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Mysteriöser Mord in Damaskus

Kamal Husseini Ghanaja, Waffenhändler der Hamas, ist in seiner Wohnung in Damaskus „feige“ ermordet worden. Das hatte zunächst ein Mitglied des Politbüros der Hamas in Gaza, Isat al-Rischk, auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht…

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 28. Juni 2012

Ghanaja war der Vertreter von Mahmoud el-Mabhouh, der 2010 in seinem Hotelzimmer in Dubai ermordet worden ist. Jener Mord erregte weltweites Aufsehen, weil die mutmaßlichen, als Tennisspieler verkleideten Täter gefilmt worden waren und sich später als Israelis mit falschen europäischen Pässen herausstellten.

Zu dem Mord von Ghanaja in Damaskus gibt es bisher nur wenige zuverlässige Angaben. Es ist nicht einmal klar, wie er getötet worden war.

Die syrische Opposition vermutet Killer des Assad-Regimes hinter der Tat, während die Hamas im Gazastreifen eher die „Zionistische Besatzung“ (Israel) hinter dem Mord vermutet, weil nur sie davon profitiere. „Sein adeliges Blut wurde nicht sinnlos vergossen“, hieß es in einer offiziellen Erklärung. Die Täter hätten die Wohnung Ghanajas durchsucht und einige Papiere mitgenommen. An der Leiche seien „Spuren von Folter“ gefunden worden.

Ein namentlich nicht genanntes hochrangiges Mitglied der Hamas habe sich von Gaza nach Damaskus begeben, um den Mord aufzuklären. Die Hamas hatte bis vor wenigen Monaten ihr Auslandsbüro in Damaskus. Doch wegen der Unruhen in Syrien verließ Auslandschef Haled Maschal die syrische Hauptstadt. Der Bruch zwischen der Hamas und dem syrischen Regime entstand, nachdem Hamas-Chef Ismail Hanije dem „heroischen syrischen Volk“ bestätigt hatte, dass es nach Freiheit, Demokratie und Reform“ strebe.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak wurde in Rundfunkinterviews zu einer möglichen israelischen Beteiligung befragt, antwortete aber, wie üblich in solchen Fällen, zweideutig. Im öffentlich-rechtlichen Radio meinte er: „Ich glaube nicht, dass es wirklich so ist.“ Im Soldatensender sagte er: „Es gibt auch andere, die hinter ihm her waren.“ In den vergangenen Jahren wurde Israel wiederholt beschuldigt, hochrangige Mitglieder der Hisbollah oder der Hamas und selbst iranische Atomphysiker in Teheran ermordet zu haben. Bis heute nicht aufgeklärt ist die gezielte Ermordung von Imad Murgnijeh im Februar 2008, dem weltweit meistgesuchten Terroristen der Welt und militärischer Chefplaner der libanesischen Hisbollah Miliz. Murgnijeh wurde in Damaskus durch einen ferngesteuerten Sprengsatz getötet, der an die Kopfstütze seines Autos montiert worden war. Im August 2008 wurde Muhamad Suleiman von einem Scharfschützen am Strand von Tartus erschossen. Er war der Militärberater des syrischen Präsidenten Assad.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com