„Grass hat ein Problem mit Juden“

Yoram Kaniuk, 1930 in Tel Aviv geboren, ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Israels. Er veröffentlichte zahlreiche Romane sowie Kurzgeschichten und Kinderbücher. 2009 erschien in Deutschland sein autobiographischer Roman »Zwischen Leben und Tod«. Mit der Jungle World sprach Kaniuk über Günter Grass, Antisemitismus in Deutschland, den Iran und Israel…

Interview: André Anchuelo
Jungle World v. 12.04.2012

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie vom Inhalt des sogenannten Gedichts von Günter Grass erfuhren?

Um ehrlich zu sein: Es interessiert mich nicht besonders. Ich denke nicht, dass dieses Gedicht irgendeine Bedeutung hat. Grass hatte schon immer problematische Ansichten zu Israel und den Juden. Auch wenn andere seine Bemerkungen als Antisemitismus bezeichnen – ich würde es nicht so nennen. Es ist einfach nur so, dass er ein Problem mit Juden hat. Ich hatte 1991 eine Diskussion mit ihm im deutschen Fernsehen. Ich wandte mich gegen die Tatsache, dass die deutsche Linke gegen den damaligen Krieg der USA gegen den Irak protestierte, ohne gleichzeitig gegen die Giftgaslieferungen deutscher Firmen an Saddam Hussein in den achtziger Jahren zu protestieren: Deutsche, Juden, Gas – diese Verbindung sollte es nicht mehr geben, und das habe ich ihm gesagt. Wir hatten damals eine lange Diskussion und meine Schlussfolgerung daraus war, dass er eine sehr schwierige Person ist, und dass er ein Problem mit all dem hat.

Auch ich bin nicht dafür, den Iran anzugreifen. Die meisten Israelis sind das nicht. Ich kämpfe gegen die amtierende israelische Regierung und habe das schon sehr lange getan. Doch das ist unsere Sache als Israelis. Warum schreibt Grass kein Gedicht darüber, wie im Iran jeder Anflug von Opposition niedergemacht wird? Die iranische Führung erklärt ständig, dass sie Israel von der Landkarte radieren will. Ich weiß nicht, ob es in Deutschland so ruhig wäre, wenn der Iran immer wieder erklären würde, er wolle Deutschland ausradieren. Man muss sehen, dass es bei den Diskussionen über einen etwaigen Angriff auf den Iran um einen Angriff auf dessen Nuklearanlagen geht, die uns hier in Angst versetzen.

Grass stellt es so dar, als ob man in Israel einen atomaren Erstschlag auf den Iran plane und das gesamte iranische Volk auslöschen wolle …

Das ist natürlich absoluter Nonsens. Es gibt 75 Millionen Iraner. Nicht einmal die USA könnten 75 Millionen Iraner auslöschen. Worüber in Israel diskutiert wird, ist selbstverständlich nicht, den Iran auszulöschen, sondern dessen Nuklearanlagen zu zerstören. Zu behaupten, Israel wolle den gesamten Iran auslöschen, ist einfach Blödsinn. Das ist wie die Behauptung, die Juden würden zu Pessach Christen töten, um aus ihrem Blut Mazzen zu backen. Grass mag ein guter Schriftsteller sein, aber das ist alles völlig übertrieben. Ich bezweifle auch seine humanitären Beweggründe. Wie kann man gegen Krieg protestieren, ohne gegen Giftgas zu protestieren? Was weiß Grass schon über den Atomkrieg und was ein solcher für ein kleines Land wie Israel bedeuten würde? Und was weiß Grass überhaupt über diese Region, in der er gar nicht lebt?

Wenn Israel keine Atomwaffen hätte, wäre es schon vor langer Zeit zerstört worden. Und das ist nicht so, weil wir sie benutzen, sondern weil wir sie nicht benutzen. Israel ist ein kleines Land. Alles, was wir wollen, ist zu existieren. Und nicht bloß in Israel ist man besorgt über das iranische Atomprogramm. Es ist ein großes Problem, wenn man zulässt, dass jemand Atomwaffen bekommt, der ankündigt, sie gegen seine Nachbarstaaten einsetzen zu wollen.

Ist Mahmoud Ahmadinejad nur ein »Maulheld«, wie Grass behauptet?

Woher will er das wissen, wenn er ihn nicht persönlich kennt? Ahmadinejad spricht andauernd davon, den Staat Israel zu zerstören und die Juden zu töten. Das ist Fakt. Wir wissen nicht, ob er das ernst meint oder nicht. Auch Hitler kündigte in »Mein Kampf« die Auslöschung der Juden an, und niemand nahm das ernst. Jedenfalls ist klar, dass Ahmadinejad nicht der nette Typ von nebenan ist. Er ist ein Dummkopf. Und wenn Grass so über ihn denkt, macht ihn das auch ein bisschen zum Dummkopf. Wie gesagt, ich denke nicht, dass Grass ein Antisemit ist, denn ein Antisemit würde sich schlauer verhalten. Aber es ließen sich so viele schreckliche Dinge auf der Welt finden, über die er ein Gedicht schreiben könnte. Aber Grass möchte etwas haben, woran er den Juden die Schuld geben kann.

Grass behauptet, Israel sei eine Gefahr für den Weltfrieden …

Israel ist ein kleines Land mit sieben Millionen Einwohnern. Schauen Sie sich die Weltkarte an: Man muss seinen Namen auf das Meer daneben schreiben, weil Israel so klein ist. Wie können wir da für Kriege auf der ganzen Welt verantwortlich sein? Wie können wir der Fluch der ganzen Welt sein? Wir haben dieses Land geschaffen, um die Juden vor ihrer Vernichtung zu retten. Darum existiert Israel. Seitdem ist das Land stärker geworden, aber wir bedrohen niemanden. Die Israelis sagen nicht einmal: Wir mögen die Deutschen nicht. Auch wenn wir natürlich ein Problem damit haben, was Deutsche vor 70 oder 80 Jahren getan haben. Ahmadinejad hingegen sagt, die Juden sind Abschaum und Israel muss vernichtet werden. Wenn Günter Grass das gefällt, ist das sein Problem. Aber Grass war schon immer so. Schon als ich ihn in den sechziger Jahren traf, war Israel ein Problem für ihn. Er konnte nie über einen Juden schreiben. Er hat nie über den Holocaust geschrieben. Dabei war das so sehr ein Teil seiner Vergangenheit. Er sah, wie jüdische Kinder nicht mehr zur Schule kamen und stattdessen in Lager gebracht wurden. Er hatte jüdische Lehrer, er kannte Juden. Und doch konnte er nie darüber eine Geschichte schreiben.

Könnte es da einen Zusammenhang geben mit der Tatsache, dass Grass seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS sechs Jahrzehnte lang verschwieg?

Ich hatte so etwas schon vor langer Zeit erwartet, aber niemand glaubte mir. Als ich 1991 im Zusammenhang mit dem ersten Irak-Krieg die Fernsehdebatte mit Grass führte, hatte ich das Gefühl, als redete ich zu einem Feind, denn er zeigte eine selektive Moral. Danach sprachen wir nicht mehr miteinander. Dass Sie mich nach meiner Meinung fragen, bedeutet mir offen gesagt mehr als das, was Grass sagt. Ich denke, er ist passé. Ihm gefällt es, Aufmerksamkeit zu erregen. Denn viele gute Bücher hat er nicht mehr geschrieben. Sein erstes Buch »Die Blechtrommel« war großartig, und auch noch einige andere, aber inzwischen … Ständig sagt er seine Meinung über Dinge, von denen er keine Ahnung hat. Wir hier in Israel leben in der Mitte einer arabischen Revolution – in Syrien, in Ägypten, in Nordafrika. Erhebt Grass Einspruch dagegen, dass Syriens Herrscher Bashar al-Assad fast 10 000 Angehörige seiner eigenen Bevölkerung hat umbringen lassen? Das passiert 200 Kilometer von hier. Darüber müssen wir uns Sorgen machen. Denn das ist ein Gemetzel, ein Massenmord.

Schon vor einigen Jahren, als Grass sein Buch »Im Krebsgang« veröffentlicht hatte, nannten Sie ihn einen »miesen Lügner«.

Ja, das stimmt. Aber das heißt nicht, dass ich ihn hasse oder ihn für einen Antisemiten halte. Ich denke einfach, dass er ein Problem hat.

Ist dieses Problem, das er hat, nicht in Wahrheit die deutsche Vergangenheit?

Es ist ein deutsches Problem – für Leute, die damals aufwuchsen und heute noch am Leben sind. Es ist hart für sie. Wenn ich Deutscher wäre, würde ich jede Woche eine Stunde weinen. Als man kein billiges Gas mehr hatte, entschied man, die Kinder direkt ins Feuer zu werfen. Das machte man mit Tausenden jüdischer Kinder. Ist das der Fehler von Günter Grass? Nein. Ist das Ihr Fehler? Nein. Aber es passierte in Ihrem Land. Darüber sollte Grass nachdenken. Denn 70 oder 80 Jahre sind historisch betrachtet gar nichts. Die Deutschen sollten sich nicht so viele Gedanken über Grass machen. In Deutschland hat man so viele positive Initiativen im Hinblick auf die deutsche Vergangenheit unternommen.

Wenn man sich die Kommentare unter vielen Artikeln über Grass durchliest, kann man durchaus bezweifeln, dass die Mehrheit der Deutschen so ganz anderer Meinung ist als Grass. Denken Sie auch an die Umfragen, wonach zwei Drittel der Deutschen Israel als größte Gefahr für den Weltfrieden betrachten – vor Iran, Irak oder Nordkorea.

Uns Juden wurde 2 000 Jahre lang die Schuld an allem gegeben. Tief drinnen gibt es in Europa dieses Gefühl, die Juden seien ein dämonisches Volk. Sie seien es, die immer Erfolg hätten. Sie seien es, die sich nicht höflich verhielten. Was auch immer. Egal was ist, man beschuldigt die Juden. Oder die Israelis. Heute gibt es viele Juden, die in Deutschland leben. Ich muss zugeben, für mich ist das seltsam. Ich denke, Juden sollten für mindestens 100 Jahre nicht dort leben, denn dort hat das alles begonnen. Auf der anderen Seite lebten Deutsche und Juden viele Jahre miteinander und es gibt wunderbare junge Deutsche. Von daher gibt es da eine starke Verbindung. Und deswegen gehen heute so viele junge Israelis nach Berlin, um dort zu leben. In die Stadt, von der aus damals die Juden in die Gaskammern geschickt wurden. Schon vor über 1 000 Jahren wurden Juden in Deutschland ermordet, weil sie Juden waren. Und es kamen wieder Juden. Und wurden wieder umgebracht. So gesehen ist es vielleicht auch ein jüdisches Problem. Günter Grass jedenfalls repräsentiert die zu Luther und Goethe zurückreichende Kontinuität der deutschen Seite – die, die Juden immer wieder ermordet hat.

Aber mich interessiert das alles nicht mehr. Ich spreche darüber, weil Sie mich fragen. Doch zwei Minuten nach unserem Gespräch werde ich nicht mehr daran denken.

10 Kommentare zu “„Grass hat ein Problem mit Juden“

  1. Degania, gestern abend bei ‚Günther-Jauch-live‘ im TV. Dort Michael Wolfsohn: „Herr Grass hat zweifelslos auch eine andere Seite. In der „Blechtrommel“ beschreibt er einen Herrn Goldfarb, der seine ganze Familie in Treblinka verloren hatte. Diese Beschreibung ist (bezogen auf die Holocaust-Literatur) EINMALIG und UNVERGLEICHLICH.“
    Soweit Wolfsohn (geb. in Tel Aviv) über Günter Grass. Wat nun ?
     

  2. Eben habe ich den in meinen Augen differenziertesten und angemessensten Artikel zu der ganzen Angelegenheit und zu Grass gelesen, was in Anbetracht der Provokation und der von jeher kaum konstruktiv zu führenden Debatte über Israels Politik, nicht einfach zu bewerkstelligen ist – 


    Fritz Stern zum Fall Grass Eine Provokation mit bedrückendem Ergebnis

    13.04.2012 ·  Die Notwendigkeit der Kritik rechtfertigt nicht diese Form der Anklage: Ein Gespräch mit dem Historiker Fritz Stern über Günter Grass, die Debatte über dessen Gedicht und konstruktive Kritik an Israel. ….


    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fritz-stern-zum-fall-grass-eine-provokation-mit-bedrueckendem-ergebnis-11716774.html
     
    In den Worten von Fritz Stern, finde ich letztendlich meine eigenen gemischten Gefühle, aber eben auch gepaart mit viel Bedauern über die fraglos vorhersehbaren Reaktionen, einem Bedrüfnis Grass in Schutz zu nehmen und dem Verdruss über eine Politik, die ernsthaft konstruktiv zu kritisieren mir dennoch kaum möglich scheint – schon alleine weil sich Israel selbst schon so lange gegen jede Kritik immunisiert hat und viele Pro-Israel-Adepten eine Ikonographie verinnerlicht haben, die den ursprünglichen Antisemitismus ins Gegentiel verkehrt hat – aus Juden sind schlecht – wurde Juden sind gut.

    Beides ist Quatsch.

  3. an einem punkt muss ich yoram kaniuk widersprechen: grass habe nie über einen juden schreiben können. hat er. im „tagebuch einer schnecke“ über Erwin Lichtenstein und die jüdische gemeinde danzigs. das er nun Lichtenstein zu seiner verteidigung anführt halte ich dagegen für zweifelhaft

  4. “Er sah, wie jüdische Kinder nicht mehr zur Schule kamen und stattdessen in Lager gebracht wurden. Er hatte jüdische Lehrer, er kannte Juden. Und doch konnte er nie darüber eine Geschichte schreiben.” Man sollte Grass mit absoluter nicht-Beachtung begegnen.“


    So ein Unsinn –


    Vielleicht ist Günter Grass einfach ein viel mutigerer Autor, der die Fragen stellt, die wirklich weh tun, anstatt sich mit billiger Anbiederei zufrieden zu geben.


    Das Schweigen war groß im Land. Der erste Auschwitz-Prozess sollte erst Ende 1963, lange nach der Veröffentlichung der “Blechtrommel”, der ersten Romans von Günter Grass, beginnen und zu einem Ausgangspunkt einer sehr, sehr langsamen Änderung der Sicht auf die jüngere deutsche Geschichte werden. Die Juden waren bis zur “Blechtrommel” für mich, den jungen Deutschen, geheimnisvolle Menschen, die sehr geschäftstüchtig waren wie man hörte….


    Nicht nur vom Judenmord erfuhr ich zum ersten Mal durch Grass. Auch von der umkämpften polnischen Post in Danzig, die, angegriffen von der deutschen SS-Heimwehr, von einer Handvoll Polen verteidigt wurde. Wie mein Geschichtsunterricht kein Auschwitz kannte, war ihm auch der deutsche Überfall auf Polen nicht geläufig. Auch von den überlebenden Verteidigern der Post, die standrechtlich erschossen worden waren, kein Wort. Polen? Die kamen in Westdeutschland entweder im geflügelten Wort von der polnischen Wirtschaft vor oder aber im Kinderreim: Rot-Blau-Polacksfrau. Bei Grass erfährt man von der Hinrichtung des leiblichen Vaters Oskars, einem jener Polen, die “wegen Freischärlerei hingerichtet ist” durch den Dienstbrief eines deutschen Feldjustizinspektor.


    ….Dass wir mitten unter den Nazi-Mitläufern lebten, dass es gewöhnliche Leute waren, die gestern noch in fremden Ländern gehaust hatten, das war bei Grass ebenso zu lesen wie von der Euthanasie oder von den Ostarbeitern. Alles Themen, die von der öffentlichen Debatte der Bundesrepublik viel später erst aufgegriffen wurden
     


    Wenn ich meinen Vater nach dem Krieg fragte,….
    …..Davon, dass er zeitweise nicht weit von einem Konzentrationslager stationiert war, keine Silbe. Erst der Grass´sche Roman hat mich dann für die Fragen präpariert, die meine Generation später den Eltern stellen sollte.


    In der “Blechtrommel” spült das Kriegsende den Herrn Fajngold aus Treblinka nach Danzig und lässt ihn dort über seine Arbeit als Desinfektor erzählen, der Lysol hatte spritzen müssen, über die, “die noch nicht geduscht hatten” und “die Liegenden, die schon geduscht hatten” im Vernichtungslager, in dem die Brausen den Tod brachten. Mit der zynischen Sprache der “Blechtrommel”, die den Ton der Herrenmenschen zitierte, wurde mir und vielen anderen der industrielle Mord an den Juden erfahrbar….


    Der vorgebliche Gnadentod für die Krüppel, die Endlösung für die Juden, Zwillinge in den Augen eines Autors, der seinen Lesern das richtige Sehen beibrachte. Das erste große Buch des Schriftstellers führte zu jener Erschütterung, die das Leben in der satten, selbstzufriedenen Republik, dem dumpfen, versiegelten Land, verändern sollte. Zu Veränderungen, die bis heute spürbar sind.
     


    Günter Grass hat kein Bundesverdienstkreuz für seine immense literarische, politische und aufklärerische Leistung bekommen. Statt dessen ein Einreiseverbot nach Israel. Unter den aktuellen Bedingungen ist das auch eine Auszeichnung.


    von Uri Gellermann


    http://www.readers-edition.de/2012/04/10/die-blechtrommel-die-spate-rezension-eines-buches-von-gunter-grass/

     

  5. Grass hätte dies tun sollen, die LInke hätte gegen jenes protestieren sollen – man kann das nicht sinnvoll anführen, wenn man über die zahlreichen Verdienste schweigt und gleichzeitig die Kooperation der anderen ‚Seite‘ ausblendet – so lässt sich aus dem viegestaltigen Potpourri der Weltgeschichte natürlich immer alles und jedes ableiten und deuten, das ist so wie mit den Maßen der Pyramiden, gegen sowas kann man sich halt rethorisch kaum zur Wehr setzen und dem eigentlichen Sachverhalt geht man damit eher aus dem Weg und das war wohl Kaniuks Absicht, sich nicht mit den Vorwürfen von Grass auseinandersetzen zu müssen.



    Die Opfer der Senfgasangriffe in Kooperation mit den USA waren damals jedenfalls – IRANER (und nicht etwa Juden), das sollte Herr Kaniuk vielleicht auch nicht verschweigen und das islamische Regime der Ayatollahs wäre sowohl den Iranern als auch der Welt wohl erspart geblieben, hätte der CIA mit UK seinerzeit nicht die gewählte iranische Regierung, Mossadegh, weggeputscht, und die Shah-Diktatur installiert. Daher ist es genauso wichtig die Heuchelei und Verstrickungen der eigenen Regierung und westlichen Regierungen nicht weniger kritisch zu betrachten und wenn Deutschland Israel Atom-Uboote liefert, dann ist das weiß Gott auch Thema das Deutsche was angeht, genauso wie die Weltöffentlichkeit eine mögliche neue Eskalation im Nahen Osten. Eine innerisraelische Petitesse ist das jedenfalls nicht. Aber ich vergaß – eigentlich interessiert das Herrn Kaniuk ja gar nicht.
     
    Erinnern wir uns mal:
     
    Bush Beamte haben die Verwendung von Giftgas im Iran-Irak Krieg von 1980 bis 1988 immer wieder als Beweis dieser Bereitschaft herangezogen und benutzen sie als Rechtfertigung für einen Angriff.

    Jetzt hat die Times enthüllt, dass zum Zeitpunkt als die Regierung des Iraks chemische Waffen gegen iranische Truppen und seine eigene kurdische Bevölkerung einsetzte, die U.S.-Regierung vor Ort war – und ihnen helfend zur Seite stand.
     
    Die Times berichtete („Offiziere berichten, dass die U.S.A. den Irak trotz der Verwendung von Giftgas unterstützt haben“, 8/18/02) dass, hohen Militäroffizieren zufolge, dies mit direktem Wissen der amerikanischen Geheimdienste stattfand, U.S.- Beamte „versorgten den Irak mit kritischer Kampfplanungshilfe zu der Zeit, als amerikanische Geheimdienste wussten, dass irakische Kommandanten chemische Waffen beim den entscheidenden Kämpfe des Iran-Irak Krieges einsetzten.“


    1984 begann die CIA damit die Iraker mit Geheimdienstinformationen zu beliefern, welche dazu benutzt wurden Senfgasangriffe gegen iranische Truppen „zu kalibrieren“. Schätzungsweise 50.000 Iraner wurden von den irakischen Gasangriffen getötet. (Bruce Jentleson, With Friends Like These – Reagan, Bush, und Saddam, 1982-1990, S. 77)


    Ein DIA- Offizier sagte der Times, dass „das Pentagon von Iraks Verwendung von Gas nicht sonderlich entsetzt war. Es war nur ein weiterer Weg Menschen zu töten – ob dies mit einer Kugel oder mit Phosgen gemacht wird, macht keinen Unterschied. “ Ein weiterer U.S.- Geheimdienstler sagte, dass „die Verwendung von Gas auf dem Schlachtfeld durch die Iraker keine Frage von tiefer strategischer Besorgnis war.“ Und führt weiter aus, „was Mr. Reagan besorgte, war das der Iran durch die Fao Reninsula brechen könnte und die islamische Revolution nach Kuwait und Saudi-Arabien tragen könnte.“


    Mit anderen Worten, die U.S.- Führer haben kein Problem mit dem Einsatz chemischer Waffen oder Massenmorden, solange sie ihren strategischen Interessen dienen.


    Im Juni, enthüllten iranischen Studenten eine geheime Notiz von Brzezinski an den Staatssekretär Cyrus Vance, in dem er die „Destabilisierung“ Irans islamischer Republik durch seine Nachbarn empfiehlt...
     
    Welche perfide Strategie die USA, welche tatsächlich beide Seiten mit Waffen belieferte, damals verfolgten (übrigens durchaus flankiert von Israel) wird im folgenden deutlich:
     
    In der Tat, meldete die Times (1/12/87), dass „amerikanische Geheimdienste den Iran und den Irak absichtlich mit verzerrten oder ungenauen Geheimdienstdaten in den letzten Jahren belieferten“. Das Motiv findet sich in der Titelzeile der Times: „Beide Seiten davon abzuhalten zu gewinnen.“ Oder wie Henry Kissinger es kalt ausdrückte „zu schade, dass sie nicht beide verlieren können.“

    In seinem Buch „Veil – The Secret Wars of the CIA 1981-1987“, summiert Woodward die Ergebnisse diese US Doppelstrategie: „Indem wir unsere taktischen Daten beiden Seiten aushändigten, brachten wir unseren Geheimdienst in eine Position ein Patt zu arrangieren. Dies war keine reine Abstraktion. Der Krieg war blutig…. fast eine Million Menschen sind getötet worden, verwundet oder auf beiden Seiten gefangen genommen worden. Dies war kein Spiel in einem Operationszentrum. Es war eine Schlacht. “ (S. 507)


    Die Angst vor einer irakischen Niederlage und eines Zusammenbruchs der geheimen Beziehungen mit dem Iran führten zu einem Zurückschwenken in Richtung des Iraks. Woodward schreibt, dass Casey Ende 86 mit hohen Irakern zusammentraf … um sie zu weiteren Angriffen auf den Iran zu ermutigen, besonders gegen wirtschaftliche Ziele.“ Teicher, sagt aus, dass „Präsident Reagan 1986 eine geheime Nachricht an Saddam Hussein sandte und ihm sagte, dass der Irak seinen Luftkrieg und seine Bombardements auf den Iran ausbauen sollten…“ Das war während des „Krieges auf die Städte“, als sich viele irakische Bombenangriffe gegen wirtschaftlich- und zivile Ziele richteten.

    1988, nachdem ein Giftgasangriff 5000 Kurden in Halabja im Norden des Iraks getötet hatte, erhöhten die USA ihre Unterstützung. Einem Artikel der Los Angeles Times (2/13/91) zu Folge, berichteten U.S.- Geheimdienste, dass die von Amerika gelieferten Hubschrauber dazu benutzt wurden, um genau solche chemischen Angriffe auf irakische Kurden durchzuführen….


    http://zmag.de/artikel/Das-Anheizen-des-Iran-Irak-Krieges
     
    Die Drohungen des Iran lassen sich jedenfalls durchaus nachvollziehen, sieht man sie im Kontext israelischer Drohungen und US imperialen Gebahrens, dass für den Iran in den letzten 50 Jahren schon mehrfach sehr viel mehr als nur eine ‚gefühlte‘ Bedrohung war und auch im Kontext des ersten Golfkriegs, in welchem der große Verbündete den Irak seinerseit ermunterte den Iran anzugreifen und Israel/USA zynischerweise beide SEiten mit Waffen belieferten.
    Ja – kann es denn sein, dass sich der Iran da bedroht fühlt? Ja mei, wie kommt er denn dazu?
     
    Die Rüstungsindustrie des Iran wächst und wächst. Immer wieder verkünden die Machthaber stolz neue Errungenschaften. Die Bemühungen des Gottesstaates im Rüstungssektor haben eine lange Geschichte.


    Die Ursprünge der iranischen Rüstungsindustrie liegen noch in der Schah-Zeit: Teheran brauchte Einrichtungen zur Instandhaltung seiner amerikanischen Waffen, begann aber auch früh damit, an die Entwicklung eigener Waffen zu denken. Als die USA sich weigerten, bei der Entwicklung von Raketen zu helfen, sprang Israel ein; nach der Islamischen Revolution 1979 begann die Sowjetunion, bei der Entwicklung und dem Bau von Raketen zu helfen.


    Die Islamische Revolution schnitt den Iran von seinem Haupt-Waffenlieferanten ab und zwang das Land, nach alternativen Quellen zu suchen – was besonders dringlich wurde vor dem Hintergrund des ersten Golfkrieges zwischen Iran und Irak, der von 1980 bis 1988 dauerte und unter anderem zur „Iran-Contra-Affäre“ führte: Die USA und Israel lieferten Waffen und Ersatzteile an den Iran und mit dem Erlös wurden die „Contras“ in Nicaragua unterstützt.
     
    http://www.dw.de/dw/article/0,,6027198,00.html
     
    Was man unterm Strich diesem Interview konkret entnehmen kann – Herr Grass und Herr Kaniuk können nicht miteinander – und schuld ist lt. Kaniuk natürlich wie immer – ‚Der Antisemitismus‘  (den Herr Kaniuk dann lieber doch nicht direkt beim Namen nennen will)- was sonst. Herr Kaniuk sieht offensichtlich eine gute Gelegenheit mal nachzutreten (aber eigentlich, eigentlich interessiert ihn das ja gar nicht).

  6. Oh, was für ein berührendes, für ein wahres Interview mit dem Verfasser des aufrührenden Bandes „Der letzte Berliner“. Jedes Wort, jede Zeile ist wahr und wahrhaftig. Alles. Und Yoram Kaniuk spricht noch nicht einmal herabsetzend über diese komische, diese lächerliche, diese egozentrich-belehrende Figur… Er hätte wahrlich jedes Recht dazu! Aber er macht es nicht. Ich habe bei der ersten Lektüre des Interviews das Gefühl, dass Yoram Kaniuk sogar ziemlich traurig ist über diesen kalten, diesen gefühllosen, diesen rechthaberischen Deutschen. Mitleid stellt sich sogar ein – weshalb Kaniuk dieses Thema, diese Figur sofort wieder zu vergessen sucht. Recht hat er.
    Nur zwei Sätze seien hervorgehoben:
    „Aber Grass möchte etwas haben, woran er den Juden die Schuld geben kann.“ Und: „Er sah, wie jüdische Kinder nicht mehr zur Schule kamen und stattdessen in Lager gebracht wurden. Er hatte jüdische Lehrer, er kannte Juden. Und doch konnte er nie darüber eine Geschichte schreiben.“ Man sollte Grass mit absoluter nicht-Beachtung begegnen.
    Gestern lief noch einmal eine Folge der „Deutschland-Safarie“ (oder wie sie heißt) von Broder et. al. Dort gab es die Szene, wie sie zwei NPD-Leute interviewten, sehr ruhig, belustigt – und sich danach abschließend die Hände säuberten vor Ekel. Seltsam, solche Assoziationen bekomme ich, wenn ich über Grass´ schreibe. Seltsam, seltsam…

  7. Immer die gleiche Lüge!
    Ahmadinedschad sagte jedoch wörtlich: „in rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“
    Das bedeutet: „Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte (wörtlich: Zeiten) verschwinden.“ Oder, weniger blumig ausgedrückt: „Das Besatzerregime muss Geschichte werden.“ Das ist keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg. http://www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittenes-zitat-von-ahmadinedschad-der-iranische-schluesselsatz-1.287333

    • Ja, immer die gleichen Lügen. Wir können nur froh sein, dass Hitler Deutsch sprach, sonst würde es heute noch heißen: Alles Übersetzungsfehler. 😀
       
       
      د .
      دكتر محمود احمدي نژاد كه روز يكشنبه در ديدار ميهمانان خارجي شركت كننده در مراسم سالگرد رحلت بنيانگذار نظام جمهوري اسلامي ايران سخن مي گفت؛ با اعلام اين مطلب افزود : امروز فرهنگ و راه امام خميني (ره) از سوي تمام ملت هاي جهان به عنوان بهترين راه برگزيده شده است و به فضل الهي در آستانه يك تحول عظيم در زندگي بشري هستيم .
      وي با تاكيد بر اينكه «پيام امام ، جهاني و بشري بود و مرز جغرافيايي، مذهبي و نژادي نداشت» ، اظهار كرد: وقتي هسته هاي مقاومت عليه نظام سلطه در سراسر دنيا شكل بگيرد و ملت ها به نقطه تصميم برسند ، هيچ قدرتي نمي تواند جلوي حركت آنها را بگيرد .
      رييس جمهور تصريح كرد : كليد شمارش معكوس نابودي رژيم صهيونيستي به دست فرزندان لبنان و فلسطين خورده است و به زودي شاهد نابودي اين رژيم ستمگر خواهيم بود ، زيرا همه جهانيان از مديريت قدرت هاي فاسد، ناصالح و غير امانتدار در دنيا خسته شده اند و منتظر حاكميت انسان صالح بر جهان هستند.
      دكتر احمدي نژاد در ادامه سخنان خود همچنين به شخصيت بي نظير امام راحل در جهان معاصر اشاره و خاطرنشان كرد: امام پيرو حقيقي و استوار پيامبران الهي و تجلي همه خوبي ها و زيبايي ها در دوران ما نظير اخلاص، شجاعت، تواضع، فداكاري ، امانتداي و عشق به مردم است.
      وي برجسته ترين ديدگاه امام خميني (ره) را ايمان به خدا و يقين نسبت به نصرت الهي دانست و گفت: اگر كسي براي خدا حركت كند، تمام آفرينش پشتيبان او خواهد بود و شكست ناپذير خواهد شد.
      براساس اين گزارش در اين ديدار صميمي، شماري از علما وصاحبنظران خارجي شركت كننده در آيين سالگرد رحلت امام خميني(ره) ، ديدگاههاي ياسي و اقتصادي مردم و مسوولان كشور خود را درباره نقش بي بديل امام راحل در ايجاد تحولات جهاني ارايه كردن
      Der entscheidende Satz, auf den es ankommt, lautet: kelīd-e šomāreš-e maʿkūs-e nābūdī-ye režīm-e ṣahyaunīstī be dast-e farzandān-e Lobnān ve-Felasṭīn ḫōrde ast, ve-be zūdī šāhed-e nābūdī-ye īn režīm-e setamgār ḫāhīm būd, zīrā hame ǧahāniyān az modīrīyat-e qodrathā-ye fāsed, nā-ṣāleḥ ve-ġeyr-e emānat-dār dar donyā ḫaste šode-and ve-montaẓer-e ḥakemīyat-e ensān-e ṣāleḥ bar ǧahān hastand.
      Deutsch: “Der Knopf [wörtlich: Schlüssel] zum Countdown der Vernichtung [nābūdī] des zionistischen Regimes ist durch die Hand der Kinder des Libanons und Palästinas ausgelöst worden [be dast ḫōrde ast] und schon bald [be zūdī] werden wir Zeuge der Vernichtung des tyrannischen Regimes werden, sind doch alle Menschen der Herrschaft verdorbener [fāsed], unrechter und ungläubiger Mächte auf der Welt überdrüssig und warten auf die Herrschaft des guten Menschen über die Welt.”
      Die “Herrschaft des guten Menschen über die Welt” ist eine Anspielung auf die erwartete Ankunft des Emam-e Zaman (Erlöser), der die Erde dereinst von der Tyrannei befreien wird. Ich brauche nicht extra hinzuzufügen, dass das Mullahregime die Hisbollah aktiv unterstützt. Ahmadinejad spricht hier also keineswegs von einem erhofften Verlauf der Weltgeschichte, dem er selbst nur als Augenzeuge gegenübersteht. Dazu muss man im Auge behalten, dass das Teheraner Regime seit langem bereits aktiv militärisch gegen Israel kämpft, und zwar hauptsächlich in Form der Hisbollah, dem verlängerten Arm Teherans. Eine Meldung der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA (Hervorhebung von mir, MK):
      http://www.transatlantic-forum.org/index.php/dossiers/ahmadinejad-israel/
       
      http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2011/11850/ahmadinejad-israel-kapitalismus/comment-page-1/#comment-53004
       
       
      agar rejime-e sehyunisti eshtebahat-e gozashte-ye khod ra tekrar konad ve-dast be majarajuiha-ye jadid bezanad bayad be kolli rishe-kan shavad.
      Wörtlich: “Wenn das zionistische Regime seine vergangenen Fehler wiederholen und sich an neue Abenteuer machen sollte, dann muss es mit Stumpf und Stiel ausgerottet (be kolli rishe-kan) werden.”
      Das ist eine bedingte Vernichtungsdrohung, aber immerhin. Der messianische Charakter von Ahmadinejads Weltbild zeigt sich deutlich in einer weiteren Äusserung:
      وعده الهي نابودي رژيم جعلي و جنايتكار صهيونيستي است و پيروزي بزرگ نزديك است
      wa’de-ye elahi nabudi-ye rejime-e ja’li ve-jenayatkar-e sehyunisti ast ve-piruzi-ye bozorg nazdik ast.
      Wörtlich: “Die Vernichtung (nabudi) des verbrecherischen zionistischen Pseudo-Regimes ist ein göttliches Versprechen und der grosse Sieg (piruzi-ye bozorg) ist nah.”
      Das persische nabudi kann “Nicht-Existenz” ebenso wie “Vernichtung” bedeuten. Hier ist allerdings nicht von einem nicht-existierenden Israel die Rede, sondern von einem, das vom Zustand der Existenz in den der Nicht-Existenz befördert, mit anderen Worten: vernichtet werden soll, sodass nabudi mit Vernichtung übersetzt werden muss.
      Und noch eine von Ahmadinejad in Damaskus getätigte Äusserung[2]:
      البته خاورميانه جديدي در راه است خاورميانه‌اي که در آن صهيونيست‌ها و مستکبران جايي ندارند
      albatte khawaremiyane-ye jadidi dar rah ast, khawaremiyane-i ke dar an sehyunistha ve-mostakberan jai nadarand.
      Wörtlich: “Natürlich ist ein neuer Naher Osten auf dem Weg, ein Naher Osten, in dem Zionisten und Hochmütige keinen Platz haben (jai nadarand).”
      http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2010/9143/goettliches-versprechen/
       
       
      Ahmadinejads „Israel von der Landkarte getilgt werden“-Rede
       
      http://www.jer-zentrum.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=154
       
      http://www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittene-aussage-ahmadinedschads-agitator-des-letzten-kampfes-1.257767
       

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