April April Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. April 2012…

So, 1. Apr · 01:40-03:20 · arte
Nylons und Zigaretten

1944 in der Normandie: In sogenannten „cigarette camps“ der US-Army werden junge Französinnen vorbereitet, um zu ihren neuen Ehemännern in die USA auszuwandern. Jeannette, Marie-Thérèse und Mireille sind drei solcher Frauen: Sie sind mit ihnen kaum bekannten GIs verheiratet und stehen kurz vor ihrer Überfahrt über den Atlantik. Just am Tag der Abreise bekommt Jeannette die Nachricht vom Unfalltod ihres Ehemanns, den die Army aber wie einen Tod im Gefecht aussehen lassen will. Sie muss ihre beiden Freundinnen ziehen lassen und bleibt mit ihren Eltern auf deren Bauernhof zurück. Marie-Thérèse und Mireille berichten der Freundin in Briefen von ihren Erlebnissen, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen. Mireille lebt mit ihrem jüdischen Mann im neuen Land in Brooklyn, die Pariserin scheint dort ihr Glück gefunden zu haben. Marie-Thérèse und ihren fünfjährigen Sohn Philippe hingegen verschlägt es auf eine Farm in Alabama. Ihr amerikanischer Mann ist durch seine Kriegserlebnisse stark traumatisiert. Immer häufiger verschwindet er und kehrt erst nach Tagen oder Wochen völlig betrunken zurück. Unterdessen wird Jeannette ihre Heimat Frankreich fremd: Von den Männern im Dorf argwöhnisch als Soldatenfrau und Hure beschimpft, entschließt sie sich dazu, vom Sterbegeld ihres Ehemanns die Reise in die USA und zu ihren Freundinnen anzutreten. Es soll eine Reise ins Ungewisse werden.

So, 1. Apr · 08:15-09:00 · PHOENIX
Abraham – Patriarch der Menschlichkeit

Als Gott ihn ruft, lässt er alles hinter sich, Heimat, Status, Besitz, und bricht auf, in das größte Abenteuer seines Lebens. Seine Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen gehört zu den großen Mythen der Menschheit. Er will Sodom und Gomorrha retten, die verruchten Städte, die dem Untergang geweiht sind; er überlässt seine Frau dem Pharao, weil er Angst hat um sein eigenes Leben. Und als er Hundert ist, wird ihm endlich der lange ersehnte Nachfolger geboren. Doch auf Gottes Geheiß ist er bereit, sein geliebtes Kind auf dem Opferaltar zu schlachten. Abraham, der Gigant des Glaubens, der heimatlose Nomade, mit dem Gott einen Bund schloss, sollte zum Stammvater der drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam werden. Heute verehren ihn weltweit mehr als drei Milliarden Menschen, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Hat es diesen Mann, der unbeirrt seinem Gott folgte, wirklich gegeben?In der jüdischen Tora und im Alten Testament der Bibel ist seine Lebensgeschichte ausführlich niedergeschrieben. Auch der Koran, das Heilige Buch der Muslime, berichtet von ihm. Er soll der erste gewesen sein, der die Vielgötterei seiner Umgebung ablehnte, und sich dem einen einzigen Gott zuwandte. Er soll vor etwa 4000 Jahren im Vorderen Orient gelebt haben. Der Heiligen Schrift nach kam er aus „Ur in Chaldäa“, im heutigen Irak. Die Stadt Ur war einst die gewaltige Metropole Mesopotamiens, des Zweistromlandes zwischen Euphrat und Tigris, eine blühende Hafenstadt und das Zentrum des Mondgottes Sin, dem ein mächtiger Stufenturm geweiht war. Eines Tages verließ Abraham seine reiche Heimatstadt und begab sich auf eine beschwerliche, etwa 1000 km lange Reise bis nach Haran, in Obermesopotamien. Von dort aus zog er weiter nach Kanaan, dann nach Ägypten und zurück nach Kanaan, wo er sich in der Nähe von Hebron niederließ. Haben die biblischen Erzählungen einen wahren Kern? Lassen sich historische Spuren des Patriarchen finden?Die Forscher wissen heute, dass die Abraham-Geschichte nicht aus einem Guss ist, zwischen dem 8. und 2. Jahrhundert vor Chr. aufgeschrieben und immer wieder ergänzt und verändert wurde. Und dennoch: Die Heilige Schrift nennt Orte, die bei archäologischen Untersuchungen identifiziert werden konnten und beschreibt Situationen, die aus Keilschrifttexten bekannt sind. Aller Skepsis zum Trotz gibt es immer wieder Übereinstimmungen zwischen den historisch archäologischen Befunden und den biblischen Erzählungen. Hat die Bibel doch Recht? Der Film begibt sich auf eine spannende Spurensuche nach dem großen Patriarchen, der durch alle Epochen hindurch die Menschen fasziniert hat. Er folgt dem biblischen Wanderweg des Erzvaters, begleitet Forscher bei ihrer Arbeit und lässt mit vielen Spielszenen in grandioser Wüstenlandschaft das bewegende Leben des Mannes aufleuchten, dessen Überzeugung die Welt verändert hat.

So, 1. Apr · 10:45-11:30 · 3sat
Mirjam Pressler – Das Kind in mir

Mirjam Pressler prägte die deutsche Kinder- und Jugendliteratur wie kaum eine andere. Schwierige Themen hat sie ihren jugendlichen Lesern nie erspart. Als jüdisches Kind wuchs Mirjam Pressler nach dem Krieg bei Pflegeeltern auf. Ein Thema, das sich durch viele ihrer Bücher zieht, sind gebrochene oder beschädigte Kindheiten, Krieg und Vertreibung. „Bitterschokolade“ und „Malka Mai“ sind zwei ihrer bekannteren Werke. Das Schicksal des Mädchens Anne Frank beschäftigte sie in den Werken „Ich sehne mich so! Die Lebensgeschichte der Anne Frank“ und „‚Grüße und Küsse an alle‘: Die Geschichte der Familie von Anne Frank“. Über 30 Bücher hat Mirjam Pressler geschrieben und 300 Bücher aus dem Hebräischen, Flämischen und Englischen übersetzt. Neben etlichen anderen Preisen wurde ihr bereits zweimal der Deutsche Bücherpreis verliehen und für ihr Lebenswerk das Bundesverdienstkreuz. In dem Film „Mirjam Pressler – Das Kind in mir“ spricht die Autorin über ihre Bücher und ihren Weg als Schriftstellerin.

So, 1. Apr · 11:30-12:25 · 3sat
Die Musik der Synagogen – vernichtet, verschollen und wieder entdeckt

Gegen das Vergessen: Andor Iszák, Direktor des Europäischen Zentrums für jüdische Musik, sucht unermüdlich nach verschollenen Kompositionen für Synagogen und gibt die verloren geglaubte Musik ihrem einstigen Bestimmungsort zurück. Es geht um Musik, die klingt wie von Schubert oder Brahms. Und doch sind ihre eigentlichen Komponisten heute weitgehend unbekannt, denn sie haben für Synagogen komponiert. Bis zum November 1938 hatte ihre Musik einen festen Platz in den liberalen Synagogen Deutschlands. Doch mit der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und dem Holocaust verschwanden diese Kompositionen aus dem jüdischen Gottesdienst. Andor Izsák setzt versprengte Puzzleteile zusammen, restauriert alte Tonaufnahmen und Noten. Aber auch die Aufführung der Synagogenmusik ist ihm eine Herzensangelegenheit. Zu diesem Zweck hat er den Europäischen Synagogalchor gegründet. Der Film „Die Musik der Synagogen – vernichtet, verschollen und wieder entdeckt“ begleitet Andor Izsák bei seiner Arbeit.

So, 1. Apr · 12:25-13:00 · 3sat
Hebräische Buchstaben als Architektur – Die neue Synagoge in Mainz

„Ich weiß jetzt, warum ich so alt geworden bin: damit ich diesen Tag heute miterleben darf“, erklärte die damals 91-jährige Nanny Mayer im November 2008 am Tag der Grundsteinlegung der neuen Synagoge in Mainz. Die Jüdin war zum feierlichen Baubeginn eigens aus New York in ihre alte Heimatstadt am Rhein gereist. Doch nicht nur für die Holocaust-Überlebenden und die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Mainz ist der Neubau ein großes Ereignis. Die Neue Zürcher Zeitung sprach vom „vielleicht weltweit interessantesten Synagogenprojekt“. Die Architektur des futuristisch anmutenden Gemeindezentrums sorgt international für Aufsehen. Entworfen hat den Bau der Architekturdozent Manuel Herz. Im September 2010 wurde die neue Synagoge eingeweiht. Der Film „Hebräische Buchstaben als Architektur – Die neue Synagoge in Mainz“ schildert die Entstehungsgeschichte des Gebäudes, stellt die am Bauprojekt beteiligten Menschen und die Jüdische Gemeinde am Rhein sowie ihre jahrhundertealte Geschichte vor.

So, 1. Apr · 21:00-21:45 · PHOENIX
München ’72

Der 5. September 1972 hat sich in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingebrannt, wie nur wenige andere Ereignisse der Nachkriegsgeschichte: der Tag, an dem die fröhlichen Olympischen Spiele von München zum Ziel palästinensischer Terroristen wurden. So etwas hatten die Deutschen, hatte die Welt ? im wahrsten Sinne des Wortes ? noch nicht gesehen. Fast 40 Jahre sind seitdem vergangen. Ein abgeschlossener Fall, sollte man meinen. Umso erstaunlicher war es für den Dokumentarfilmer Uli Weidenbach festzustellen, wie sehr deutsche Behörden sich noch heute hinter einer Mauer des Schweigens verstecken wollen: Den Zugang zu offiziellen Akten und Dokumenten von damals gewähren sie noch heute nur ungern. Auch einige der damals Beteiligten schweigen oft lieber. Die Erinnerung an das Drama von Fürstenfeldbruck, wo die Geiselnahme so blutig endete, ist für viele Augenzeugen immer noch traumatisch. Erst nach langem Zögern hatte sich einer der fünf damals eingesetzten „Scharfschützen“ bereiterklärt, vor der Kamera zu sprechen. Noch heute leidet er darunter, wie er von seinen Vorgesetzten völlig unvorbereitet und ohne spezielle Ausbildung zu der Befreiungsaktion abkommandiert worden ist: Scharfschützen lernen den gezielten Todesschuss, der Beamte konnte es einfach nicht, obwohl er den Kopf eines der Terroristen im Fadenkreuz hatte: „Man kann nicht einfach einen Menschen, der mehr oder weniger wehrlos ist, ob gut oder böse, einfach abschießen. Man muss das trainiert haben und das hatten wir nicht trainiert.“ Bis heute fürchtet er Konsequenzen. Gesicht und Stimme wurden deswegen im Film unkenntlich gemacht. Für die Hinterblieben der Opfer sind die Erinnerungen an die schrecklichen Stunden im September 1972 noch immer allgegenwärtig. Von einem stechenden Schmerz, der nie vergeht, von Wut, Zorn und tiefer Trauer berichten sie. Die Zeit scheint keine Wunden zu heilen. Das größte Anliegen der Witwen und Kinder der ermordeten israelischen Athleten ist es, die Erinnerung an ihre Männer und Väter wach zu halten, der Kampf gegen das Vergessen.

So, 1. Apr · 23:15-00:00 · PHOENIX
Die Brückenbauer: Henry Kissinger, Fritz Stern und Lord George Weidenfeld

Sie wurden verfolgt, sie wurden vertrieben, sie waren „froh und dankbar“, endlich „raus“ aus Deutschland zu sein. Nichts hielt Henry Kissinger, Fritz Stern und George Weidenfeld in dem Land, das ihren Familien jede Lebensmöglichkeit entzogen hatte. Eine „traumatische Erfahrung“ – für die Eltern, für die Geschwister, für sie selbst. Wie konnten Menschen, die den hemmungslosen Antisemitismus ihrer Mitbürger erlebt, die das Land ihrer Kindheit voller Angst und Wut verlassen hatten, mit Deutschland und den Deutschen ihren Frieden machen? Warum kamen sie zurück? Was trieb sie an – Rache, Neugier, Sehnsucht, Hoffnung?Jedenfalls machten sie sich auf den Weg – schon bald nach dem Krieg, immer wieder, immer öfter. Henry Kissinger, der ehemalige US-Außenminister, Fritz Stern, der führende US-Historiker für deutsche Geschichte und Lord George Weidenfeld, der britische Verleger, Journalist und Diplomat – sie wurden zu Brückenbauern zwischen ihrer neuen und ihrer alten Heimat. Und als es darauf ankam, als sich 1989/90 unerwartet die Frage der Wiedervereinigung stellte und nicht klar war, wie die internationale Staatengemeinschaft darauf reagieren würde, waren sie da: Mit ihrem ganzen politischen und publizistischen Gewicht setzten sich die drei Herren für Deutschland und die Deutschen ein. Eine bemerkenswerte, eine bewegende Geschichte, der die Filmemacherin Evi Kurz auf den Grund geht. In einer Serie exklusiver Interviews gewähren Kissinger, Stern und Weidenfeld ganz besondere Einblicke in ihr privates und berufliches Leben sowie ihr wechselvolles Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen. Sie schildern ihre Sicht der Wiedervereinigung und bewerten die internationalen Reaktionen auf die dramatische Entwicklung zwischen dem 9. November 1989 und dem 3. Oktober 1990. Helmut Schmidt, Angela Merkel, Hans-Dietrich Genscher und Richard von Weizsäcker sprechen über den Beitrag Kissingers, Sterns und Weidenfelds zur deutschen Aussöhnung mit den USA, Israel und Großbritannien. Evi Kurz hat sich bereits mehrfach mit diesen Themen auseinander gesetzt und sich als Autorin, Regisseurin und Produzentin von TV-Dokumentationen einen Namen gemacht. Besonders ihre Dokumentation „Die Kissinger Saga – Henry und Walter Kissinger, zwei Brüder aus Fürth“, wurde national wie international zu einem großen Erfolg.

Mo, 2. Apr · 10:50-11:20 · RBB
Religionen der Welt, 1/3, Judentum

Mit welchem Bewusstsein Kinder die Welt sehen, wird entscheidend von ihrer Religion geprägt – für einige ist dieses Leben nur eins von vielen, für andere der Schlüssel zum Paradies. Die Sendereihe zeigt anschaulich die Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam aus Sicht junger Gläubiger. Das Filmteam begleitet sie in ihrem Alltag, zeigt die Wurzeln und die Geschichte der Religion, die Werte und Weltbilder sowie die Bräuche und Riten. Der 13-jährige Alon bereitet sich auf seine Bar Mizwa vor, bei der er zum ersten Mal während des Gottesdienstes vor der ganzen Gemeinde einen Gebetstext aus der Tora vorträgt. Jasmin, die Archäologiestudentin, entdeckt in einer Kiste Überreste einer Torarolle. Zusammen mit ihrem Professor findet sie eine Menge über die Geschichte des Judentums heraus. Avitall Gerstetter ist die erste Frau, die in Deutschland als Kantorin in einer jüdischen Gemeinde angestellt ist.

Di, 3. Apr · 05:30-06:15 · PHOENIX
Faszination Glaube (3/5): Budapest – Die Dohány Synagoge

Das prächtige Gebäude zeugt vom großen Reichtum der Budapester Jüdischen Gemeinde im 19. Jahrhundert. Anders als viele jüdische Gotteshäuser, die in unscheinbaren Seitenstraßen zu finden sind, steht die Dohány-Synagoge weithin sichtbar an einer der Hauptverkehrsadern der ungarischen Hauptstadt. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten 740.000 Juden in Budapest, nur 140.000 von ihnen überlebten den Holocaust. Heute ist die Jüdische Gemeinde der ungarischen Metropole die viertgrößte in Europa. Wie sieht das Leben für die jüdischen Menschen im heutigen Budapest aus? Junge Juden drücken ihre Gefühle in hebräischem Hip-Hop aus und gehen an ungarische Regelschulen, um christlichen Schülern den jüdischen Glauben nahe zu bringen und auf humorvolle Art Vorurteilen entgegenzutreten. Es gibt aber auch eine jüdische Schule in Budapest, in der die Kinder nicht nur lernen und beten, sondern auch mit koscherem Mittagessen versorgt werden. Die Dokumentation erklärt die jüdischen Essensregeln und beschreibt, was ein Gebetsriemen ist. Außerdem zeigt sie Timea und Alpar bei den Vorbereitungen für ihre traditionelle jüdische Hochzeit und demonstriert, welche Rolle der Rabbi dabei spielt und wie jemand Rabbi werden kann.

Di, 3. Apr · 06:00-07:00 · arte
Balkan-Soul und Gypsy-Blues

Sie kommen aus rumänischen Dörfern und den Slums von Skopje: legendäre Roma-Orchester aus Osteuropa, Sänger und Blaskapellen vom Balkan. Sie leben in abgelegenen Dörfern und in den chaotischen Roma-Vierteln der Städte. Jahrzehntelang war diese Musik hinter dem Eisernen Vorhang von der restlichen Welt abgeschnitten. Seit den 1990er Jahren aber gibt es eine Aufbruchstimmung. Emigranten aus der Balkan-Region haben ihre Heimatklänge in die Welt getragen. Ihre Musikinstrumente sind zerbeult und abgenutzt; ihre Musik jedoch ist längst in den Konzertsälen der ganzen Welt angekommen. Mit atemberaubendem Geigenspiel begeistern die Taraf de Haidouks ihr Publikum; die Fanfare Ciocarlia mit rasend schneller Blasmusik. Esma Redžepova, als „Queen of the Gypsies“ bekannt, lässt indische Klänge in ihre Musik einfließen, aber auch persische und spanische Sounds. Ob aus Mazedonien wie das Original Kocani Orchestar, der Ukraine oder aus Rumänien: Diese Musik wäre undenkbar ohne die Sinti und Roma der jeweiligen Region. Die Dokumentation nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch das südöstliche Ende Europas, dessen Musik so vielfältig ist wie seine Sprachen. Die Klänge zeigen Einflüsse aus dem Orient, besonders der Türkei, und sogar aus Indien. Sie sind geprägt durch jüdische, ungarische und deutsche Musiktraditionen. Die Musik der Roma geht aber auch heute immer wieder neue Verbindungen ein – bis hin zum Gypsy Punk von Eugene Hütz, dem Bandleader von Gogol Bordello. Er hat mit seiner Musik auch die MTV-Generation erreicht.

Di, 3. Apr · 10:30-11:15 · PHOENIX
Hip und Trendy

Williamsburg ist New Yorks jüngstes Viertel. Fast alle, die hier leben, sind kaum älter als 40. Erst kamen die Künstler aus SoHo auf der Suche nach billigem Wohnraum. Heute sind es sogar Banker von der Wallstreet, die ans andere Ufer des East Rivers ziehen. Aber Williamsburg ist auch Heimat ultra-orthodoxer Juden. Über 60.000 Anhänger der Satmar-Bewegung leben hier. Deren Lebensgewohnheiten und die der jungen Avantgarde prallen in Williamsburg aufeinander. Die ARD-Korrespondentin Anja Bröker entdeckt das spannungsreiche mit- und nebeneinander in diesem boomenden Stadtteil.

Di, 3. Apr · 15:00-16:45 · arte
Mein Führer

Dezember 1944: Der totale Krieg ist so gut wie verloren und Berlin liegt in Trümmern. Doch Goebbels will nicht aufgeben: Am Neujahrstag soll der Führer mit einer kämpferischen Rede noch einmal die Massen begeistern. Das Ganze hat nur einen Haken: Der Führer ist ein krankes und depressives Wrack. Die Zeit läuft, innerhalb von fünf Tagen muss Adolf Hitler in Höchstform sein. Nur einer kann jetzt noch helfen: sein ehemaliger Schauspiellehrer Adolf Grünbaum – ein Jude. Nicht nur Berlin ist 1944 total zerstört, sondern auch der Führer Adolf Hitler. Depressiv und gesundheitlich angeschlagen meidet er die Öffentlichkeit. Nur einer will sich nicht geschlagen geben: Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Er setzt alle Hebel in Bewegung, damit der Führer, der nur noch ein matter Abglanz seiner einstigen „Größe“ ist, am Neujahrstag mit einer flammenden Rede vor der Pappkulisse eines unzerstörten Berlins den deutschen Volkssturm nochmals entfacht. Ihm kommt die rettende Idee: Des Führers früherer Schauspiel- und Rhetoriklehrer Adolf Grünbaum soll in dem Häufchen Elend erneut den Redner wecken, der Massen begeistert. Dass Grünbaum Jude ist, stört Goebbels dabei recht wenig. Im Gegenteil: Der Hass kann im Führer, so glaubt Goebbels, die größtmögliche Kraft entzünden. Umgehend wird Grünbaum aus dem KZ Sachsenhausen in die Reichskanzlei bestellt. Er lässt sich auf Goebbels Hilfsgesuch unter der Bedingung ein, dass seine Frau und seine vier Kinder ebenfalls in die Freiheit entlassen werden. Und auch der Führer sträubt sich nicht, die Uniform gegen den Trainingsanzug einzutauschen. Jeden Abend muss Grünbaum sich vor seiner Familie rechtfertigen. Nach kurzer Zeit schon gelingt es ihm, Hitler mit „tiefenpsychologischen“ Übungen in seine schwierige Kindheit zurückzuversetzen und damit einen wunden Punkt zu treffen. Als der Führer weinend die Augen schließt, bietet sich eine günstige Gelegenheit: Grünbaum greift zum Briefbeschwerer und holt aus.

Di, 3. Apr · 17:30-17:55 · arte
Was Du nicht siehst

Die junge französische Journalistin Sophie Massieu reist um die Welt. Doch das, was sie ihren Zuschauern auf ihrer 40 Etappen umfassenden Tour zeigt, kann sie selbst nicht sehen. Denn Sophie Massieu ist blind. Heute ist sie in Jerusalem. Dort ist religiöser Eifer auf Schritt und Tritt zu spüren. In der israelischen Metropole finden sich religiöse Stätten von Juden, Muslimen und Christen, und sie gibt einen Einblick in die vielfältige Kultur des Landes. Gleich nach ihrer Ankunft im Herzen der Altstadt begegnet Sophie Massieu Dutzenden von Familien, die eines der fröhlichsten Feste der jüdischen Religion feiern, die Bar-Mizwa. Die Bar-Mizwa ist die Einführung der 13-jährigen Jungen in die jüdische Glaubensgemeinschaft. Und es ist ein großes Familienfest. Rabbiner Jean-Marc Rozenfeld erläutert Sophie Sinn und Ablauf der Zeremonie. Im Umkreis der berühmten Klagemauer, von der die Gebete der Gläubigen an Sophies Ohr dringen, wird ihr die hohe symbolische Bedeutung dieses Ortes bewusst. Weiter geht es in Richtung des größten Jerusalemer Marktes, Mahane Yehuda. Dort lässt Tali, eine in Israel sehr berühmte Köchin, Sophie von den örtlichen Köstlichkeiten probieren. Und im Kibbuz Tzuba, in dem nahe Jerusalem 500 Menschen leben, lernt Sophie Massieu eine jener ländlichen Kollektivsiedlungen kennen, die mit ihrem gemeinsamen Eigentum und ihren basisdemokratischen Strukturen eine wesentliche Rolle bei der Besiedlung Israels spielten. Sophie wird sogleich zur Olivenernte eingesetzt. Von den Kibbuzniks erfährt sie, wie deren Vorfahren die trockenen, wüstenartigen Böden in anbaufähiges Land verwandelten.

Di, 3. Apr · 21:40-22:35 · arte
Mein Kampf – Geschichte einer Hetzschrift

Um die Frage zu klären, warum Hitlers „Mein Kampf“ heute für die einen ein Tabu, für andere jedoch noch immer ein Faszinosum ist, befragte Filmemacher Antoine Vitkine Zeitzeugen, Historiker und einen ehemaligen Neonazi. Außerdem stellte er Nachforschungen im bayerischen Finanzministerium an, dem derzeit die Urheberrechte gehören. Allerdings wird nach aktuellem Urheberrecht ein Text 70 Jahre nach dem Tod des Autors gemeinfrei. Das bayerische Nachdruckveto hält also nur noch bis zum Jahr 2015 – spätestens bis zu diesem Termin muss eine politische Entscheidung getroffen werden, wie mit diesem Buch umzugehen sei. Der Nachdruck von Hitlers „Mein Kampf“ ist bis heute in Deutschland verboten. In den Jahren 1925 bis 1945 wurde Adolf Hitlers „Mein Kampf“ allein in Deutschland über zwölf Millionen Mal gedruckt. Die internationalen Auflagen in 16 Sprachen gingen in die Hunderttausende. In vielen Ländern der Welt kann man das Buch heute noch kaufen. Der Nimbus des Verbotenen fasziniert, und viele Fragen zu „Mein Kampf“ bleiben bis heute unbeantwortet: Unter welchen Umständen ist das Buch entstanden? Welche Rolle spielte es für die Machtergreifung Hitlers? Wie wurde es in Deutschland und wie zum Beispiel in Frankreich aufgenommen? Wie viele der Millionen Deutschen, die es besaßen, haben es tatsächlich gelesen? Offenbart es die Gefahren der Naziideologie? Gibt es eine Verbindung zwischen „Mein Kampf“ und der Shoah? Die Tragweite dieser Fragen ergibt sich aus der Tatsache, dass Hitler die während seiner Festungshaft im bayerischen Landsberg niedergeschriebenen Gedanken fast eins zu eins umsetzte, darunter die Feldzüge gegen Frankreich und die Sowjetunion, den Anschluss Österreichs, die Verfolgung und Ausrottung der Juden, die sogenannte Rassenhygiene und die sogenannte Rassenlehre. Während die Nationalsozialisten nach 1933 alles für eine weite Verbreitung von „Mein Kampf“ taten, zensierte der inzwischen zum Reichskanzler ernannte Autor Adolf Hitler die Ausgabe für Frankreich, um seine wahren Absichten zu verschleiern.

Di, 3. Apr · 22:15-22:45 · RBB
Talk mit Jörg Thadeusz – Gast: Marion Brasch

Bei „THADEUSZ“ erzählt die auch als Radio Eins-Moderatorin bekannte Marion Brasch über das Leben in ihrer „fabelhaften“ Familie, das Glück als Vierte geboren zu werden, über ihren opportunistischen Schritt in die Partei ihres Vaters und den Blick ihrer eigenen Tochter auf ein Land, das es nicht mehr gibt. Der Vater brachte es bis zum stellvertretenden Kulturminister in der DDR. Seine drei Söhne, vor allem der berühmte Sohn Thomas, waren Künstler, bewegten sich mit unterschiedlichem Erfolg in der DDR-Opposition und starben alle sehr früh – an Alkohol, Kokain und Verzweiflung. Übrig blieb das jüngste Kind, die Tochter Marion Brasch. Wenn Sie jetzt einen Roman über ihre Familie schreibt, signalisiert bereits der Titel den Willen, endlich einen Schluss-Strich zu ziehen: „Ab jetzt ist Ruhe“. Dieser Ausspruch liegt wie ein Motto über dem Familienroman von Marion Brasch. Ihre Eltern sind noch Kinder, als sie ihrer jüdischen Herkunft wegen aus Deutschland fliehen müssen. In London treffen die angehende Schauspielerin Gerda und der junge Kommunist Horst aufeinander. Sie verlieben sich, heiraten und bekommen im Februar 1945 ihr erstes Kind – einen Sohn, Thomas Brasch. Nach dem Krieg geht der überzeugte Kommunist Horst Brasch nach Ostberlin, um dort ein neues Deutschland aufzubauen. Seine Frau folgt ihm widerwillig. Horst macht in der DDR Karriere und bringt es bis zum Vize-Kulturminister. Der, so erinnert sich Marion Brasch, stetig versuchte, die eigene Familie vom richtigen politischen Kurs zu überzeugen. So viel Agitation bleibt nicht unwidersprochen – Marion Braschs erste Erinnerung an ihre Familie ist folgerichtig der ständige Streit des Vaters mit den Brüdern. Der erreicht seinen Höhepunkt, als sie sieben Jahre alt ist: Ihr großer Bruder Thomas wird inhaftiert, weil er mit anderen Jugendlichen gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings protestiert. Den Vater kostet das den Job als Kulturminister, die Familie muss von Berlin nach Karl-Marx-Stadt ziehen.

Mi, 4. Apr · 14:50-15:00 · BR
Willi wills wissen von A-Z

Rumpelnd und pumpelnd gibt die Buchstaben-Mischmaschine den Buchstaben für diese Sendung vor: K! Und der erste Begriff ist – koscher: Die jüdische Religion gibt den Gläubigen vor, dass sie ein koscheres Leben führen sollten. Dazu gehört vor allem koscheres Essen. Was man darunter versteht, erfährt Willi in einem jüdischen Lebensmittelgeschäft. Anschließend ist der Reporter in einer anderen Sache unterwegs: der Klopapierforschung. Dort wird getestet, wie das Papier beschaffen sein muss, damit es zuverlässig seinen Dienst tut. Willis letzte Station ist das König-Ludwig-Musical. Dort trifft er den Hauptdarsteller …

Mi, 4. Apr · 15:00-16:45 · arte
Das Meer am Morgen

Frankreich, im Kriegsjahr 1941: Nachdem die deutschen Truppen ein Jahr lang wie „Gott in Frankreich“ lebten, wird in Nantes ein deutscher Offizier auf offener Straße erschossen. Die Attentäter können unerkannt entkommen. Der Führer in Berlin ordnet umgehend die Exekution von 150 französischen Geiseln als Vergeltung an. In der deutschen Kommandantur im Pariser Hotel Majestic werden der Schriftsteller Ernst Jünger und der General Otto von Stülpnagel mit der Sache befasst. Die hinzurichtenden Geiseln sollen auch aus dem Internierungslager Choisel in der Bretagne ausgewählt werden. Dort wird unter anderem der 17-jährige Guy Môquet festgehalten: er hatte in einem Kino Flugblätter verteilt. Gemeinsam mit 26 Mithäftlingen steht Guy auf der Liste der zu Exekutierenden in Châteaubriant. Am Atlantikwall wird der junge Wehrmachtssoldat Heinrich zu Schießübungen mit scharfer Munition verpflichtet.

Mi, 4. Apr · 23:05-23:55 · PHOENIX
Tage, die die Welt bewegten – Entscheidung im Sechstagekrieg

In Großbritannien haben gerade die Beatles ihr Album „Sergeant Pepper“ herausgebracht. In den USA verweigert Muhammad Ali den Wehrdienst und bekommt dafür seinen Weltmeistertitel im Boxen aberkannt, und in Afrika erklärt Biafra seine Unabhängigkeit. Doch die Welt schaut auf den Nahen Osten. Die Spannung, die sich dort seit Monaten zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten aufgebaut hat, ist nun explodiert.

Do, 5. Apr · 01:25-02:20 · arte
Und wenn’s ein Junge ist?

Filmemacherin Danae Elon ist überrascht, als Philip ihr Baby, wenn es ein Junge wird, unbedingt beschneiden lassen will, wie seine eigenen Eltern es mit ihm getan haben. Sie macht sich auf eine Reise, um den Sinn der Beschneidung zu ergründen. Beschneiden oder nicht? Das ist die Frage dieses sehr persönlichen, witzigen und sensiblen Films. Während der Vorbereitung auf die Geburt des ersten – und später des zweiten Kindes – reist die Filmemacherin Danae Elon – sie und ihr Mann sind zwar jüdischer Herkunft, aber nicht gläubig – nach Washington D. C., Israel und Großbritannien und wieder zurück nach New York. Unterwegs konsultiert sie einen Rabbiner, einen Priester, einen Psychoanalytiker, ihre Eltern, besucht eine Demonstration von Beschneidungsgegnern vor dem Kapitol in Washington und diskutiert mit ihrem Geburtshelfer. In nie versiegender Neugier begegnet sie eingefleischten Freudianern, nimmt an einer „Sex-and-the-City-Tour“ durch New York teil und spricht mit einem Mohel – dem jüdischen Beschneidungsspezialisten -, der mit pikanten Enthüllungen über die britische Königsfamilie aufwartet. Hinter all diesen skurrilen Situationen und Begegnungen steht jedoch die künftige Bewährungsprobe, mit der sich die Eltern aufrichtig auseinandersetzen. Warum will ich die Beschneidung meines Sohnes beziehungsweise warum lehne ich sie ab? Diese Probe symbolisiert die Liebe und die Opfer, durch die eine Familie zusammenwächst.

Do, 5. Apr · 16:45-17:00 · Das Erste (ARD)
Der Klang der Synagogen – Andor Izsák und seine Mission

Andor Izsák hat eine Mission: Er will die Tradition der synagogalen Musik wiederbeleben. Und er gibt nicht auf, wenn es darum geht, alte Noten oder Platten zu finden, die die Nazizeit überdauert haben. Genauso beharrlich hat er sich dafür eingesetzt, dass ein Zentrum für die Musik der Synagogen entsteht. Nun hat sich sein Traum erfüllt – mit der Villa Seligmann in Hannover. Andor Izsák, geboren 1944 in einem „Judenhaus“ in Budapest, galt mit 13 Jahren als musikalisches Wunderkind. Doch bis zur Villa Seligmann war es ein weiter Weg, über das Studium in Budapest, über das Spielverbot durch die damalige Regierung, über die Emigration nach Deutschland. Unbeirrt hielt er an seiner Mission fest – und hatte am Ende Erfolg: Heute werden die alten Kompositionen wieder gespielt, nicht nur in Synagogen.

Do, 5. Apr · 23:05-00:15 · arte
I Shot My Love

Im Jahr 2006, 70 Jahre nachdem sein Großvater vor den Nazis aus Berlin nach Israel geflohen ist, kommt der Filmemacher Tomer Heymann in die deutsche Hauptstadt, um seinen Dokumentarfilm „Paper Dolls“ auf der Berlinale vorzustellen. Hier lernt er in einem Club den deutschen Tänzer Andreas Merk kennen und verliebt sich in ihn. Als Andreas das erste Mal nach Israel fährt, um Tomer zu besuchen, kommt er nicht nur in ein wunderschönes Land, sondern gerät in ein kompliziertes Beziehungsgeflecht. Das ist stark geprägt von Tomer Heymanns Mutter Noa, die darunter leidet, dass ihre vier anderen Söhne nicht mehr in der Nähe leben. Tomer Heymann dokumentiert den Besuch seines Freundes Andreas, dessen Einbeziehung in den ungewöhnlichen Alltag in Israel und die aus der neuen Konstellation resultierenden Diskussionen mit der Kamera.

Fr, 6. Apr · 06:00-06:45 · BR
Der Berg des Messias – Der Ölberg und seine Mythen

Im Judentum wird vom Ölberg aus der Messias kommen, im Christentum kam er bereits von dort und in der islamischen Tradition ist der Ölberg der Platz, wohin die Kaaba, der schwarze Stein aus Mekka, zurückkehren wird, um sich mit dem Stein im Felsendom, von wo aus die Welt geschaffen wurde, vereinigen wird. Richard C. Schneider möchte das mystische Geheimnis des Ölbergs erzählen und zugleich zeigen, wie das Leben auf und um den Ölberg heute aussieht. Wie also Glaube und Wirklichkeit, Tradition und Realität miteinander verbunden sind und die Faszination dieses heiligen Ortes bis heute bestimmen.

Fr, 6. Apr · 09:20-09:55 · Das Erste (ARD)
Fünf mal Gott – Kinder und ihre Religion

Die halbstündige Dokumentation „Fünf mal Gott“ bündelt fünf Porträts von Kindern aus der „Sendung mit der Maus“, die in unterschiedlichen Glaubensrichtungen aufwachsen. Der katholische Max, die muslimische Bahar, der jüdische Lenny, die buddhistische Jade und die hinduistische Bruntha leben mitten in Deutschland und geben einen Einblick in ihre spirituelle Welt. Der preisgekrönte Dokumentarfilmer Calle Overweg erzählt von fünf Kindern, die einen sehr unverkrampften Zugang zu ihrer Religion haben. Da kann dann auch schon mal Oliver Kahn seinen Platz neben Jesus finden oder der kleine Bruder zur gemeinsamen Meditation verdonnert werden. Am Ende steht die Erkenntnis, dass es viele Wege gibt, sich Gott zu nähern.

Fr, 6. Apr · 19:15-20:00 · Das Erste (ARD)
Legenden: Inge Meysel

Als Kratzbürste war sie gefürchtet, als „Mutter der Nation“ geliebt: Inge Meysel, die sich selbst gar nicht als mütterlichen Typ sah. Nicht nur, dass sie kinderlos geblieben ist, auch ihre kämpferische Natur widerspricht eigentlich dem Nachkriegs-Mutterbild. Erst spät wurde die Schauspielerin öffentlich auch als streitbare Feministin wahrgenommen, die sich offen zu frühen lesbischen Erfahrungen bekannte. Politisch engagiert war Inge Meysel von Anfang an. Schon mit 15 hält sie bei den Jungdemokraten eine Rede gegen die Todesstrafe, 1978 ist sie mit Alice Schwarzer und anderen Klägerin im „Sexismus-Prozess“ gegen den „Stern“. Sie geht gegen den Abtreibungsparagraphen auf die Straße, setzt sich ein für den Kampf gegen Aids und für Sterbehilfe. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, auch wenn sie dabei andere vor den Kopf stößt. Das sei eine Folge der Nazizeit, so hat sie es selbst erklärt. Inge Meysels Theaterkarriere hatte gerade begonnen, da kam das Berufsverbot. Denn nach den Rassegesetzen der Nazis war sie „Halbjüdin“. Viele Kollegen haben sich bereits 1933 geweigert, mit ihr zu spielen; ihren Lebenspartner, den Schauspieler Helmut Rudolph durfte sie nicht heiraten, musste sogar die gemeinsame Wohnung räumen. „Ich bin immer in Kampf- und Abwehrstellung, weil ich mit 23 wegen der Nazis nicht mehr arbeiten durfte. So habe ich eine Abwehr in mir hochgezüchtet, damit mich niemand mehr verletzen kann“, sagte sie einmal über sich. Ihr Vater, der jüdische Kaufmann Julius Meysel, wurde enteignet und überlebte die Nazizeit im Versteck. Nach dem Krieg trennte Inge Meysel sich von Helmut Rudolph und heiratete den neun Jahre jüngeren Theateroffizier John Olden. Die Liebe ihres Lebens. Er wurde Regisseur und brachte sie zum Fernsehen. Die Aufzeichnung des Theaterstücks „Fenster zum Flur“, wo sie die Portiersfrau Anni Wiesner spielt, soll 1959 ihren Ruf als „Mutter der Nation“ begründet haben. Manche meinen aber, es waren „Die Unverbesserlichen“, eine Fernsehreihe über die kleinbürgerliche Berliner Familie Scholz, die von 1965 bis 1971 immer zum Muttertag ausgestrahlt wurde. So wie in der Rolle der Mutter Scholz spielte Inge Meysel oft resolute Frauengestalten mit rauer Schale. Sie wurde zur beliebtesten deutschen Volksschauspielerin. Neben vielen Theaterstücken und Fernsehserien spielte sie in Filmen mit, von „Nasser Asphalt“ 1958 und „Rosen für den Staatsanwalt“ 1959 bis zu „Die blauen und die grauen Tage“ 1999 und zuletzt 2001, da war sie 91 Jahre alt „Die Liebenden vom Alexanderplatz“. Noch in ihrem Todesjahr war sie im „Polizeiruf 110“ zu sehen, in der Folge „Mein letzter Wille“, da war sie schon dement. Der Film über Inge Meysel zeichnet das Porträt einer ungewöhnlichen Frau, die in ihrem Leben konsequent moralisch gehandelt hat. Diese Haltung wurde zum Schluss oft als Masche abgetan, doch das war sie nie, machen Interviews mit engen Vertrauten wie der Freundin Ingeborg Wölffler und „Tagesschau“-Sprecher Wilhelm Wieben deutlich. Auch Monika Peitsch, Meysels Filmtochter in „Die Unverbesserlichen“, kommt zu Wort und Angela Marquardt, heute SPD, früher PDS. Der unangepassten jungen Politikerin mit Punkfrisur finanzierte Inge Meysel ein Jahr lang das Studium.

Fr, 6. Apr · 23:35-00:20 · BR-alpha
Zwischen zwei Welten – Wo Deutsche und Israelis zusammenfinden

Beschreibung
Der ARD-Korrespondent Peter Dudzik porträtiert in seiner Reportage Juden, die aus Deutschland vertrieben worden sind, aber immer noch eine enge Verbindung zu ihrem Geburtsland halten. Ein Beispiel für diese „Wanderer zwischen den Welten“ ist Esther Golan, die seit Jahren von deutschen Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen in Jerusalem betreut wird.

Sa, 7. Apr · 16:30-17:00 · HR
Alles koscher in Berlin? – Die kleine Welt des Café Bleiberg

Im Café Bleiberg in Berlin treffen sich tagtäglich alle möglichen tragikomischen Gestalten: die mongolische Köchin Ugi, der fromme Boris, der gar kein Jude ist, Chaim, Manuelas Cousin mit dem preisgekrönten Kaiser-Wilhelm Bart, Georg, der jüdische Gigolo im weißen Anzug, und Jossif, der beste Klezmermusiker von Berlin. Manuela und Ugi halten das Café am Laufen, auch wenn Manuela immer mal wieder die Nerven durchgehen, sie über „irgendwelche negativen Strahlungen“ flucht und den Laden am liebsten dicht machen würde. Doch Ugi nimmt die Temperamentsausbrüche ihrer Chefin mit buddhistischer Gelassenheit. Der fromme Nichtjude Boris hat es geschafft. Er ist zum Judentum übergetreten; „alles andere als einfach“, wie er gern erzählt. Boris nennt sich jetzt „Baruch Zion“. Das ist Hebräisch und heißt so viel wie „Gesegnet seist Du, Jerusalem“. Sein Plan: nach Israel auszuwandern. Schon jetzt fährt er einmal im Jahr für ein paar Wochen als Freiwilliger im Sanitätskorps der israelischen Armee. Dort sortiert er in Uniform mit dreißig anderen, von denen die meisten amerikanische Rentner sind, abgelaufene Medikamente aus. Gigolo Georg ist, wie er behauptet, solide geworden. Georgs letzte Leidenschaft: „Freude bei anderen verbreiten“. Ohne dass es jemand weiß, kauft er Getränke für die Synagogengemeinde und stellt sie vor die Tür, denn „anonyme Wohltäter machen doppelte Punkte beim lieben Gott“. Wenn ihm die Philantropie zu langweilig wird, gibt er im weißen Anzug in Berliner Szenekneipen seine Bob-Dylan-Imitationen zum Besten. Klezmermusiker Jossif spielt nicht nur im Café, sondern überall mit seiner Combo – wenn es sein muss, sogar am Shabbat, dem heiligen Ruhetag, das auch noch in einer Kirche. Ist das koscher? „Wohl kaum“, meint Jossif, „aber ich freu mich, wenn Nicht-Juden hören die jüdische Musik.“ Und Manuelas Cousin Chaim? Der hat mit Frau und Sohn ein israelisch-orientalisches Cateringunternehmen aufgemacht – sehr zum Ärger von Manuela, die hier Konkurrenz wittert, obwohl Chaims Kundschaft nicht die von Manuela ist. Chaims Houmus und Falafel entsprechen nämlich nicht den strengen jüdischen Speiseregeln. In Berlin ist eben doch nicht alles koscher.

Sa, 7. Apr · 14:05-14:20 · arte
Mit offenen Karten: Umstrittene Straßenbahn in Jerusalem

Als Heilige Stadt für drei Weltreligionen, als umstrittene Hauptstadt Israels und eines möglichen zukünftigen Palästinenserstaates ist Jerusalem ein Symbol des Nahostkonflikts. Ende 2011 wurde die erste Straßenbahnlinie eingeweiht, die den Westteil der Stadt mit den israelischen Siedlungen im Ostteil verbindet. Seitdem haben sich die Spannungen erneut verschärft.

Sa, 7. Apr · 20:15-21:45 · BR
Pius XII. (1/2)

Rom, 1943: Papst Pius XII. hat sich im Kriegsgeschehen für unparteiisch erklärt und kämpft darum, die Stadt vor Hunger und Zerstörung zu bewahren. Als die deutschen Truppen einmarschieren, sind nicht nur die jüdischen Bewohner in Gefahr. Im jüdischen Ghetto der Ewigen Stadt lebt die 22-jährige Miriam mit ihrem kleinen Bruder Riccardo und ihrem Vater Armando, der in seiner Buchhandlung eine geheime Druckerei betreibt. Trotz der schweren Zeiten hat Miriam sich ihren Lebensmut bewahrt. Gleich zwei Männer buhlen um ihre Aufmerksamkeit: der Schwarzmarkthändler Davide und Marco, ein Student aus gutem Haus. Nach der Invasion der Amerikaner auf Sizilien im September wird Mussolini gestürzt und im Süden des Landes von der Nachfolgeregierung ein Waffenstillstand mit den Alliierten ausgehandelt. Als deutsche Truppen Rom besetzen, um den Vormarsch der Amerikaner zu stoppen, droht der jüdischen Bevölkerung die Deportation. Ernst von Weizsäcker, deutscher Botschafter im Vatikan, warnt die Generäle Stahel und Wolff, Papst Pius XII. nicht zu unterschätzen. Noch als Kardinal hatte er 1937 die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ verfasst, die ihren Weg in alle deutschen Gemeinden gefunden hatte. Während Pius XII. Stahel zu einer Audienz lädt, um seinen Gegner kennenzulernen, erhält Wolff den direkten Befehl Hitlers, den Papst zu entführen. Als Marco, der sich Partisanen angeschlossen hat, in ein Feuergefecht mit deutschen Soldaten gerät, rettet ihm Davide das Leben. Die beiden finden Unterschlupf in einem Kloster, das unter der Leitung des deutschen Paters Pfeiffer steht. Doch einer Freundschaft zwischen Marco und Davide steht Miriam im Wege, deren Herz sich schließlich für Davide entscheidet. Miriam und Davide überbringen jüdischen Bürgern gefälschte Pässe, als die deutschen Besatzer das jüdische Ghetto räumen. Während Davide sich in einem Kanalschacht versteckt, verdankt Miriam es dem beherzten Eingreifen eines italienischen Polizisten, dass die Deutschen sie nicht auch aufgreifen. Verzweifelt sucht Pius XII. nach einem Mittel, um die Razzia zu stoppen und die Deportation zu verhindern. Aber die über 1000 Juden werden noch in der Nacht deportiert. Unter ihnen ist auch Armando, der zuvor seinem kleinen Sohn Riccardo die Flucht ermöglicht hatte. Mit der Deportation der römischen Juden hat General Wolff indes seine Aufgabe noch nicht erfüllt. Nun gilt es, Pius XII. zu entführen.

So, 8. Apr · 17:30-18:00 · BR
Jaffa – die älteste Stadt am Mittelmeer

Jaffa ist die älteste Stadt am Mittelmeer. Die Legende sagt, Yephet, der Sohn Noahs habe sie gegründet – daher käme der Name. Der Film zeigt das alte und das neue Jaffa, die historischen Bauten, die Synagogen, Kirchen und Moscheen, aber auch das Leben von heute: wie Juden, Christen und Muslime zusammenleben, wie gefeiert und gegessen wird, wie Geschäfte gemacht werden oder wie man es sich einfach nur am Strand von Jaffa gemütlich macht. Hier bestieg schon der „unwillige“ Prophet Jona ein Schiff, um Gottes Anordnungen zu entkommen und landete doch nur im Bauch des Wals. Direkt vor Jaffa liegt der Andromeda-Felsen. Dort wurde Andromeda von dem Meeresgott Poseidon gefangen gehalten. Sie wartete darauf, geopfert zu werden, als ihr Geliebter Perseus mit den geflügelten Sandalen des Hermes herbeieilte und sie rettete. Der Hafen von Jaffa war jahrtausendelang das Tor zum Nahen Osten. Es wurde vom ägyptischen Pharao Ramses II. beherrscht, von Hasmonäern und Griechen, Kreuzfahrern und Sarazenen, Türken und Arabern und schließlich von Israelis. Auch Napoleon I. zog hier durch.

Mo, 9. Apr · 01:30-04:20 · Das Erste (ARD)
Ein Hauch von Sonnenschein

Das preisgekrönte Drama „Ein Hauch von Sonnenschein“ betrachtet die dramatischen politischen Entwicklungen im Europa des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive einer Familie ungarischer Juden: Über drei Generationen hinweg erzählt der Film die Geschichte der Sonnenscheins. Er beobachtet ihren gesellschaftlichen Aufstieg Ende des 19. Jahrhunderts, den wechselhaften Werdegang der beiden höchst gegensätzlichen Söhne in der zerfallenden k.u.k.-Monarchie, die Verfolgung durch die Faschisten, den Tod, die Trauer, die Selbstverleugnung während der Nazi-Zeit – und schließlich, zwei Generationen später, die Rückbesinnung auf die familiären Wurzeln. Der ungarische Regisseur István Szabó, berühmt geworden durch seinen Oscar-prämierten Film „Mephisto, inszenierte das packende Familienepos „Ein Hauch von Sonnenschein“ mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle. Ungarn, Ende des 19. Jahrhunderts: In Budapest arbeitet sich Emmanuel Sonnenschein (David de Keyser) aus bescheidenen Verhältnissen zu einem wohlhabenden Großbürger empor. Sein Sohn Ignatz (Ralph Fiennes) bereitet der Familie indes große Sorgen, denn ihn verbindet eine innige Liebesbeziehung mit seiner Cousine Valerie (Jennifer Ehle) – die er, als sie von ihm schwanger wird, schließlich heiratet. Während Valerie mit István (Mark Strong) und Adam (als Erwachsener ebenfalls gespielt von Ralph Fiennes) zwei Söhne zur Welt bringt, macht der überzeugte Monarchist Ignatz als Jurist eine glänzende Karriere im Staatsdienst. Ganz anders sein Bruder, der idealistische Mediziner Gustave (James Frain): Dieser schließt sich in der zerfallenden k.u.k.-Monarchie angesichts der Leiden des einfachen Volkes den Sozialisten an. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 entzweit die Brüder. Die rote Nachkriegsregierung favorisiert Gustave (nun John Neville), doch als sie abgelöst wird, ist Ignatz wieder obenauf. Sein Sohn Adam wird derweil zu einem gefeierten Sportfechter – aber als er aus Karrieregründen einem Offiziersclub beitreten will, nötigt man den völlig unpolitischen Sportler, vom Judentum zum Katholizismus zu konvertieren. In einer christlichen Abendschule lernt er Hannah (Molly Parker) kennen, die er wenig später heiratet. Als schließlich die Faschisten die Macht in Ungarn übernehmen, verkennt Adam die Gefahr: Nur wenige Mitglieder der Familie Sonnenschein überleben die mörderischen Auswüchse des europäischen Antisemitismus. Unter ihnen ist Adams Sohn Ivan (wiederum Ralph Fiennes), der nach dem Krieg für den kommunistischen Geheimdienst arbeitet, um Nazi-Verbrecher zur Strecke zu bringen. Er erlebt den Fall der kommunistischen Regierung, deren Handlanger zum Teil ebenfalls von antisemitischem Gedankengut beseelt sind, und besinnt sich schließlich auf die lange verleugneten Wurzeln seiner jüdischen Herkunft. Mit langem Atem, aber nie langatmig, erzählt Regisseur István Szabó („Mephisto“) in „Ein Hauch von Sonnenschein“ eine Familiengeschichte, die zugleich die wechselhafte Geschichte Europas im 20. Jahrhundert widerspiegelt. Getragen von einem exzellenten Drehbuch sowie der herausragenden Darstellerleistung von Ralph Fiennes („Der englische Patient“), der in drei verschiedenen Rollen zu sehen ist, gelingt Szabó eine faszinierende Reflexion über den schmalen Grat, der Anpassung von Selbstverleugnung trennt. Bei der Verleihung der Europäischen Filmpreise 1999 wurde „Ein Hauch von Sonnenschein“ in den Kategorien Bester Darsteller (Ralph Fiennes), Bestes Drehbuch (István Szabó, Israel Horovitz) und Beste Kamera (Lajos Koltai) ausgezeichnet.

Mi, 11. Apr · 22:25-23:55 · 3sat
„Neger, Neger, Schornsteinfeger“ (2/2)

Hamburg, 1936: Hans-Jürgen ist ein sehr guter Schüler. Doch er wird von Schulrektor Wriede, einem überzeugten Nazi, schikaniert. Als ihrem Sohn der Zugang zum Gymnasium verwehrt wird, kann Bertha nichts ausrichten. Auch die Liebesbeziehung zwischen Bertha und Franz wird zunehmend belastet, weil sich Franz nicht zu dem farbigen Kind bekennen will. Bertha trennt sich von ihm. Aus gekränkter Eitelkeit sorgt Franz für ihre Entlassung. Bertha verrichtet nun kleinere Arbeiten zu Hause und putzt bei einem jüdischen Arzt. Auf der Suche nach männlichen Vorbildern stößt Hans-Jürgen auf den schwarzen Boxer Joe Louis. Im Boxen findet Hans-Jürgen Zuflucht und Bestätigung. Ein Traum wird wahr, als der erste Meisterschaftskampf bevorsteht. Aber auch im Boxsport muss der Heranwachsende die Ungerechtigkeiten des Nazi-Regimes erfahren, denn der Sieg hängt nicht von den sportlichen Leistungen, sondern allein von der Hautfarbe ab. Der Luftkrieg hat Hamburg erreicht, und die bangen Stunden im Bombenkeller gehören für Hans-Jürgen und seine Mutter zum Alltag. Dort küsst Hans-Jürgen zum ersten Mal seine erste große Liebe, das blonde Evchen, mit der er sich aber öffentlich nur sehen lassen kann, wenn ein Freund dabei ist. Seine Mutter warnt ihn vor der Gefahr, als „Rassenschänder“ entdeckt zu werden. Schließlich zerbricht die Liebe unter dem Druck des Nazi-Regimes. Je länger die Naziherrschaft dauert, desto bedrohlicher wird die Situation für Hans-Jürgen. Wegen seiner Hautfarbe gerät er ins Visier der Gestapo und wird verhaftet. Nur mithilfe des zufällig anwesenden Polizisten Reesen kann er dem Tod entkommen. Doch der Krieg und damit die tödliche Bedrohung für Hans-Jürgen ist noch längst nicht vorbei. Zweite Folge des zweiteiligen autobiografischen Fernsehfilms über die Kindheit von Hans-Jürgen Massaquoi, der im Film von Thando Walbaum dargestellt wird. Veronica Ferres spielt seine Mutter.

Mi, 11. Apr · 23:35-01:05 · MDR
Die Zeit der Stille

Der Film erzählt die Geschichte eines Überlebenden des KZ Buchenwald, der als Spanienkämpfer von den Nazis inhaftiert wurde. Die Handlung setzt wenige Tage nach der Befreiung im April 1945 in Weimar ein und endet fünfzig Jahre später, als der überlebende Häftling, jetzt ein erfolgreicher Schriftsteller, das KZ Buchenwald zum ersten Mal nach seiner Befreiung wieder besucht. Manuel, den die Frage seit seiner Befreiung gequält hat, warum ausgerechnet er überleben durfte, erfährt, welchem Zufall er sein Überleben verdankt. In den dazwischen liegenden fünf Jahrzehnten versucht Manuel, in der normalen Welt wieder Fuß zu fassen. Auf seiner Suche nach dem Weiterleben nach dem Vernichtungslager, in einer Welt, die im Nachkriegseuropa an die Schrecken der Todeslager nicht mehr erinnert werden will, sucht er Halt in der Liebe, doch zu einer tiefen Beziehung ist der dem Tode Entkommene noch nicht in der Lage. Zwischen Vergessen und Erinnern steht sein Drang schreiben zu wollen. Ein Drang aber, der die Erinnerung an die Vergangenheit immer wieder heraufbeschwört und ihm den Tod gefährliche nahebringt. Manuel entscheidet sich für das Leben und versucht, die Vergangenheit in die Tiefen seines Unterbewusstseins zu verbannen. Doch um weiterleben zu können, muss er sich erinnern, muss mit den Bildern seiner Vergangenheit leben. Er muss davon berichten, muss darüber schreiben.

Sa, 14. Apr · 20:15-22:20 · BR
Die letzte Metro

Paris, im Herbst 1942: Seit zwei Jahren halten die Deutschen den Norden Frankreichs besetzt. Ab elf Uhr abends herrscht strikte Ausgangssperre – auch in der Hauptstadt, die einst berühmt für ihr Nachtleben war. Da die Pariser in ihren Wohnungen frieren, stürmen sie die Theater und Kinos, ständig in Gefahr, die letzte Metro um elf Uhr zu verpassen. In einem kleinen Theater auf dem Montmartre beginnen in dieser unsicheren Zeit die Proben zu dem neuen Stück „Die Verschollene“. Seit Lucas Steiner, der jüdische Leiter des Theaters, spurlos verschwunden ist, hat seine Frau, die gefeierte Schauspielerin Marion, die Geschäfte übernommen. Dass Lucas in Wirklichkeit von seinem Versteck in den Kellergewölben des Theater aus die Regie führt und die Geschicke seines Hauses leitet, ahnt niemand. Als sich Marion, die Lucas‘ einzige Verbindung zur Außenwelt ist, in ihren neuen Hauptdarsteller Bernard verliebt, gerät sie in einen Gewissenskonflikt.

So, 15. Apr · 13:55-15:45 · arte
Biblische Detektivgeschichten

Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen erläutern ihre Forschungsergebnisse und erlauben faszinierende Einblicke in die Glaubenswelt der ersten Israeliten sowie in die Entstehungsgeschichte der Bibel und der ersten monotheistischen Religion. Durch die einzigartige Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus verschiedenen Forschungsbereichen beleuchtet der Dokumentarfilm zentrale Fragen der Biblischen Archäologie. Dabei werden erstmals die Ergebnisse von über hundert Jahren Textanalyse den Befunden von jahrzehntelangen Ausgrabungen im Heiligen Land gegenübergestellt. Dies soll helfen zu klären, ob das Judentum – die erste monotheistische Religion – bereits zu Abrahams Zeiten als zusammenhängende Einheit erkennbar war. Sowohl archäologische Funde als auch biblische Belege beweisen eindeutig, dass die meisten Israeliten lange Zeit auch heidnische Götter anbeteten. Darüber hinaus glaubten viele von ihnen, Gott habe eine Frau, die ebenfalls verehrt wurde. Erst nach der Zerstörung Jerusalems entwickelten die Juden im babylonischen Exil die Vorstellung von einem einzigen universellen Gott. Und auch die fünf ersten Bücher der Bibel wurden erst während der Babylonischen Gefangenschaft, also zwischen 597 und 538 vor Christus geschrieben. Die tragische Erfahrung des Verlusts Jerusalems und die des Exils bildeten den fruchtbaren Boden, auf dem sich die beiden jahrtausendealten Grundlagen des Judentums entwickeln konnten, der Monotheismus und die Bibel. Aus diesen Elementen gingen später nicht nur Christentum und Islam, sondern die gesamte moderne Kultur hervor.