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Israels Polizei soll Mufti verhören

Israels Generalstaatsanwalt Jehuda Weinstein hat am Dienstag Abend eine strafrechtliche Ermittlung der Polizei gegen das geistliche Oberhaupt der Palästinenser, dem Jerusalemer Mufti Mohammed Hussein, angeordnet. Dieser hatte am 9. Januar in Ramallah vor laufender Kamera des offiziellen palästinensischen Fernsehens in einer Rede zum 47. Jahrestag der Gründung der Fatah-Partei zum Mord an Juden aufgerufen…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 25. Januar 2012

Der Mufti steht nun im Verdacht, „Hetze und einen Aufruf zu Gewalt und Mord“ getan zu haben.

Hussein hatte aus der Hadith, mündlichen Überlieferungen von Sprüchen des Propheten Mohammed, zitiert: „Die Stunde (der Auferstehung) wird nicht kommen, bis ihr die Juden bekämpft. Die Juden werden sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Dann werden die Steine und Bäume rufen: ‚Oh Moslem, Diener Allahs, da ist ein Jude hinter mir, komm und töte ihn'“.

Der Filmausschnitt aus dem palästinensischen Fernsehen wurde von Memri und PMW (Palestinian Media Watch) mitgeschnitten, mit Übersetzungen ins Englische versehen und im Internet verbreitet. Beide Organisationen beobachten und dokumentieren arabische und palästinensische Medien.

Die Aufnahmen der Rede des Jerusalemer Muftis erhielten besondere Beachtung, weil die Internetplattform YouTube, wegen dieses Films Memri und PMW sperrte. YouTube erklärte, dass der Film „unpassend“ sei. Unterstützer von PMW legten Protest gegen diese Form von „Zensur“ ein. PMW und Memri wurden inzwischen von YouTube wieder freigeschaltet.

Die in Israel als „ungeheuerlich“ eingestuften Sprüche des Mufti wurden auf höchster Ebene scharf kritisiert, darunter von Staatspräsident Schimon Peres. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte bei der Kabinettssitzung am vergangenen Sonntag: „Wenn das kein Antisemitismus ist, frage ich mich, was Antisemitismus ist.“ Der Premierminister bezeichnete die Rede als abscheuliche Beleidigung, die alle Nationen der Welt verurteilen müssten. Er kritisierte, dass die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) die Ansprache nicht verurteilt habe und nichts gegen Hetze unternehme.

Netanjahu forderte die Einleitung rechtlicher Schritte gegen den Mufti.

Der Mufti bestätigte, die Sprüche von sich gegeben zu haben, behauptete aber, dass sie aus dem Zusammenhang gerissen worden seien. „Ich habe über die letzten Zeichen des Tages der Wiederauferstehung gesprochen“, so der Mufti gegenüber der Zeitung Haaretz. „Ich habe nicht aufgehetzt und habe nicht zu Mord aufgerufen. Wir befinden uns derzeit nicht am Ende der Tage.“

Der Moderator der Veranstaltung hatte die Rede des Muftis mit den Worten angekündigt: „Unser Krieg gegen die Nachfahren der Affen und Schweine ist ein Krieg der Religion und des Glaubens.“ Damit, so die israelischen Kritiker, sei klar, dass der Mufti die Zitate aus den Heiligen Schriften des Islam durchaus auf die heutige Zeit bezogen habe. Als „Nachfahren der Affen und Schweine“ gelten Juden und heute Israelis.

Die Rede des Mufti kam sogar im Sicherheitsrat der UNO zur Sprache. Der israelische Botschafter Ron Prosor bezeichnete palästinensischen Hass und Hetze wie des Mufti als wahres Hindernis für einen Frieden in Nahost, neben der palästinensischen Forderung nach einem Rückkehrrecht für alle palästinensischen Flüchtlinge. Das Ziel dieser Forderung sei eine Abschaffung des jüdischen Staates, so Prosor.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com