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Er verkaufte seine Seele an einen Lügner

Wie Faust, der seine Seele an den Teufel verkaufte, um dafür Unsterblichkeit zu erlangen, verkaufte der Vorsitzende der Kadima-Partei, Shaul Mofaz, seine Seele an einen „Lügner“ –wie er selbst Premierminister Benjamin Netanyahu wiederholt nannte–, um dafür seine Partei für mindestens 14 weitere Monate am Leben zu erhalten und sich selbst vor politischem Vergessen zu bewahren…

Kommentar von Yoel Marcus, Ha’aretz, 11.05.2012
Übersetzung: Daniela Marcus

In einem Interview mit dem Armee-Radio beschrieb ein Auslandskorrespondent das politische Manöver der letzten Tage als „Putsch“. Vielleicht sieht es von außen betrachtet so aus. Während der letzten Monate nannte Mofaz Bibi einen Lügner und beschuldigte ihn sogar „schändlicher Taten“. Bei mehreren Gelegenheiten gelobte Mofaz, er würde Netanyahus „gescheiterter, stumpfsinniger“ Regierung unter keinen Umständen beitreten. Und er attackierte sogar die Vorsitzende der Arbeiter-Partei, Shelly Yachimovich, als diese verkündete, sie würde nicht ausschließen, sich nach den Wahlen einer nationalen Einheitsregierung unter Netanyahu anzuschließen.

Wenn die Meinungsumfragen für die vorgezogenen Wahlen, die Bibi plante, Schlechtes für Kadima voraus sagten, dann gewann Mofaz als Stellvertreter Bibis in der Regierung 14 weitere Monate. Angesichts vergangener Auftritte –zwei Tage, bevor Mofaz im Jahr 2005 von der Likud- zur Kadima-Partei wechselte, hatte er offen verkündet „Man verlässt sein eigenes Haus nicht“– wird es Tage oder Wochen dauern, bevor die Details des geheimen Deals zwischen Mofaz und Netanyahu ans Licht kommen. Vielleicht weiß Mofaz etwas, das wir nicht wissen, zum Beispiel, dass Glaubwürdigkeit für die Politik irrelevant ist. Politik mit dem ältesten Berufsstand der Welt zu vergleichen, ist eine Beleidigung für den ältesten Berufsstand der Welt.

Als Moshe Dayan beschuldigt wurde, seine eigene Erklärung zu „verraten“, nach der Sharm el-Sheikh ohne Frieden einem Frieden ohne Sharm el-Sheikh vorzuziehen sei, konterte er mit der Aussage, dass nur ein Esel seine Meinung nicht ändert. Heutzutage ist es nicht klar, wer der Esel ist und wer der Anführer, der die Karte richtig liest.

Für die dramatische Wende der letzten Tage wurden viele Erklärungen angeboten. Einige von ihnen sind lächerlich. Aus Bibis Kreisen wurde folgende Begründung verlautet: Der Saal, den die Likud-Partei für ihre Versammlung mietete, war zu klein. Er hatte nur 500 Plätze. Als Bibi ankam, sah er Hunderte von Männern mit den gehäkelten Kippot der Siedler im Saal, während Tausende von seinen eigenen Unterstützern draußen bleiben mussten. Er war sich eigentlich sicher, dass er in einem Durchgang von der Versammlung zum Vorsitzenden gewählt werden würde. Doch als die Anwesenden eine geheime Wahl verlangten, geriet er in Panik und beendete das Treffen.

Es braucht nicht viel, um Bibi in Panik zu versetzen. Doch dieses Mal hatte er Recht. Unter seiner Führung wurde die Likud-Partei extremer, so dass der allmächtige Anführer inzwischen befürchten muss, die Kontrolle über seine Partei zu verlieren. Je mehr Siegeschancen für die Likud-Partei die Umfragen ergaben, desto mehr fürchtete Bibi, es könnte nicht der Sieg sein, den er wollte.

Das „widerliche Manöver“ oder der „Mega-Streich“, wie die ganze Sache genannt wurde, wurde nicht über Nacht ausgebrütet. Wer auch immer den Deal, der mit Kadima ausgeheckt worden war, einen unanständigen Akt nannte, lag nicht falsch. Die Verhandlungen wurden heimlich von Natan Eshel geführt, der ein Freund des Premierministers und dessen Frau ist. Für Eshel, der als Netanyahus Stabschef zurücktrat, nachdem er wegen sexueller Belästigung einer Büroangestellten angeklagt worden war, ist „Unanständigkeit“ kein Fremdwort. Botschaften wurden mündlich oder schriftlich an den Mann, den Finanzminister Yuval Steinitz kürzlich „eine große Null“ nannte, übermittelt. Die Details des Abkommens zwischen Mofaz und der Likud-Partei gehen weit über das hinaus, was in der gemeinsamen Pressekonferenz gesagt wurde. Wie Umweltschutzminister Gilad Erdan sagte, als er Bismarcks Worte umschrieb: „Die Leute mögen Salami, aber niemand möchte sehen, wie sie hergestellt wird.“

Die Spannung, die die beiden Stars in ihren schwarzen Anzügen während der Pressekonferenz letzten Dienstag fühlten, war greifbar. Jedes Mal, wenn ein Journalist Mofaz eine Frage stellte, sah Bibi gestresst aus. Vor allem, wenn Mofaz eine längere Antwort gab. Bibi hatte wohl Angst, dass Mofaz zu viel sagen und das Herzstück des Abkommens verraten könnte. Es war klar, dass das Abkommen vor allem die Beziehung der beiden detailliert beschreiben würde. Ich wäre nicht überrascht, wenn das Abkommen jedes mögliche Szenario abdecken würde, um die Situation zu vermeiden, die der frühere US-Vizepräsident Spiro Agnew wie folgt beschrieb, nachdem er wegen Steuerhinterziehung erwischt worden war: „Die Bastarde haben die Vorschriften geändert und mir nichts davon gesagt.“

Es ist nicht klar, was genau die beiden entschieden haben. Doch jenseits der Tricks und Maschen und schmutzigen Politik mag es auch ein paar wenige positive Dinge geben:

  1. Es wird keine vorgezogenen Wahlen geben.
  2. Kadima, die vermutlich in vorgezogenen Wahlen abgestürzt wäre, hat die Möglichkeit, sich zu erholen.
  3. Bibi hat eine Mehrheit, die es ihm theoretisch ermöglicht, Schritte in Richtung eines Abkommens mit der palästinensischen Autonomiebehörde zu gehen, und ein Abkommen zur gleichmäßigen Aufteilung der nationalen Last zu erreichen, ohne vor den Ultra-Orthodoxen kapitulieren zu müssen.

Doch was ist die Pointe, wird mein Redakteur wissen wollen. Meine Antwort: Bis jetzt – Abscheu.