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Rumänien: Die Asche des Faschisten

Diplomatische Spannungen zwischen Bukarest und Budapest, nachdem die rumänische Regierung die Umbettung des ungarischen Blut-und-Boden-Dichters József Nyírő (1889-1953) untersagt hatte…

Von William Totok

Die Haltung der rumänischen Regierung ist „barbarisch, unzivilisiert und unfreundlich“ erklärte am Pfingstsonntag der Vorsitzende des Budapester Parlaments László Köver am Rande einer kirchlichen Gedenkveranstaltung, die dem umstrittennen Dichter József Nyírő gewidmet war. Die rumänische Regierung hatte zuvor die vom ungarischen Parlament geplante Umbettung des völkischen Autors József Nyírő in der siebenbürgischen Stadt Odorheiul Secuiesc (ung. Szekelyudvarhély) mit dem Hinweis auf dessen faschistische Tätigkeit untersagt. Die Reaktion der rumänischen Regierung bezeichnete der rechtsgerichtete ungarische Parlamentspräsident als “hysterisch” und “paranoisch” und apellierte gleichzeitig an die Eltern der in Siebenbürgen ansässigen ungarischstämmigen so genannten Szekler, ihren Kindern “die Bücher von Nyírő in die Hände zu drücken“.

Abb.:
Nyírő-Büste in Odorheiul Secuiesc

In der Auffassung des zu weiteren patriotischen Rundumschlägen ausholenden Gründungsmitglieds der rechtskonservativen Regierungspartei FIDESZ wäre dies ein Beweis für die „Treue dem Ungarntum gegenüber“ und ein Bekenntnis zu dem Gedankengut des „Apostels der Szekler“. All dies wäre eine Garantie dafür, dass im Szeklerland „eine neue Generation von Nyírős” heranwachsen würde.

Kövér appellierte gleichzeitig an die Rumänen, den Verleumdungen, mit denen Nyírő in mehreren Stellungnahmen überschüttet wurde, keinen Glauben zu schenken.

József Nyírő, erklärt Radu Ioanid vom Holocaustmuseum in Washington, war Mitglied der ungarischen Faschistenpartei, den so genannten Pfeilkreuzlern, auf deren Konto die Deportation der ungarischen Juden in die Vernichtungslager geht. Nach dem von Hitler und Mussolini gefällten Wiener Schiedspruch von 1940, als Rumänien Nordsiebenbürgen an Ungarn abtreten musste, beteiligte sich Nyírő als Zeitungsredakteur, Autor und Politiker an rassistischen und antisemitischen Kampagnen.

Seine literarischen Werke sind dem völkischen Schrifttum zuzurechnen. Aus diesem Grund wurde Nyírő ab 1941 auch zur Teilnahme an dem von den deutschen Nazis organisierten Weimarer Dichtertreffen eingeladen. An dieser Versammlung beteiligte sich die crème de la créme der nationalistischen und profaschistschen Schriftstellerelite aus zahlreichen europäischen Ländern.

Abb.:
Die Totenpfähle, 1944 (1. Aufl.1941)

József Nyírő und sein ebenfalls aus Siebenbürgen stammender Kollege Albert Wass (1908-1998), der sich nach 1944 durch Flucht in den Westen dem Todesurteil als Kriegsverbrecher entziehen konnte, gelten heute in Ungarn als vorbildliche Autoren. Deren vaterländischer, literarischer Politkitsch wurde nun in den Lehrplan aufgenommen. Eine zu einem Drama umgearbeitete Prosa von Nyírő soll demnächst im Budapester Ùj Színház (Neues Theater) inszeniert werden. Intendant des Neuen Theaters ist der rechtsradikale Schauspieler György Dörner.

Nyírő und Wass werden insbesondere von den Mitgliedern der rechtsextremistischen Jobbik-Partei gewürdigt. So erklärt sich auch die Anwesenheit des Jobbik-Vorsitzenden Gábor Vona an dem Requiem für den 1953 in Madrid verstorbenen Nyírő, das anstelle der feierlichen Umbettung seiner Asche in der “heimatlichen Erde” am Pfingstsonntag stattgefunden hatte.