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Bruder von Rabin-Mörder verlässt Gefängnis

Sechzehneinhalb Jahre nach dem Mord an Jitzhak Rabin ist der Bruder des Attentäters am Freitag aus dem Gefängnis entlassen worden. Hagai Amir war wegen Mitbeteiligung an der Verschwörung gegen den israelischen Premierminister verurteilt worden. Seine gesamte Haftzeit verbrachte er in einer Einzelzelle…

Von E. Hausen, inn v. 04.05.2012

Vor dem Gefängnis empfingen Angehörige den Bruder des Mörders Jigal Amir. Ein Polizeiaufgebot war ebenfalls zugegen, weil Aktivisten des linken und rechten politischen Spektrums anlässlich der Freilassung demonstrierten. Hagai Amir hat seine Straftat nie bereut. Nach Angaben von engen Vertrauten ist er immer noch davon überzeugt, dass sein Handeln „notwendig war, um Blutvergießen zu verhindern“. Dies bezog sich offenbar auf die Osloer Verträge, schreibt die Tageszeitung „Ha´aretz“.

„Erinnerung muss wach bleiben“

Der Generalsekretär der linksgerichteten Meretz-Partei, Dror Morag, sagte als Reaktion auf die Entlassung: „Wir sind hier, um den nächsten Jigal Amir zu verhindern. Wir müssen uns daran erinnern, dass dieser Mann seine Taten selbst heute weder bedauert noch sich dafür entschuldigt hat. Er hat die Unterstützung von Rabbinern und anderen Menschen, die an ihn glauben. Er hat seine Schuld an die Gesellschaft noch nicht bezahlt. Er hat nicht nur einen Premierminister getötet, er hat eine ganze Demokratie getötet. Wir sind hier, und wir werden immer hier sein, um ihn an das zu erinnern, was er getan hat.“

Der rechtsgerichtete Aktivist Noam Federman legte sich mit den Demonstranten des linken Spektrums an: „Der Mann verdient die Freilassung, er verdient es, dass man ihn beglückwünscht. Hagai Amir hat nichts getan. Der Staat Israel konnte nicht glauben, dass Jigal Amir allein gehandelt hat, und suchte nach einer Untergrundorganisation. Hagai hat nicht einmal gewusst, dass es einen Plan gab, den Premierminister zu töten. Rabin hat den Tod von Tausenden Juden verursacht. Ich unterstütze Mord nicht, aber selbst heute vergieße ich keine Tränen um ihn. Wir werden Amir freundlich begrüßen und eine Party für ihn veranstalten.“

Am 4. November 1995 hatte Jigal Amir bei einer Friedenskundgebung in Tel Aviv drei Schüsse auf Rabin abgegeben. Während des Gerichtsprozesses gegen ihn stellte sich heraus, dass er sich mit seinem Bruder Hagai und seinem Freund Dror Adani verschworen hatte. Die drei Männer hatten darüber nachgedacht, wie sie den Regierungschef töten könnten.

Die Haftstrafe von Hagai Amir wurde um ein Jahr verlängert, nachdem er 2004 einen Mord am damaligen Premierminister Ariel Scharon angedroht hatte. Er könne „das Telefon nehmen und es arrangieren, dass jemand Scharon tötet, ihn in die Luft jagt“, sagte er seinen Aufsehern. Damit wollte er gegen den geplanten israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen protestieren, der im Sommer 2005 vollzogen wurde.

„So schmerzlich, als wäre es gestern gewesen“

Rabins Enkelin Noa Rothman schrieb angesichts der Freilassung auf Facebook: „Manchmal frage ich mich, ob es nicht leichter wäre, aufzugeben. Meine Kinder woanders großzuziehen. Sechzehneinhalb Jahre sind vergangen, und es ist so schmerzlich und widerwärtig, als wäre es gestern gewesen. Ich will schreiben, aber was kann ich sagen? Ich gebe diesen Ort nicht auf. Es ist meine Heimat. Meine Sprache. Mein Land. … Ich werde mir auf die Lippen beißen, und meine Familie ebenfalls. Wir werden unsere Demokratie respektieren und verteidigen, in der Hoffnung, dass sie dasselbe für uns tun wird.“