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Hofburg und Rechtsextreme: Tarnen und täuschen

Die Wiener Hofburg hat nach schweren Protesten versprochen, dass es keinen WKR-Ball mehr an der Hofburg geben werde, wo die Rechtsextremen Europas das Ballbein am Holocaust-Gedenktag schwangen. Aber man hat nicht mit der Abgefeimtheit der Veranstalter gerechnet. Sie haben sich eine Hintertür offen gelassen…

Der Glocalist v. 12.3.2012

Karl Kraus hatte mit seinem Befund einfach recht: Österreich ist charmant, aber niederträchtig. Dies kann man wieder der Tage sehr gut studieren. Die Wiener Hofburg hatte versprochen, nie wieder einen WKR-Ball zuzulassen. Tut man auch nicht, sondern man läßt jetzt den politischen Schutzpatron des Rechtsextremismus in Österreich, die FPÖ, diesen Ball ausrichten. Nebenher bemerkt: Der einzige Ball einer politischen Partei in der Hofburg.

Die Wogen gehen entsprechend hoch und diese kindische Täuscherei dürfte eigentlich nicht durchgehen. Doch mit dreist gespielter Navität läßt die Hofburg wissen, man habe sein Versprechen eingehalten, denn der WKR sei nicht mehr Veranstalter. Das stimmt, aber stattdessen ist die FPÖ eingesprungen.

Die Leitung der Hofburg läßt so jede moralische Integrität missen.

Der Täuschungsversuch durch die Hofburg ist daher leicht zu durchschauen. Der neue Name des Korporationsballs ändert nichts daran, dass es noch immer derselbe Ball ist. Auch der Veranstalter, die FPÖ, ist in Wahrheit der alte. Denn Faktum ist, dass die Korporierten bedeutende Teile der FPÖ übernommen haben und jetzt dafür sorgen, dass die FPÖ den Korporationsball übernimmt. Am rechtsextrem durchsetzten Charakter des Balls ändert sich dadurch gar nichts.

Ebensowenig ändert sich etwas an der politischen und medialen Dimension des Balls, die ausschlaggebend für den am 1. Dezember 2011 von den Hofburg-Betreibern gefällten Beschluss war, für den Korporationsball nach der Ballsaison 2012 nicht mehr als Veranstaltungsstätte zur Verfügung zu stehen. „Zu diesem auch gegenüber der Öffentlichkeit verbindlichen Beschluss muss die Hofburg stehen“, betont Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.

Pollak weist darauf hin, dass Renate Danler, Geschäftsführerin der Hofburg-Betreibergesellschaft, die Öffentlichkeit gleich doppelt in die Irre führt: „Sie verschweigt den offensichtlichen Täuschungs- und WKR-Tarnungsversuch durch die FPÖ und sie tut darüber hinaus so, als wäre es normal, wenn eine Partei einen Ball in der Hofburg ausrichtet. Tatsache ist jedoch, dass die FPÖ die einzige Partei ist, die 2013 im Veranstaltungskalender der Hofburg als Ball-Veranstalterin aufscheint.“