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Europäische Presseschau: Mordserie erschüttert Frankreich

Bei einem Anschlag auf eine jüdische Schule in Toulouse am Montag hat ein Unbekannter drei Kinder und einen Lehrer getötet. Mit einer der verwendeten Waffen wurden in der Woche zuvor drei Soldaten in der Region ermordet. Die Bewerber um das Präsidentenamt haben ihre Kampagnen vorerst ausgesetzt…

Die Wahlkämpfer müssen nun Geschlossenheit demonstrieren und dürfen die Morde auf keinen Fall instrumentalisieren, fordern Kommentatoren.

EuroTopics vom 20/03/2012

Libération – Frankreich
Wahlkämpfer dürfen Morde nicht ausbeuten
Die sieben Morde in Toulouse und Umgebung dürfen nicht politisch ausgeschlachtet werden, fordert die linksliberale Tageszeitung Libération: „Die Wahlkämpfer, und insbesondere der noch amtierende Präsident, müssen sich davor hüten, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Sie dürfen diese Verbrechen nicht politisch instrumentalisieren und so missbrauchen. Man hat bereits erlebt, wie eine Wahl durch solch eine Boulevardmeldung oder durch Militär-Operationen benutzt wurde, um Wähler zu beeinflussen. Der Grat ist schmal zwischen angemessener Solidarität sowie Mitgefühl für die jüdische Gemeinschaft, die wieder einmal betroffen ist, und politischer Vereinnahmung. Bisher haben sich die Kandidaten keine Entgleisung geleistet. Sie haben sogar ihre öffentlichen Auftritte und Erklärungen für einen Tag ausgesetzt. Auch wenn der Begriff abgedroschen ist: Nationale Geschlossenheit ist die einzig würdige Antwort angesichts dieser tragischen Ereignisse.“ (20.03.2012)

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Corriere della Sera – Italien
Geschlossen gegen Nationalisten kämpfen
Nach dem Anschlag auf die jüdische Schule in Toulouse haben Präsident Nicolas Sarkozy und sein sozialistischer Herausforderer François Hollande ihre Kampagne im Präsidentschaftswahlkampf vorerst ausgesetzt. Doch es bedarf weit deutlicherer Symbole, fordert der Philosoph Bernard-Henri Lévy in der liberal-konservativen Tageszeitung Corriere della Sera: „Vor etwas mehr als 20 Jahren marschierte die Politik geschlossen (bis auf den rechtsextremen Front National) mit François Mitterrand an der Spitze gegen die Schändung von 34 Gräbern auf dem jüdischen Friedhof von Marseille Carpentras. Heute bedarf es einer entsprechenden Kundgebung in Toulouse mit Nicolas Sarkozy und François Hollande an der Spitze. Die politischen Kräfte müssen feierlich auf der Place du Capitole zusammenkommen und verkünden, dass Frankreich, wenn seine Kinder, ganz gleich welcher Herkunft, ermordet werden, eine geschlossene Front gegen den Mörder bildet, egal wer er ist oder welche Motive er hat. … Als Warnung an die Brandstifter, die die ’nationale Identität‘ als geschlossene Entität verteidigen, die sich von Groll und Hass nährt: Der Gesellschaftsvertrag ist das Opfer eines solchen Massakers. Die Grundfesten des Zusammenlebens schwanken, wenn ein solcher Wahn ausbricht. Eine schlimmere Wunde kann unserem Land, unserer Geschichte nicht zugefügt werden.“ (20.03.2012)

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Alle verfügbaren Texte von » Bernard-Henri Lévy

Frankfurter Allgemeine Zeitung – Deutschland
Islamisten das Handwerk legen
In der Woche vor dem Anschlag auf die jüdische Schule in Toulouse wurden in der Nähe zwei weitere Attentate verübt, bei denen drei Fallschirmjäger mit Migrationshintergrund starben. Für die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung weisen alle Anschläge auf islamistischen Terrorismus hin: „Unverkennbar haben die Taten ein Muster: Einmal geht es gegen das Engagement der französischen Armee in Afghanistan (oder in Libyen), das andere Mal ist Antisemitismus das Motiv. … Vor allem was den Antisemitismus angeht, hat es in den vergangenen Jahren eine traurige Kontinuität von Vorfällen gegeben, die von Friedhofsschändungen (auch im Süden Frankreichs) bis zu Quälereien jüdischer Schüler und Studenten reicht – von früheren tödlichen Anschlägen nicht zu reden. Es ist an der Zeit, dass die Politik aufhört, solche Vorfälle zu verharmlosen, und die Ermittlungsbehörden diesen Sumpf austrocknen. Denn auch wenn es um politisierte Einzeltäter gehen sollte, steht dahinter doch ein ‚Milieu‘.“ (20.03.2012)

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Diário de Notícias – Portugal
Politiker vereint gegen Antisemitismus
Das Attentat von Toulouse trägt antisemitische Züge, doch Frankreich hat angemessen reagiert, meint die Tageszeitung Diário de Notícias: „Von der Dreyfus-Affäre im späten neunzehnten Jahrhunderts bis zu Jean-Marie Le Pen, der hundert Jahre später den Holocaust als ein Detail des Zweiten Weltkriegs bezeichnete – es ist einfach, Beispiele für Antisemitismus in Frankreich zu finden. Auf der anderen Seite war Napoleon der Erste, der den Juden Bürgerrechte gewährte, das Land hatte schon jüdische Staatschefs und heute lebt hier die größte jüdische Gemeinde Europas. … Deswegen ist der gestrige Anschlag in Toulouse gegen eine jüdische Schule erschreckend, denn er ist nicht nur mörderisch, er zeigt auch alle Anzeichen eines antisemitischen Akts. … Aber Frankreich hat wie erfordert reagiert: kategorische Verurteilung, die alle Präsidentschaftskandidaten vereinte. Selbst Marine Le Pen war unerbittlich mit den Tätern.“ (20.03.2012)

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