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Zahlen und Fakten: Die Entschädigung der Holocaust-Überlebenden

Um den historischen Prozess zu analysieren, der dazu geführt hat, dass das System der individuellen Entschädigungen für die Schoah-Überlebenden in Deutschland und Israel von Grund auf verbogen wurde, war die Untersuchung unzähliger Dokumente, Zeugenaussagen und Quellen notwendig…

Raul Teitelbaums epochales Werk “Die biologische Lösung” ist das Ergebnis einer intensiven und mehr als zehnjährigen Forschungsarbeit. Was herauskam ist eine schwere Anklage gegen die drei Hauptakteure der Wiedergutmachung: Deutschland, Israel und die Claims Conference. Sie macht er für den Skandal verantwortlich, dass über zwei Drittel derer, die die Schoah überlebt haben, nie in irgendeiner Form entschädigt wurden. Für die meisten der überlebenden Opfer war es eine biologische Lösung des Entschädigungsproblems: Sie starben, bevor es zu einer Wiedergutmachung kam.

Fast zwangsläufig leistet Teitelbaums Buch auch einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der offenen und verdeckten Motive, die die Regierungen Deutschlands und Israels wie auch die jüdischen Organisationen bei der Gestaltung des Entschädigungssystems geleitet haben.

Die erste grosse Darstellung der Wiedergutmachung aus Opferperspektive

Für Deutschland war die “Wiedergutmachung” der Schoah nach dem Zweiten Weltkrieg ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Normalisierung seiner Beziehungen mit den Siegermächten. Ohne die Anerkennung der Schuld und die daraus folgenden Entschädigungszahlungen hätte Deutschland nicht schon so bald nach dem Kriege erneut einen Platz in der Völkergemeinschaft gefunden. Nach dem grössten Massenraubmord der Menschheitsgeschichte, bei dem nicht der Sieg über einen Staat, sondern die Ausrottung einer Gruppe einzelner Menschen innerhalb unterschiedlicher Gesellschaften das Ziel war, sollten mit der “Wiedergutmachung” erstmals in der Geschichte nicht Kriegsschulden einer unterlegenen gegenüber einer siegreichen Nation abgetragen, sondern individuelle Entschädigungen an überlebende Opfer gezahlt werden. Die “Wiedergutmachung” gilt daher weithin als erfolgreiche Aufarbeitung und Kompensation der deutschen Schuld – so erfolgreich, dass mancher Deutsche sich schon wieder als Opfer “jüdischer Gier” betrachtet.

Vergessen wird dabei immer wieder, dass nur etwa ein Drittel der Überlebenden je eine Entschädigung erhalten hat und nur ein winziger Teil der jüdischen Vermögensverluste kompensiert wurde.

Die Schoah war nicht nur der größte planmäßig durchgeführte Massenmord in der Menschheitsge­schichte, es war auch der größte aller Raubzüge…

Die Ziele – völlige Ver­nichtung der europäischen Juden – wurden im Januar 1942 auf der Wannsee-Konferenz festgelegt. In den während des Krieges besetzten oder mit Deutschland verbündeten Ländern wurde das Ziel fast vollstän­dig erreicht. »Im Zuge dieser Endlösung der europäischen Judenfrage kommen 11 Millionen in Betracht«, heißt es im Protokoll der Konferenz.

Diese Zahl bezieht sich auf alle europäischen Länder, auch auf solche, die nicht unter NS-Herrschaft standen. Zieht man davon die 426.800 Juden aus nicht-okkupierten westeuropäischen Ländern wie England, Irland, Portugal, Schweden oder Spanien ab, ferner rund 3 Millionen, die auf nicht-okkupiertem UdSSR-Territorium lebten, dann bleiben rund 7,5 Millionen, die unter direkter NS-Herrschaft oder in den mit Deutsch­land verbündeten Ländern lebten und an denen die »Endlösung« ausge­übt wurde. Eichmann selbst bezeugte, dass 6 Millionen Juden ermordet wurden, 4 Millionen in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern und weitere 2 Millionen unter anderen Umständen, die meisten bei den Massenerschießungen auf sowjetischem Gebiet.

Raul Teitelbaum
Die biologische Lösung – Wie die Schoah „wiedergutgemacht“ wurde
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