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3. Jüdische Filmtage in München

Vom 12. bis 24. Januar 2012…

Liebe Filmfreunde,

München gilt als wichtige Filmstadt. Auch das Areal rund um den Jakobsplatz ist eng mit der Filmgeschichte verbunden, nicht nur durch das Filmmuseum der Stadt München. 1955 drehte Orson Welles etliche Szenen zu „Mr. Arkadin“ hier im Anger-Viertel. Und im November 2011 spielte dieser Ort eine wichtige Rolle in einem Münchner Tatort-Krimi. Kein Wunder also, dass die Jüdischen Filmtage mittlerweile ein fester Bestandteil im Programm des Jüdischen Gemeindezentrums am Jakobsplatz geworden sind. Im Januar 2012 ist es wieder so weit.

„Kino ist ein Vorwand, sein eigenes Leben ein paar Stunden lang zu verlassen“, so Steven Spielberg. In diesem Sinne wollen wir Sie in diesem Jahr in längst vergangene Epochen ebenso wie in die jüngste Gegenwart entführen – vom osteuropäischen Schtetl nach New York und nach Eretz Israel, sowie von Metropolen wie Moskau und Beirut nach Paris und Berlin. Aber nicht nur visuell nehmen wir Sie mit auf Reisen, sondern auch auditiv – mit den verschiedenen Sprachen wie Iwrit, Deutsch, Englisch, Französisch, Jiddisch und Russisch.

Zum Programm gehören dokumentarische Porträts über Scholem Alejchem und Amos Oz, sowie drei Spielfilme, einmal über die Pionierzeit in Eretz Israel („Gei Oni“), zum anderen die spannungsreiche Begegnung zweier Emigranten, eines russisch-jüdischen Veteranen und eines palästinensischen Jugendlichen in Berlin („Kaddisch für einen Freund“). Hinzu kommt ein Musikfilm voller subtiler Heiterkeit („Das Konzert“) – und ein humoristisches Solo von Yaakov Bodo, einem der bekanntesten jiddisch-sprachigen Schauspieler und Comedians.

Ich danke der Leiterin des Kulturzentrums, Ellen Presser, und Ihrem Team, sowie all jenen, die die Jüdischen Filmtage ideell wie finanziell unterstützen. In Vorfreude auf den Ehrengast Yaakov Bodo aus Israel, gespannt auf die Gespräche mit dem ARD-Korrespondenten Richard Chaim Schneider und dem Filmemacher Leo Khasin und mit Ihnen, liebes Publikum, heiße ich alle Besucher der Filmtage herzlich willkommen und wünsche anregende, unterhaltsame und berührende Eindrücke.

Ihre Charlotte Knobloch  
Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

 

Donnerstag, 12.01.2012,  19.30 Uhr

SHOLEM ALEICHEM: LAUGHING IN THE DARKNESS
Dokumentarfilm über Scholem Alejchem
Drehbuch / Regie: Joseph Dorfman
USA 2011, 93 min., OF (Englisch/Jiddisch)

Der preisgekrönte Filmemacher JOSEPH DORFMAN arbeitete u. a. für PBS, CBS, Discovery Channel and CNN. Seine Spezialität sind Porträts z. B. über Daniel Bell, Nathan Glazer, Irving Howe und John Kerry.

Scholem Alejchem (Perejaslaw, 2.3.1859-New York, 13.5.1916), eigentlich Schalom Rabinowitsch, gilt als einer der Begründer der jiddischsprachigen Literatur.  Der Sohn eines Gutspächters begann 1877 nach dem Gymnasialabschluss mit dem Schreiben. Den Stoff lieferte seine Umwelt: vom Leben jüdischer Taglöhner bis zur aufsteigenden Mittelschicht, von Luftmenschen und Rabbinern bis zu pogromgezeichneten Emigranten. Josef Dorfman beschreibt das Leben des wohl berühmtesten jüdischen Volksschriftstellers und seiner Wanderschaft durch die Welt, die ihn von Kiew auf Zick-Zack-Wegen schließlich nach New York führte. Dort traf der Regisseur auch noch auf die 100-jährige Enkelin Bel Kaufman. Bild- und Tonaufnahmen ergänzen das eindrucksvolle Porträt des Schöpfers von weltbekannt gewordenen Figuren wie Tewje, der Milchiker,  Menachem Mendel, „a Jid fun a ganz Johr“, und Motl Peyse, der Chasn.   

Grußwort: Nicola Galliner, Leiterin des Jüdischen Filmfestival Berlin & Potsdam
In Kooperation mit dem Jüdischen Film Festival Berlin & Potsdam
Foto: © JFFB&P


Sonntag, 15.01.2012,  18:00 Uhr

GALA-Abend
FILMVORFÜHRUNG
und
komödiantisches Solo  mit Yaakov Bodo
GEI ONI (“Valley of Fortitude”)

Spielfilm
Drehbuch/ Regie: Dan Wolman
Israel 2010, 105 min., OmeU (inklusive Russ., Jidd. & Iwrit)
Darsteller: Tamar Alkan (Fanya), Zion Ashkenazi (Yechiel), Yaakov Bodo (Shura) u.a.

DAN WOLMAN, am 28.10.1941 in Jerusalem geboren, studierte in New York. „Gei Oni ist als erster israelischer Film auf dem wichtigsten chinesischen Filmfestival gelaufen, ferner in Brasilien, England, Frankreich, Indien, Kambodscha, Rumänien und den USA, mit Auszeichnungen auf den Jüdischen Filmfestivals in Berlin und Straßburg.

Die 17-jährige Fanya landet mit ihrem Töchterchen, begleitet von Onkel und Bruder Ende des 19. Jahrhunderts im Hafen von Jaffa. Die durch Pogromerfahrung in Rußland offensichtlich schwer traumatisierte Kleinfamilie gehört zur ersten Einwandererwelle nach Eretz Israel. Fanya heiratet den Witwer Yechiel. Der Film handelt von der Begegnung vereinsamter Menschen auf der Suche nach einem kleinen persönlichen Glück, von der Urbarmachung des Landes und den Konflikten mit den arabischen Nachbarn und türkischen Machthabern. „Gei Oni basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Shulamit Lapid.

Grußwort: Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG München und Oberbayern
In Kooperation mit dem Jüdischen Filmfestival Berlin & Potsdam


Das Paar Yechiel und Fanya, aus GEI ONI © JFFB&P


Sonntag, 15.01.2012 – Nach der Filmvorführung


Special mit dem bekannten Schauspieler und Komiker Yaakov BodoJiddisch is Jiddisch!.

Jüdischer Humor trifft auf jiddische Evergreens. Am Klavier: Luisa Pertsovska

Yaakov (Yankale) Bodo (* 28. März 1931 in Rumänien), sprach bis zum 7. Lebensjahr nur Jiddisch. 1950 wanderte er nach Israel ein. Während seiner Militärzeit entwickelte er die Figur des “Moishe Ventilator”. Ein jüdischer Comedian war geboren.

Bodo spielte an allen bedeutenden israelischen Theatern von der Habima in Tel Aviv bis zum Haifa Theater. Seit 1992 gehört er zu den Säulen des Yiddishpiel Theaters in Tel Aviv. Tourneen führten ihn immer wieder nach Westeuropa zu Freunden der jiddischen Sprache und des jüdischen Humors.

Internationale Bekanntheit erlangte Yaakov Bodo  u. a. durch seine Mitwirkung in Filmen von Ephraim Kishon, „Sallah – oder tausche Tochter gegen Wohnung“ (1964 Oscar-Nominierung für „Sallah Shabati“ als bester ausländischer Spielfilm), “Ervinka” (1967) und “Der Fuchs im Hühnerstall” (1978),  “Auf Wiedersehen Amerika” von Jan Schütte (1994) sowie zuletzt in Dan Wolmans israelischem Meisterwerk „Gei Oini“ (2010).

Yaakov Bodo erhielt 2000 den Preis der Lerner Yiddish Foundation und 2009 den Israelischen Theater-Preis für sein Lebenswerk.

 

ANATEVKA – wir sind angekommen
Musical nach der Erzählung  „Tewje der Milchmann“
von Scholem Alejchem

Neu inszeniert von Celino Bleiweiss
Leitung: Eva Fabian / Produktion Paula Z. Targownik

Der Musical-Welterfolg der 60er Jahre nach Jahrzehnten wieder in München. Die lustig-traurige Geschichte in witzigen Texten und mitreißenden Melodien.

Schirmherrschaft:
Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG München und Oberbayern
Christian Ude, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München

Aufführungen am Do., 19. 01. 20 Uhr /Sa. 21.01. 20 Uhr / So. 22.01. 11 Uhr und 20 Uhr

Karten à 12,- € / 19,- € / 29,- € / 50,- € sowie  ermäßigt für Schüler, Studenten, Auszubildende und  Schwerbehinderte à 9,50 € / 15,- € / 23,- € / 40,- €

Telefonische Reservierung unter (089) 930 12 12

www.anatevka-fuer-alle.de

Veranstaltungsort: Die Kulturhalle – Das Kesselhaus, Lilienthalallee 29

Montag, 16.01.2012, 19:30 Uhr

AMOS OZ: THE NATURE OF DREAM
Dokumentarfilm
Regie: Masha & Yonathan Zur
Israel/Deutschland 2009, Director‘s Cut 86 min., OmdU

MASHA ZUR schreibt für die israelische Tageszeitung „Haaretz“. Der Filmemacher YONATHAN ZUR unterrichtete an der School for Visual Theatre in Jerusalem. Gemeinsam schufen sie die Dokumentarfilme „Magia Russica“ (2004) und „Amos Oz – The Nature of Dreams“ (2009). Gezeigt wird ein in zweijähriger Arbeit entstandenes Filmporträt über den berühmten israelischen Schriftsteller Amos Oz, das auch die Reflexion seiner Autobiographie „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ wiedergibt.  

Der ARD-Israel-Korrespondent, Richard Chaim Schneider, wird nach der Vorführung über die aktuelle Situation im Nahen Osten sprechen. Der Publizist und Journalist (Bayerischer Fernsehpreis, CIVIS Medienpreis) ist seit 2006 Leiter des ARD-Fernsehstudios in Tel Aviv.

In Kooperation mit dem Jüdischen Film Festival Berlin & Potsdam


© JFFB&P

 

Montag, 23.01.2012, 19:30 Uhr

KADDISCH FÜR EINEN FREUND, Spielfilm,  Deutschland 2011, 93 min.
Drehbuch/ Regie: Leo Khasin
dt. Original (russ., jidd., arab. Passagen mit dtU)
Darsteller:  Ryszard Ronczewski (Alexander Zamskoy), Neil Belakhdar (Ali), Neil Malik Abdullah (Walid), Sanam Afrashteh (Mouna), Stefan Merki (Staatsanwalt), Robert Spitz (Rabbiner), Viktoria Slavina (Tanzlehrerin), u.a.

LEO KHASIN, 1973 in Moskau geboren, lebt seit 1981 in Deutschland. Dem Film gehört sein Herz, seit ihn Ephraim Sevela für sein Werk „Das Wiegenlied“ besetzte. Nach einem Studium der Zahnmedizin besuchte er die Kaskeline Filmakademie in Berlin. Für seinen Abschlussfilm „Liebe Mutter“ erhielt er den Publikumspreis des Filmfest Wismar, sowie für „Durst“ 2003 eine Nominierung zum Deutschen Kurzfilmpreis. „Kaddisch für einen Freund“ ist sein 2011 bereits mehrfach preisgekröntes Langfilm-Debüt.

 Der 14-jährige palästinensische Flüchtling Ali Messalam trifft nach seiner Flucht aus dem Libanon in der Berliner Wohnanlage,  in der er mit seiner Familie unterkommt, auf einen 84 Jahre alten russisch-jüdischen Emigranten und Kriegsveteran. Es entspinnt sich eine tragikomische Geschichte rund um Verrat, Vertrauen und die Kunst der Versöhnung.

Der Filmemacher Leo Khasin ist bei der Vorführung anwesend.

Eintritt frei.

In Kooperation mit SiMa Film, München, und farbfilm-Verleih, Berlin


© SIMA-Film, München

 
Dienstag, 24.01.2012, 19.30 Uhr

DAS KONZERT
Spielfilm, Regie: Radu Mihaileanu
Drehbuch: Radu Mihaileanu mit Alain Michel Blanc & Matthew Robbins,
Frankreich 2009, 122 min., OmdU (inkl. Russ. & Frz.)
Darsteller:  Alexeï Guskow (Andreï Filipov), Dmitri Nazarov (Sacha Grossman), Mélanie Laurent (Anne-Marie Jacquet), Valeri Barinov (Ivan Gavrilov) u.a.

RADU MIHAILEANU, 1958 als Kind von Schoah-Überlebenden in Bukarest geboren, lebt heute in Frankreich. 1998 gelang ihm mit „Zug des Lebens“ –  der Geschichte eines jüdischen Dorfes während der Schoah –  der internationale Durchbruch. Es folgte 2005 „Geh und lebe“ – die Rettung eines äthiopischen Jungen 1984 während der „Operation Moses“ und seine Akkulturation in Israel.  Mihaileanu ist ein Meister der Tragikomödie.

Andreï Filipov, ehemals Dirigent des berühmten Bolschoi-Orchesters, darf nur mehr als Putzmann an seiner einstigen Wirkungsstätte arbeiten, weil er sich weigerte jüdische Musiker zu entlassen. Eines Tages fällt ihm ein Fax mit der Einladung zu einem Konzert in Paris in die Hände. Es bringt ihn auf die verwegene Idee, anstelle des jetzigen Ensembles nach Paris zu reisen. Es beginnt seine turbulente Suche nach den Ex-Kollegen, die ihr Dasein inzwischen als Möbelpacker, Taxifahrer, Straßenmusikanten und Flohmarkthändler fristen. Die chaotischen Konzertproben, ein unmusikalischer Mäzen, ein gefährlicher Altkommunist und die junge Geigenvirtuosin Anne-Marie, die ein Geheimnis umgibt, gehören zu den weiteren Zutaten dieses preisgekrönten Komödien-Hits aus Frankreich.

Eintritt frei.

Mit freundlicher Unterstützung des Concorde Filmverleihs


© concorde-film-medianetworx.de

 

Termine im Internet unter www.ikg-m.de

Karten unter Telefon (089) 2024 00 –491,  per E-Mail: karten@ikg-m.de, im Büro des IKG-Kulturzentrums und an der Abendkasse (solange der Vorrat reicht).

Eintritt (soweit nicht anders vermerkt):  Einzelticket 5,- Euro, ermäßigt 3,- Euro.  Einzelticket für den Gala-Abend am 15.01.: 9,- Euro, ermäßigt 5,- Euro. Für Münchenpass-Inhaber: Einzelticket 3,- €. Beim Besuch jedes weiteren Films unter Vorlage des vorherigen Tickets Ermäßigung auf 2,- €.

Organisation

Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München

Veranstalter

Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

Veranstaltungsort

Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18