Edith Buxbaum

Vor 75 Jahren floh die Psychoanalytikerin und Widerstandskämpferin Edith Buxbaum von Wien in die USA…

Von Roland Kaufhold

Edith Buxbaum[01], 1902 in Wien geboren und aufgewachsen, war eine Wiener Gymnasiallehrerin. Sie hatte sich bereits in ihrer Jugend in der – vor allem durch den Psychoanalytiker Siegfried Bernfeldgeprägten – österreichischen Jugendbewegung engagiert. Sie war politisch interessiert und engagierte sich als politisch denkende Jüdin antifaschistisch. Angeregt durch dieses Engagement in der Jugendbewegung las sie psychoanalytische Schriften und besuchte bereits während ihres Studiums psychoanalytische Kurse. 1925 promovierte sie im Fach Geschichte zum Dr. phil. Von 1926-1936 arbeitete sie in Wien als Gymnasiallehrerin. Parallel hierzu – dies war seinerzeit noch möglich – wurde sie 26jährig außerordentliches Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV). 1935 wurde sie wegen ihrer antifaschistischen Betätigung aus politischen Gründen inhaftiert,[02] ihre Inhaftierung löste innerhalb der Wiener psychoanalytischen Kreise starke Ängste aus (s.u.).

Edith Buxbaum war, dies sei noch angemerkt, die ein Jahr ältere Cousine Bruno Bettelheims; beide wuchsen in geschwisterähnlicher Weise gemeinsam auf.

Vor 75 Jahren – im August 1937 – floh die damals 35jährige Untergrundaktivistin Edith Buxbaum angesichts ihrer unmittelbar bevorstehenden erneuten Verhaftung nach New York. Später siedelte sie ins ferne Seattle in Nordamerika über. 1982 verstarb sie 80jährig an dem sozialen Ort, den sie sich als ihre neue Heimat gewählt hatte – in Seattle.

Foto: Edith Buxbaum in den 1970er Jahren, © mit freundlicher Genehmigung von Dan Szekely und The Edith Buxbaum Journal

Über viele Jahrzehnte war sie nahezu vergessen. In der Öffentlichkeit, aber auch unter Psychoanalytikern und Pädagogen. Auch in der Exilforschung. Die in Seattle lebende Autorin Dr. Esther Altshul Helfgott hat Buxbaums Wirken mit ihrem Edith Buxbaum Journal wieder in unsere Erinnerung gebracht. In großzügiger Weise unterstützt wurde sie hierbei durch die in Seattle lehrende Hochschullehrerin Prof. Hamida Bosmajian.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Emigration Edith Buxbaums erinnern wir auf haGalil an Edith Buxbaums bemerkenswertes Wirken.

Kindheit und Jugend in Wien

Edith Buxbaum wurde am 20.4.1902 als einziges Kind der jüdischen Kaufleute Jeanette Seidler Buxbaum (1879-1962) und Samuel Buxbaum (1866-1934) geboren. Sie war eine Cousine des ein Jahr jüngeren Bruno Bettelheim (1903-1990) – ihre Mütter waren Schwestern (s. Raines 2002, S. 21) – , und zugleich dessen engste Kindheitsfreundin. In ihren (unveröffentlichten) Erinnerungen (Schwartz 1978), kurz vor ihrem Tod verfasst, schreibt Buxbaum über ihre Freundschaft mit Bettelheim: „Wir sind wie Geschwister aufgewachsen (…) Bruno und ich mochten einander sehr.“ (Sutton 1996, S. 65f.) Bettelheim wiederum beschreibt ihre enge, geschwisterähnliche Freundschaft mit den Worten: „We became not just good friends but extremely close friends.“ (Raines 2002, S. 21) Ihre Appartements lagen nur wenige Minuten Fußweg auseinander, und Buxbaums Wohnung bildete ein zweites Zuhause für Bettelheim.

Edith Buxbaum lebte bis 1910 in Wien, zog dann für drei Jahre nach Prag und kehrte kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges wieder nach Wien zurück (Schwartz 1978, S. 2).

Buxbaums engste Jugendfreundin war die Psychoanalytikerin Annie Reich (geb. Pink) (1902-1971), in Wien Ehefrau von Wilhelm Reich; bei deren Heirat im Jahr 1922 war sie (gemeinsam mit dem Psychoanalytiker Otto Fenichel) Trauzeugin. Buxbaum engagierte sich, zusammen mit Annie und Wilhelm Reich, Bruno Bettelheim sowie Otto Fenichel, in der österreichischen Jugendbewegung (dem sog. Jung-Wandervogel) sowie in der Friedensbewegung gegen den 1. Weltkrieg. Ausgelöst wurde dieses pazifistische Engagement der 14jährigen durch den Tod von Annie Reichs Bruder in diesem Krieg. Gemeinsam machten sie Ausflüge in den Wiener Wald, diskutierten engagiert über gesellschaftliche Reformen, Jugendbewegung und sexuelle Freiheit und sangen gemeinsam Folklieder, gelegentlich Revolutionslieder. Im Rahmen ihres Engagements in der Jugendbewegung las sie – Bettelheim teilt diese Erfahrung mit ihr[03] (s. Kaufhold 2001) – mit 13 Jahren Freuds Schriften, u.a. seine „Traumdeutung“, („… and I knew it by heart for years“); bald darauf seine gerade erschienene „Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse“ („… Of course: everybody read that. In THAT group, everybody read that!“ (Schwartz 1978, S. 6f.)) Ihr Engagement in der sozialistisch-pazifistischen Jugendbewegung bildete ein – dies sei deutend hinzugefügt – psychosoziales Moratorium, ermöglichte ihnen eine Ablösung, eine Emanzipation vom Elternhaus (s. Sutton 1996, S. 71).

In dem Gespräch mit ihrer amerikanischen Kollegin Lawrence H. Schwartz (1978, S. 4) erinnert sich Buxbaum an die prägenden Spuren dieser frühen Erfahrung:

„EB: Well, I became acquainted with analysis in this Youth Movement.

LS: So this was extremely important for your own development.

EB: That´s right, but it was important for all the people who were in it. I mean, it was much more important than any school. (…) We were offered a room someplace where we had our discussions if we didn`t go outside into the country, but had them in the city. I remember that one of them was in the Augustina Kirche for a long time. This was the church where the tombs of the Hapsburgs are located. We had this room, and had our very antireligious discussions right here!“

Für Bruno Bettelheim erwuchs aus diesem Engagement in einer Gruppe Gleichaltriger und Gleichgesinnter eine zumindest vergleichbare emanzipatorische Erfahrung (s. Aichhorn 2003, Kaufhold 2001, 2003, S. 221-223). Theron Raines, Bettelheims langjähriger Literaturagent, beschreibt in seiner Bettelheim-Biographie die Bedeutung des Jung-Wandervogels für dessen Identitätsentwicklung folgendermaßen:

„`The Wandervogel was a good escape valve,´ Bettelheim said. `It made us feel freer, and in my case it really changed many of my ideas about society. We have nothing analogous to it in this country, certainly not the protest movements in the sixties. Wandervogel was completely nonviolent, we were against violence altogether. You see, Wandervogel was more of an exploration than a protest. Nobody said, `Let´s smash it all!´Maybe we thought we were more revolutionary than we were.´“ (Raines 2002, S. 21f.)

Diese Interpretation wird durch Bettelheims Erinnerungen an seine ihn lebensgeschichtlich prägenden Wiener Jugenderinnerungen gestützt, wie er sie in seinem letzten Buch „Themen meines Lebens“ (1990) wiedergegeben hat. Bettelheim hebt die Bedeutung der durch seine Gespräche mit den Reichs, mit Fenichel und Edith Buxbaum angeregte Lektüre der Schriften Freuds sowie der reformorientierten Pädagogen – welche in so markantem Gegensatz zum Erziehungsklima seines Gymnasiums stand – hervor, wenn er ausführt:

„Daher enthielten die ersten Bücher, die auf mich wirklich befreiend wirkten, Kritik am bestehenden Erziehungssystem; sie stützten meine Überzeugung, daß es für die Jugend bessere Erziehungsmethoden geben müsse. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, ob ich vor oder nach meinem Beitritt zum Jung-Wandervogel, der linksgerichteten Jugendbewegung in Wien, auf die Freie Schulgemeinde aufmerksam wurde, die Gustav Wyneken (…) ins Leben gerufen hatte. Das Motto des Jung-Wandervogels lautete verkürzt „ADEA“, was „Abonniere den Anfang“ bedeutete; der Anfang war die Zeitschrift dieser Bewegung für eine Schulreform. Ich abonnierte ihn in der Tat.[04]

Ich war begeistert von den dort propagierten Erziehungsmethoden. (…) Was ich aus dem Anfang lernte und erfuhr, war wirklich ein Neugbeginn für mich. Es bildete die Grundlage für meine pädagogischen Überzeugungen, die ich viele Jahre später in den Vereinigten Staaten in die Praxis umsetzte, als ich der Leiter einer Pionierinstitution des Erziehungswesens wurde. So war diese Lektüre von ausschlaggebender Bedeutung für meine persönliche, intellektuelle und berufliche Entwicklung.“ (Bettelheim 1990, S. 116)

Diese Identifikation Bettelheims insbesondere mit dem außergewöhnlich talentierten und produktiven Wilhelm Reich kommt auch in Raines´ Biographie zum Ausdruck, in der dieser Bettelheim zitiert:

„So through Annie Reich I got to know Willy Reich. (…) I was already friends with Otto Fenichel, and I was also very friendly with Siegfried Bernfeld and a few analysts of the younger generation. But Willy was so delightful and so extraordinary that I suppose I began to accept him as a kind of mentor, at least at first. We didn´t think in this terms we were just friends but he was a fascinating person, so very persuasive in his explanations and extremely brilliant. (…) He was a glowing personality, very charming, lively, and open in his manner. Willy was lovable, he had a magnetism that drew people to him. In any event, he was important to me because of our friendship and the wonderful conversations about analysis, which we all took part in. Edith, Annie, and Willy were all analysts  I was the only outsider  and we talked for hours. However, it was somehow Willy who first brought me systematically to analysis. (…) In my opinion, he was a genius, and with a genius you always get a lot of things you don`t like  the striking intuitions are there, but you also get very unpleasant aspects of character, flaws of character.“ (Raines 2002, S. 32f.)

Kommen wir zu Edith Buxbaum zurück: Sie besuchte das im VIII. Wiener Bezirk gelegene Mädchenrealgymnasium. Gleich gegenüber, auf der Albertsgasse, lag das Bundesrealgymnasium, welches Bettelheim besuchte, nur zehn Minuten von seiner Wohnung entfernt gelegen. Wechselseitig halfen sie sich bei den Prüfungen, in Mathematik und Latein, gemeinsam mit Annie Reich (s. Sutton 1996, S. 70, 87). 1920 legte Edith Buxbaum dort ihr Abitur ab, Bettelheim folgte ein Jahr später, im Juli 1921.

Noch im gleichen Jahr nahm die 18jährige am ersten Wiener psychoanalytisch-pädagogischen Seminar teil, welches vom Aichhorn-Schüler Hager geleitet wurde. Buxbaum erinnert sich:

„We had a group where we discussed problems concerning children. What you have now are child therapy seminars, but it wasn´t child therapy: it was psychoanalytic principles applied to education, which is what Aichhorn was interested in. (…) The group was a rather interesting. It was held in a rented room of Reich´s – in the back of it, next to Freud´s (room). There was Wilhelm Reich and Anni Pink, and me, and there was Jennie Pollack and Robert Waelder, and Greta Lehnert and Edward Bibring.“ (Schwartz 1978, S. 8)

Buxbaum spezialisierte sich jedoch noch nicht auf die Psychoanalyse, sondern studierte und promovierte im Fach Geschichte; einige Vorlesungen besuchte sie gemeinsam mit Bettelheim, mit dem sie weiterhin unzertrennlich verbunden war. Nach ihrer Promotion arbeitete sie von 1926-1936 als Gymnasiallehrerin in Wien. Mit dem ersten verdienten Geld finanzierte sie sich ihre ca. dreijährige analytische Ausbildung (bei Hermann Nunberg (1884-1970); ab 1935 eine zweite Analyse bei Salomea Gutmann-Isakower (1888-1974)). Ihre Freundin Annie Reich machte zeitgleich ihre Analyse bei Wilhelm Reich.

Edith Buxbaum wurde Mitglied des von Anna Freud 1927 gegründeten kinderanalytischen Seminars. An diesem Seminar nahmen zahlreiche Amerikanerinnen teil, die nach Wien gekommen waren, um die Psychoanalyse kennenzulernen – ein glücklicher Umstand, der einige Jahre später maßgeblich zum „partiellen“ Überleben der Psychoanalyse und der Psychoanalytischen Pädagogik im amerikanischen Exil beitragen sollte (s. Kaufhold 2001[05], Mühlleitner/Reichmayr 2003, S. 78, Aichhorn 2003a, b, c, Wirth 2003). Buxbaum besuchte während ihres Studiums Kurse der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV); in ihrem ersten Referat vor der WPV im April 1931 zum Thema „Reaktion auf Fragestunden in der Klasse“ behandelte sie ihre schulischen Erfahrungen.

Sie war politisch fortschrittlich engagiert und arbeitete in der von Wilhelm Reich sowie Marie Frischauf 1928 in Wien gegründeten „Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung“ sowie ab 1930 in der „Proletarischen Sexualberatungsstelle“. Zugleich bildete sie Pädagogen in der Psychoanalyse aus und leitete eine Arbeitsgemeinschaft zur Anwendung der Psychoanalyse auf praktische Pädagogik. Sie spezialisierte sich auf die Kinderanalyse und veröffentlichte zwischen 1930 und 1936 mehrere Aufsätze in der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik: „Analytische Bemerkungen zur Montessori-Methode“ (1932, 6, S. 324-333); „Angstäußerungen von Schulmädchen im Pubertätsalter“ (1933, 7, S. 401-409); „Detektivgeschichten in ihrer Rolle in einer Kinderanalyse“ (1936, 10, S. 113-121) (s.u.). 1936 erschien ihr psychoanalytisch-pädagogischer Beitrag „Massenpsychologische Probleme in der Schulklasse“.

Über ihr antifaschistisches Engagement schreibt Mühlleitner (1992, S. 59): „1935 wurde Buxbaum auf Grund ihrer politischen Aktivitäten als Sozialistin für kurze Zeit inhaftiert und von der Schule entlassen; der Vorfall rief in der Wiener Vereinigung Aufsehen hervor.“ Und Buxbaum erinnert sich an ihre Untergrundtätigkeit: „Oh, I had been active in the Left, in Communist activities. I wasn´t a Communist, but I was a fellow traveler and I helped people do things with the Underground. In one of the activities I helped get going, they got caught and so I got caught, and I was in jail.“ (Schwartz 1978, S. 28)

Diese Inhaftierung Buxbaums – die eine vierwöchige Haftzeit in einem Wiener Gefängnis zur Folge hatte – führte, verbunden mit der kurzzeitigen Inhaftierung der in Analyse befindlichen Marie Langer sowie der in Berlin tätigen Analytikerin Edith Jacobson durch die Gestapo, zu dem von Paul Federn ausgesprochenem „Abstinenzgebot“ – dem Verbot für Analysanden, sich zeitgleich neben der Analyse im politischen Widerstand zu engagieren; eine Entscheidung, die beispielsweise von Ernst Federn – der selbst in außergewöhnlich mutiger Weise im antifaschistischen Kampf engagiert war und von den Nationalsozialisten sieben Jahre lang in Dachau sowie Buchenwald gefangengehalten wurde (s. Kaufhold 1998, 2001, Federn 1985, 1998) – verteidigt wird, aber auch entschiedene Kritik hervorgerufen hat (s. Fallend/Nitzschke 2002).

Flucht in die USA: New York und Seattle / Washington

Die damals 35jährige Buxbaum floh kurz darauf – im August 1937 – wegen ihrer unmittelbar bevorstehenden erneuten Verhaftung nach New York; Sutton (1996, S. 102) bemerkt hierzu, dass wegen ihres radikalen antifaschistischen Engagements „bei Kriegseintritt der Vereinigten Staaten ihr Name auf einer FBI-Liste verdächtiger Ausländer auftauchte, die angeblich `eine Gefahr für die nationale Sicherheit´ darstellten.“ Ihre Flucht wurde durch den Direktor des New York Bank Street Cooperative for Teachers ermöglicht, welcher für sie eine Stelle schuf, die Voraussetzung für ein US-Visa.

Buxbaum, die (wie Bettelheim) auf die Eintragung ihres Doktortitels in ihre Einwanderungspapiere insistiert hatte, trat dort diese Stelle als Lehrerin an, und es gelang ihr, sich binnen kürzester Zeit in New York – ohne Medizinexamen (!) – als Psychoanalytikerin niederzulassen. [Edith Buxbaum was not a medical doctor in Europe. Nor was Bettelheim. They had no reason to re-take medical exams. Their requests to be called „Doctor“ was no doubt to the immigration authorities. Dr., of course, referred to the Ph.D., editor].Dies erscheint als sehr bemerkenswert, da die dortige analytische Vereinigung von medizinisch orientierten Analytikern dominiert wurde, welche um ihre finanziellen Interessen fürchteten. Fritz Redl, der ebenfalls in Wien als Gymnasiallehrer gearbeitet (s.o.) und gemeinsam mit Bettelheims erster Frau im Sommer 1932 auf der berühmten Burg Schallaburg eine (von Bettelheim mit privaten Mitteln finanzierte) Ferienfreinzeit für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche durchgeführt hat (s. Kaufhold 2003b, S. 282) – war bereits einige Monate früher in die USA gegangen, auf Einladung der Rockefeller-Stiftung.

Edith Buxbaum spezialisierte sich in ihrer neuen Heimat auf die Kinderanalyse und unterrichtete am angesehenen, von Sandor Rado geleiteten psychoanalytischen Institut New Yorks (Sutton 1996, S. 232).

Buxbaum setzte sich weiterhin sehr nachdrücklich für zahlreiche ihrer Wiener Kollegen – insbesondere für ihren in Dachau und Buchenwald festgehaltenen Cousin Bruno Bettelheim – ein, indem sie Affidavits organisierte. Sutton (1996, S. 232) bemerkt: „Aufgrund dieser Kontakte war es ihr gelungen, die Amerikanische Psychoanalytische Vereinigung zur Unterstützung des Vorhabens zu mobilisieren, Bruno Bettelheim nach Amerika zu holen.“ (s. Kaufhold 2001) Nach Bettelheims glücklicher Emigration in die USA bemühte sie sich sehr um ihn und erleichterte ihm einen biografischen Neuanfang im amerikanischen Exil. So wohnte dieser unmittelbar nach seiner Flucht in die USA in ihrem Appartement (Raines 2002, S. 130). Gemeinsam unternahmen sie eine Reise durch die USA, um es Bettelheim zu ermöglichen, Abstand von seinen traumatischen Konzentrationslager – Erfahrungen zu gewinnen. Sutton beschreibt diese Reise mit den Worten:

„Im Juli (1939, R.K.) schlug Edith Buxbaum ihrem Vetter vor, das restliche Amerika zu erkunden. (…) Also brachen sie in Ediths altem Cadillac-Cabriolet auf, Amerika zu entdecken, – wie es sie einst als junge Wandervögel in die österreichischen Wälder gezogen hatte. Edith bezahlte alles. Aus Geldnot schliefen sie meist unter freiem Himmel, nur ab und zu stiegen sie in einem der kleinen Motels ab, die die amerikanischen Landstraßen säumen. Ihre erste Etappe war Chicago, wo Bruno seinen alten Freund Fritz Redl wiedersah und viele andere Wiener kennenlernte, die von der angesehenen Universität der Stadt angezogen worden waren.“ (Sutton 1996, S. 232f., s. Raines 2002, S. 132-135)

Weiterhin gelang es Buxbaum, ihrer Mutter sowie ihrem späteren Ehemann, dem Wiener Juristen Fritz Schmidl (1897-1969), die Emigration nach New York zu ermöglichen. Dieser erwarb in den USA eine Zusatzqualifikation als social worker und arbeitete zeitweise gemeinsam mit ihr – ganz im Einklang mit der vor allem von August Aichhorn sowie Siegfried Bernfeld geprägten „Wiener Tradition“ (s. Aichhorn 2003a, b, Fisher 2003) – im Grenzbereich zwischen Pädagogik, Sozialarbeit und Psychoanalyse.

Eine Fortsetzung ihres politischen Engagements in den USA war ihr – wie nahezu allen deutschsprachigen Emigranten – angesichts der dortigen radikal veränderten Lebenssituation nicht möglich (s. Kaufhold 1998, 2001, 2003). Buxbaum bemerkt: „I didn´t think that I could. In Europe, I knew what I was talking about and I knew what the circumstances were. Here, I felt that I didn´t know anything about what was going on in the country. In fact, I stopped any political activity after I was arrested in Vienna, because I would have endangered anyone with whom I´d been in contact. So that was finished.“ (Schwartz 1978, S. 30, s. Kaufhold 2003)

Von 1938-46 arbeitete sie in New York als Analytikerin und Supervisorin und lehrte von 1944-1947 an der New School for Social Research Psychologie. Sie wirkte am New York Psychoanalytic Institute, als Beraterin am Little Red Schoolhouse, the Town School, the Children´s Aid Society sowie an der Community Service Society (Helfgott 2002, Schwartz 1978). Sie hielt zahlreiche Vorträge und kinderanalytische Seminare für die Child Welfare League sowie die Bank Street Cooperative for Teachers – ein symbolischer Dank für die Institution, welche ihre Emigration in die USA ermöglicht hatte. Zu ihren Freunden in der neuen Heimat gehörten die ebenfalls aus Wien vertriebenen Psychoanalytikerinnen Judith S. Kestenberg (1910-1999)[06] und Else Pappenheim (s. Kaufhold 2009).

1947 übersiedelte sie nach zehnjähriger Tätigkeit in New York nach Seattle und arbeitete dort 25 Jahre lang als Psychoanalytikerin sowie als Beraterin für verschiedene Wohlfahrtsorganisationen, u.a. der Community Service Society und in der Northwest School (Seattle, Washington). Ihre Identifikation mit dem Judentum mag in dem Umstand erkennbar werden, dass sie von 1965-66 – zwei Jahre nach Bettelheims legendärem Studienaufenthalt in Israel (vgl. Bettelheim, 1969) – ihr akademisches Jahr in Israel verbrachte. Sie arbeitete dort als Supervisorin sowie als Beraterin für Erzieher und Therapeuten an einer Kinderklinik eines Kibbutzim. Erinnert sei in diesem Kontext an die zeitgleich entstandenen Kibbutz-Studien ihrer ebenfalls aus Wien in die USA vertriebenen Kollegen Bruno Bettelheim sowie Rudolf Ekstein (geb. 1912), beide ebenfalls aus dem sie existentiell prägenden Kreis der Wiener Psychoanalytischen Pädagogik kommend (Bettelheim 1969, Ekstein 1969, s. Kaufhold 2001, S. 185-192, 2003).

In den 70er Jahren war Edith Buxbaum Assos. Clinical Professor für Kinderpsychiatrie der Universität Washington, Seattle, und baute das Seattle Institute for Child Analysis auf. Privat schloss sie an ihre in ihrer Wiener Jugend geprägten musikalischen Interessen an und intensivierte ihr Klavierspiel; weiterhin erlernte sie das Violinspiel. Sie publizierte die Bücher „Your Child Makes Sense: A Guidebook for Parents“ (New York 1949, 1970) sowie „Troubled Children in a Troubled World“ (New York 1970).

Wissenschaftliche Publikationen zur Psychoanalytischen Pädagogik

In einem frühen Sammelband zur Psychoanalytischen Pädagogik (Ammon 1973) sind drei Studien Edith Buxbaums aus diesem letztgenannten Werk auf Deutsch publiziert worden (S. 190-237). Hierin bezieht sie sich u.a. auf die in den USA publizierten Studien ihrer ebenfalls aus Wien vertriebenen psychoanalytisch-pädagogischen Kollegen Erik H. Erikson, Otto Fenichel, Anna Freud, Anny Katan, Ernst Kris, Margarete Mahler sowie Rene Spitz (s. Kaufhold 2001, 2003, 2003b).

Eine breitere Rezeption ihres kinderanalytisch-pädagogischen Wirkens im deutschsprachigen Raum wurde durch die Übersetzung ihrer Studie „Die Rolle der Eltern bei der Ätiologie von Lernstörungen“ ermöglicht; ihr Beitrag kann als eine der ersten deutschsprachigen Studien zur Psychoanalytischen Pädagogik der Nachkriegszeit gelten (s. Kaufhold 2001). Die Studie erschien 1964 in „The Psychoanalytic Study of the Child“ (19, S. 421ff.) – eine amerikanische Zeitschrift, die als der Nachfolger der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik gelten kann – , 1966 in der „Psyche“ (20, S. 161-187), 1969 in gekürzter Fassung in Bd. II des von G. Biermann herausgegebenem „Handbuch der Kinderpsychotherapie“ sowie (in abweichender Übersetzung) in dem Sammelband „Psychoanalytische Pädagogik“ von Ammon (1973). Im Folgenden beziehe ich mich auf die Version in Ammons Buch.

Buxbaum veranschaulicht hierin sowohl aus intrapsychischer als auch – und dies war seinerzeit neu – aus familientherapeutischer Perspektive das Zusammenwirken zwischen Schule und therapeutischer Behandlung mit psychisch kranken Kindern. Sie entsprach mit diesem modifiziertem bzw. erweitertem psychoanalytischem Ansatz Horst-Eberhard Richters zeitgleich im deutschsprachigen Raum in Entstehung begriffener Studie „Eltern, Kind und Neurose“ (1963), welche sich ja ebenfalls auf die verlorengegangene, ausgelöschte Tradition der Psychoanalytischen Pädagogik berief (s. Richter 2003, Kaufhold 2001).

Klinischer Hauptbezugspunkt ihrer kinderanalytischen Studie ist ihre zehnjährige Tätigkeit mit psychogen lernbehinderten und – hierdurch z.T. bedingt – verhaltensauffälligen, z.T. auch sprachbehinderten Kindern und Jugendlichen (im Alter von sechs bis zwölf Jahren) an der Northwest School, Seattle, welche von 1953 – 1963 in der Northwest Clinic untergebracht war. Buxbaum betont: „Die Nähe von Therapeuten und Schule gestattete einen Grad von Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Therapeuten, die über die regelmäßig geplanten individuellen und Stabsbesprechungen hinausgingen.“ (S. 209) Durch ihre enge Zusammenarbeit mit Lehrern und Eltern war es ihr möglich, die Dynamik von deren Störung vor allem als eine interpersonale zu verstehen.

Ihre Beschreibung der psychogenen Lernstörungen dieser „Sonderschüler“ – welche uns an die zahlreichen, als wegweisend geltenden Studien der Psychoanalytischen Pädagogen Aloys Leber, Hans-Georg Trescher und Manfred Gerspach erinnern – sowie von deren Lernschwierigkeiten ist von ungebrochener Aktualität. Buxbaum führt aus:

„Ich betrachte eine universelle Lernschwierigkeit als eine gestörte Ich-Funktion, die in einer teilweise symbiotischen Beziehung zwischen Mutter und Kind begründet ist. Das Kind, dessen schulischen Lernschwierigkeiten universell sind, ist nicht nur auf dem Gebiet des Lernens gestört. Es hat auch immer Verhaltensprobleme. Das Kind ist unfähig, irgendeinen Druck zu ertragen, zum Beispiel länger auf einem Stuhl zu sitzen, als es das selbst will. Seine Aufmerksamkeitsspanne ist äußerst kurz; es kann keine Frustrierung tolerieren, sondern bricht bei der kleinsten Schwierigkeit in Tränen aus oder bekommt Wutanfälle. Es wird sich von niemand etwas lehren lassen. Es befindet sich in einem unaufhörlichen Liebeskampf mit seiner Mutter.“ (S. 208)

Buxbaum veranschaulicht ihre Interpretationen durch mehrere ausführliche Fallstudien; sie verdeutlicht u.a. den Zusammenhang zwischen Lesestörungen und unterdrückten Aggressionen.

In Ammons Sammelband (1973) sind noch zwei weitere Studien Buxbaums publiziert. In dem an Eriksons sowie Spitzs Studien zur Identitätsentwicklung angelehnten Beitrag „Das Problem der Trennung und das Gefühl der Identität“ (Buxbaum 1973b) diskutiert sie die Bedeutsamkeit der Bewältigung von Trennungserlebnissen von Kindern für deren psychische Gesundheit. Der Heranbildung eines Zeitgefühls – und somit eines Wissens darum, dass die abwesende Mutter wieder zurückkehrt und nicht für ewig verschwunden ist – beim Kleinkind kommt eine zentrale Bedeutung für die Bewältigung solcher Trennungserlebnissen zu. Buxbaum bemerkt: „Um diese Vorstellung akzeptieren zu können, muß das Kind in der Lage sein, sich daran zu erinnern, dass die Mutter, die wegging, zurückkehrte. Wenn diese Erfahrung einmal etabliert ist, kann es auf sie warten, ohne in tiefste Verzweiflung zu versinken.“ (S. 193) Hiermit schließt Buxbaum übrigens an Bettelheims diesbezüglichen Studien zur Identitätsentwicklung bzw. gescheiterten Identitätsentwicklung von autistisch-psychotischen Kindern an (s. Kaufhold 2001, S. 167-185). Dem Kind sollte eine Möglichkeit eröffnet werden, seine Gefühle der Enttäuschung sowie der Aggression schuldfrei auszudrücken; auf diesem Wege tritt an die Stelle der (passiven, autoaggressiven) Depression eine gesunde Aktivität. Buxbaum betont:

„Man kann niemand trauen, wenn man ihn nicht zuerst getestet hat. Das Kind muß das Gefühl haben, dass es unartig sein kann, ohne deswegen in Stich gelassen zu werden. Wenn das Kind aber wieder verlassen wird, nachdem es eine neue Bindung hergestellt hat, könnte seine Fähigkeit zu vertrauen, schwer, wenn nicht unwiderruflich geschädigt werden. Das Kind wird versuchen, auf welche Weise ihm das auch möglich ist, zu überleben, indem es kämpft oder indem es sich unterwirft, wirklich lieben wird es aber niemand.“ (S. 194)

In „Aktivität und Aggression bei Kindern“ (Buxbaum 1973c) führt Buxbaum diese Überlegungen fort und greift hierbei auf Freuds frühes Konzept der Aggression als eine Form des Selbsterhaltungstriebes zurück. Dessen Manifestationen können sowohl konstruktiv als auch destruktiv sein bzw. in konstruktiver oder aber zerstörerischer Weise verwendet werden. Sie stellt eine Verbindung zwischen den einzelnen Phasen der libidinösen Entwicklung sowie den jeweiligen kindlichen Symptomen im Sinne von Fixierungsstellen her. Der Möglichkeit und Fähigkeit des Kleinkindes, Kontrolle über seinen Körper sowie seine Beziehung zu seinen Eltern zu erhalten, kommt eine zentrale Bedeutung für dessen gesunde oder aber pathologische Entwicklung zu. Buxbaum stellt eine Beziehung zwischen der zwanghaften Persönlichkeitsstruktur von Müttern, Einschränkungen im Übungsstadium von kindlichen Aktivitäten sowie Symptomen wie Einnässen, Ess- oder Sprachstörungen her.

Erwähnung verdient auch noch ihre 1936 – also noch in Wien – publizierte Abhandlung „Detektivgeschichten und ihre Rolle in einer Kinderanalyse“, welche sie fünf Jahre später in den USA auch auf englisch im Psychoanaltic Quarterly publizieren sollte. Hierin analysiert sie, von ihrer praktischen schulischen Arbeit im Deutschunterricht ausgehend, aus psychoanalytischer Perspektive das Problem unterschiedlicher Bewertung der kindlichen Lesestoffe seitens der Erwachsenen bzw. der Kinder. Lesestoff, welchen Kinder als faszinierend und attraktiv erleben, der unbewusste Triebkräfte und Phantasien freisetzt und welchen sie geradezu lustvoll verschlingen, steht in der Gefahr, von einer „moralischen Pädagogik“ entwertet, gar verboten zu werden. Jeglicher „pädagogischer“ Eingriff in die Lektüreprozesse der Kinder, jede wie auch immer begründete bzw. rationalisierte „pädagogische Maßnahme“ erscheint Buxbaum als fragwürdig. In ihren einleitenden Bemerkungen führt Buxbaum aus:

„Der Detektivroman ist ein wichtiger Bestandteil der Literatur. Erwachsene und Kinder lesen ihn mit gespanntem Interesse und sind in gleicher Weise unwillig über jede Unterbrechung der Lektüre; während aber der Erwachsene, was und wann er will, lesen kann, sind die Kinder sehr oft gezwungen, sich mit ihrer spannnenden Letüre zu verstecken. Ein Teil der Erzieher hält es nämlich immer noch für richtig die Zöglinge vom Lesen dieser `Schundromane´ abzuhalten oder sie dabei wenigstens soviel als möglich zu stören .

Die Erfahrung lehrt, dass pädagogische Massnahmen dieser Art – sei es nun, dass man verbietet, kritisiert oder versucht, die Verurteilung beim Kinde selbst hervorzurufen – zumeist fehlschlagen und nur den Erfolg haben, dass das Kind von nun an vorsichtiger ist. Wenn wir gegen eine Gewohnheit oder Unart der Kinder mit unserer Pädagogik und mit den Mitteln der Vernunft machtlos sind, nehmen wir an, dass sie eine unbewußte Bedeutung haben, zu deren Aufdeckung wir die Analyse zu Hilfe rufen können.“ (Buxbaum 1936, S. 113)

Buxbaum stand hiermit seinerzeit nicht allein:

Die amerikanische Schriftstellerin und Buxbaum-Forscherin Esther Altshul Helfgott (2002) (Seattle) veranschaulicht die ungebrochene Kontinuität zwischen Edith Buxbaums psychoanalytisch-pädagogischer Prägung in Wien sowie ihrem kinderanalytischem und pädagogischem Engagement in Seattle:

„In Seattle, lack of a medical degree did not hinder Buxbaum´s ability to develop a practice or a professional following. In fact, her connection to social work and education would ultimately allow her to extend her influence well beyond the psychoanalytic community that she helped form. Many of the social workers and educators whose lives she touched would remain in awe of her long after her death. (…) Edith Buxbaum put Seattle on the psychoanalytic map. How could she not? Her connection to Viennese psychoanalytic society, particularly her studies with Anna Freud, gave Buxbaum an exultant, if not royal, status in this out-of-the-loop Northwest town. (…) In fact, given Buxbaum´s propensity to link psychoanalytic principles to early childhood education, along with her connection to Seattle educators and social workers, she was instrumental in extending institutional psychoanalysis beyond its limited frontier. As with Anna Freud and a host of other teachers, many of them women, Buxbaum was part of a movement of European educators who came to child psychoanalysis in their second careers. These child analysts entwined their previous learning experiences with psychoanalysis. Buxbaum was part of this movement to create a psychoanalytic pedagogy and bring it to the wider community.“ (Helfgott, 2002)

Ihr ebenfalls in Wien aufgewachsener Kollege Richard Sterba (1898-1989) – bei dem u.a. Bettelheim mit seiner Lehranalyse begonnen hatte und der als einziger bekannterer nicht-jüdischer Analytiker aus Solidarität mit seinen jüdischen Kollegen vor den Nazis in die USA emigriert ist (s. Kaufhold 2001, 2003, Fisher 2003) – erinnerte sich 80jährig in Detroit an Edith Buxbaums Wirken: „Eines der nichtärztlichen Mitglieder, die weitverbreitete Anerkennung in der analytischen Welt erlangten, war Edith Buxbaum. Ihr tiefes menschliches und analytisches Verständnis für Kinder verschaffte ihr frühzeitig in ihrer Karriere einen Ruf als glänzende Therapeutin für Kinder und Jugendliche. Wir waren befreundet und genossen zusammen viele Ausflüge in den Wienerwald.“ (Sterba 1985, S. 151) Auf S. 58 seines Buches findet sich ein Foto vom September 1928, auf dem Buxbaum u.a. gemeinsam mit den Reichs, den Sterbas sowie Annie Angel-Katan am Strand der Donau abgebildet ist.

Edith Buxbaum starb am 14. Juli 1982.

Nachtrag: Warum wurde Edith Buxbaum „vergessen“?

Ich habe diese Studie nach ihrer Fertigstellung einigen Kollegen übersandt. Mir wurde bestätigt, dass Edith Buxbaum selbst in psychoanalytischen Fachkreisen entweder vollständig unbekannt ist, oder aber dass man ihren Namen zwar gehört hat, jedoch nichts von ihr weiß – was auf das Gleiche hinausläuft. Ich möchte thesenartig einige Überlegungen vorstellen, weshalb Edith Buxbaum hierzulande „vergessen“ worden ist.

1. Edith Buxbaum gehörte in den 30er Jahren zum Kreis der jungen, noch nicht so anerkannten Analytiker. Sie hatte zwar einzelne Aufsätze publiziert, jedoch noch kein zusammenhängendes Buch. Das Erscheinen der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, in der sie die Mehrzahl ihrer Studien publiziert hatte, wurde eingestellt, die Kontinuität dieser progressiven, gesellschaftskritischen Tradition abrupt abgebrochen. Durch ihre frühe Emigration – der größte Teil der Wiener Psychoanalytiker und Psychoanalytischen Pädagogen emigrierte erst in den Jahren 1938 und 1939 – konnte sie in Wien nicht mehr wirken und ist so „vergessen“ worden. Sie hinterließ Mitte der 30er Jahre in Wien quasi keine Spuren mehr. Ihre politisch und rassistisch bedingte Flucht nach ihrer Verhaftung (sowie des damit einhergehenden Ausschlusses aus ihrem Lehrerberuf und ihrer politischen Überwachung) – sie mußte emigrieren! – dürfte innerhalb ihrer „Zunft“ zutiefst ambivalente Gefühle ausgelöst haben, weil sie sehr früh etwas machte, wovor man sich fürchtete und was man doch befürchtete – und eben deshalb verdrängen musste. Spätestens seit den Publikationen von Lohmann (1984), Lockot (1985), Reichmayr (1990), Fallend/Nitzschke (2002), Reichmayr//Mühlleitner (1998) sowie den diversen diesbezüglichen Publikationen von Paul Parin (s. Parin/Parin-Matthèy (2000)) dürfte innerhalb der psychologischen Disziplinen deutlicher und bewusster geworden sein, wie traumatisch und zugleich prägend sich der Nationalsozialismus für die Psychoanalyse sowie insbesondere die Psychoanalytische Pädagogik ausgewirkt hat – er war ein Trauma, welches bis heute nur sehr begrenzt „aufgearbeitet“ worden ist. Die Erinnerung an die radikale Antifaschistin Edith Buxbaum hätte dieses Trauma reaktiviert. Insofern dürfte die Erinnerung an sie auch bei einigen ihrer Wiener Kollegen Schuldgefühle ausgelöst haben, weshalb sie „zusätzlich“ „vergessen“ bzw. ihr Wirken in Wien sowie den USA nicht tradiert wurde.

2. Buxbaum wirkte im Bereich der Kinderanalyse, im Umkreis um Anna Freud; die Kinderanalyse wurde – zumindest seinerzeit – innerhalb der Psychoanalyse „nicht sonderlich ernst“ genommen, war ein „praxisorientiertes“, noch recht dubioses Verfahren, welches man gerne „den Frauen“ überließ (s. Fisher 2003). Eine psychoanalytisch orientierte Arbeit mit Kindern insgesamt erschien als eine fragwürdige Angelegenheit, mit der man innerhalb der „Zunft“ schwerlich Ansehen erlangen konnte. Anna Freud als Mitbegründerin der Kinderanalyse bzw. der Psychoanalytischen Pädagogik hat ja vermutlich nur deshalb solches Ansehen erlangt, weil sie die Tochter Sigmund Freuds war. In diesem Zusammenhang erscheint mir die Einschätzung Bettelheims erhellend, welche er in seinem letzten Gespräch mit David James Fisher – Psychoanalytiker aus Los Angeles und Analysand Rudolf Eksteins – folgendermaßen formulierte: „Ich weiß nicht. Ich hatte immer den Verdacht, dass Freud niemals die Kinderanalyse akzeptiert hätte, wenn sie nicht von seiner Tochter begründet worden wäre. Sie wissen, gerade mit Kindern, man kann sie nicht auf die Couch legen und einfach analysieren. Man muss mit ihnen spielen und aktiv werden, etwas, das in Freuds Augen nicht sehr angemessen für die Analyse war. Es gab persönliche Gründe dafür, dass er Abweichungen vom klassischen Modell zuließ.“ (in: Fisher 2003, S. 148)

3. Durch ihre Verhaftung (neben Edith Jacobson und Marie Langer; Ernst Federn mit seiner insgesamt einjährigen Inhaftierung schon vor 1938 sowie seiner siebenjährigen Gefangenschaft in Dachau und Buchenwald ist innerhalb dieser Thematik wirklich ein „Sonderfall“, s. Kaufhold 1998, 2001, 2003a) ist ihr Name mit der bekanntlich bis heute kontrovers geführten Diskussion verknüpft, „ob Analyse und politischer Widerstand vereinbar“ ist (s.o.). In einer gewissen Weise ist dieser Diskussion bis heute mit einem Tabu verknüpft. Auch dieser Umstand förderte nicht die „Spurensuche“ nach ihr.

4. Buxbaum wirkte in ihrer zweiten Lebenshälfte, seit 1948, in Seattle – und nicht etwa in New York, in der Menninger-Clinic oder in vergleichbar bekannten, auch hierzulande wahrgenommenen amerikanischen Institutionen bzw. Städten. Auch deshalb wurde sie im deutschsprachigen Raum nicht rezipiert, blieb „verschwunden“.

Ich möchte meine thesenartigen Überlegungen durch zwei Zitate Paul Parins abrunden, welche dabei behilflich sein könnten, die Lebenssituation Buxbaums nach ihrer Emigration sowie ihr dortiges psychoanalytisch-pädagogisches Wirken angemessener zu verstehen. Parin führt aus:

„Hier eine erste Bemerkung zur Psychoanalyse. Sie ist von einem Emigranten gegründet worden, dessen ärmliche jüdische Familie hoffnungsvoll den Sprung aus der mährischen Kleinstadt nach Wien, in die Kapitale, gewagt hatte. Sie verdankt beinahe alle Fortschritte Männern und Frauen, die (…) nahe daran waren, den sozialen Tod zu erleiden. Während eine spätere Analytikergeneration gezwungen war, über den Ozean auszuwandern, wechselten die Wiener Analytiker zumindest von einer Kultur in die andere. In der beinahe aussichtslosen Anstrengung, sich der Gesellschaft, die sie aufnehmen sollte, anzupassen und sie gleichzeitig nach dem Muster der mitgebracht-überlieferten Ideale zu verändern, blieb ein einziger Weg über den Abgrund der Anomie offen; und wenn es nicht der einzige Weg war, so doch die „via regia“ ins Herz der Zivilisation. Die Brücke war das Mitgefühl für das tragische Schicksal der Bedrängten.“ (Parin/Parin-Matthèy 2000, S. 11)

Und:

„Nur der aktive Verzicht auf das Gefühl emotionaler Geborgenheit macht Psychoanalyse möglich. (…) Alle die Emigranten aus Berlin und Wien waren in den angelsächsischen Ländern nicht nur auf eine Fremdsprache angewiesen. Ihre mütterlichen Gruppen waren zerbrochen; die höchst legitimen und im erwachsenen Leben oft so störenden Wünsche nach Geborgenheit standen offen zur Diskussion. Diejenigen, die sich dazu hergaben, in der Kaste der Kollegen und Kolleginnen statt gleichwertiger Partner oder Gegner doch wieder unbewußt einen tragenden Mutterboden zu suchen, gaben ihre Wißbegier und Kritik bald auf.“ (Parin/Parin-Matthèy 2000, S. 17)

Geringfügig überarbeitete Fassung der in der Zeitschrift für Politische Psychologie, 9. Jg., Heft 4/2001, S. 221-233 publizierte Studie „Von Wien über New York nach Seattle / Washington: Zum 100. Geburtstag von Edith Buxbaum (1902-1982), einer Pionierin der Psychoanalytischen Pädagogik“. Wir danken der Red. Für die Nachdruckrechte. Bestellung von Einzelexemplaren des Heftes über: fk7a022(at)rrz.uni-hamburg.de

Dr. Esther Helfgott (Seattle) danke ich sehr herzlich für ihr Interesse, ihre großzügige, langjährige Unterstützung  und ihren Zuspruch.  Prof. Hamida Bosmajian (Seattle) danke ich sehr herzlich für ihre Übersetzung meiner umgfangreichen Buxbaum-Studie ins Englische für das Edith Buxbaum Journal.

 

Literatur

Aichhorn, August (1925/1977): Verwahrloste Jugend. Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung. Wien (Internationaler Psychoanalytischer Verlag).

Aichhorn, Thomas (Hg. 2003): Zur Geschichte der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung I. 1938 – 1949, Luzifer-Amor, 16. Jg., Heft 31, 2003.

Ammon, Gisela (1973): Psychoanalytische Pädagogik. Hamburg (Hoffmann und Campe).

Bettelheim, Bruno (1942): Individual and Mass Behavior in Extreme Situations. In: Journal of Abnormal and Social Psychology, 38, October: S. 417452. Deutsche Fassung: Individuelles und Massenverhalten in Extremsituationen. In: Bettelheim (1960), S. 4757.

Bettelheim, Bruno (1988): Kulturtransfer von Österreich nach Amerika, illustriert am Beispiel der Psychoanalyse. In: Stadler, F. (Hg.) (1988): Vertriebene Vernunft II. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft 19301940. Wien, München, S. 216-220.

Bettelheim, B. (1990; dt. 1990): Themen meines Lebens. Essays über Psychoanalyse, Kindererziehung und das Schicksal der Juden. Stuttgart.

Buxbaum, Edith (1932): Analytische Bemerkungen zur Montessori-Methode. In: Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik 1932, 6, S. 324-333.

Buxbaum, Edith (1933): Angstäußerungen von Schulmädchen im Pubertätsalter. In: Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik 1933, 7, S. 401-409.

Buxbaum, Edith (1936): Detektivgeschichten in ihrer Rolle in einer Kinderanalyse. In: Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik 1936, 10, S. 113-121 (auf englisch: Buxbaum (1941): The role of detective stories in a child analysis., Psychoanaltic Quarterly, 10, S. 373-381).

Buxbaum, Edith (1949): Your Child Makes Sense: A Guidebook for Parents. New York.

Buxbaum, Edith (1970): Troubled Children in a Troubled World. New York.

(1973a): Die Rolle der Eltern bei der Ätiologie von Lernstörungen, in: Ammon (Hg., 1973), S. 204-229.

Buxbaum, Edith (1973b): Das Problem der Trennung und das Gefühl der Identität, in: Ammon (Hg., 1973), S. 190-203.

Buxbaum, Edith (1973c): Aktivität und Aggression bei Kindern, in: Ammon (Hg., 1973), S. 230-237.

Ekstein, Rudolf (1994): Mein Freund Bruno (19031990). Wie ich mich an ihn erinnere. In: Kaufhold (Hg.) (1994): S. 87-94.

Federn, Ernst (1999): Versuch einer Psychologie des Terrors. In: Kaufhold (Hg.) (1999), S. 3575.

Fisher, David James (2003): Psychoanalytische Kulturkritik und die Seele des Menschen. Essays über Bruno Bettelheim. Gießen (Psychosozial-Verlag).

Helfgott, Esther Altshul (2002): Buxbaum, Edith (1902-1982). Internet: www.historylink.org/output.CFM?file_ID=3674.

Helfgott, Esther Altshul (2010): The Edith Buxbaum Journal. Internet: http://www.edithbuxbaum.com/

Kaufhold, Roland (Hg.) (1994): Annäherung an Bruno Bettelheim, Mainz 1994. http://www.hagalil.com/2010/03/09/bettelheim-studie/ Zum Preis für 12 Euro plus Porto erhältlich über: rolandkaufhold (at) netcologne.de

Kaufhold, Roland (Hg., 1999): Ernst Federn: Versuche zur Psychologie des Terrors. Material zum Leben und Werk von Ernst Federn. Gießen (Psychosozial-Verlag).

Kaufhold, Roland, & Lieberz-Groß, Till (Hg.) (2001): Deutsch-israelische Begegnungen. Pädagogische, psychoanalytische und biografische Beiträge. psychosozial Heft 83 (1/2001).

Kaufhold, Roland (2001): Bettelheim, Ekstein, Federn: Impulse für die psychoanalytisch-pädagogische Bewegung. Mit einem Vorwort von Ernst Federn. Giessen (Psychosozial-Verlag).

Kaufhold, R. (2001a): Von Wien über New York nach Seattle/Washington: Zum 100. Geburtstag von Edith Buxbaum (1902 – 1982), einer Pionierin der Psychoanalytischen Pädagogik, Zeitschrift für Politische Psychologie, 9. Jg., 2001, Nr. 4, S. 221-233.

Kaufhold, Roland (2003): Spurensuche zur Geschichte der in die USA emigrierten Wiener Psychoanalytischen Pädagogen. In: Luzifer-Amor: Zur Geschichte der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung I, 1938-1949 (Hg. Thomas Aichhorn), 16. Jg., Heft 31, 2003, S. 37-69.

Kaufhold, Roland et. al. (Mthg.) (2003a): “So können sie nicht leben” – Bruno Bettelheim (1903 – 1990). Zeitschrift für Politische Psychologie 1-3/2003. http://www.text-galerie.de/buch_zfpp_03_1-3.htm Zum Preis für 18 Euro plus Porto erhältlich über: rolandkaufhold (at) netcologne.de

Kaufhold, Roland (2006a): Edith Buxbaum (1902 – 1982), eine Pionierin der Psychoanalytischen Pädagogik und antifaschistische Aktivistin: Von Wien über New York nach Seattle/Washington. In: Edith Buxbaum Journal. Internet: http://www.edithbuxbaum.com/ROLAND.html

Kaufhold, Roland (2006b): Edith Buxbaum (1902-1982): Pioneer of Psychoanalytical Pedagogy and Anti-Fascist Activist – from Vienna via New York to Seattle, Washington. In: Edith Buxbaum Journal. Internet: http://www.edithbuxbaum.com/HamidaBosmajian.html

Kaufhold, Roland (2009): Zum Tode von Else Pappenheim (22.5.1911-11.1.2009). In: Kinderanalyse 2/2009, 17. Jg., S. 205-207.

Kestenberg, Judith S. (1974): Kinder von Überlebenden der Naziverfolgungen. In: Psyche, 28 (1974), S. 249-265.

Mühlleitner, Elke (1992): Biographisches Lexikon der Psychoanalyse. Tübingen (Edition diskord).

Noelleke, Brigitte (2010): Edith Buxbaum. Internet: http://www.psychoanalytikerinnen.de/oesterreich_biografien.html#Buxbaum

Schwartz, Lawrence H. (1978): From Vienna to Seattle; Dr. Edith Buxbaum Remembers; Seattle Institute for Psychoanalysis.

Stadler, F. (Hg., 1987, 1988): Vertriebene Vernunft I, II. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft. Wien/München (Jugend und Volk).

Wirth, Hans-Jürgen Wirth & Trin Haland-Wirth (2003): Emigration, Biographie und Psychoanalyse. Emigrierte PsychoanalytikerInnen in Amerika. In: Kaufhold (Hg.) (2003a), S. 91-120. http://www.text-galerie.de/buch_zfpp_03_1-3.htm Zum Preis für 18 Euro plus Porto erhältlich über: rolandkaufhold (at) netcologne.de

  1. Siehe auch http://www.psychoanalytikerinnen.de/oesterreich_biografien.html#Buxbaum []
  2. Bzgl. Edith Buxbaums Gefängnishaft existieren in der spärlichen Fachliteratur zwei unterschiedliche Jahreszahlen: 1934 sowie 1935. In dem vom DÖW (Wien 1975) herausgegebenen Buch „Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1945, Bd. 1: 1934-1938“ ist auf Seite 239 ein Staatspolizeilicher Situationsbericht vom 29.12.1934 wiedergegeben, in dem es am Ende heißt: „Auch Dr. Edith Buxbaum, eine ehemalige soz. dem. Parteigängerin, wurde am 27. ds. [Ms.] festgenommen.“ Insofern sind beide Daten zutreffend. Ich danke Frau Brigitte Nölleke für diesen Hinweis. []
  3. Bettelheim war dieser Wiener Jung-Wandervogelgruppe, die ca. 100 Jugendliche umfasst haben soll, wohl 1915 auf Einladung Edith Buxbaums beigetreten (s. Raines 2002, S. 21, Sutton 1996, S. 71). Weiterhin gehörten Hans Willig und Walter Neurath – Bettelheims enge Schulfreunde, die zeitlebens Bettelheims persönlichste Freunde bleiben sollten – dieser Jugendgruppe an. Vgl. auch die kritische Replik von Dudek (2012). []
  4. Die Zeitschrift “Der Anfang wurde” u.a. von Siegfried Bernfeld herausgegeben. []
  5. Es sei daran erinnert, dass bis heute ca. 25 Psychoanalytiker bekannt sind, die Opfer des Nationalsozialismus geworden sind, u.a. Alfred Bass (1867 – 194? Getto Lodz), Adolf Deutsch (1867 – 1943 Getto Theresienstadt), Margarethe Hilferding (1871 – 1942 Getto Theresienstadt/Maly Trostinee), Salomea Kempner (1880194? Getto Warschau), Karl Landauer (1887 – 1945 KZ Bergen-Belsen), Alfred Meisl (1868 – 1942 Getto Theresienstadt), David Ernst Oppenheim (1881 – 1943 Getto Theresienstadt), Isidor Sadger (1906 – 1942 Getto Theresienstadt), Nikola (Nicolaus) Sugar (1897 – 1945 Getto Theresienstadt), Otto Brief (Ausschwitz), Paul Hoffmann, Paul Bernstein, Blaßberg, Therese Bondy, Geza Dukes, Josef M. Eisler, Miklos Gimes, Erzsebet Petö-Kardos, Janos Kerenyi, Laszlo Revesz, John F. Rittmeister, Sabina Spielrein und August Waterman (s. Kaufhold 2001, S. 268). []
  6. Zu Judith Kestenbergs Publikationen über die seelischen Folgen der Shoah, versammelt u.a. in: Bergmann, M. S./ M. E. Jucovy & J. S. Kestenberg (Hg.) (1995): Kinder der Opfer, Kinder der Täter (Fischer TB), siehe: http://www.zeit.de/1995/16/Trauma_und_Schuld []

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