, 1977: Das Land leidet unter der seit 1976 herrschenden Militärdiktatur des Generals Jorge Rafael Videla. Die Menschen leben in ständiger Angst. Tausende Bürger wurden bereits von der Junta verschleppt, gefoltert und ermordet. Eines Tages gerät auch der Fußballprofi Claudio Tamburrini durch die Denunziation eines verzweifelten Folteropfers ins Visier der Militärpolizei. Man verhaftet ihn als vermeintliches Mitglied einer oppositionellen Gruppe und will ihn zwingen, seine angeblichen Kompagnons zu verraten. Obwohl Claudio immer wieder seine Unschuld beteuert, verschleppt man ihn in eine Villa am Rande von Buenos Aires, die der Junta als Geheimgefängnis dient. 120 Tage und Nächte ist er dort zermürbenden Verhören durch sadistische Folterknechte ausgesetzt. Seine karge, enge Zelle teilt er sich mit drei weiteren Häftlingen. Physisch gemartert und seelisch gebrochen, wagen die drei Männer keinerlei Widerstand – selbst die Chance, einen Wärter zu überwältigen, bleibt ungenutzt. Immer wieder hören sie die Schreie der anderen misshandelten Mithäftlinge, müssen Scheinhinrichtungen aushalten und werden mit falschen Versprechungen in die Irre geführt. Neben der Gewalt durch die Folterknechte kommt es auch zu Aggressionen der Gefangenen untereinander und zu gegenseitigen Schuldzuweisungen. Eines Tages gelingt es schließlich, ein Fenster zu knacken. Trotz ihrer unendlichen Furcht vor der Vergeltung ihrer Peiniger beschließen die Männer, die Flucht zu wagen. Israel Adrián Caetano, der Regisseur von „Buenos Aires 1977“, hat die Zeit der Militärjunta von 1976 bis 1983 als Kind noch selbst miterlebt. Er wirft einen emotionalen, präzisen und schonungslosen Blick auf ein finsteres Stück Vergangenheit, dessen Nachwirkungen in der argentinischen Gesellschaft noch heute spürbar sind.

Fr, 5. Okt · 21:00-21:45 · BR-alpha
alpha-Forum, Gabi Toepsch im Gespräch mit Abi Ofarim (Musiker, Autor und Arrangeur)

Abi Ofarim war in den sechziger Jahren ein Weltstar, kam mit dem Gesetz in Konflikt, wurde Musikproduzent und Manager und startete 2007 sein Comeback als Solokünstler. 2010 erschien seine Autobiographie „Licht & Schatten“, in der er auf sein bewegtes Leben zurückblickt. „Ich wollte später nämlich auch noch unbedingt nach Hollywood kommen. Ich hatte damals einen Freund mit dem Namen Oscar und zu dem habe ich immer gesagt. „Dich will ich haben – aber in Hollywood!“ Ich habe gesponnen, aber es war eine schöne Spinnerei. Esther und ich hatten uns also im Theater kennengelernt und drei Tage, bevor ich nach New York fliegen sollte, hat sich mein Vater das Leben genommen. Da ich der Älteste bin, musste ich von da an eben meine Mutter unterstützen. So fing ich an zu singen: mit Esther. Eines schönen Tages habe ich zu ihr gesagt: „Weißt du, in einem Jahr sind wir die Nummer 1!“ Sie meinte nur: „Du Spinner!“ Meine Vorhersage war tatsächlich nicht korrekt gewesen: Bereits nach neun Monaten war unsere erste LP die Nummer 1 in Israel. So fing es an. Wir haben dann riesengroße Erfolge gehabt mit unzähligen Goldenen Schallplatten usw. Wir wurden von der Queen empfangen, gastierten in der Carnegie Hall, in der Royal Albert Hall usw. Und eines Tages ging das dann nicht mehr.“

Sa, 6. Okt · 03:00-03:45 · PHOENIX
Göring – eine Karriere (1/3)

Hermann Göring war ein Mann mit vielen Gesichtern. Er war eitel, verschlagen, brutal wie kaum ein anderer Gefolgsmann Hitlers, und doch war er im NS-Reich populärer als sie alle, zeitweise sogar beliebter als Hitler selbst. Göring verbarg die gewalttätigen Züge seines Wesens hinter launiger Leutseligkeit und war doch in jede große Unrechtsaktion des Regimes verwickelt. Die dreiteilige Reihe dokumentiert Aufstieg und Fall der schillerndsten Figur des Nazireiches. Teil 1 zeigt, wie aus einem hoch dekorierten Flieger des Ersten Weltkrieges ein rücksichtsloser und korrupter Handlanger Hitlers wurde. Seit einer Verletzung beim gescheiterten Hitlerputsch von 1923 Morphium abhängig, war Göring ein Getriebener seiner Süchte. Drogen, Macht, Geld – Göring sammelte Titel wie Orden und stilisierte sich so zu einem öffentlichkeitswirksamen Gegenbild des eher asketischen Adolf Hitler. Doch so bizarr seine Erscheinung war, so faktisch war die Gegenleistung, die er seinem Führer für all die materiellen Vergünstigungen bot. Seit seiner Ernennung zum Reichsbeauftragten für den Vierjahresplan bereitete Göring in enger Zusammenarbeit mit der Industrie Hitlers Krieg vor. Der Mann, der 1935 die Nürnberger Rassengesetze verkündete und nach der so genannten „Kristallnacht“ 1938 von der jüdischen Bevölkerung eine Milliarde „Schadenersatz“ forderte, war oberster Koordinator für die „Arisierung“, die zunächst zur Ausschaltung der Juden aus der deutschen Wirtschaft führte. In nahezu allen Angelegenheiten war er mit Hitler einer Meinung. Doch als Hitlers Kriegskurs immer offensichtlicher wurde, ging Göring auf Distanz. Er hatte viel zu verlieren in einem Krieg…

Sa, 6. Okt · 23:15-01:00 · Das Erste (ARD)
Die Manns – Ein Jahrhundertroman, 1/3

Im Oktober 1912 – also vor 100 Jahren – erschien Thomas Manns berühmte Künstlernovelle „Tod in Venedig“. Die Das Erste zeigt aus diesem Anlaß in einer langen Nacht noch einmal den mit dem Internationalen Emmy und allen wichtigen nationalen Preisen auszeichneten Dreiteiler „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer mit Armin Mueller-Stahl in der Hauptrolle. Teil 1 spielt in den Jahren 1923 bis 1933. Der Lübecker Kaufmannssohn Thomas Mann hat es mit seinem Familienroman „Die Buddenbrooks“ und seiner Meisternovelle „Der Tod in Venedig“ zu Ansehen und Wohlstand gebracht. Mit seiner Ehefrau Katia, deren Familie Pringsheim zu den reichsten Münchner Familien gehört, hat er sechs Kinder. Katia ist die Seele des großen Haushalts. Sie lenkt den Tageslauf und sorgt für Ruhe und Disziplin, wenn „Thommy“ nach strenger Selbstordnung in seinem Arbeitszimmer Tag um Tag fremde Welten und unerhörte Leidenschaften niederschreibt. „Der Zauberberg“ ist in Arbeit, ein Menschheitsroman über die abgeschlossene Welt einer Schweizer Lungenklinik. „Draußen“ wachsen die Kinder heran, experimentieren – besonders die Ältesten, Klaus und Erika – mit der Liebe; „draußen“ ist Inflation – und Katia sorgt dennoch für einen reibungslos funktionierenden Haushalt. Thomas Mann ist in sich gekehrt, aber aus der Distanz beobachtet er seine Familie genau. Das hochbegabte Geschwisterpaar Klaus und Erika geht bald eigene Wege, stürzt sich ins Leben und in die Kunst. Sie entziehen sich der übermächtigen Persönlichkeit ihres Vaters und leben zuerst in Hamburg, dann in Berlin. An den Hamburger Kammerspielen wird Klaus‘ Drama „Anja und Esther“ uraufgeführt. Gemeinsam mit Pamela Wedekind und Gustaf Gründgens sorgen die begabten Dichterkinder für Schlagzeilen in der Klatschpresse. Auch ihre privaten Beziehungen erscheinen verwirrend: Klaus und Gustaf, Pamela und Erika – wer mit wem? Schließlich heiraten Erika und Gustaf und geben dem Ganzen den erwünschten bürgerlichen Deckmantel. Doch die Hochzeit, im großen Familienkreis zelebriert, ist für das Brautpaar ein „halber Jux“. Nach einem knappen Jahr zerbricht die Ehe. Gemeinsam mit Schwester Erika begibt sich Klaus auf eine halbjährige Lesereise durch die Vereinigten Staaten. Mondän und ungezwungen im Auftritt, genießen die „Mann-Twins“ die Zeit völliger Unabhängigkeit als Befreiung von der Familie. Von 1928 an lebt Klaus Mann vorwiegend in Berlin und schreibt dort Zeitgeistartikel über das moderne Großstadtleben und seine ausgeprägte Sehnsucht nach einem europäischen Weltbürgertum. Er experimentiert mit Drogen, stürzt sich in das Berliner Nachtleben und hat wechselnde Affären mit jungen Männern. Anders als sein Sohn Klaus diszipliniert und sublimiert der Vater seine Liebe zu jungen schönen Männern. Er widersteht der Verführung und gewinnt dadurch ein starkes Motiv für seine Arbeit. Dennoch befällt ihn immer wieder jener Zauber, der auch sein heimliches Lebensthema ist. Als Thomas Mann während eines Sommerurlaubs auf Sylt 1927 dem 17-jährigen Klaus Heuser begegnet, wirft ihn die unverhoffte Leidenschaft fast aus der Bahn -, und nur Ehefrau Katia ahnt und toleriert diese ergreifende, ungelebte Liebesgeschichte. Thomas lädt Klaus Heuser auf einen Besuch nach München ein. Dort nähert er sich ihm einmal – nicht nur im Traum … Thomas Manns älterer Bruder Heinrich ist ebenfalls Schriftsteller. Vor allem der Roman „Der Untertan“ ist ein großer Erfolg. Das Verhältnis der beiden Brüder ist voller politischer und privater Spannungen. Anders als Thomas ist Heinrich ein bekennender Sozialist und Europäer; anders als der lebensferne Thomas genießt Heinrich derbe, volkstümliche Frauen, die von den Manns kopfschüttelnd „Heinrich-Bräute“ genannt werden. Seit 1928 lebt Heinrich mehr und mehr in Berlin, getrennt von Frau und Tochter. Dort sind bald die Vorbereitungen für die Verfilmung seines Romans „Professor Unrat“ in vollem Gang. Für die Figur der Rosa Fröhlich favorisiert Heinrich seine Geliebte, die Chansonniére Trude Hesterberg, aber Regisseur Josef von Sternberg besetzt die Rolle der Lola mit der unbekannten Marlene Dietrich. Nach außen distinguiert und reserviert, verkehrt Heinrich regelmäßig in Berliner Kabaretts und Eckkneipen und lebt ganz dem Augenblick. So lernt er die ebenfalls aus seiner norddeutschen Heimat stammende Amüsierdame Nelly Kröger kennen; die beiden verlieben sich ineinander. Für die Familie ist die Liaison mit der drallen, vollbusigen Schönheit, die dem alternden Schriftsteller Vorbild für eine seiner großen Frauenfiguren in seinem Meisterwerk „Henri Quatre“ wird, ein Skandal. Die wachsende Präsenz der Nationalsozialisten verändert die Situation aller Familienmitglieder. Während einer Rede im Oktober 1930 in Berlin wird Thomas Mann von in Smokings verkleideten SA-Leuten ausgebuht. Für Thomas Mann ist das eine beklemmende Situation, weil er noch im November 1929 bei der Verleihung des Nobelpreises die deutsche Kulturnation mit großen Worten beschworen hatte. Das politische Klima wird kämpferischer – Katia Mann spürt es. Für Klaus und Erika allerdings gehen ihre Lebensexperimente, die auch Drogenexperimente sind, vor; die Realität bricht ein, als sich der engste Jugendfreund, der jüdische Maler Ricki Hallgarten, erschießt. Golo, der scheue Bruder, nimmt die Nazis sehenden Auges wahr – er ist der Realist in der Familie. Im Februar 1933 tritt Thomas Mann mit seiner Frau Katia eine Lesereise an, von der er niemals wieder nach München zurückkehren sollte. Nach ihrer Abreise geben die Mann-Kinder ein Faschingsfest, auf dem die Bohéme den Erfolg des Kabaretts „Die Pfeffermühle“ feiert – eine Unternehmung von Erika Mann und ihrer Freundin, der Schauspielerin Therese Giehse. Auf dem Fest sind auch die herangewachsene Elisabeth und ihr unberechenbarer Bruder Michael, der stets ernste Golo und die vereinsamte Monika. Eine merkwürdige Stimmung herrscht in den großbürgerlichen Räumen – etwas geht zu Ende, und im Souterrain rüstet sich bereits der Fahrer für den Sieg der Nazis. Heinrich Mann, der sich an kommunistischen Agitationsveranstaltungen und Gewerkschaftskongressen beteiligt hat, steht bei den Nazis auf der schwarzen Liste; er setzt sich drei Wochen nach der endgültigen Machtergreifung in den Zug nach Paris – ohne großes Gepäck, ohne Rückfahrschein. Seine geliebte Nelly lässt er am Anhalter Bahnhof zurück …

So, 7. Okt · 01:05-02:45 · Das Erste (ARD)
Die Manns – Ein Jahrhundertroman, 2/3

1933 bis 1941: Während sich Thomas Mann mit Katia in der Schweiz aufhält, durchsuchen SA-Leute seine Villa in München. Der Dichter befürchtet, dass den Nazis seine im Haus zurückgelassenen Tagebücher in die Hände fallen könnten. Das würde bedeuten: Seine intimsten Niederschriften lägen offen. Thomas Mann beauftragt deshalb Sohn Golo, sie ihm zu schicken. Doch der Koffer mit den Heften wird nach einer Anzeige beschlagnahmt – der Fahrer der Manns ist Nazi und lenkt das Gepäck ins „Braune Haus“ der Gestapo. Thomas Mann ist wie aus der Bahn geworfen. Seine Ängste, dass man ihn bloßstellen könnte, sind nicht unbegründet – die Münchener Polizei will ihn in Schutzhaft nehmen. Unter ungeklärten Umständen gibt der Zoll in Lindau schließlich den Koffer frei – ohne die brisanten Tagebücher zu identifizieren. Für die Manns beginnt ein unruhiges Wander- und Hotelleben, unter dem insbesondere der ordnungs- und schutzbedürftige Thomas leidet. Katia Mann setzt alles daran, dass er bald wieder die verlässliche Schreibtischwelt mit seinen geliebten „Sächelchen“ aufgebaut bekommt. Von Arosa geht es nach Lugano, schließlich nach Sanary-sur-Mer an der südfranzösischen Mittelmeerküste, wo sich bereits viele emigrierte Schriftstellerkollegen aufhalten und einen seltsamen „Urlaub“ verbringen. Bald schon wird Thomas Mann klar, dass die Nazis nicht nur ein übler Spuk sind, der nach ein paar Monaten vorbei ist. Nein, es ist für länger – das deutsche Volk bewundert diesen „Führer“. Anders als sein jüngerer Bruder fühlt sich Heinrich Mann in Frankreich wie zu Hause – und außerdem ist seine Nelly aus dem Reich entkommen und nun bei ihm. Thomas Mann zieht es zurück in ein deutschsprachiges Land. Er übersiedelt mit der Familie in die Schweiz. Erika Mann hat mit ihrer Freundin Therese Giehse Deutschland verlassen und ihr Kabarett „Die Pfeffermühle“ im Herbst 1933 in Zürich wieder eröffnet. Dort wird sie von Klaus besucht, gemeinsam mit seinem Verleger Fritz Landshoff. Die beiden wollen eine deutsche literarische Exilzeitschrift gegen den Nationalsozialismus auf die Beine stellen, die „Sammlung“. Klaus und Erika möchten dafür auch den Vater gewinnen, doch er verhält sich zögerlich. Die „Sammlung“ enthält schon im ersten Heft Angriffe gegen die Nazis, u.a. von Heinrich Mann. Das war nicht mit Thomas Mann vereinbart, der offiziell als Mitarbeiter angekündigt wird. Er ist verärgert und distanziert sich von dem Heft, weil er den Verkauf seines „Joseph“-Romans in Deutschland nicht gefährden will. Er begreift sich als eine Stimme aus dem Exil, die zu den „Gefangenen“ des Reichs spricht. Erst als Erika ihrem Vater brieflich ein Ultimatum stellt, lässt sich Thomas Anfang 1936 in der „Neuen Zürcher Zeitung“ zu einer eindeutigen öffentlichen Stellungnahme gegen die Nazis bewegen. Ende des Jahres wird er daraufhin ausgebürgert, seine Münchner Villa samt des darin verbliebenen Hausrats zwangsversteigert. Für die beiden jüngsten Kinder, Elisabeth und Michael, bedeutet das Exil eine Pubertät in der Fremde. Golo kommt zunächst in Prag unter. Klaus, inzwischen heroinabhängig, ist vom Dandy zum politischen Schriftsteller gereift. Er beginnt in Amsterdam einen neuen Roman, der sich in die Lebensumstände des Dritten Reichs hineinfantasiert. „Mephisto – Roman einer Karriere“ wird ein Schlüsselwerk über den einstigen engen Freund Gustaf Gründgens, der unter der Protektion von Göring zum Staatsintendanten aufgestiegen ist. Klaus zeichnet Gründgens als den Prototypen des Mitläufers, der sein Talent aus Ehrgeiz an eine ruchlose, blutbefleckte Macht verkauft. Der junge Amerikaner Thomas Quinn Curtiss, in den sich Klaus heftig verliebt, will ihn von der Drogensucht befreien. Seine zärtliche Zuneigung bewegt Klaus dazu, eine Entziehungskur zu machen. Vater Thomas, der den Krankenhausaufenthalt finanziert, verurteilt die todessehnsüchtige Schwäche des Sohnes, die sich nicht mit der Notwendigkeit des Kampfes gegen die faschistischen Ungeheuer vereinbaren lässt. 1938 brechen Thomas und Katia Mann zu einer Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten auf. In New York nimmt Thomas Mann vor der amerikanischen Presse Stellung zu seiner Ausbürgerung und Vertreibung aus Deutschland. Seine Erklärung schließt mit dem legendären Satz: „Wo ich bin, ist Deutschland.“ Thomas Mann erhält eine Berufung an die Universität von Princeton. Noch im gleichen Jahr siedeln die Manns endgültig nach Amerika über. Klaus und Erika sind bereits in New York und leben dort im Hotel Bedford, dem Wohnsitz vieler europäischer Emigranten. Mit Artikeln, Vorträgen und Büchern versuchen sie, die Amerikaner vor der Gefahr des Faschismus zu warnen. Klaus hat Schulden und ist wieder rückfällig geworden. Sein Hang zur Droge ist stärker als seine Liebesfähigkeit. Thomas Quinn Curtiss trennt sich von ihm. In Princeton lernt die 19-jährige Elisabeth den italienischen Professor für Literatur und Politikwissenschaft, Giuseppe Borgese, kennen. Elisabeth verliebt sich in den 36 Jahre älteren Mann, den sie 1939 heiratet. Wenig später geben sich auch Heinrich und Nelly, die sich noch in Nizza aufhalten, das Ja-Wort. Ihre Zeit in Südfrankreich neigt sich dem Ende entgegen. Nelly fühlt sich als Außenseiterin, von den Manns nur mit Distanz betrachtet. In seltsamer Verbundenheit mit Klaus träumt sie sich immer wieder zum Tod hin; der Alkohol ist ihr bester Freund. Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris im Juni 1940 ist Hitler-Deutschland für die Emigranten bedrohlich nahe gerückt. Nach einer abenteuerlichen Flucht über die Pyrenäen gelingt Heinrich und Nelly Mann von Lissabon aus die Überfahrt nach Amerika. Bei einem Essen zu seinem 70. Geburtstag – inzwischen ist die ganze Familie Mann in Los Angeles versammelt, wo Thomas sich erneut ein Haus gebaut hat – bedenkt Heinrich in seiner Rede seine Frau Nelly mit liebevollen Worten. Doch Nellys deplatziertes Benehmen und ihre offene Alkoholsucht machen sie zur Außenseiterin in der intellektuellen deutschen Exil-Gemeinde …

So, 7. Okt · 02:50-04:35 · Das Erste (ARD)
Die Manns – Ein Jahrhundertroman, 3/3

1942 bis 1955: Die Manns, Thomas und Katia sowie Bruder Heinrich und seine unglückliche Frau Nelly, leben im kalifornischen Exil. Das Interesse Amerikas an dem prominentesten Vertreter des „anderen Deutschland“ ist ungebrochen; vor großem Publikum hält er Reden gegen den Faschismus und über den Sieg der Demokratie. Den Eintritt Amerikas in den Krieg begrüßen Thomas und Heinrich gleichermaßen und verbinden damit die Hoffnung auf ein baldiges Ende des nationalsozialistischen Regimes, auch wenn dabei die Bombardierung der geliebten Heimat in Kauf genommen werden muss. Heinrich und seine Frau Nelly hängen finanziell weitgehend von Thomas Mann ab – für den älteren Bruder, dem in den USA kein Erfolg beschieden ist, ein demütigendes Leben. Nelly betäubt ihren Kummer über die ihr ausweglos erscheinende Situation mit Alkohol. Im Dezember 1944 nimmt sie sich mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben. Einsam und verbittert bleibt Heinrich zurück. Klaus Mann lebt weiterhin in New York. Seine Exilzeitschrift „Decision“ verkauft sich nicht. Nach Abschluss seiner Memoiren „The Turning Point“ bewirbt er sich bei der Army – für Klaus ein letzter Fluchtweg aus der persönlichen Misere. Nach einer Ausbildung in einem amerikanischen Camp wird er 1944 an die Front nach Italien entsandt, wo er Flugblätter für deutsche Soldaten schreibt, Lautsprecherkampagnen im Kriegsgebiet organisiert und deutsche Gefangene verhört. Seit 1942 arbeitet Thomas Mann an seinem neuen Roman „Doktor Faustus“ – die Geschichte eines Künstlers, der einen Pakt mit dem Teufel schließt. Er bekommt Kraft und Genie für große Schöpfungen und bezahlt dafür mit seiner Seele. Der Teufel fordert als Preis ein kaltes Leben ohne Liebe. Parallelen zum künstlerischen Selbstverständnis des „Zauberers“ Thomas Mann sind unübersehbar. Woche für Woche, Jahr für Jahr gibt Thomas Mann seine Niederschriften an die junge jüdische Sekretärin Hilde Kahn-Reach, die mit verliebten Augen auf den berühmten Schriftsteller blickt. Der von Thomas vergötterte Enkel Frido, der auf seinen Wunsch längere Zeit beiden Großeltern in Pacific Palisades wohnt, wird im „Dr. Faustus“ zum Vorbild für die Figur des „Echo“. Als Teil des Teufelspaktes lässt Thomas das Kind im Roman jämmerlich zugrunde gehen. Dieser „Mord“ bewirkt in Thomas Mann ein Schuldgefühl, das ihn krank macht … Mai 1945 – Kapitulation und Kriegsende. Hitler und Goebbels haben Selbstmord begangen. Reichsmarschall Göring, der prominenteste Gefangene der Alliierten, wird in Salzburg der Auslandspresse vorgeführt. Einer der Reporter vor Ort ist Klaus Mann. Klaus fährt weiter nach München. Die Stadt seiner Kindheit und Jugend liegt in Trümmern; das Elternhaus ist halb zerbombt. Resigniert muss Klaus feststellen, dass es hier keine Heimat mehr für ihn gibt und dass keiner auf die Exilierten gewartet hat. In Kalifornien ist der 70-jährige Thomas schwer erkrankt. Die Diagnose: ein Tumor im rechten Lungenflügel. Er wird zu einem Spezialisten nach Chicago gebracht – von Elisabeth und Katia, die ihren geliebten Thomas nicht leiden sehen wollen. In Chicago gelingt die risikoreiche Krebsoperation. Thomas‘ unbedingter Wille, den „Doktor Faustus“ zu beenden, trägt zur raschen Genesung bei. Das Wort „Krebs“ durfte im Haus nicht ausgesprochen werden. Nach Kriegsende sind Erikas „lecture tours“ nicht mehr gefragt. Ihr fehlen Aufgaben und Einkünfte. Sie entschließt sich, ihr Wirken in der Öffentlichkeit aufzugeben und zur Assistentin, Beraterin und Begleiterin des berühmten Vaters zu werden. Doch mit einem Leben im Schatten des Vaters kann sie sich innerlich nicht abfinden. 1949 bricht Thomas Mann zu seiner ersten Europareise nach dem Krieg auf. Dabei besucht er auch Deutschland. In Frankfurt nimmt er den Goethe-Preis entgegen; in der Ostzone ist er Ehrengast bei den Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Goethes in Weimar. Während Thomas, Katia und Erika durch Europa reisen, nimmt sich Klaus nach einer Reihe bereits missglückter Selbstmordversuche in Cannes das Leben.

So, 7. Okt · 09:55-10:47 · arte
Flick (1/2), Der Aufstieg

Keine Familie verkörpert das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Politik so wie die Flicks. Kaum eine Familie hat größeren Einfluss auf die deutsche Politik im 20. Jahrhundert genommen und größeren Nutzen daraus gezogen. Der Zweiteiler „Flick“ erzählt die Geschichte von Friedrich Flick und seiner Familie – mit einer Fülle neu entdecktem Film- und Fotomaterial, auf der Basis interner Dokumente und einer Vielzahl erstmals ausgewerteter Quellen. Der erste Teil dokumentiert den Aufstieg Friedrich Flicks vom Siegerländer Bauernjungen zu einem der wohlhabendsten Männer des Deutschen Reiches bis zu seiner Verurteilung im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess 1947. Den zweiten Teil, „Das Erbe“, zeigt ARTE direkt im Anschluss, um 22 Uhr.

So, 7. Okt · 15:45-16:00 · BR-alpha
Bayerisches Heimatmuseum: Jüdisches Museum Franken in Fürth

Das Jüdische Museum Franken in Fürth bietet – gegliedert in sechzehn Stationen – Einblicke in die wichtigsten Aspekte jüdischer Religion, Geschichte und Kultur. Untergebracht ist das Museum in einem großen ehemaligen jüdischen Wohnhaus, in dem u.a. eine Laubhütte und ein Ritualbad erhalten sind. Die Geschichte der Juden in Fürth begann im Jahr 1528. Im Laufe der Zeit entstand hier die größte jüdische Gemeinde mit städtischem Gepräge in Süddeutschland. Im 19. Jahrhundert trugen jüdische Bürger maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt bei: Industriebetriebe, Handelsgeschäfte und wohltätige Stiftung zeugen davon. Zahlreiche Bücher belegen die zentrale Bedeutung des gedruckten Wortes und erinnern an den bedeutenden hebräischen Druckort Fürth. Die Bandbreite reicht von mittelalterlichen Handschriftenfragmenten über Fürther hebräische Drucke bis hin zu einem 1946 in Bayern gedruckten Talmud. 1938 zerstörten die Nationalsozialisten auch in Fürth die Synagogen und viele andere Gemeindeeinrichtungen. Fast 900 Fürther Juden wurden Opfer des Massenmordes. Nach 1945 entstand wieder eine jüdische Gemeinde, die heute rund 350 Mitglieder zählt. Der Film aus der Reihe „Bayerische Heimatmuseen“ dokumentiert und erläutert die wichtigsten Schätze dieses Jüdischen Museums Franken in Fürth.

So, 7. Okt · 17:05-17:59 · arte
Die Geschwister Stein, Mäzene der modernen Kunst

Die amerikanische Schriftstellerin, Theaterautorin und Kunstsammlerin Gertrude Stein gehörte zweifellos zu den treibenden Kräften der Pariser Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts und gilt zusammen mit ihren Brüdern Leo und Michael, mit denen sie sich kurz nach der Jahrhundertwende in der französischen Hauptstadt niederließ, als Entdeckerin von Malergenies wie Matisse, Picasso und Juan Gris. Anlässlich einer umfangreichen Ausstellung der Stein-Sammlung von Oktober 2011 bis zum Januar 2012 im Pariser Grand Palais ließ die Dokumentation das bemerkenswerte Leben von Gertrude Stein und ihren Brüdern Revue passieren. Gertrude, Michael und Leo Stein stammten aus einer Familie deutscher Juden, die um 1880 nach Kalifornien emigriert war. Sie wuchsen in San Francisco auf. Doch die bescheidene Kulturszene der Stadt konnte die Geschwister kaum befriedigen. Paris hingegen war mit seiner kulturellen Vielfalt schon damals ein Paradies für Künstler. So kehrten Gertrude, Michael und Leo der kulturellen Wüste Kaliforniens den Rücken und stürzten sich ins Pariser Künstlerleben. Michael, der Älteste, verwaltete seit dem Tod der Eltern das kleine Familienvermögen und sorgte im Geschwistertrio für Zusammenhalt. Leo gelang als erster der Sprung in die Pariser Künstlerszene. Dies verdankt er vor allem dem Galeristen Ambroise Vollard, mit dessen Unterstützung die Stein-Sammlung ihren Anfang nimmt. Gertrude, die Jüngste der drei, ist Schriftstellerin und beteiligt sich aktiv an der Auswahl der Werke für die Sammlung. Dabei nimmt sie schnell Abstand von „etablierten“ Künstlern wie Renoir und Cézanne und begeistert sich für die weitaus günstigeren Bilder junger, experimentierfreudiger Maler wie Matisse und Picasso. Michael, der die Zukunft der Stein-Sammlung in materieller Hinsicht gesichert hat, und seine Frau Sarah betätigen sich ebenfalls rege auf dem Kunstmarkt, so dass die private Sammlung des Paares heute das Herzstück des Museums of Modern Art in San Francisco bildet. Gertrude Stein hat nicht nur ein Auge für Kunst, sondern feiert auch als Schriftstellerin Erfolg – eine vorteilhafte Doppelbegabung, denn der Dialog zwischen bildenden Künstlern und Dichtern, darunter die Franzosen Max Jacob, Tristan Tzara und Guillaume Apollinaire, ist äußerst fruchtbar. Inspiration erfährt sie bei verschiedenen Künstlern, denen sie ihrerseits als Muse dient. So mancher Maler verewigt sie in einem Porträt, unter anderem Pablo Picasso. Eindrucksvoll vermittelt die Dokumentation die einzigartige Stimmung jener Epoche sorgloser Kunstbegeisterung und ungehemmter, genreübergreifender Kreativität – einer Ära, „als jeder in Paris sechsundzwanzig war“, wie Gertrude Steins Lebensgefährtin Alice B. Toklas es einmal ausdrückte.

So, 7. Okt · 22:45-23:30 · BR-alpha
Saul Friedländer und die Geschichte

Saul Friedländer – ein wandernder Jude, ein rastloser Mensch, der in vielen Ländern der Welt gelebt hat. Wo seine Wurzeln sind, weiß er nicht. Professor Saul Friedländer ist Holocaustüberlebender und einer der berühmtesten Holocaustforscher. In dem Film „Saul Friedländer und die Geschichte“ macht er sich auf den Weg in seine Vergangenheit und damit auch auf die schmerzliche Suche nach seiner Identität. Begonnen hat alles in Prag, wo Saul Friedländer am 11. Oktober 1932 geboren wurde. Der Film begleitet ihn in seine Geburtsstadt – in die Stadt, aus der seine Familie während des Zweiten Weltkriegs vor den immer zahlreicheren Judenverfolgern fliehen musste. Friedländer erzählt über diese Flucht und über seine Zeit in einem katholischen Kloster, in dem ihn seine Eltern bei Nonnen versteckten. Während ihr Sohn als Internatsschüler und getaufter Katholik unter dem Namen Paul-Henri Ferland überlebt, werden die Eltern wohl 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Erst wenige Tage vor der Weihe zum Jesuitenmönch erfährt Saul Friedländer von seiner jüdischen Identität und Herkunft. Statt sich zum Priester weihen zu lassen, ist er nun wild entschlossen, seine Wurzeln aufzuspüren. Er ist gerade einmal 14 Jahre alt, als er mit dem Waffenschmugglerschiff Altalena nach Israel reist. Um an Bord zu kommen, gibt er sich als älter aus, als er wirklich ist. Später kämpft er im israelischen Unabhängigkeitskrieg und studiert schließlich in Tel Aviv. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Los Angeles, wo er an der University of California unterrichtet. Als Gastdozent reist er um die Welt und seine Arbeiten sind preisgekrönt. Als erstem Israeli wurde ihm 2008 der Pulitzerpreis in der Sparte Sachbuch verliehen, und er wurde mit dem amerikanischen McArthur Genius Award ausgezeichnet. Zuletzt bekam er 2007 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Mo, 8. Okt · 17:00-17:15 · BR
Meine strapaziöse Familie – Die Schauspielerin Adriana Altaras

Sie ist ein Multi-Talent, glaubt an Geister und hat den braunen Gürtel in Karate: Adriana Altaras. Die Schauspielerin, Regisseurin und Buchautorin hat eine besondere Vergangenheit: Die Jüdin wurde in Zagreb geboren, ihr Vater kämpfte unter Tito. Dann ging die Familie nach Italien, später nach Deutschland. In Gießen gründeten die Eltern wieder eine jüdische Gemeinde. Auf den Spuren ihrer Familiengeschichte hat Adriana Altaras den Nachlass ihrer Eltern, die Schriftstücke und Tagebücher studiert und ein Buch geschrieben: „Titos Brille“. Bis heute gräbt sie in der Geschichte ihrer jüdisch-kroatischen Familie – ihrer „strapaziösen Familie“, wie sie selbstironisch schreibt – und damit auch in der Geschichte von Ex-Jugoslawien und den jüdischen Menschen dort. Geschichte ist ihr also wichtig. Als Tochter von Holocaust-Überlebenden wird sie oft in Talk-Shows oder zu Ausstellungen eingeladen. Doch Adriana Altaras fühlt sich fremd in der Opferrolle, Mahnmale und Gedenksteine sind ihr ein Gräuel. Energisch tritt sie für eine jüdische Identität ein, in der das „Besonders-Sein“ kein Opfer-Sein bedeutet und das Gedenken eine neue Ausrichtung bekommt.

Mo, 8. Okt · 20:15-21:00 · BR-alpha
Tel Aviv – Israels weiße Stadt am Meer

Tel Aviv wird gerne als Miami Beach des Mittelmeers bezeichnet. Der breite feine Sandstrand und die fast immer scheinende Sonne machen Israels Metropole in der Tat für Städtetouristen interessant, die Sightseeing mit einem Sprung Ins Meer verbinden wollen. Gute 100 Jahre ist Tel Aviv gerade mal alt und bietet mal mehr mal weniger gelungene moderne Architektur. Berühmt ist die Stadt vor allem für seine vielen Bauhausbauten aus den 30er Jahren, die so genannte Weiße Stadt ist allerdings zum Teil in einem desolaten Zustand aufgrund der salzhaltigen Luft und mangelnder Pflege. Tel Aviv ist nicht unbedingt eine schöne Stadt, aber dafür eine sehr lebendige. In punkto Nachtleben kann sie mit jeder europäischen Metropole mithalten. Ständig eröffnen neue Clubs, Bars und Restaurants; aus ganz Israel zieht es die Menschen hierher. Im Gegensatz zum religiösen Jerusalem ist Tel Aviv eine sehr weltliche und tolerante Stadt. Lebensfreude wird hier groß schreiben, und die Angst vor möglichen Konflikten mit den arabischen Nachbarn wird so gut es geht ignoriert. Um dem Lebensgefühl Tel Avivs näher zu kommen, interviewten wir zum Beispiel eine Rabbinerin, eine Straßenkünstlerin, zwei Modedesigner, einen Partypromoter, einen Architekten und ganz normale Tel Aviver. Wir streiften durch die Gasse der arabischen Vorstadt Jaffa, besuchten das jemenitische Viertel und lernten den israelischen Volkssport Matkot kennen. So entstand ein Städteporträt zwischen Strandleben, Humus und wilden Partys.

Di, 9. Okt · 20:15-21:00 · BR-alpha
In Erwartung des Messias – Israel und seine Siedler

Sie sind überzeugt von ihrem Auftrag: Das Land, das Gott den Juden verheißen hat, zu besiedeln und zu bebauen, um es auf die Ankunft des Messias vorzubereiten. Die Siedler im Westjordanland erscheinen regelmäßig in den Nachrichten und Kommentaren als eines der Haupthindernisse für den Frieden im Heiligen Land. Entstanden ist der harte Kern der Siedler aus der „Gush Emunim“-Bewegung der 60er und 70er-Jahre (Gush Emunim – Der Block der Getreuen). In ihrer religiösen Überzeugung sind diese Gruppen immer radikaler, um nicht zu sagen extremistischer geworden. Die Jüngeren sehen sich häufig nicht mehr als Staatsbürger Israels. In ihren Augen ist Israel kein jüdischer Staat mehr, sondern ein Staat von „Israelis“, der nur noch den Interessen der Araber diene. Nur sich selbst sehen sie als echte Juden an, als die wahren Besitzer des Landes, und nicht einmal vom israelischen Obersten Gericht lassen sie sich dieses Recht nehmen. Durch die Forderungen von US-Präsident Barack Obama sind die Siedler wieder einmal in den Mittelpunkt des israelisch-palästinensischen Konflikts geraten. Der Film von Richard C. Schneider zeigt die Geschichte der Siedler und stellt einige von ihnen vor: Eine gute Gelegenheit für die Zuschauer, sie etwas kennenzulernen und sich ein Bild zu machen von ihren politischen wie religiösen Vorstellungen und Zielen.

Do, 11. Okt · 19:00-19:15 · BR-alpha
Hannah Arendt – Das Mädchen aus der Fremde, 2/5, Paria und Parvenu – Porträt einer jüdischen Intellektuellen

Die Serie über Hannah Arendt zeigt ihr Leben, angelehnt an ihre Werke, ihre bedeutenden Beziehungen und Freundschaften, die gleichzeitig auch immer Reflektoren ihrer Arbeiten waren. Die Folgen setzen sich aus inszenierten Sequenzen und dokumentarischen Teilen zusammen. Der rege Briefwechsel Hannah Arendts mit Freunden und Kollegen wird als Gespräche in einem Raum à la „Dogville“ mit Schauspielern dargestellt. Das Interview „Zur Person“, das Günter Gaus 1964 mit Hannah Arendt geführt hat, ist Selbstzeugnis und Dokument zugleich und wird als immer wiederkehrendes Element in jede Folge thematisch eingebunden.

Fr, 12. Okt · 11:00-11:45 · BR-alpha
Damaskus und Südsyrien

Syrien gilt als Wiege unserer Zivilisation und das ist tatsächlich keine Übertreibung: Das erste Alphabet entstand an der syrischen Mittelmeerküste. Die drei großen Weltreligionen haben hier bedeutende Spuren hinterlassen. Judentum, Christentum und Islam verehren heilige Stätten in Syrien.

Fr, 12. Okt · 23:30-01:20 · Das Erste (ARD)
Mogadischu

Am 13. Oktober 1977 bringen vier palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine „Landshut“ auf ihrem planmäßigen Flug vonMallorca nach Frankfurt in ihre Gewalt. Anders als bei der Lorenz-Entführung geht Bundeskanzler Schmidt nicht auf die Forderung der Geiselnehmer nach Freilassung inhaftierter RAF-Terroristen ein. Während Kapitän Schumann durch seinen Einsatz das Leben der Passagiere schützt, wird das Flugzeug über dramatische Zwischenstopps nach Mogadischu entführt. Dank des diplomatischen Geschicks von Minister Wischnewski wird hier schließlich der GSG-9-Einsatz auf somalischem Boden bewilligt. „Mogadischu“, eine moderne deutsche Heldengeschichte, ist die hochemotionale Rekonstruktion der Odyssee von 82 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern an Bord der Lufthansamaschine „Landshut“. Erstmals werden die politisch brisanten Ereignisse unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse fiktional aufbereitet; danach stand der Drahtzieher Wadi Haddad mit dem KGB in Verbindung. Mit Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Jürgen Tarrach, Herbert Knaup, Nadja Uhl u. a. Die noch junge Bundesrepublik erlebt im Herbst 1977 ihre schwerste Bewährungsprobe. Während die Terroristen Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim inhaftiert sind, bereitet die zweite Generation der RAF die Befreiung der Kampfgenossen vor. Unter Aufsicht des palästinensischen Terror-Paten Dr. Wadi Haddad (Youssef Hamid) lassen sich Peter-Jürgen Boock (Franz Dinda) und seine Mitverschwörer im Jemen für bewaffnete Anschläge ausbilden. Zurück in Deutschland, richten Boock und seine Komplizen ein Blutbad an, bei dem sie Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer (Gernot Kunert) in ihre Gewalt bringen. Anders als im Fall der Entführung des Berliner CDU Spitzen-Politikers Peter Lorenz im Februar 1975 geht Bundeskanzler Schmidt (Christian Berkel) diesmal nicht auf die Forderung nach Freilassung der RAF-Terroristen ein. Boock und Mohnhaupt (Bettina Hoppe) wenden sich erneut an Haddad, der mit Unterstützung des KGB eine spektakuläre Aktion einfädelt: Angeführt von „Kapitän“ Mahmud (Saïd Taghmaoui), bringen vier palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine „Landshut“ in ihre Gewalt. Auch Mahmud fordert nun die Freilassung von Baader, Ensslin und Raspe. Während Kanzler Schmidt (Christian Berkel) sich mit Hans-Jürgen Wischnewski (Jürgen Tarrach) berät, leiten die Entführer die mit 82 Passagieren und fünf Crewmitgliedern besetzte Maschine über Rom, Larnaka, Bahrain bis nach Dubai weiter. Kapitän Jürgen Schumann (Thomas Kretschmann) kann unbemerkt die Anzahl der Kidnapper nach draußen melden. Mit viel Geschick gewinnt er das Vertrauen des sadistischen Mahmud und bringt ihn so davon ab, eine jüdische Passagierin (Valerie Niehaus) zu ermorden. Während die hygienischen Zustände an Bord unerträglich werden, fliegt die Maschine weiter nach Aden im damaligen Südjemen. Die dortige Regierung will nicht in den Konflikt verwickelt werden und lässt das Rollfeld mit Panzern blockieren. Aufgrund des Treibstoffmangels ist Schumann zu einer Notlandung auf einem Sandstreifen neben dem Rollfeld gezwungen. Der Kapitän inspiziert das ramponierte Fahrwerk und nutzt die Chance, sich von der Maschine zu entfernen. Schumann kontaktiert Scheich Ahmed (Abdellatif Chaouki), Kommandeur der südjemenitischen Sondereinheit vor Ort. Er fleht ihn an, das offenbar beschädigte Flugzeug um das Leben der Passagiere willen nicht mehr starten zu lassen. Als Ahmed ablehnt, kehrt Schumann zurück, in banger Gewissheit, was nun geschieht: Rasend vor Wut erschießt Mahmud den Kapitän. Kopilot Jürgen Vietor (Simon Verhoeven) fliegt die Maschine weiter nach Mogadischu. Wischnewski, der dem entführten Flugzeug bis hierhin gefolgt ist, überzeugt mit diplomatischem Geschick Präsident Siad Barre (Sofi Mohamed), einem Einsatz deutscher Elitetruppen auf somalischem Boden zuzustimmen. Oberstleutnant Ulrich Wegener (Herbert Knaup) erhält daraufhin den Befehl, die Maschine mit der GSG 9 zu stürmen, die durch diese Aktion internationale Berühmtheit erlangt. Nach 105 bangen Stunden ist die Geiselnahme beendet. „Mogadischu“ ist die emotional packende, hochdramatische Rekonstruktion der „Landshut“- Entführung vor dem Hintergrund des Deutschen Herbstes 1977. Basierend auf den Recherchen des renommierten Dokumentarfilmers Maurice-Philip Remy („Offiziere gegen Hitler“), rückt der Film die Verquickung mit dem KGB und das heldenhafte Schicksal des Piloten Jürgen Schumann ins Zentrum, durch dessen Tod das Überleben der restlichen Geiseln möglich wurde. Hollywoodstar Thomas Kretschmann („King Kong“) zeigt eine der besten Leistungen seiner Karriere. Auch die weiteren Rollen sind hochkarätig besetzt mit Charakterköpfen wie Jürgen Tarrach („Die Musterknaben“) als Hans-Jürgen Wischnewski, Herbert Knaup („Das Leben der Anderen“) als GSG-9-Kommandant Ulrich Wegener, Nadja Uhl („Der Baader Meinhof Komplex“) als tapfere Stewardess Gabriele Dillmann und – täuschend echt – Christian Berkel, der Helmut Schmidt nach „Die Sturmflut“ zum zweiten Mal spielt. Weiterhin zu sehen sind Simon Verhoeven („Unter weißen Segeln – Odyssee der Herzen“), Judith Engel („Der Schattenmann“) und Saïd Taghmaoui („Hass“) als „Kapitän“ Mahmud. Regisseur Roland Suso Richter („Dresden“) zeigt erneut, dass er menschliche Schicksale in einer komplexen Situation beklemmend realistisch darzustellen vermag. Gedreht wurde in Bonn, Berlin und Casablanca.

Sa, 13. Okt · 12:20-13:40 · MGM
Zelig

Der kleine jüdische Angestellte Leonard Zelig (Woody Allen) ist ein Mann ohne Identität. Er kann sich chamäleonartig an seine Umwelt anpassen. Das geht sogar so weit, dass er die physischen Eigenschaften bestimmter Personen annehmen kann. – Woody Allens fiktive Biografie: eine brillante Persiflage auf die Gesellschaft, die Filmindustrie und Dokumentarfilme.

Sa, 13. Okt · 18:00-18:15 · MDR
Unsere bunte Heimat – Toleranz geht durch den Magen

Er führt ein Leben für die Integration: Uwe Dziuballa, jüdischer Gastronom aus Chemnitz. Er liebt und lebt seinen Glauben und will zeigen, wie „normal“ Juden sind – wenn man sie nur lässt. Sein Restaurant „Schalom“ ist das einzige koschere Restaurant in Mitteldeutschland – und zugleich das größte in Deutschland. Hier betreibt er seine eigene Integrationspolitik: Er lädt Juden und Nichtjuden ein, koscheres Essen zu probieren. Uwe Dziuballa ist nicht nur Restaurant-Chef, sondern auch Organisator, Kurator, Vermittler, Dichter – und das „Schalom“ für ihn nur ein Projekt unter vielen. Schalom e.V., so heißt auch der deutsch-jüdisch-israelische Verein in Chemnitz, der es sich zum Ziel gemacht hat, Chemnitz bunt und tolerant zu gestalten: „Ich sehe das Restaurant als Plattform. Dass auch Nichtjuden hier koscheres Essen erleben können, beseitigt Schwellenängste.“ In Chemnitz leben etwa 1.400 Juden, viele davon sind Aus- und Umsiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Uwe Dziuballa ist Ansprechpartner für viele: Für die jüdischen Rückkehrer aus Russland, die zum Großteil über 75 Jahre alt sind und kaum Deutsch verstehen. Oder für eine Schulklasse, die mit einem Juden ins Gespräch kommen will. Im Herbst zieht Dziuballa mit seinem Restaurant um – in einen belebteren Stadtteil von Chemnitz. Bis jetzt steht nur der Rohbau, und bis zur Eröffnung ist noch viel zu tun.

Sa, 13. Okt · 21:05-21:30 · BR-alpha
Der Himmel auf Erden – Kultur der Weltreligionen, 2/6, Das Judentum

Architektur und Kunst waren schon immer Ausdruck spiritueller Sehnsüchte: Megalithe, Moscheen, Tempel, Kathedralen und andere Meisterwerke entstanden und entstehen noch immer in allen Religionen. Die sechsteilige Dokumentarreihe zeigt die kulturellen Errungenschaften der großen Weltreligion – vom Heidentum, über den Judaismus, das Christentum, den Islam, den Hinduismus bis zum Buddhismus.

Mo, 15. Okt · 23:00-00:30 · SWR
Menachem und Fred

Nach fast 60 Jahren begegnen sich Menachem und Fred, einst Heinz und Manfred Mayer, wieder. 1940 wurde die jüdische Familie aus dem badischen Hoffenheim deportiert und in einem Konzentrationslager im südlichen Frankreich interniert. Dank einer jüdischen Hilfsorganisation gelang es, die Kinder in einem französischen Waisenhaus unterzubringen. Zu diesem Zeitpunkt war Heinz neun und Manfred zwölf Jahre alt. Sie sollten ihre Eltern nie wieder sehen. Noch knapp zwei Jahre lang standen die Eltern mit Hilfe des Roten Kreuzes in Briefkontakt mit ihren Söhnen. Im August 1941 kam der letzte Brief der Mutter, kurz vor dem Transport nach Auschwitz. Dort starben die Eltern in den Gaskammern. Nach Kriegsende brach der 17-jährige Manfred das Versprechen, das er den Eltern beim Abschied gegeben hatte, ließ seinen jüngeren Bruder in Europa zurück und ging in die USA. Er nannte er sich fortan Frederick Raymes und verbarg seine jüdische Identität, denn nur so fühlte er sich sicher. Heinz dagegen ging später nach Israel und nahm den hebräischen Namen Menachem an. Beide wurden einflussreiche Mitglieder ihrer jeweiligen Gesellschaft und gründeten Familien. Familien, die sich nie begegneten. Der Dokumentarfilm vom Ronit Kertsner und Ofra Tevet begleitet die Brüder nicht nur bei ihrer Spurensuche in Europa, sondern zeigt sie auch in ihren diametral entgegen gesetzten Lebenssituationen: Fred lebt in Florida und ist in zweiter Ehe mit einer nicht-jüdischen farbigen Frau aus der Karibik verheiratet. Seine Kinder aus erster Ehe sind nicht an ihren jüdischen Wurzeln interessiert. Menachem hat seine Kinder als strenggläubige Juden erzogen, alle drei haben sich als Siedler im Westjordanland niedergelassen. Bei einem Umzug entdeckte Fred die Briefe seiner Eltern aus dem Konzentrationslager und schickte sie seinem Bruder Menachem, mit dem er jahrzehntelang keinen Kontakt gehabt hatte. Daraus entwickelte sich eine E-Mail-Korrespondenz, die zur gemeinsamen Veröffentlichung ihrer Memoiren führte. Aber es gab noch immer kein persönliches Treffen. Erst nach fast 60 Jahren waren die Brüder bereit, sich dem Trauma ihrer Vergangenheit zu stellen und sich wiederzusehen. „Menachem & Fred“ ist eine berührende außergewöhnliche Familiengeschichte über zwei völlig gegensätzliche Wege jüdischen Überlebens.